Google+ Followers

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Frohe Weihnachten - mit Programmtipps

Weihnachten ist ja für uns Fernsehliebhaber ein ganz besonderes Fest. Wann kann man schon mal mit so gutem Gewissen tagelang Filme gucken und dabei Schokolade essen, ohne das es jemand merkwürdig findet? Ich starte Heiligabend um 10.40 Uhr mit dem Grüffelo, mache weiter um 14 Uhr im ZDF mit Michel in der Suppenschüssel, gehe über zu "Wild X-Mas" mit Ryan Reynolds um 17.10 Uhr auf RTL und schwenke dann um zu Pro Sieben, denn da werden ab 18.30 Uhr vier weihnachtliche Simpsons-Folgen gezeigt. Nach der Bescherung dürfen natürlich die Hoppenstedts nicht fehlen, die ab 22.35 Uhr im NDR ihr Atomkraftwerk aufbauen. Um Mitternacht sticht dann im BR die "Kaktusblüte" mit Walther Matthau und Ingrid Bergman.

Ausgeschlafen knacke ich am ersten Weihnachtsfeiertag ab 10.30 Uhr im Ersten "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", bewundere ab 15 Uhr Rock Hudson auf ARTE in der Doku Schöner fremder Mann und lasse mit Gruppenbild mit Dame um 22.45 Uhr auf 3sat das Trash-Fernsehen links liegen. Und wieder schließe ich die Augen mit dem BR: "An einem Tag wie jeder andere" mit Humphrey Bogart startet ja auch erst um 23.20 Uhr.

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist ein Sonntag und gehört damit natürlich dem Tatort: Diesmal führt uns Borowski und der vierte Mann tief in den Wald. Und im Ersten bleibe ich auch: Ab 23.25 Uhr wird dort Wong Kar-Wais My Blueberry Nights gegeben.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest - und mögen die Augen nicht zu viereckig werden!

Freitag, 17. Dezember 2010

Aus für Töppers und Konsorten: Der Marienhof macht dicht

Schade, ich hatte mich schon auf die nächste Ausgabe von "25 Jahre - die Tops und Flops der Jubiläumsfolge" gefreut, aber der Marienhof wird es leider nicht mehr schaffen. Nach 18 Jahren macht das Erste die Einkaufspassage in Köln dicht. Ein klein bisschen traurig ist das schon, denn unter all den Hochglanz-Soaps hatte sich dieses alte Schlachtross noch ein klein wenig Menschlichkeit bewahrt. Und blieb mit seinen Figuren immer auf dem Teppich - Töppers, der Klempner, und sein Kollege Charly waren ebenso unglamourös wie das Nagelstudio von Susi oder der Gemüseladen von Sülo (alias Giovanni Arvaneh, der schon seit 16 Jahren in der Serie mitspielte). Letzter geht noch vor der finalen Folge von Bord und stirbt den Serientod. Hundert Stellen fallen nun bei der Bavaria weg - bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein kleiner Teil von ihnen bald wieder Seife produzieren darf.

Montag, 13. Dezember 2010

25 Jahre Lindenstraße: Die Tops und Flops der Jubiläumsfolge

Top

1. Das knall-türkisblaue Ballkleid von Isolde Pavarotti - so viel Ausschnitt war noch nie!
2. Ernesto lässt es mit Maria in der Praxis krachen.
3. Ines Krämer gibt trotzdem nicht auf.
4. Sportfreunde Stiller unplugged als Hochzeits-Dessert.
5. Geheiratet wird trotz Mutter Beimer.

Flop

1. Das "Brautkleid" von Iffi - soviel schlechter Geschmack war noch nie.
2. Iffis Zaudern - sie passt doch allein vom Umfang her perfekt zu Klausi.
3. Geißendörfer als Hochzeitsredner - die Cameo-Auftritte von Hitchcock waren besser und kürzer.
4. Nico und Caro - zwei Genervte müssen Eltern spielen.
5. Elena Sarikakis total unterbeschäftigt, weil alle ihr Essen selbst mitgebracht haben. Und am Ende will noch nicht einmal jemand einen Kaffä!

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Martin Brambach: Auf allen Kanälen

Ich führe ja schon seit einiger Zeit meine ganz persönliche Martin Brambach-Strichliste. Derzeit liegt die Brambach-Quote der Öffentlich-Rechtlichen bei gefühlten 30 Prozent zur besten Sendezeit. Es gibt kaum noch einen Tatort ohne ihn: Zuletzt nervte er Ulrich Tukur als Dorfpolizist, am kommenden Sonntag wird er im Leipziger namens "Schön ist anders" zu sehen sein. Und wer hat gestern Abend genau hingesehen? In "Die Entdeckung der Currywurst" hatte er einen kurzen, aber ganz brambach-typischen Auftritt als Gauredner. Der Mann ist präsent - ja fast schon überpräsent. Und ich sage: richtig so. Denn keiner verkörpert so gut den typisch deutschen Durchschnittsbürger aus der Mittelschicht, der bevorzugt in einer Bürotätigkeit vor sich hin dämmert, mit Durchschnittstalent in einem Durchschnittsleben. Schnoddrig, unbeholfen und immer ein wenig schlecht gelaunt.

Brambach schlüpft wie kein Zweiter chamäleonartig in diese Rollen. So gut, dass man ihn kaum noch wahrnimmt. Vielleicht besetzt man ihn deshalb so oft. Weil er mit seinem Umfeld verschmilzt, ganz gleich in welcher Geschichte. Und er wählt sich davon nur die besten aus: "Das Leben der Anderen", "Yella", "Unter anderen Umständen", "KDD" - die Liste ist lang und wird immer länger. Das ist gut und soll auch so bleiben. Aber man fragt sich schon: Wann hat Brambach mal frei?

Montag, 6. Dezember 2010

Tatort Köln: Morden wir bei Muttern

Ich wollte ja eigentlich wie so oft über den Tatort gestern schreiben. Aber da muss etwas schief gelaufen sein bei der Programmplanung! Statt Krimi kam im Ersten so eine Art Inga-Lindström-Wannabe, ein pilcherisiertes Familiendrama vom Niederrhein. Im zähen Nebel nur herumdrucksende Gestalten, die sich nicht aus Was-auch-immer befreien können. Der Ehemann (verschenkt: Mark Waschke) frisst den Frust über seine lesbische Ehefrau in sich rein und schraubt an Holzgebilden herum - was für einen Beruf das auch immer darstellen sollte. Die Ehefrau kann sich auch nicht durchdringen: Kurz zieht sie zur lesbischen Freundin, aber kaum ist diese tot, hängt sie sich wieder an den Ehemann. Und da ist die Graberde noch frisch! Die Einzige, die handelt, ist Muttern: Die greift beherzt zur Wumme, damit die Familie ja nicht auseinanderbricht. Denn was soll denn der arme Schwiegersohn sonst machen? Muss doch Ordnung herrschen! Und leider, leider scheinen das selbst die Kommissare am Ende genauso zu sehen. Die Ehe sei eben doch mehr als ein bisschen Gefühl, heißt es da. Amen. Haben wir ja wieder was gelernt. Und jetzt wo ich es schreibe - da waren tatsächlich Kommissare! War es gar doch ein Tatort, aber ein ganz schröcklicher? Ich muss nochmal im Programmheft nachsehen...

Montag, 29. November 2010

Tatort Wiesbaden: Murot, die Haselnuss und die Moral

Es gibt sie wirklich noch, die guten Dinge. Der neue Tatort mit Ulrich Tukur gehört seit gestern für mich unbedingt dazu. Wenn ein Krimi Spaß macht, dann so: Mit gut sitzenden Bildern, starken Schauspielern und einem Kommissar, dem nicht alles total egal ist. Felix Murot vom LKA Wiesbaden ist so einer. Einer, der noch an das Gute im Menschen glaubt und der es - ganz Pfarrerssohn - überhaupt nicht mag, wenn man sich über die Opfer lustig macht: "Es nimmt kein gutes Ende mit denen, die keinen Respekt vor den Toten haben." Murot hat etwas liebenswürdig Altmodisches an sich. Er trägt schwer an seinen Moralvorstellungen, und oft machen sie ihm die Arbeit sehr mühsam, denn seine Mitstreiter sehen es nicht immer genauso eng wie er.

Für seinen Kollegen Thönnies (immer wieder: Martin Brambach) ist die Auflösung des Mordes am Edersee "kein Thema" mit dem man sich lang aufhalten müsste. Aber Murot bohrt tiefer. Und es bohrt in ihm: Ein Tumor wächst in seinem Kopf, groß wie eine Haselnuss, und quält ihn mit einer verschobenen Wahrnehmung. Auch hier ist Murot ganz alte Schule: Natürlich vertraut er sich nicht den Ärzten an, er nimmt lieber Schmerztabletten und drückt die Gedanken an den Tod weg. Am Ende nennt er die Haselnuss einfach Lilly, so wie eine verflossene Jugendliebe. Das versteht nur eine, seine Sekretärin Magda Wächter (toll: Barbara Philipp), der er ein "Gemüt wie ein Fleischerhund" attestiert. Die beiden sind ein Gespann wie seinerzeit Bond und Moneypenny, vom Leben offenbar bereits gezeichnet, aber nicht verbittert, und in ihrem lakonischen Tonfall einfach großartig. Auf den Fall, der nicht wirklich rund war, will ich gar nicht weiter eingehen. Selten hingegen gab es wohl einen Tatort mit einem derart stimmigen Bild- und auch Musikkonzept. Der Soundteppich, aus dem immer wieder Bruchstücke alter Schlager und Akkordeonklänge auftauchten, passte so gut zu Tukur/Murot wie seine Retro-Anzüge und sein alter Wagen. Es muss eben nicht immer alles schnell, laut, modern sein. Dieser Kommissar geht einem trotzdem nahe.

Freitag, 26. November 2010

Zum Abschalten: frauTV XL - Männer, Frauen, Sex

Ich hab's versucht, ehrlich, aber länger als zehn Minuten waren für die XL-Ausgabe von frauTV mit dem viel versprechenden Titel "Männer, Frauen Sex" nicht drin. Schon die Gästeliste hätte mich eigentlich stutzig machen müssen: Keine Sex-Experten, Liebesforscher oder sonstige, die etwas Interessantes zum Thema beitragen könnten. Statt dessen: Johanna Klum, Christine Westermann und (!!!) Tatort-Pathologe Joe Bausch. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie es zu dieser Besetzung gekommen ist. Schauplatz WDR-Kantine: "Ey Leute, wir machen da heute Abend so 'ne Sendung mit Weiber-Gedöns und Sex, hat jemand noch nichts vor und will seine Visage mal wieder im Fernsehen sehen?" Wer den Finger gehoben hatte, durfte das Thema kaffeetantenartig zertratschen. Denn wen interessiert es bitte, wie gut der Mann von Frau Westermann auf der Tanzfläche performt? Oder wie sich Herr Bausch der Damenwelt vor Jahrzehnten beim Engtanz näherte? Sorry, aber da waren wir selbst mit Lilo Wanders schon viel weiter. Dafür gibt es von mir nur einen halben von fünf Zapping-Punkten. Und eine Verwarnung wegen exzessiver Schnarchigkeit.

Montag, 22. November 2010

Mordkommission Istanbul: Picture Postcards from Turkey

Die Idee ist gut, doch die ARD noch nicht so weit: "Mordkommission Istanbul" sollte etwas Exotik in den ansonsten carmen-nebeligen Samstag Abend bringen, nachdem der letzte Fall vor einem Jahr ganz passabel abgeschnitten hatte. Doch wieder war die Versuchung stärker, die lebendige Stadt nur als Postkartenidyll zu inszenieren. Was müssen die ganzen Hubschrauberflüge gekostet haben! Um die Atmosphäre einzufangen, den Trubel in den Gassen und die Geräusche, hätte man sich tiefer hinein begeben müssen - aber das gelingt wohl nur Fatih Akin. Unter der Ägide von Ziegler-Film blieb der Krimi öffentlich-rechtlich angepasst. Und man darf vermuten, dass der Großteil der Indoor-Szenen auf deutschem Terrain gedreht wurde. Schade, denn der Schauplatz hätte viel Potenzial, mit etwas mehr Mut zum Derben, Rauen.

Das aber wird schon mit der Besetzung verschenkt: Erol Sander als smarter Ermittler mag vielen Frauen gefallen, in dieser Folge besonders seiner eigenen, aber ein spannender Kommissar mit Ecken und Kanten ist er nicht. Liebevoll gezeichnet indes sein perfektionistischer Sidekick, der schratige Johnny Controletti namens Mustafa Tombul, den Oscar Ortega Sanchez mit Gespür für Zwischentöne spielte. Was man von den Frauen in diesem schwachen Fall um einen Banküberfall mit Todesfolge, der mit einer Kindesentführung zusammenhing, nicht behaupten konnte: Barbara Wussow als türkische Intellektuelle mit österreichischem Zungenschlag? Naja. Und auch Sibel Kekilli bliebt weit unter dem Niveau, das man ihr zutrauen kann. Trotzdem gebe ich der Mordkommission Istanbul noch eine Chance. Traut euch, die Stadt auch mal dreckig zu zeigen, weg mit der Tourismuswerbung. Und gönnt ihr einen Fall, der so nur in Istanbul geschehen kann. Dann sehe ich auch über Erol Sanders zu perfekten Teint hinweg.

Dienstag, 16. November 2010

Die Säulen der Erde: Alles beim Alten

Ach, das waren noch Zeiten, damals: Sonntag nachmittags mit Papa auf dem Sofa lümmeln und Errol Flynn bei seinen Mantel-und Degen-Spektakeln zusehen. Zwei Jahrzehnte später hat sich nicht so viel geändert, wie man gestern bei "Die Säulen der Erde" gesehen hat. Die Prinzessinnen sind immer noch sehr blond, die Räuber huschen durch den Wald, und der Böseste der Bösen zuckt gefährlich mit der Oberlippe, damit ihn auch ja niemand falsch einordnet. Faule Zähne gibt es nicht, die Jacketkronen blinken um die Wette. Und kaum spricht jemand ein freches Wort aus, wird auch schon das Schwert gezückt. Nur Gewalt wird drastischer gezeigt, durchgeschnittene Kehlen und wegfliegende Ohren sollen dem ansonsten eher biederen Mehrteiler wohl etwas Verwegenheit einhauchen.

Der Roman von Ken Follett ist zwar an sich auch nicht wirklich anspruchsvoll, das Drama um Tom Builder wirkt aber in der geschriebenen Fassung deutlich vielschichtiger als das Plastik-Mittelalter von Sat1. Für Natalia Wörner - am Montag noch ganz zugeknöpft und still in "Unter anderen Umständen" - könnte die Verfilmung aber ein Sprungbrett ins Ausland sein. So abgezockt wie sie hat wohl noch niemand einem Bischof auf den Tisch gepinkelt.

Donnerstag, 11. November 2010

Raus aus den Schulden: Welches Schweinderl hätten's denn gern?

Jahresrekord für Peter Zwegat: Mehr als vier Millionen Menschen haben sich die gestrige Folge angesehen. Gerufen hatte ihn diesmal kein Schuldner, sondern ein Arbeitgeber: die Lohnbuchhaltung des Gelsenkirchener Musiktheaters. Diese war schlichtweg überfordert mit den Lohnpfändungen von Bühnenarbeiter M., die seit 17 Jahren abgezweigt werden mussten - und nie bei den Gläubigern ankamen. Nach dem Zwiebelprinzip schälte Zwegat die Schuldenlage von M. auf. Und stieß auf immer weitere Schulden, insbesondere nicht bezahlte Unterhaltsleistungen. Um das für den Laien zu erklären, stellte Zwegat Sparschweine auf einen Tisch: "Zuerst waren es weniger Gläubiger geworden, und jetzt stellen sich neue Schweinchen hinten an. Und am Ende geht die ganze Sauerei von vorne los." Schließlich konnte er nur noch zum Insolvenzverfahren raten. Schuldner M. hatte indes die Ruhe weg und überlegt wohl heute noch, ob er das will - vielleicht entscheidet er sich ja innerhalb der nächsten 17 Jahre...

Was fasziniert die Leute eigentlich an diesem Format? Einerseits der Glaube an das Gute: daran, dass die Leute vom Amt anders als erwartet auch nett und hilfsbereit sein können, dass sie mal ein Auge zudrücken und am Ende alles gut wird. Wobei man RTL zugute halten muss, dass sie es nicht auf ein Happy End anlegen. Oft wird am Schluss erst richtig klar, wie hoffnungslos der Fall wirklich ist. Andererseits sind viele sicher froh, dass es auf ihrem persönlichen Flipchart noch nicht so duster aussieht wie bei Zwegats Klienten - und finden es gut, wenn diese gemaßregelt werden, weil sie die Kontrolle über ihre Finanzen verloren haben. Das hat bei so machem Zuschauer einen kathartischen Effekt: Wenn er das Bier auf dem Couchtisch abstellt, kommt der wohlige Schauer. Denn die Möbel sind schon abbezahlt.

Mittwoch, 10. November 2010

X-Factor: Si tacuisses, Shakira!

Geschafft, das X-Factor Finale ist durchgestanden! Edita darf die Kellnerinnenschürze an den Nagel hängen und sich schon mal Gedanken machen, was sie mit ihrem unaussprechlichen Nachnamen anstellt. Gut ausgegangen ist es auch für Sarah Connor, die ihrem TV-Autor am besten gleich mal einen fetten Bonus überweist. Was sie in den Runden von sich gab, war insgesamt halbwegs erträglich und hat sicher ein wenig dazu beigetragen, sie aus der prolligen Ecke herauszuziehen. Nur mit dem Kleid lag sie gestern dann doch wieder arg daneben, der Presswurst-Style steht ihr einfach nicht und ist in Kombi mit den vielen Tattoos ein echter Rückfall. Diesen Anblick wird man kaum vermissen, ebenso wie Til Brönner und George Glueck, die beiden Kuschel-Caster, die am Ende vor lauter Happiness fast einzuschlafen drohten. Wach gehalten hat mich nur mein Entsetzen über den Auftritt von Shakira. Da kriegt Bohlens geflügeltes Wort "Klingt wie Kermit, wenn man hinten drauftritt" noch einmal eine ganz neue Bedeutung. Die armen Mädels von Big Soul konnten da noch so gut im Hintergrund ihre Seelen auskippen, genutzt hat's nix. Si tacuisses, Shakira!

Dienstag, 2. November 2010

"Kreutzer kommt": Der Kommissar mit dem Riesen-Hau

Kreutzer kam - und löste den Fall in vier Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden. Warum genau in dieser Zeit? Hat das jemand verstanden, als seine Assistentin es erklärte? Zwar lief ab und zu am Bildrand eine Uhr mit wie bei 24. Aber was sagt uns das eigentlich, wenn es keinen echten Zeitdruck gibt und es keine Folgen hat, wenn er länger braucht? Die Zeitzauberei war offenbar nur einer der etwas flaueren Gags im neuen Krimi auf Pro7. Irgendwo zwischen Dr. House und Monk soll er angesiedelt sein, der neue Kommissar - und es stimmt, Kreutzer hat einen Riesen-Hau.

Eine Bar-Chanteuse wurde ermordet und Kreutzer legte los: Jeden Hotelbewohner knöpfte er sich einzeln vor. Maxime: Möglichst viel piesacken, möglichst gemein wirken. Und möglichst viele undurchsichtige Rollen dabei spielen. Ein Borderliner mit Dienstmarke? Oder doch eher ADHS? Man hatte fast den Eindruck. Kreutzers Redeanteil war jedenfalls deutlich höher als der seiner armen Verhörpartner, die er dabei ständig mit dem Handy filmte oder mit der Webcam beobachtete. Christoph Maria Herbst spielte sich dabei durch Höhen und Tiefen: Teils vernuschelte er ganze Absätze, teils blitzte der Stromberg-Schalk durch. So richtig rund wurde die Figur jedoch nie - vielleicht, weil man rein gar nichts darüber erfuhr, warum Kreutzer so ist wie er ist?

Schade auch, dass man ihm keinen Außendreh gönnte - die Hotelkulisse wirkte muffig und nach abgestandenem Keller, irgendwann überkam einen das Bedürfnis nach etwas frischer Luft. Der Fall selbst diente - so wie auch einige Münster-Tatorte - wohl eher als Steilvorlage für Kreutzers Gags. Ernst gemeint war die Story um Tantal-Vorkommen im Kongo hoffentlich nicht. Am Ende löste sich alles in einer klassischen Miss Marple-Szene auf. Und zum Täter führte weder die Handyaufnahme noch die Webcam. Das simple Klappern eines Stocks verriet den Barpianisten, der plötzlich weniger blind war als gedacht.

Für einen spannenden Piloten hätte man von allem etwas weniger nehmen sollen: Weniger Verwicklungen, weniger Text, weniger Verdächtige. Dann wären wir Kreutzer vielleicht etwas näher gekommen. So blieb er bloß ein Freak mit großer Klappe, der durch Nervereien zum Ziel kam.

Montag, 1. November 2010

Tatort: Schickt Mama Lindholm zur Kur!

Die Geister, die sie riefen, werden sie nun nicht mehr los: Wenn man einer Kommissarin ein Baby ins Drehbuch schreibt, ist das zwar zuerst ein netter Gimmick. Aber dann wird es zum Problem - das Kind muss mit der Geschichte wachsen und lässt sich nicht einfach wieder ausradieren. So wie bei Charlotte Lindholm, die sich seit einiger Zeit als alleinerziehende Ermittlerin durch die Fälle kämpft. Was bisher nicht weiter ins Gewicht fiel - konnte sie doch auf die unglaubwürdige Tatsache bauen, dass ihr Mitbewohner das Kind miterzog. Meine Freunde würden mir was husten! Und das hat Martin jetzt auch getan - und ist ausgezogen. Mit dem Effekt, dass Lindholm im gestrigen Fall namens "Der letzte Patient" ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs stand. Mal schrie sie eine Kollegin an, die ihre Kinder vermeintlich besser im Griff hatte. Mal fackelte der Vierjährige mit einem Verdächtigen fast das Kinderzimmer ab, um gleich danach beinahe vor ein Auto zu laufen. Und zum Schluss war Lindholm so mit den Nerven runter, dass sie den Täter bei der Vernehmung einfach nur noch erwürgen wollte.


Vielleicht sollte man Lindholm zur Mutter-Kind-Kur schicken? Wahrscheinlich würde dann aber auch im Kurheim gemordet und die Arme hätte wieder nicht ihre Ruhe. Denn das Ermitteln scheint ihr wie das Kind eine Bürde, die sie einfach nicht mehr abschütteln kann. Apropos ermitteln, da war ja noch was: Ein Fall, der erst im letzten Drittel den Spannungsfaden aufnahm und zum eigentlichen Thema kam. Eine tote Ärztin, die in ihrer Einsamkeit Videobänder besprach; ein behinderter Junge, der ein Geheimnis mit sich herumtrug; eine Pflegefamilie, der man die Kinder wegzunehmen drohte: All das verdichtete sich erst sehr spät zum Kern, in dem es um Missbrauch an einem Jugendlichen ging. Und das bedeutete, dass es nicht mehr genug Zeit gab, viel darüber zu erzählen. Hoffen wir darauf, dass der Fall beim nächsten Mal wieder genauer beleuchtet wird - und Lindholm endlich eine neue Nanny einstellt.



Ganz ohne Kinderkram übrigens heute Abend: "Kreutzer kommt" mit Christoph Maria Herbst.

Montag, 25. Oktober 2010

Tatort Kiel: Dünner Energydrink - trotz Sibel

"Ich vermisse Maren jetzt schon" simste ein Freund gestern nach den ersten fünf Tatort Minuten. Recht hatte er: Ohne Maren Eggert alias Frieda Jung ist Borowski nur halb so geheimnisvoll. In ihrem irritierten Gesichtsausdruck spiegelte sich sein spröder Glanz, der gestern völlig verflogen schien. Oder war sein Charisma vor lauter Themenwochen-Ernährungs-Gedöns ganz zugekleistert? Gleich drei Drehbuchautoren hatten am Stoff geschraubt, das ließ nichts Gutes erwarten. Und zerfranst war's dann auch. Ja gut, wir haben unsere Lektion gelernt, wie die böse Lebensmittelfabrik funktioniert. Aber Werksführungen hat die Sendung mit der Maus schon besser inszeniert.

Die Autoren hatten ihre Hausaufgaben gemacht - und es mit der Recherche leider zu gut gemeint. So tief steckten sie im Thema, dass Borowski zwischendurch mit Zuschauers Stimme sprechen musste: "Erklär das doch mal so, dass ich das auch verstehe!" Besser geworden wäre es vielleicht mit einer anderen Besetzung: Esther Schweins verzog kaum eine Miene (oder kann sie das gar nicht mehr?), der Vater des Opfers kam wie der Unglücksrabe vom Dienst daher. Und Sibel Kekillis erster Auftritt? Mehr als Kaffee kochen und den Motor reparieren durfte sie ja nicht wirklich. Das ist noch ausbaufähig. Und dass wir nicht lesen durften, was Frieda in ihrem Brief an Borowski geschrieben hat: Frechheit!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Im Angesicht des Verbrechens: Zweite Runde

Ab kommenden Freitag wird "Im Angesicht des Verbrechens" erneut ausgestrahlt, um 21.45 Uhr im Ersten. Ich habe dazu ja schon einiges verzapft, das gern noch einmal hier nachgelesen werden darf. Ich freue mich insbesondere auf ein Wiedersehen mit Misel Maticetiv und Ronald Zehrfeld, die hoffentlich bald endlich den großen Durchbruch schaffen, den sie verdienen.

Montag, 18. Oktober 2010

Tatort "Der Schrei": Weichgekocht und hasenfüßig

Einer meiner Stammleser hat mich zwar gebeten, noch mehr Content zum Keyword "Spargel" zu produzieren, aber damit wird's heute leider nichts. Im Ludwigshafen-Tatort "Der Schrei" gab es nämlich allenfalls sehr weichgekochtes, geschmacksarmes Gemüse zu sehen, im übertragenen Sinne. Dabei war die Grundkonstellation eine gar schreckliche: Eine Bilderbuchfamilie - Vater, Mutter, Kind - verbringt ein Wochenende im Vergnügungspark. Als das Ehepaar abends nach dem Essen ins Zimmer zurückkommt, ist das Kind verschwunden. Und wird tags darauf tot aufgefunden. Ein Albtraum, den jeder nachvollziehen kann, der ein Kind hat, und der einem schon im realen Fall Maddie Bauchschmerzen bereitete.

Die Tatort-Macher packten das Thema jedoch mehr als hasenfüßig an. "Am Ende muss alles gut werden, jedenfalls halbwegs", scheint man sich gedacht zu haben. So wird der ehemalige Sexualstraftäter am Ende ermutigt, doch noch einmal mit seiner Freundin zu sprechen - und auch diese soll, wenn es nach Odenthal geht, "ihrem Herzen folgen". Die geschundenen Eltern dürfen schließlich einen Strauß Luftballons fliegen lassen. Was Hoffnung ausdrücken soll, endet im abgestandenen Klischee.

Am Ende ist die Todesursache des kleinen Mädchens relativ profan und hat nicht viel mit den angerissenen Themen wie Überforderung einer Mutter oder Kindesmissbrauch zu tun. Die Macher haben offenbar ähnlich stark mit ihrer Aufgabe gehadert wie die Kommissarin, die sich ständig fragt, ob sie alles richtig gemacht hat. Was letzten Endes ebenso nervte wie Koppers Neffe, der mit seinen unlustigen Flegeleien wohl für etwas Auflockerung sorgen sollte. Einzig im Gedächtnis bleiben wird mir das blasse Gesicht von Annika Kuhl, die als Mutter so weit weg war, dass sie kaum noch real schien.

Montag, 11. Oktober 2010

Böses, Spargeliges und jede Menge Unlustiges

Was für ein Wochenende. Dabei ging es noch recht gut los, mit einer Portion Fernseh-Avantgarde, natürlich aus den USA: ARTE zeigte die erste Folge von "Breaking Bad", die Geschichte eines Chemielehrers, der zum Drogen-Koch wider Willen wird. Ich fürchte, der Zuspruch dürfte ähnlich dürftig ausgefallen sein wie bei Mad Men auf ZDF.neo: 80.000 Zuschauer hatten den Werbern zugesehen - ein erschütternd schlechter Start. Dann am Sonntag ein Tatort auf dem Spargelhof - merkwürdig unausgegoren zwischen Slapstick und Schrecken. Und als Tiefpunkt: der deutsche Fernsehpreis. Wütende Proteste hatte man angekündigt, weil dort nicht mehr die Einzelleistung aller Produktions-Beteiligten gewürdigt wird. Einige Protestler wollten gar mit weißen Masken auslaufen. Doch statt Entrüstungsstürmen nur ein laues Lüftchen. Wenn überhaupt jemand aufbegehrt hatte, wurde das wahrscheinlich rausgeschnitten. Nur Annette Frier bat in ihrer Rede darum, die Beteiligten mögen doch bitte demnächst "den Arsch an einen Tisch" bringen, damit man bald wieder zusammen trinken könne. Kurt Krömer und Sandra Maischberger feierten derweil als Moderationspaar Sternstunden der Unlustigkeit und quälten sich durch einen schier endlosen, spannungsarmen Abend. Dazwischen hampelte Lena Meyer-Landrut unmotiviert durch ihre Songs und sägte weiter am eigenen Mythos, während Raab als Fernsehtitan seine Lorbeeren einsammelte. Liebe Fernsehschaffende, seid doch froh, dass ihr euch das nicht mehr alle antun müsst. Auf das Lob einer derartig schnarchigen Veranstaltung kann man vielleicht auch erhobenen Hauptes verzichten.

Montag, 4. Oktober 2010

"Farsan": Schwedische Schafshoden vom Grill

Die Fernsehfreundin geht heute ausnahmsweise mal fremd - ins Kino. In Hamburg ist das Filmfest gestartet, und mein erster Kinotag führte mich nach Schweden: zu "Farsan" (Balls) von Josef Fares. Nach der ganzen Sarrazin-Debatte ist diese Komödie besonders interessant. Ein Schwede mit Migrationshintergrund steht im Mittelpunkt: Aziz ist in die Jahre gekomen, seine Frau schon lange tot, und jetzt geht er seinem Sohn Sami nett, aber auch sehr penetrant auf die Nerven. Wenn Aziz nicht gerade als Schrauber in einem Fahrradladen herumwurschtelt, freut er sich diebisch auf sein Enkelkind, das bald kommen soll.

Dass der dicke Bauch seiner Schwiegertochter nur eine Attrappe ist, ahnt Aziz nicht - und Sami traut sich nicht, ihm zu beichten, dass sie keine Kinder bekommen können und deshalb eins adoptieren werden. Um Aziz abzulenken, bringt Sami ihn auf eine neue Idee: "Baba" braucht eine neue Frau. Und nach einigem Nachdenken nimmt Aziz diese Aufgabe in Angriff - auf seine Weise. Plötzlich interessiert er sich sehr für Edith, die Mutter seines Chefs...Warum das sehr witzig ist und was gegrillte Schafshoden damit zu tun haben, verrate ich nun nicht, denn ich hoffe doch sehr, dass "Farsan" bald in den deutschen Kinos laufen wird.

Überhaupt nicht funktionieren würde der Film übrigens, wenn die Basis nicht eine Geschichte gelungener Integration wäre. So arbeitet Aziz zwar im Niedriglohnsektor und spricht Schwedisch mehr schlecht als recht. Aber schon sein Sohn spricht die Sprache akzentfrei, ist Bankberater und mit einer Schwedin verheiratet - und beide werden ein chinesisches Baby adoptieren. Aziz' Kollege Juan scheint aus dem spanisch-sprachigen Ausland zu stammen. Und die beiden haben ihren schwedischen Chef äußerst gut im Griff. Damit es mit seiner Frau besser klappt, geben Sie ihm einige Lektion in Machismo - und wie sie das tun, ist liebevoll gezeichnet, ohne die beiden zu denunzieren. Jan Fares (übrigens der Vater des Regisseurs) gibt Aziz das passende Gesicht, diese traurigen Hundeaugen sind einfach zu komisch. Ich drücke "Farsan" die Daumen, dass sich schnell ein Verleih findet!

Montag, 27. September 2010

Tatort Berlin: Die hohe Kunst der Langeweile

Über den Tatort "Die Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen" will ich heute nicht viele Worte verlieren, er war einfach zu langweilig. Wie fast immer, wenn Krimis in der Kunstszene spielen, kam die Geschichte verkrampft und gewollt rüber, ohne auch nur eine Minute lang zu berühren. Von der absurden Lockenperücke, mit der man die arme Karoline Eichhorn gestraft hatte, ganz zu schweigen. In dieser schwachen Vorstellung haben aber zwei Schauspieler in Nebenrollen für kurze Qualitätsmomente gesorgt, die ich schon lange mal lobend erwähnen wollte. Aus der der Reihe "Tolle Schauspieler, deren Namen ich mir nie merken kann": Bernhard Schütz, der inzwischen schon Tatort-Stammgast ist, im Übrigen seit Mitte der 90er Jahre zum Ensemble der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gehört. Sidekick Ernst-Georg Schwill als Berliner Assistent möbelt immer wieder selbst drögeste Büroszenen auf. Wer ihn aber mal in jungen Jahren erleben will, dem empfehle ich "Berlin - Ecke Schönhauser" (1956). Die Kodderschnauze hatte er schon immer!

Freitag, 24. September 2010

Blutig oder Medium?

Deutschlands TV-Journalisten langweilen sich. Was haben sie nicht alles schon gesehen: hungernde Übergewichtige in der Wüste, ausgetauschte Mütter, einstürzende Neubauten, verzweifelte Schwiegertöchter in spe, Spinnen-Menüs im Urwald, Blutiges aus dem Schönheits-OP. "Im Diesseits haut die nichts mehr um, versuchen wir es mal mit dem Jenseits", muss sich RTL gedacht haben und schiebt zum 31. Oktober "Das Medium" an.

In der Pilotfolge nimmt Witwe Freya Barschel Kontakt zu ihrem verstorbenen Mann auf. Laut RTL hat das Medium, die Solingerin Kim-Anne Jannes, vorher keine Informationen über den Toten erhalten. Moment, stopp mal - wie kann man es im Fall Barschel schaffen, in den letzten Jahren keine Information aufgeschnappt zu haben? War die Frau in Einzelhaft, ohne Zeitung und Internet? Frau Jannes, da heben wir doch einmal fragend die Augenbrauen. Sehr gespannt bin ich übrigens schon auf den Moment, in dem der "Angerufene" mal keine Lust hat zu antworten. Ob es dann einen Jenseits-Joker gibt, bei dem Kim-Anne Jannes alternativ durchklingelt? Immerhin wirbt RTL mit "Der heiße Draht ins Jenseits". Freuen wir uns also auf ein Feuerwerk der Glaubwürdigkeit - und die Gelegenheit, uns endlich mal wieder mit gutem Grund lachend auf den Wohnzimmerteppich zu werfen.

Montag, 20. September 2010

Tatort "Bluthochzeit": Thumbs up!

"In der Fernsehzeitung stand: Daumen nach unten, den brauchst du nicht zu gucken", hatte mir meine Schweigermutter am Telefon geraten. Aber wer hört schon auf seine Schwiegermutter? Gut, dass ich doch eingeschaltet habe: Meine niedrigen Erwartungen an den Bodensee-Tatort "Bluthochzeit" wurden weit getoppt. Schon der Anfang gab ein gutes Tempo vor: Vor Klara Blums Augen wird ein Mann erschossen, der zweite ist auf der Flucht. Und es steht zu befürchten, dass er es auf Beate Gellert abgesehen hat. Sie war einst vom zuvor Ermordeten entführt und ihr reicher Vater um Lösegeld erpresst worden. Das Geld tauchte seitdem nicht mehr auf.

Am Tag ihrer Hochzeit wird sie nun - so ist es Brauch - wieder entführt, damit der Bräutigam sie findet. Zieht sie anfangs noch mit einer ganzen Horde Männer los, wird der Kreis schnell kleiner: Nur noch vier begleiten sie schließlich, zuerst mit der Seilbahn hoch auf einen Berg, dann an einen See. Und einer von ihnen hat mörderische Pläne mit im Gepäck - doch welcher? Autor Stefan Dähnert hat ein Ratespiel entworfen, dass immer wieder durch unerwarteten Twists überrascht. Während Klara Blum mit dem Bräutigam im Matsch - und damit auch im Fall - feststeckt, wird eine abgeschiedene Hütte Kulisse für ein fast kammerspielartiges letztes Drittel. Und das enthält dichte Szenen, die für einen Tatort fast zu schade sind - beispielsweise als einer der vier Männer sich beim Zettel-Raten als einsamer Freak outet, der sich auf fremden Hochzeiten und Beerdigungen einschleicht. Doch er ist nicht der Täter, auch wenn er immer wieder verrückt aus der Wäsche schaut und sich an seine Herrenhandtasche klammert.

Auf den wahren Bösewicht hätte Klara Blum schon ganz zu Anfang kommen können, als er ihr ein Tablett mit Sekt und Selters hinhielt: "Ich würde Ihnen die Selter empfehlen." Ihm war klar, dass Blum noch einen klaren Kopf brauchen würde. Am Ende stellt sie sich ihrem Trauma vom Anfang, mit konsequentem Ausgang. Und sonst? Viele frische Gesichter, die man gern bald wiedersehen würde, darunter Hannes Wegener.

P.S. Da ich direkt im Anschluss "Sport im Westen" gesehen habe, eine neue Folge für "Bei der Geburt getrennt": Sebastian Bezzel und Manuel Neuer.

Dienstag, 14. September 2010

Weissensee: Auf dem Dienstags-Schleudersitz?

Achtung, Fans von "In aller Freundschaft": Ab heute könnte der Sechsteiler "Weissensee" ihrer geliebten Krankenhausserie am Dienstag Abend die Schau stehlen. David Denk stellt in der taz aus diesem Anlass nicht nur Hauptdarsteller Jörg Hartmann vor, er bricht auch eine Lanze fürs Qualitätsfernsehen: "Jeder, der das deutsche Fernsehen trotz aller Zumutungen immer noch liebt, sollte 'Weissensee' die Daumen drücken. Es steht viel auf dem Spiel - nicht nur für Regisseur Fromm und Hauptdarsteller Hartmann, sondern für die hiesige Fernsehfiktion insgesamt." Glaubt man der ZEIT, hat Weissensee durchaus das Zeug zum Durchstarten: "Und dann liegt da etwas über diesem Sechsteiler, was in Familienserien eher nicht vorkommt: eine beinahe surreale Schicht aus leisestem Slapstick und Selbstironie, die sowohl den Anflug von Kitsch als auch den großen Ernst erdet." Bleibt zu hoffen, dass viele Zuschauer diese Meinung teilen und der ARD-Dienstag nicht zum Schleudersitz wird wie der ZDF-Freitag zuletzt für KDD.

Montag, 6. September 2010

Tatort Frankfurt: Der letzte Tango für Dellwo und Sänger

"Prügele jeden Hund" lautet ein Merksatz für Drehbuchautoren, der soviel sagen will wie: Nimm am Anfang eines Filmes jedes Detail mit. In "Am Ende des Tages", dem letzten Fall von Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) und Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki), bekam dieser Merksatz einen neuen Dreh: Hier wurde der Hund geprügelt, aber nicht nur am Anfang. Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer) musste nicht nur zusehen, wie seine Geliebte vor seinen Augen hingerichtet wurde. Der Killer nahm ihm schließlich auch noch die Tochter (Jördis Triebel). Das war starker Tobak für den Zuschauer, aber von Regisseur und Autor Titus Selge konsequent erzählt.

Düster, grenzwertig grausam und voller verstörter Gesichter kam dieser Tatort daher, untermalt von Tango-Klängen, und so geriet der letzte Auftritt von Dellwo und Sänger angenehm unsentimental. Der Fall an sich: vielleicht nicht unbedingt ein Nerven-Drama, aber erfrischend zeitlos. Dass ein todkranker Bankräuber nach der Entlassung aus dem Knast seine damals bei einer Schießerei ums Leben gekommene "Bonnie" rächen will - durchaus denkbar. Und schön, dass mal nicht ein Anne-Will-tauglicher "Aufreger" den Plot bestimmt.

Der Abschied von den Frankfurtern fällt indes schwer: Diese beiden verdrehten Persönlichkeiten mit ihren nicht immer liebenswerten Macken werden kaum zu ersetzen sein. Zuletzt haben sie stark am Sinn ihrer Arbeit gezweifelt. So sagte Sänger: "Ich habe das komische Gefühl, dass wir beide erschossen werden könnten". Am Ende ist es zum Glück nicht so gekommen. Aber es hilft nichts: Die letzte Bierdose ist geleert - und keine Fragen offen. Bahn frei für Nina Kunzendorf und Joachim Król, die ein schweres Erbe antreten.

Montag, 30. August 2010

Tatort Wien: Die netten Cyborgs von Epitarsis

Na also, die Tatortgemeinde hat lange genug gewartet, der August-Regen hat sie gestern nochmal richtig mitten reingespült in die neue Saison. Und damit keiner einen Herzkasper bekam vor zuviel Spannung, gab man einen gemächlichen Wiener. Aber so was von gemächlich.

Ein junges Mädchen wird in einem Rohbau einer abgelegenen Neubausiedlung tot aufgefunden. Zurück bleiben ihre leidenden Eltern, denen das Kind schon lange entglitten war - in die Hände einer Sekte namens Epitarsis. An sich gar nicht so uninteressant, aber auch nicht wirklich neu. Und auf dem "Nett"-Niveau bliebt es dann auch. Was nicht zuletzt daran lag, dass die Sekte so dargestellt war, wie man sich das am Schreibtisch ausdenkt. Der Hauptsitz: ein schickes, auffälliges Citybüro aus Glas. Bei jedem Gesinnungstest legen die Mitglieder brav ihre Hände auf einen mysteriös leuchtenden Schreibtisch (der dann die Hände scannt?). Die Sekten-Anführer reden betont kühl mit Wolf-im-Schafspelz-Unterton und wirken allesamt wie Cyborgs. Das hat einen SciFi-Touch, geht aber am eigentlich Interessanten vorbei.

Wie sich eine Sekte ganz perfide und unauffällig in den Alltag schleicht, eben ohne Protz und Pseudo-Chick, wird nur einmal kurz klar, als sich zwei Epitarsier an Eisners Tochter heranmachen und sie überreden, in ihre WG einzuziehen. Doch das ist dann schon wieder ärgerlich, weil sich da das Leben des Kommissars allzu eng mit dem Fall verstrickt. Und am Ende haben sich Papa und Tochter dann eben ganz besonders lieb. Thema verschenkt also, oder besser gesagt zu holzschnittartig runtergenudelt. Und apropos hölzern: Über die Dialoge legen wir wohl auch besser den Mantel des Schweigens.

Dienstag, 17. August 2010

Abenteuer Afrika: Der Pakt mit dem Teufel

Lieber Herr Rösler,

wo waren Sie gestern Abend zwischen 20 und 21 Uhr? Nicht zu Hause? Dann kennen Sie Santana nicht. Santana ist 19 Jahre alt, alleinerziehende Mutter ohne Ausbildung und wiegt 135 kg bei einer Größe von 1,69 m. Das ist gefährlich. Lebensgefährlich. Santana ist mit sieben weiteren Teenies ihrer Gewichtsklasse Protagonistin der Sendung "Abenteuer Afrika - Teenies beißen sich durch". RTL2 hat die acht Teenies in ein Camp in der Kalahari verfrachtet, wo sie abspecken sollen.

Und hier kommen Sie ins Spiel. Sie sind doch zuständig für die Gesundheit der Deutschen, richtig? Dann stoppen Sie das! Stoppen Sie, dass übergewichtige junge Menschen mit angeschlagenem Herz-Kreislaufsystem, auf dem Weg zur Zuckerkrankheit, dabei gefilmt werden, wie sie vor offener Kamera zusammenbrechen, weil sie die afrikanische Hitze und die körperliche Belastung nicht aushalten. Stoppen Sie, dass diese Teenies von einem "Camparzt" behandelt werden, der nur kurz den Blutdruck misst und dann mit den Schultern zuckt. Stoppen Sie, dass sie kein vernünftiges Ernährungsprogramm nach ihren Bedürfnissen machen, sondern von einer Fernseh-Expertin mit schlauen Ratschlägen versorgt werden.

Jetzt meinen Sie, die seien ja selbst schuld, warum müsse man auch bei einer solchen Sendung mitmachen? Vielleicht deshalb, weil man als junger Mensch ohne Ausbildung, der ein Gewicht von drei Zentnern mit sich herumträgt, nach jedem Strohhalm greift - und so auch einen Pakt mit dem Teufel RTL2 eingeht. Deshalb: Ab in den Dienstwagen, fahren Sie hin zu Santana, Becci und Cengiz und sehen Sie nach, ob es denen noch gut geht. Und nehmen Sie den Niebel gleich mit. Denn dass RTL2 namibische Eingeborenen-Familien als Deko-Element in der Campkulisse missbraucht hat, sollte bitte auch dicken Ärger geben. Danke!

Donnerstag, 12. August 2010

"Frei nach Plan": Drei Schwestern und ein Elefant

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Wenn Fußball kommt, und sei es auch nur ein Testspiel, holen die Öffentlich-Rechtlichen als Gegenstück immer gern einen "besonderen" Fernsehfilm aus der Kiste - für die Damen. Und da zurzeit noch das Sommerloch gähnt, hat es gestern "Frei nach Plan" zur Primetime ins Erste geschafft, eine Tragikomödie von Franziska Meletzky. Ich blieb mehr zufällig daran hängen - außer mir leider nur etwas mehr als drei Millionen weitere Zuschauer. Dabei hatte man hier eine großartige Besetzung aufgefahren, unter anderem Corinna Harfouch und Dagmar Manzel. Doch so recht kriegte die Story den Allerwertesten nicht hoch.

Wer "Zurück nach Dalarna" gesehen hat, kennt ungefähr das Grundgerüst: Zur Familienfeier - die Mutter hat Geburtstag - kehrt eine Tochter, das schwarze Schaf, aus der Stadt nach Hause zurück und trifft dort ihre zwei Schwestern, die in der Provinz zurückgeblieben sind. Das schwarze Schaf ist in diesem Fall eine Rocksängerin, die Pleite gegangen ist - eine Rolle, die Dagmar Manzel (in bunten Ethno-Fähnchen) überhaupt nicht gut stand. Da half auch das zersauste Haar nicht. Sehr glaubwürdig indessen Corinna Harfouch als älteste Schwester, die verbissen und zerzweifelt versucht, das Fest zu organisieren. Und dabei immer wieder daran scheitert, dass keiner bei ihrem Plan mitzieht, wie harsch sie auch dazu auffordert. Dazwischen die sanfte dritte Schwester, der die Rockröhre den Mann ausspannt und die in der letzten Viertelstunde nur noch heulend im Bild steht.

Hatte mir der Film bis zur Hälfte gut gefallen, vor allem durch die Liebe zu den Zwischentönen, ist er doch zum Ende hin abgestürzt - der Schluss spulte sich seltsam schnell ab, fast als wäre auf einen Schlag mit dem Tod der Mutter die Luft raus. Noch rätselhafter das letzte Bild: Ein Elefant geht im Morgengrauen spazieren. Mmmh. Da hat sich Franziska Meletzky, die auch schon Folgen für Stromberg schrieb, wohl noch mal einen ganz persönlichen Spaß gegönnt.

P.S.: Und jetzt noch eine Preisfrage: Welche Schauspielerin aus der letzten Stromberg-Staffel war in "Frei nach Plan" in einer Nebenrolle zu sehen? Kleiner Tipp: Diesmal ohne Hornbrille, Dutt und Akzent.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Gekke Mannen: Holland liebt Mad Men

Mein Kurzurlaub in Amsterdam war herrlich - und ich habe mir einen Blick in das Fernseh-Gärtchen unserer Nachbarn erlaubt. Und was soll ich sagen: Das ganze Land ist im Mad Men Fieber! Staffel 3 springt einen aus jedem DVD-Shop an, die Frauenzeitschrift VIVA hat den Werbern gar ein ganzes Heft gewidmet, und auf den Straßen überall Damen im Bleistiftrock. Was zwar den Nachteil hat, dass man damit nicht wirklich gut Fahrrad fahren kann. Aber das stört die Amsterdamerin an sich nicht, sie fährt ja auch freihändig und schreibt dabei SMS, während der Hund am Lenker angeleint nebenher läuft. Die SMS schreibt sie natürlich in fließendem Englisch, weil sie seit ihrer Kindheit alle Serien und Filme im Original sieht und deshalb mindestens so gepflegt parliert wie Joan Holloway höchstpersönlich.

Und noch eine alte Bekannte unter den US-Serien ist mir untergekommen: "In Treament" wurde von der NCRV (Nederlandse Christelijke Radio-Vereniging) in der niederländischen Variante produziert und ist jetzt unter dem Titel "In Therapie" zu sehen. In einer der Hauptrollen: Carice van Houten (die Ex von Sebastian Koch). Den Therapeuten-Part übernimmt Jacob Derwig. Aber ob der den Hundeblick von Gabriel Byrne genauso gut hinbekommt? Laat je verrassen!

Montag, 12. Juli 2010

Durchlüften!

Die Luft steht, man könnte sie in Scheibchen schneiden. Es wird Zeit zum Durchlüften. Auch was meinen Fernsehkonsum angeht: Dauerfernsehen während der WM macht mürbe im Kopf, zumal man immer nur die gleichen Gesichter vorbeiziehen sieht. Kahn, Klopp, Waldi und wie sie alle heißen dürfen jetzt in die Ferien gehen, und ich gönne mir eine kleine Fernseh-Sommerdiät. Und weil ich mich jetzt lieber draußen herumtreibe, wird der Festplattenrecorder programmiert, um genug Konserven für Schlechtwetter-Abende einzulagern. Dazu gehört auch das Highlight morgen um 22.15 h: Ein Switch-Dschungelcamp-Extra, auf das ich mich jetzt schon freue. Und sollten die Gäule ganz mit mir durchgehen, nehme ich auch noch Solitary am Samstag mit. Ihr wisst ja, wie gern ich auf Frau Kraus herumklopfe. In diesem Sinne: Schöne heiße Tage!

Donnerstag, 8. Juli 2010

Tag 1 nach dem verlorenen Halbfinale: Fernsehkater.

Puh. Jetzt muss ich mich erst einmal wieder sammeln. Der Finaltraum ist ausgeträumt und der Fernsehkater setzt ziemlich schnell ein. Keine Serie, kein noch so guter Film hat mich in der letzten Zeit körperlich so mitgenommen wie die Deutschlandspiele. Kein Wunder: Außer bei "24" gibt es sonst nirgendwo diese unglaubliche Echtzeit-Relevanz, die einen ans Sofa nagelt und jeden Gang aus dem Zimmer sofort mit einer verpassten Szene bestraft. Oder gar mit einem Tor. Jetzt ist die Luft komplett raus. So sehr raus wie bei den Außenreportern der ARD gestern: Die eine stand nach dem Spiel allein gelassen im Müll der abgerauschten Fans, ein anderer verlor sich in den leeren Rängen eines Public Viewing Stadions. Verlieren macht ganz schön einsam. Und traurig. Beim Interview mit Philipp Lahm hätte ich am liebsten durch den Bildschirm gegriffen und ihm auf die Schulter geklopft. Junge, es kommen auch wieder bessere Zeiten! Und sicher auch bessere Moderationen, um mal hart das Thema zu wechseln. Über Katrin Müller-Hohenstein wurde ja viel geschrieben. Aber ist jemandem ihr Bonmot vorgestern beim ersten Halbfinalspiel aufgefallen, als sie fragte: "Hab ich da eine Fata Morgana gehört?" Nein Katrin, das waren Vuvuzelas. Aber das kann man schon mal verwechseln. Ich räum' jetzt das Leergut vom Wohnzimmertisch.

Freitag, 2. Juli 2010

Crazy Competition: Plumper Quatsch in der Provinz

Ob in China ein Sack Reis umfiel oder in Wassenach eine Mülltonne, war bislang einerlei. Das will ProSieben mit "Crazy Competition" ändern. In der ersten Folge durften zwei Eifel-Orte in drei absurden Disziplinen gegeneinander antreten. Und ich als Ex-Provinzbewohnerin darf es sagen: Nichts liebt der Provinzler mehr, als sich mit seinem Nachbarn zu messen und zu gewinnen. Vom Konzept her wäre also ein unterhaltsamer Abend durchaus drin gewesen. Hätte man sich doch Aufgaben ausgedacht, die wenigstens ein Quentchen interessant oder gar intelligent gewesen wären! Nein, das reiche Wassenach musste gegen die Underdogs aus Glees im Mülltonnen-Racing, Lebkuchenhaus-Wettbauen und Frauen-Tragen antreten. Herzlich willkommen in der Steinzeit! Und natürlich bekamen in jedem Dorf Männlein und Weiblein die ihnen von Natur aus zugedachten Aufgaben. Die Jungs schraubten an ihren Mülltonnen herum, die Damen blieben in der Küche und fabrizierten Lebkuchen-Ziegel.

Statt Spannung also nur Garagengespräche, Küchen-Schnack und schwitzende Dorfbewohner. Gut, dass Sonya Krauss - die im Übrigen vom Sprachgestus immer mehr an Ingrid Steeger erinnert - vor jeder Pause rief "Halt! Nicht wegschalten! Bleiben Sie dran, es lohnt sich!". Ich hätte es sonst fast getan, immer hin lief zeitgleich "American Graffiti". Aber ich blieb tapfer dabei und sah dabei zu, wie Jumbo Schreiner bei jedem noch so langweiligen Handgriff eine Sensation herbeizureden versuchte. Um dann den Teilnehmern noch einmal einzuschärfen: "Es heißt crazy Competition, nicht langweilige Competition!" Ja, wirklich total crazy, das alles! Pleiten, Pech und Pannen in der Provinz: Den Wassenachern fielen die Räder von der Mülltonne, die Gleeser mussten ihrem Lebkuchenhaus beim Einsturz zusehen. Einziges interessantes Detail am Rande: Als Provinzbürgermeister verdient man offenbar nicht schlecht. Der Wassenacher OB sichert seine Villa per Fingerabdruck-Kontrolle und hat eine kleine, feine Porsche-Auswahl vor dem Haus stehen. Das nützt ihm aber jetzt alles nichts: Denn die Underdogs aus Glees haben total verrückt bei der Competition gewonnen. Somit geht der "Stein der Schande" nach Wassenach. Leider bleibt er da nicht lange liegen: 14 weitere Dörfer wollen diesen plumpen Quatsch noch über sich ergehen lassen.

Dienstag, 29. Juni 2010

Sibel Kekilli: Darf die Perle endlich glänzen?

"Ich, Schauspielerin, weiblich, Spielalter von 23 bis 30, bin an guten Stoffen interessiert. Ich will arbeiten!" So direkt wie Sibel Kekilli bei der diesjährigen Lola-Verleihung hatte wohl noch keine Schauspielerin den Finger in die Wunde gelegt. Sie fühlte sich bei Besetzungen übergangen, in die falsche Schublade gesteckt, wollte einfach nur zeigen was sie kann. Wer sie in Dieter Wedels unsäglichem Zweiteiler "Gier" in der Nebenrolle als Animiermädchen Nadja wahrgenommen hatte, wusste, wovon sie sprach. Jetzt mehren sich die Zeichen, dass Sibel Kekilli eine neue Chance bekommt: Ihre Episodenrolle im Kiel-Tatort soll ausgebaut werden. Dass sie die charismatische Maren Eggert als Frieda Jung ersetzen kann, ist wohl nicht zu erwarten. Aber es ist auch nicht der schlechteste Tatort für Kekilli, um ihre Facetten zu zeigen. Zart, aber doch temperamentvoll könnte sie ein interessantes Gegengewicht bilden zum behäbigen Borowski, der seine Minimal-Mimik zum Markenzeichen gemacht hat. Ein erster Schritt zum lang ersehnten Durchbruch? Zu wünschen wäre es ihr.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Frank Giering: Der große Zweifler ist gegangen

Frank Giering ist tot, und damit verlässt einer meiner liebsten Fernsehschauspieler die Bühne. Das macht mich sehr traurig, denn er war erst 38 Jahre alt. In den wenigen Interviews, die über ihn zu lesen waren, ließ er durchblicken, wie sehr er an sich und seiner Leistung zweifelte. Erst mit 29 Jahren traute er sich zu, bei seiner Mutter auszuziehen. Für mich war Giering immer der Melancholiker mit dem gewissen Etwas - er spielte abgründig, intensiv, aber nie ließ er einen kalt, selbst in Nebenrollen wie zuletzt als Henry Weber in Der Kriminalist. Natürlich bleibt Absolute Giganten unvergessen, danach verzieh man auch Fehltritte wie Baader gern. Und wann immer der Name Giering im Fernsehprogramm erschien, und war es auch noch so ein banaler Fernfilm, war das gleichzeitig ein Muss und ein Qualitätssiegel für mich als Zuschauerin. Frank Giering, der Spezialist für Rollen mit Brüchen: dass es die in seinem eigenen Leben offenbar auch gab, mehr als wir gedacht hätten, hat sich erst jetzt gezeigt.

Nachtrag: Frank Giering starb an einer Gallenkolik, wie die Obduktion ergab.

Montag, 21. Juni 2010

RTL-Ferienreporter: Rette uns, wer kann!

Wir armen Deutschen. Uns gelingt auch wirklich nichts. Wir können keine vernünftige Regierung wählen, werden auf dem Platz von Serbien blamiert - und am allerschlimmsten ist es im Urlaub. Da sind wir nämlich völlig verloren, weil aber auch alles schief geht. Aber zum Glück gibt es ja den netten Onkel Ralf Benkö vom RTL-Reportage-Kleinod "Wir retten Ihren Urlaub - Einsatz für den RTL-Ferienreporter". Der spürt schon über tausende Kilometer hinweg, wenn eine gebeutelte deutsche Familie aus dem Hotel fliegt, weil sie über einen Internet-Pleitegeier gebucht hat. Wie durch Zauberhand ist die Kamera schon an, wenn die ersten Tränchen fließen, die Koffer im türkischen Straßenstaub landen und der Rezeptions-Gorilla grimmig guckt. Auftritt Superheld Benkö: Jetzt wird der türkische Tourismus zurückgeärgert! Der Mann schachert um Hotelzimmer, knetet Hoteliers weich und führt gähnend-spannende Telefonate, bis die randlose Brille gefährlich wackelt. Am Ende ist dann alles gut und die Familie schlürft Drinks im Pool. Zwar völlig lächerlich gemacht und entmündigt, aber Hauptsache dat Wasser is so schön blau!

Donnerstag, 17. Juni 2010

Entlausungskur beim ZDF: Der Affe muss weg

Vor lauter WM-Trubel hat keiner gemerkt, dass das ZDF gerade dabei ist, klammheimlich "Unser Charly" abzuservieren, nach sage und schreibe 15 Staffeln, die 16. wird gerade gedreht! Der Grund dafür ist nicht etwa, dass man den Zuschauern inzwischen mehr Niveau zutraut, als dem haarigen Freund zur besten Sendezeit beim Bananensammeln zuzusehen. Nein, laut welt.de haben sich unter anderem "führende Wissenschaftler und Juristen" beschwert. Denn es sei schließlich nicht klar, was mit den Charly-Darstellern geschehe, wenn sie für ihre alterslose Rolle zu tatterig geworden seien. Offenbar kommen sie dann nicht gemütlich ins Affenaltersheim, sondern "in ein schlecht geführtes Tierasyl in Texas, dem das US-Landwirtschaftsministerium die Lizenz entzogen hat." Nicht nur angesichts dieser Vorstellung hält sich meine Trauer über die Absetzung der Serie in Grenzen. Über den Tierschutz würde ich in diesem Fall übrigens den Zuschauerschutz setzen. An den sollte man überhaupt viel öfter denken. Dann müssten auch nicht so viele alte Affen nach Texas.

Montag, 14. Juni 2010

My Name is Kahn

Erinnert sich noch jemand an die Spielfeld-Interviews, zu denen sich Oliver Kahn in seiner aktiven Laufbahn immer ganz doll zwingen musste? Den Blick nach rechts oben vom Interviewer weg gerichtet, Augen und Lippen zusammengekniffen, die Sätze kurz, abgehackt und immer ein bisschen zickig. Das war mal! Der neu geborene Kahn parlierte gestern Katrin Müller-Hohenstein lässig an die Wand. Für ihn ein innerer Reichsparteitag? Wie auch immer: Der Anzug schnieke, die Pose lässig-weltmännisch, passend dazu ein neues kleines Wohlstandsbäuchlein - Olli füllte die neue Rolle mit jeder Pore aus, sichtlich genießend. Ob man ihn nach dem Spiel aus dem Studio komplimentieren musste? Übrigens: Die Suche nach dem neuen Bundespräsidenten dürfte nach diesem Auftritt ja wohl beendet sein.

Freitag, 11. Juni 2010

Tröööööööt, es ist WM!

Für mich hat es etwas Entspannendes, das Gebrabbel von Netzer und Delling, ich lasse es gerade im Hintergrund laufen. Was mich allerdings beunruhigt: Das Grundrauschen tausender Vuvuzelas im Stadion legt einen Klangteppich darunter, der an einen Hornissenschwarm denken lässt. Respekt, wer da noch normal weitermoderieren kann. Und die Spieler sollten rechtzeitig über Ohrstöpsel nachdenken. Pfeift an!

Donnerstag, 10. Juni 2010

Jauch geht zur ARD - kann er das Greisenprogramm retten?

Das kann man sich heute kaum noch vorstellen: Die Internationale Funkausstellung war in den 80ern tatsächlich ein kleines Fernsehereignis. Und zwei stachen dabei besonders heraus: Gottschalk und Jauch, die frechen Schlakse, die sich durch die löchrig geplante Sendung kalauerten. Heute sind beide Fernseh-Dinosaurier. Gottschalk quält sich schon so lange beim ZDF, dass man ihm den Abschied fast herbeiwünscht. Und jetzt wagt auch Jauch den Schritt zurück zu den Öffentlich-Rechtlichen und soll die ARD mit aus dem Tief ziehen. Und so vielleicht den zarten Aufschwung fördern, der nach "Unser Star für Oslo" bei den Machern des Ersten so gefeiert wurde. Charme hat er immer noch, mehr als Gottschalk, das war damals schon so. Aber wird er den bei der ARD auch behalten oder bald angesichts endloser Gremien- und Redaktionssitzungen Patina ansetzen? Raab schreckte immer vor dem Gang zur ARD zurück, um seinen kreativen Spirit nicht zu verlieren. Jauch drücke ich die Daumen, dass der Kelch der vorzeitigen Vergreisung an ihm vorübergehen möge.

Dienstag, 8. Juni 2010

Victoria, der Prinz kütt!

Frauen, die keinen Fußball mögen, müssen nicht traurig sein. Denn die Öffentlich-Rechtlichen haben für sie ein vermeintliches Alternativthema gefunden, das in den nächsten zwei Wochen rauf- und runtergesendet wird: Victoria soll mit ihrer Hochzeit nicht nur Schweden glücklich machen, sie wird - wie einst ihre Mama - auch Stammgast in den deutschen Wohnzimmern. Die ARD hat mit dem unerschütterlichen Adels-Haudegen Rolf Seelmann-Eggebert natürlich schon vorgelegt, "Traumhochzeit in Schweden" wurde bereits im Mai ausgestrahlt und läuft am 16. Juni noch einmal im NDR. Und natürlich moderiert Seelmann-Eggebert die Trauung am Jubeltag live. Mit dem Bräutigam hat er jetzt schon Mitleid, wie er dem Tagesspiegel verriet: "Für einen Mann ist diese Rolle schwierig. Es beginnt schon damit, dass Westling wegen des Protokolls immer zwei Schritte hinter Victoria wird gehen müssen." Wie sich Westling in Vickies Windschatten wirklich fühlt? Vielleicht verrät uns das die erste Folge der ZDF-Dokureihe "Königliche Hochzeit", die heute mit "Ein Prinz für Victoria" startet. Ich rolle den roten Teppich aus und sage: Adel verpflichtet.

Freitag, 4. Juni 2010

Kastriert: "Das wilde Leben"

Liebe Hippies. Die einen kopieren euch, die andern machen Witze über euch: euer Lebensmodell von damals wird heutzutage alles, nur meistens nicht ernst genommen. Aber den Uschi-Obermaier-Film "Das wilde Leben", ausgestrahlt gestern Abend auf Sat1, habt ihr wirklich nicht verdient: An dieser Kostümparty stimmte nicht der kleinste Zwischenton, und gute Momente habe ich vielleicht deshalb gar nicht bemerkt, weil meine Entrüstung über Matthias Schweighöfer als Rainer Langhans zu groß war. Man mag über das Original denken was man will, aber diese Kopie mit der überdimensionalen Kraus-Perücke wird ihm nun wirklich nicht gerecht. Zumal auch Schweighöfer die ironische Distanz zu seiner Rolle überdeutlich anzumerken war. Über Obermaier selbst erfuhr man außer optischen Details nicht viel - wie tickte diese Frau wirklich, was wollte sie? Vielleicht gab es in der zweiten Hälfte mehr Hinweise, ich habe den Film ehrlich gesagt nicht zu Ende gesehn. Völlig absurd wurde es durch die Werbung zwischendurch: Gerade noch wälzen sich die Kommunarden nackt auf dem Boden, dann springt der Spot rein. "Finden Sie Ihren Partner ganz einfach online auf parship.de!" So geht das heute, liebe Hippies.

Wenigstens meine kleine Tochter schenkt Uschi etwas mehr Aufmerksamkeit. Als ich neulich in einer Zeitschrift blätterte, entdeckte sie die "Me myself an Mey"-Anzeige mit Obermaier. "Mama, wer ist das?" - "Das ist Uschi Obermaier." - "Mmmh. Mama, die Oma Uschimaier is' nackidei!"

Montag, 31. Mai 2010

Norwegian Wood

Es ist vollbracht: Lena Meyer-Landrut hat sich in den Olymp geknödelt und ich bin um ein paar Erkenntnisse reicher:

1. Es entscheidet weder die Ponylänge, Flügelgröße noch Taillenweite über Platz eins.
2. Überschwängliche Freude äußert sich bei norwegischen Moderatorinnen in einem Zucken des linken Mundwinkels.
3. Norwegische Moderatorinnen finden es nicht witzig, wenn man kein Norwegisch kann und es trotzdem versucht.
4. Peter Urban sollte zur Kur.
5. Christian Wulff stand mit Blumen am Flughafen wie ein Konfirmant am Kuchenbüffet.
6. Nein, ich will Lena nächstes Jahr nicht noch einmal sehen.
7. Ja, ich hätte gern auch ein Trickkleid mit LED-Leuchten.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Im Angesicht des Verbrechens: Und nu?

Ich bin noch ein Fazit schuldig. Die letzten vier Folgen haben mich zwar mehr eingefangen, aber die große Begeisterung will sich nach dem Abspann trotzdem nicht einstellen. Was mir gefallen hat, war die Leistung einzelner Schauspieler - von Maticevic, Zehrfeld und auch Mark Ivanir alias Andrej werden wir hoffentlich noch sehr viel sehen und hören. Ansonsten enthielt mir die Geschichte zu viele unglaubwürdige Momente (das korrupte Polizistenpaar, das sich gegenseitig niederschießt - purer Slapstick) und dann doch wieder zu viel Vorhersehbares. Marek und Jelena werden ein Paar - das war nach den vielen Rückblenden wohl unausweichlich. Und am Ende fasst Marek den Bösewicht, um seinen Bruder endgültig zu rächen. Auch das keine große Überraschung. Lediglich Lottners Coolness rettet die letzten Szenen vor dem Mittelmaß. Zurück bleibt der Eindruck, die Serie mit ihren vielen Figuren und Handlungssträngen wie eine Fleißarbeit weggeackert zu haben, ohne dass sich echter Genuss einstellte. Ich habe nicht wirklich mit den Figuren mitgefiebert, die meisten blieben mir relativ gleichgültig. Ob es eine Fortsetzung geben sollte? Ich würde sagen: Lassen wir das.

Mittwoch, 26. Mai 2010

5 Minuten "Wetten, dass...?"

Arena. Bohlen im Glitzeranzug auf dem Trike. Gottschalk mit lila Slippern. Ballack im pinken Oberhemd. Hunziker dauergrinsend. Lionel Ritchie singt zum 100000000 Mal ein Medley seiner besten Hits. Bei "Hello" a capella weinen Frauen mit blonden Strähnchen im Publikum. Nicole Ritchie wallt herein wie ein durchgeknallter Hippie. Ein Mann zieht sich rückwärts auf einem laufenden Laufband aus. Und zapp - weg.

Freitag, 7. Mai 2010

Webschau: Schauspieler-Homepages

Man kann die eigene Homepage lieblos gestalten - oder sich Mühe geben. Manche Schauspieler tun das tatsächlich, und das soll hier mal lobend erwähnt werden. Meine Lieblinge im Netz: Misel Maticevic kommt im Web ebenso großartig rüber wie Steffen Wink, Jürgen Tonkel und Floria David Fitz. Auch Heike Makatsch' Site kann sich durchaus sehen lassen. Schräg, aber liebenswert und irgendwie typgerecht: die Seite von "Elphlego" Charly Hübner. Man beachte das Video der "Aschewolkeautofahrt". Und noch ein Favorit von mir: die Seite von Antoine Monot Jr. - tolle Illustration, schöne Inhalte.

Always a woman

Das Leben einer Frau in 1:30 - so wie die UK-Kaufhauskette John Lewis es sich vorstellt:

Donnerstag, 6. Mai 2010

Im Angesicht des Verbrechens: Rosenregen oder Rübe ab?

Ja, doch, langsam nimmt es Fahrt auf. Auch wenn ich immer noch sagen muss: Herr Graf, Finger weg von den Rückblenden, das ist Fernsehen von gestern! Über den Hubschrauber, der zum Geburtstag der Mafia-Dame Rosenblätter abwirft, schweigen wir auch besser. Als wahre Hauptfigur kristallisiert sich indes immer mehr Mischa heraus. Seine Parabel vom Krieg der Mafiabosse zeigt: Mit ihm ist eine neue Generation am Ruder, die lieber mit dem Kopf entscheidet (auch wenn der dann anderweitig zur Abschreckung abgehauen wird) als mit der Wumme. Der dicke Lenz (herrlich eklig: Bernd Stegemann) entscheidet hingegen eher aus der Hose heraus und gönnt sich im Zug eine Kaviar-Schampus-Mädchen-Orgie, die nach seinem Herzinfarkt kurz zuvor sicherlich keine so gute Idee ist. Jetzt habe ich schon mehr als die Hälfte der Folgen gesehen - und frage mich langsam: Wie will man das alles zuende erzählen?

Dienstag, 4. Mai 2010

Im Angesicht des Verbrechens: Russisches Flechtwerk

"Es gibt noch viele lose Fäden" sagte Rolf Basedow, Autor von "Im Angesicht des Verbrechens", im Interview. Aus diesen Fäden hat er auch im dritten und vierten Teil ein sehr löchriges Netz gesponnen. Man hat sogar eher den Eindruck, dass immer noch mehr Fäden dazukommen, sich ständig neue Nebenstrecken auftun. Zum Beispiel der korrupte Polizist, der eine Affäre mit einer Kollegin hat. Oder das Familienleben des russischen Mafiabosses, der vor seiner Villa harmlos Kindergeburtstag im Kreise seiner Lieben feiert.

Max Riemelt läuft noch immer in zu großen Schuhen durch die Szenen - was geht in diesem Mann vor, was will diese Figur? Den Bruder rächen, aber mit so wenig Leidenschaft? Ich kaufe ihm den aufrechten Polizisten immer noch nicht ab, er spielt ihn wie ein Abiturient in der Theater-AG. Lichtblick immer wieder: Misel Maticevic, der mit einem abgründigen Blick eine ganze Szene retten kann und in seiner Zerrissenheit glaubwürdig wirkt. Ansonsten: Viel Hauerei. Es ist so eine ganz andere Welt. Und die Figuren geben uns wenig Grund, uns mit ihnen zu solidarisieren.

Montag, 3. Mai 2010

Confessions on a dancefloor

Ein Freitag Abend mit der Großfamilie, die Gespräche klingeln durcheinander, der Fernseher läuft im Hintergrund und ich muss immer wieder hingucken. Schlimm genug: Es läuft "Let's dance", das auch ohne Ton hart an der Grenze ist. Nicht ganz so schlimm wie Hasselhoff zuletzt im Musikantenstadl, aber ebenso grotesk: Brigitte Nielsen schleudert einen armen Beau über das Bohnerwachs, dass einem Hören uns Sehen vergeht. Man hat schon Pferde tanzen sehen! Ich hake auch den Auftritt von "Rolfe" und Begleiterin gedanklich schnell ab und habe zum Glück am Sonntag Abend schon wieder vergessen, wie grausam Fernsehen manchmal sein kann. Und zack, schon wieder ein neuer Polizeiruf aus Rostock. Diesmal hart, brutal und bis an die Grenzen explizit: abgerissene Beine, zermatschter Kopf, und die Kamera hält unbekümmert drauf. Der Fall: spannend, undurchsichtig und leider am Ende nicht komplett aufgelöst. Zudem noch mit einem Kai-aus-der-Kiste-Effekt am Ende: Woher bitte kam plötzlich der Schnee im Rostocker Wald? Auf eine Liasion zwischen den Kommissaren kann ich übrigens gut verzichten, liebe Macher. Bitte lasst es nicht so gewöhnlich werden - dafür ist die Kombi Sarnau-Hübner einfach zu wertvoll.

Samstag, 1. Mai 2010

Bei Hempels unterm Sofa

...genau da sollte man sie verstecken. Denn beide haben eins gemeinsam: Sie sind unglaublich hässlich, aber leider braucht man sie doch. Ich rede von Fernbedienungen und Programmzeitschriften. Fernbedienungen sind bei uns im Haushalt so etwas wie die neunköpfige Hydra: Egal wie oft man sich ihrer entledigt, sie wachsen immer nach. Wir haben inzwischen vier - für den Videorecorder, den Fernseher, die Stereoanlage und den Festplattenrecorder. Und immer liegt eine gerade da, wo man sich hinsetzen will! Mit Programmzeitschriften ist es nicht besser. Müssen die so grell sein? Das sind Augenschmerzen! Schon beim Anblick des Covers (meistens eine gefotoshopte Grazie im Bikini) bleibt mir so die Luft weg, dass ich nur noch todesmutig schnell reinschaue, die Uhrzeiten scanne und dann das Teufelswerk schnell unter einem Zeitschriftenstapel verschwinden lasse. Wo sind denn die ganzen Mediendesigner dieser Welt, haben die kein Einsehen? Aber selber schuld, ich kaufe sie ja doch immer wieder. Das nackte Programm in der Tageszeitung ist mir dann doch zu dröge. Ich bin mir allerdings sicher: Sollte ich jemals in die Hölle kommen, warten da alle meine abgelegten Fernbedienungen und ein Schrank voller TV-Zeitschriften auf mich. Und zwar ohne Fernseher!

Donnerstag, 29. April 2010

Im Angesicht des Hype II

Zack, da war sie, die Euphoriebremse. Nach den ersten zwei Folgen "Im Angesicht des Verbrechens" bin ich ratlos. Ist Max Riemelt nicht eine Spur zu soft für den abgebrühten Jungbullen (oder besser: Musar)? Sind nicht permanent viel zu viele Personen im Bild, die Massenszenen in Restaurant, Club, Polizeirevier bevölkern? Gibt Marie Bäumer hier das Romy Schneider-Double? Und hatte der Tonmeister Urlaub, man hört oft nur Genuschel? Sicher, die Geschichte ist sehr dicht, da sind viele Stränge zu beackern, man braucht seine Zeit um reinzufinden. Ich wünsche mir mehr gute Dialoge, weniger Massenszenen. Und weniger Märchenstunde: Dass der Polizist und das ukrainische Mädchen zusammenkommen sollen, habe ich schon beim ersten Mal verstanden und brauche es nicht nochmal als Vorankündigung mit Weichzeichner. Dafür gerne mehr von Ronald Zehrfeld: "Woher kommste, wat kannste?" "Komme ausm Ostteil der Stadt und kann von daher eingtli fast allet". Auch ein Aufwecker: die Flucht des Russen aus dem Verhörzimmer. So dreckig darf es gern weitergehen.

Mittwoch, 28. April 2010

Dutschke - wo waren deine Zuschauer?

Champions League schlägt Bildungsfernsehen: Nur magere 1,8 Millionen Zuschauer wollten gestern das Dokudrama "Dutschke" sehen - sogar "The Biggest Loser" konnte mit 1,38 Mio. mehr abräumen. Dabei war es doch gut gemeint, und stellenweise auch gut gemacht. Erst schien die Rolle für Christoph Bach eine Nummer zu groß, aber er wuchs rein - und schaffte es, Dutschke vor allem als Mensch greifbarer zu machen. Hängengeblieben ist bei mir die Szene, in der Dutschke selig sein erstes Baby wickelt - und einer seiner SDS-Mitstreiter ihn anschnauzt, damit ginge doch wertvolle Zeit für die politische Arbeit verloren. "Lass das doch Gretchen machen." Aber Dutschke wickelt ganz entspannt weiter, dies sei eben auch Politik. Eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die diesen als Polit-Engagement getarnten Machismo eben nicht nötig hatte. Am Schluss schoss sich das ZDF allerdings ein Eigentor: Kaum war der letzter Satz "Und dann war er tot" ausgesprochen, fuhr auch schon die Werbung rein. Nicht zum ersten Mal habe ich mir den guten alten Abspann zurückgewünscht.

Dienstag, 27. April 2010

Im Angesicht des Hype?

Heute startet "Im Angesicht des Verbrechens" auf ARTE - von den Kritikern mit einem derartig dicken Lob-Vorschuss bedacht, dass es einem Angst und bange wird - zumal mich Dominik Grafs letzter Serien-Versuch "Kommissar Süden" nicht wirklich überzeugt hat.

Die Dreharbeiten zum neuen Mehrteiler müssen ein Kraftakt gewesen sein. Gegenüber der ZEIT berichtet Graf, dass er dabei fast den Faden verlor: "Man lebt wie mit einem Computer im Kopf, mit dessen Hilfe man versucht, von Minute eins bis Minute 480 alles im Blick zu behalten. Da wir aber nicht mal im kleinsten Detail chronologisch gedreht haben, habe ich mich bei 40 Grad Celsius in der Russendisko manchmal schon gefragt: Wo sind wir jetzt noch mal genau im Film? Der Typ da hinten, der kann doch gar nicht im Bild rumstehen, der taucht doch erst drei Folgen später das erste Mal hier auf!" Auch Autor Rolf Basedow hat sich, wie auf stern.de nachzulesen, nicht geschont und selbst in der Ukraine recherchiert, zum Beispiel die Mechanismen des Zigarettenschmuggels, oder wie junge Frauen vom Dorf nach Berlin gebracht werden und dort in der Prostitution landen. Einmal war Basedow etwas mulmig. "Ich hatte kurz Angst, als ich mit zwei Banditen in der Ukraine im Birkenwald spazieren war." Wir sind also froh, dass er die Premiere seiner Serie erleben darf.

Über dem ganzen Hype um die Macher im Hintergrund wird fast vergessen, dass "Im Angesicht des Verbrechens" auch großartig besetzt ist - unter anderem mit den drei "M"s: Marie (Bäumer), Max (Riemelt) und Misel (Maticevic), der schon "Blackout" ein eindrucksvolles Gesicht gab. Diesmal hoffentlich nicht wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit!

Montag, 26. April 2010

Teenage Mutant Hero David

"Mutantenstadl" nennen Spötter den Musikantenstadl ja gern, und bislang erschien mir das etwas sehr zynisch. Bis ich am Samstag zufällig daran hängenblieb und dies hier mit ansehen musste: David Hasselhoff im Duett mit Andy Borg. Erschütternd.

Gottseidank ist wenigstens der Stuttgart-Tatort im Aufwind. "Blutgeld" war vielleicht nicht der glamouröseste Fall der letzten Zeit, aber mir gefiel das: etwas langsam, sehr viel solide Polizeiarbeit, wenig Privates aus dem Leben der Ermittler. Im Mittelpunkt ein Verdächtiger (stark: Stephan Kampwirth), der sich mit allem übernommen hatte. Und der zeigte, wohin es führen kann, wenn man nie genug kriegt: zwei Familien, zwei Leben, und jede Menge Schulden, aus denen er nur mit unsauberen Drehs herauszukommen glaubte. Rätselhaft lediglich, wieso die kalabrische Mafia hier mit russischen Killern zusammenarbeitete. Fehlt es an Nachwuchs? Das machte das letzte Drittel unnötig verschachtelt und verdreht. Am Ende ging - trotz Überraschungs-Showdown - fast ein wenig die Puste aus. Man hätte sich für den Schluss eine ähnlich starke Szene gewünscht wie zu Anfang: Als die Eltern mit Geburtstagstorte die Tür öffnen und ein Ständchen anstimmen - und davor stehen zwei Kommissare, die die Nachricht vom Tod des Geburtstagskinds überbringen.

Freitag, 23. April 2010

Freud' und Leid

Wo wir gerade von Zukunftsvisionen sprachen: Gibt es die für unser Fernsehprogramm? Zumindest die Kritiker scheinen die Hoffnung schon aufgegeben zu haben. David Denk schwelgt heute in der taz in Nostalgie, wie schön es doch damals mit Knight Rider und dem A-Team war, und dass solch eine mediale Erweckung heute kaum noch möglich wäre. Nun kann man nerdisch über seine Erinnerungen schwadronieren - aber was, bitte schön, war an diesen Serien wirklich gut, wenn man sie sich heute mit etwas Abstand ansieht? Die schlechten Schnitte, die holprigen Stunts, die kalauernden Dialoge? Wirklich, da sind wir doch inzwischen besseres gewohnt. Keine zehn Pferde kriegen mich mehr vor den Fernseher, wenn "Hart aber herzlich" läuft. Da fiebere ich doch lieber auf "Im Angesicht des Verbrechens" hin, das kommende Woche endlich startet. Freude!

Doch Freud' und Leid liegen in der Programmplanung oft eng nebeneinander. Für den Part Leid ist diesmal Pro7 verantwortlich: Im Sommer soll es vier neue Prime-Time-Shows geben. Unter anderem wird in "Crazy Competition", einem Battle zwischen Dörfern, an den Verlierer der „Stein der Schande“ vergeben. Moderation: Sonya "Die Geißel" Kraus und Jumbo Schreiner (who the fuck ist Jumbo Schreiner???) Charlotte Engelhardt darf in "League of Balls" Männer abchecken, ob sie die größten Checker sind. Möge der Stein der Schande den Pro7-Planern schwer auf den Schultern lasten.

Mittwoch, 21. April 2010

Vulkanologen, menschlich gesehen

Ich wusste bislang gar nicht, dass es in Deutschland so viele Vulkanologen gibt. Jetzt kommen sie alle aus ihren muffigen Universitätsbüros, um uns von großem Unheil zu künden. Der Vulkanologe an sich scheint ein Faible für extremen Bartwuchs und verknitterte Oberhemden zu haben, das Haar trägt er meist zerzaust wie frisch aus dem Ätna geschlüpft. Er hat wenig Frischluft an sich gelassen und bürstet den Aktenstaub nur höchst selten aus den Gesichtsfurchen. Manche mögen sie belächeln, mich beruhigt diese Spezies von Wissenschaftler, sie hat etwas rührend Großväterliches an sich. Zippert warnte aber heute in seiner Welt-Kolumne davor, dass die Vulkanologen derzeit die Zeckenexperten vom Bildschirm verdrängen - nicht dass die dann explodieren!

Flash Forward: Schnall' ich es nicht?

Au weia, ich habe den Faden verloren. Flash Forward verwirrt mich. Vielleicht ist das einfach zuviel für meinen Kopf: Erst glauben alle an ihre Zukunftsvision, dann wieder nicht, und dann gibt es plötzlich neben den Verschwörern mit dem Hand-Symbol auch noch die mit dem Drei-Stern-Tattoo auf dem Arm. Oder sind das die Gleichen? Und was sollte das mit dem Poker-Spiel um die Weltherrschaft? Vielleicht wollen die Macher hier auch einfach zuviel: Philosophie und Action, SciFi und Romantik... Vor allem der riesige Cast macht es unübersichtlich: Der Cop und seine Ehefrau, deren Kollegen und Patienten, die Babysitterin, Kollegen des Cops, Chef des Cops, der Freund des Cops, dessen Tochter...und alle mit langer Vergangenheit plus belastender Zukunftsvision. Jede Folge ächzt unter der Fülle der Details. Und nach einer Pipipause hast du ganz verloren. Aber ich sehe es vor mir, kurze 2:30 Minuten, es ist alles ein wenig verschwommen, aber: In einem halben Jahr werde ich im Wohnzimmer aufspringen und alles verstanden haben!

Dienstag, 20. April 2010

Wie Phoenix aus der Asche - der neue Polizeiruf

Fast hätte die deutsche Bahn es geschafft: mich durch ihr Chaos daran zu hindern, den neuen Polizeiruf aus Rostock zu sehen. Aber auch volle Waggons, Verspätungen und Schwitzen im S-Bahn-Ersatzverkehr konnten mich nicht aufhalten. Ich wurde belohnt: Nach der ersten Folge mit Charly Hübner und Anneke-Kim Sarnau freue ich mich jetzt schon auf die zweite. Vielleicht einfach deshalb, weil die beiden so grundsympathisch und normal daherkommen und scheinbar sehr lässig in ihre Rollen gefunden haben. Letztere hängen zwar leider etwas im Klischee fest (der knurrige Bulle mit Milieuvergangenheit und die Biotante: wieso eigentlich nicht mal umgekehrt?), aber das machen die guten Dialoge spielend wieder wett. Pikant auch, dass Sarnau alias Katrin König ihren neuen Kollegen beschatten soll - was hat Bukow bloß angestellt? Wir werden es herausfinden. Und Uwe Steimle dabei nicht eine Minute vermissen.

Mittwoch, 7. April 2010

Tatort, Tango tanzend

Borowski in Finnland: Das war doch mal eine ganz neue, frische Idee. Nach all dem österlichen Herumgesitze kam man so wenigstens bei den Ermittlungen an die frische Luft: in die unendlichen finnischen Wälder - grün, moosig und sehr verwirrend, wenn man sich darin nicht auskennt. Kein Wunder, dass Klaus aus Kiel mehr als einmal den Weg aus den Augen verlor und sich völlig verfranste. Denn so modern wir auch leben: Ohne Handy und Navi ist man in der finnischen Einöde eben ganz schön aufgeschmissen.

Nicht den Faden verlor er hingegen im aufzudeckenden Fall, der sich um ein ermordetes junges Mädchen drehte. Das blieb erfrischend klar und nachvollziehbar, und selbst der köpfesammelnde Massenmörder fügte sich am Ende harmonisch ins Ganze - auf seine Art. Was hätte man nicht alles für Seitenstränge auswalzen können - z.B. erzieherische Maßnahmen für Junkies in einer finnischen Blockhütte, oder auch die Romanze zwischen Borowski und seiner Kollegin Frieda. Aber selbst letztere wurde mit feinem Humor nur ganz zart angedeutet. Und deshalb war für mich dieser Tatort so erfrischend wir ein Tango in klarer finnischer Waldluft.