Dass die Hamburger Tatort-Fälle mit Cenk Batu abgesetzt werden, ist an sich schon eine Schande. Dass ihm nicht einmal ein würdiger Abschied gegönnt war, umso gemeiner. Nicht nur, dass sich Mehmet Kurtulus durch eine überfrachtete Story wühlen musste, die kaum ein Klischee ausließ: die schwangere Freundin, die ihm natürlich nichts verrät, bis es zu spät ist; eine Horde wild gewordener Trader, die sich permanent selbst abfeiert - man mag von diesem Beruf halten was man will, aber so albern mag ich mir diese Banker einfach nicht vorstellen. Daneben Corinna Harfouch als eiskalter Engel mit Cyborg-Tunnelblick und Kai Wiesinger als schwacher Kanzler in Lebensgefahr. Da blieb für Batu selbst wenig Raum - als tragischer Held endet er schließlich angeschossen im OP. Und jetzt kommt's: Man bangt um Batus Leben, da dreht sich der Dienst habende Arzt um und murmelt unter seinem Mundschutz: "Machste zwei 1:30, das macht Lutz immer." Es dauert einen Moment, bis man die Stimme von Jörg Schönenborn erkennt, und dann murmelt eine Frauenstimme noch etwas von "kleinen Härchen". Da haben die einfach in die Sterbeszene reingequatscht! Liebe ARD, so geht das nicht: Der Mann ist noch nicht kalt, da wird schon fröhlich weitergeschnattert. Ein bisschen Respekt, bitte, und Finger weg von den Reglern! Bei Batus Nachfolger Herrn S. könnt ihr euch das nicht erlauben.
fernsehfreundin
Ich kann nicht anders - ohne Fernsehen geht es nicht. Ich schau mal rein. TV-Blog.
Montag, 7. Mai 2012
Montag, 23. April 2012
Tatort Frankfurt: Böses Spiel mit sehr viel Folie
Hasst jemand Frischhaltefolie genau so sehr wie ich? Die Abreißkante treibt mich in den Wahnsinn. Ich kriege es einfach nicht hin, die Folie gerade abzutrennen. Sie schnellt zurück, kaum dass man sie abgerissen hat, und dann muss man beim nächsten Mal wieder mühsam den schiefen Anfang von der Rolle knibbeln. Wieso hat dagegen eigentlich noch niemand was erfunden? Der Täter im gestrigen Frankfurt-Tatort "Es ist böse" kannte dieses Problem offenbar nicht: In höchstens einer Minute hatte er sich im Badezimmer komplett mit der Folie eingewickelt, um sich dann auf seine Opfer zu stürzen. Ein blutiger und sehr morbider Fall nach einer wahren Begebenheit, der die arme Conny Mey an ihre Grenzen trieb. Aber in wahren Fällen liegt eben auch die Tücke: dem echten Stoff treu zu bleiben und ihn trotzdem dramaturgisch spannend zu erzählen. Da hakte es hier und da. War die Grundgeschichte zu dünn für 90 Minuten? Es schien, als müsse sie mit diversen Nebensträngen künstlich aufgeblasen werden: ein wild gewordener Journalist recherchierte in eigener Sache, Conny Mey hatte einen Tinnitus und wechselte in den KDD, wo sie angesichts einer krankenhausreif geprügelten Ehefrau völlig die Kontrolle verlor. Flashbacks und verzerrte Traumbilder der Kommissarin machen das Ganze noch unüberschaubarer und zäher. Am Ende wird als Mörder derjenige enthüllt, den man die ganze Zeit schon in Verdacht hatte. Nur - warum wurde dieser nicht gleich observiert, so wie man es mit Markus Förster (Uwe Bohm) getan hatte? Im Gedächtnis bleibt das eindrucksvolle Gesicht von Marc Bischoff, der der Figur des Prostituiertenmörders Holger Ritter beängstigend nahe kam.
Freitag, 20. April 2012
Idiotentest: Mit Gasfuß zum Quotenerfolg
Achtung, Outing. Ich habe gestern "Idiotentest" im ZDF gesehen, und ja: Ich habe mich bestens unterhalten! "Was lachst du denn da so", rief der Mann ständig aus dem Nebenzimmer. So kann es eben gehen, wenn die Lust auf was Seichtes mal einen Abend die Oberhand gewinnt. Diese (Tragi?-)Komödie rund um drei Frauen, die ihren Führerschein verloren haben und jetzt zum Test antreten müssen, war kein großes Kino. Aber sie war mit Liebe gemacht - und ausgezeichnet gecastet. Man mag Mariele Millowitsch mögen oder nicht, sie hat ein Talent peinliche Situationen so zu spielen, dass man sich selbst darin sieht. Auch Kai Lentrodt ist so ein Kandidat, man kennt das schon aus Ladykracher. Diesmal hatte man ihn als Macho-Fahrlehrer Marius eigentlich gegen den Typ besetzt - aber die Rechnung ging auf. Und ja, am Ende fügte sich vielleicht alles ein bisschen zu gut in Richtung Hoffnung. Aber der Weg dahin war liebevoll gebaut, voller netter Figuren mit großen Macken und auch traurig-nachdenklicher Momente. Allein der Loverboy Eric aus dem Fahrkurs war ein ziemliches Weichei, da hätte man noch mehr rausholen können. Aber ansonsten hat "Idiotentest" alles richtig gemacht - und wurde zu Recht mit 5,54 Millionen Zuschauern belohnt.
Donnerstag, 12. April 2012
Lösegeld: Mit Dackelblick und Handschellen
Dass ich Misel Maticevic gern öfter sähe, ist ja nichts Neues. Aber, aber, aber: Die Rolle muss schon passen. In "Lösegeld" erlebte man ihn gestern als liebeskranken Cop, der vor lauter Leidenschaft seine eigentliche Aufgabe vergisst und eine Diamantenräuberin davonkommen lässt. Was ja eigentlich eine schöne Geschichte wäre. Nur knisterte es zwischen dem desillusionierten Lederjackenträger Diethard Lysewski und Ulrike Tscharre, der Chefin einer Begleitagentur, ungefähr so stark wie zwischen Schafwolle und Löschpapier. Nämlich gar nicht. Lag es am skeptischen Blick der Betrügerin? Oder an Lysewskis treu-doofer Dackelmasche? Nach spätestens einer Stunde war die Luft raus, und man hoffte, er folge ihr nicht wirklich nach Costa Rica, wo sie jeden Dienstag um halb sechs auf ihn warten wolle. Soviel plattes Planting und Pay Off wäre dann doch zuviel gewesen. Kleiner Lichtblick im wahrsten Wortsinn: Simon Licht, den man schon in Stormberg und als Richie Raff im legendären "Beutolomäus und die vergessene Weihnacht" hassen lernen durfte. Der Chefzyniker ist seine Paraderolle, aber hier spielte er als schroffer Bulle glatt das Pärchen an die Wand. Denn hinter der Testosteron-Fassade war auch noch ein bisschen Platz für eine weiche Seite. Und wer sich immer schon mal gefragt hat, was man eigentlich macht, wenn man mit Handschellen ans Bett gefesselt ist und dann pinkeln muss, weiß jetzt Bescheid.
Montag, 26. März 2012
Tatort Wien: Tiefgekühlt und warm gespielt
Ja, so kann es was werden mit den Wienern. Seit Adele Neuhauser als Bibi Fellner mit dabei ist,
war der Bernhardiner-Blick von Moritz Eisner fast schon erträglich geworden. Jetzt hat man ihnen mit "Falsch verpackt" auch noch einen morbiden Fall gegönnt, der wirklich gut zum Wiener Lebensgefühl passt. Die Zutaten:Verschiedene Leichteile (weiträumig über Hinterhöfe verteilt), ein Kopf im heimischen Kühlschrank, eine angebrochene Nase, ein Hühnerfleisch-Millionär (gefroren in der eigenen Kühlkammer) und viel schlechte Laune - wahlweise entstanden durch Diät (Eisner) oder Alkohl und die falschen Freunde (Fellner). Das rabenschwarze Pendant zu den beiden Münsteranern, sozusagen. Machte Spaß, auch der elektronische Soundtrack von Gerhard Schuller passte wunderbar. Nicht zu vergessen natürlich Martin Brambach, der ja eigentlich immer ein Gewinn ist - hier als Geflügelpapst, herrlich fies. Es bleibt dabei, diesmal nichts zu nörgeln: Geh bitte, macht's einfach weiter so!
war der Bernhardiner-Blick von Moritz Eisner fast schon erträglich geworden. Jetzt hat man ihnen mit "Falsch verpackt" auch noch einen morbiden Fall gegönnt, der wirklich gut zum Wiener Lebensgefühl passt. Die Zutaten:Verschiedene Leichteile (weiträumig über Hinterhöfe verteilt), ein Kopf im heimischen Kühlschrank, eine angebrochene Nase, ein Hühnerfleisch-Millionär (gefroren in der eigenen Kühlkammer) und viel schlechte Laune - wahlweise entstanden durch Diät (Eisner) oder Alkohl und die falschen Freunde (Fellner). Das rabenschwarze Pendant zu den beiden Münsteranern, sozusagen. Machte Spaß, auch der elektronische Soundtrack von Gerhard Schuller passte wunderbar. Nicht zu vergessen natürlich Martin Brambach, der ja eigentlich immer ein Gewinn ist - hier als Geflügelpapst, herrlich fies. Es bleibt dabei, diesmal nichts zu nörgeln: Geh bitte, macht's einfach weiter so!
Donnerstag, 15. März 2012
Rizzoli & Isles: Zwei Krimi-Püppchen wie gemalt
Die Idee ist gar nicht schlecht: zwei Frauen ermitteln zu lassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Polizistin Jane Rizzoli hat - klischeehaft ihren italienischen Wurzeln entsprechend - ein aufbrausendes Temperament und schert sich nicht um Regeln. Ihr Gegenpart, Pathologin Maura Isles, ist eher der verkopfte Typ und macht sich nicht gern die manikürten Hände schmutzig. Goldmarie und Pechmarie gehen ermitteln, sozusagen. Mit Highheels und Handschellen. Optisch kommt "Rizzoli & Isles" dann aber leider doch nicht so kontrastreich daher. Der Look ist derart glatt gestylt, dass man selbst bei einem von Bösewichten völlig verwüsteten Raum den Eindruck hat, der Fußabdruck des Setdesigners sei noch warm. Rizzoli übernimmt zwar gern den dreckigen Part der Ermittlerarbeit, aber selbst ihr beschmutztes Shirt nach einem Mordanschlag wirkt wie angemalt. Die beiden sollen halt aussehen wie aus Sex and the city entsprungen. Was die Pointen angeht, können sie mit Carrie Bradshaw aber nicht mithalten - zu flau. "Rizzoli & Isles" basiert auf den Romanen von Tess Gerritsen, die der Phantasie sicher mehr Spielraum geben. Das Werbeplakat mit den beiden langbeinigen Schönheiten hat allerdings gewirkt: Rund drei Millionen Zuschauer folgten ihnen auf Vox. Und damit könnten sie die weibliche Alternative zum ebenso glatt polierten "The Mentalist" werden.
Montag, 5. März 2012
Fernsehen von gestern und morgen: Scherbenhaufen, Roche & Böhmermann
Porzellan! Was fällt einem nicht alles dazu ein. Polterabend. Glück und Glas, wie schnell bricht das. Scherben bringen Glück. Porzellanteint. Zerbrochene Träume. Und, und, und. Aus dem Thema hätte man also ganz passable Bilder rausholen können. Der Stuttgart-Tatort "Scherbenhaufen" hat das, vom Titel abgesehen, tunlichst vermieden. Gegen dieses Schlafstück rund um eine Porzellanfabrik wirkte die Lindenstraße wie ein Poetryslam auf Speed. Da ist wenigstens was passiert, Iffi einfach zack, weg, nach Australien! Ob Richy Müller auch lieber ausgewandert wäre? Ihm konnte man förmlich ansehen, wie er gegen die Langeweile anspielen musste: Ein Augenbrauenzucken hier, ein Schmunzeln da, mehr Mimik war nicht. Manches war sogar richtig ärgerlich. Wieso lässt sich ein Ermittler bequatschen, als Undercover-Personenschützer sein Leben zu riskieren, wenn er weder Geld und noch Ruhm dafür zu erwarten hat? Obwohl seine Frau ihn dafür in der Luft zerreißt, weil er den Urlaub absagt? Und warum muss man das alles in einen minutenlangen Endlos-Dialog verpacken? Soviel Derrick war noch nie.
Zum Glück kann Fernsehen ja auch Hoffnung machen, wenn man nach 21.45 Uhr durchhält. Roche & Böhmermann machen alles, was das öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen sonst peinlich berührt unterlässt: lästern, saufen, sich ins Wort fallen, Quatsch erzählen, gemein sein. "Das Konzept steht, bis Herbst stimmt die Quote" - allein für diesen Seitenhieb gibt es ein Extra-Küsschen von mir. Die Sitzordnung am Pokertisch unter der grellen OP-haften Lampe, in deren Licht alle gruselig quallig aussahen - mal was anderes! Dass alle durcheinander reden dürfen und es keine erkennbare Themenfolge gibt - auch erfrischend. Der Spezialpreis geht an die Macher der Trailer, die die Talkgäste ankündigten. Und der eigentliche Star ist Böhmermann, der jedes Gespräch auf die Spitze treibt, perfekte Pointen setzt und Charlotte Roche damit überflüssig macht. Dem Zuschauer gibt er die Rolle eines Voyeurs an einem kranken Stammtisch, bei dem sich wie so oft die Rampensäue den größten Wortanteil sichern. Kann man sich angucken, drüber lachen, dabei reden oder was anderes machen - man verpasst nichts und wird trotzdem gut unterhalten. Nur eins hat nicht gepasst: Eine glatte Moderatorin wie Britt als Talkgast, die nicht viel Spannendes zu sagen hat, aber trotzdem ständig das Gespräch an sich reißt. Man kann den Berghain-Türsteher verstehen, warum er manche Leute nicht reinlässt.
Zum Glück kann Fernsehen ja auch Hoffnung machen, wenn man nach 21.45 Uhr durchhält. Roche & Böhmermann machen alles, was das öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen sonst peinlich berührt unterlässt: lästern, saufen, sich ins Wort fallen, Quatsch erzählen, gemein sein. "Das Konzept steht, bis Herbst stimmt die Quote" - allein für diesen Seitenhieb gibt es ein Extra-Küsschen von mir. Die Sitzordnung am Pokertisch unter der grellen OP-haften Lampe, in deren Licht alle gruselig quallig aussahen - mal was anderes! Dass alle durcheinander reden dürfen und es keine erkennbare Themenfolge gibt - auch erfrischend. Der Spezialpreis geht an die Macher der Trailer, die die Talkgäste ankündigten. Und der eigentliche Star ist Böhmermann, der jedes Gespräch auf die Spitze treibt, perfekte Pointen setzt und Charlotte Roche damit überflüssig macht. Dem Zuschauer gibt er die Rolle eines Voyeurs an einem kranken Stammtisch, bei dem sich wie so oft die Rampensäue den größten Wortanteil sichern. Kann man sich angucken, drüber lachen, dabei reden oder was anderes machen - man verpasst nichts und wird trotzdem gut unterhalten. Nur eins hat nicht gepasst: Eine glatte Moderatorin wie Britt als Talkgast, die nicht viel Spannendes zu sagen hat, aber trotzdem ständig das Gespräch an sich reißt. Man kann den Berghain-Türsteher verstehen, warum er manche Leute nicht reinlässt.
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