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Donnerstag, 29. April 2010

Im Angesicht des Hype II

Zack, da war sie, die Euphoriebremse. Nach den ersten zwei Folgen "Im Angesicht des Verbrechens" bin ich ratlos. Ist Max Riemelt nicht eine Spur zu soft für den abgebrühten Jungbullen (oder besser: Musar)? Sind nicht permanent viel zu viele Personen im Bild, die Massenszenen in Restaurant, Club, Polizeirevier bevölkern? Gibt Marie Bäumer hier das Romy Schneider-Double? Und hatte der Tonmeister Urlaub, man hört oft nur Genuschel? Sicher, die Geschichte ist sehr dicht, da sind viele Stränge zu beackern, man braucht seine Zeit um reinzufinden. Ich wünsche mir mehr gute Dialoge, weniger Massenszenen. Und weniger Märchenstunde: Dass der Polizist und das ukrainische Mädchen zusammenkommen sollen, habe ich schon beim ersten Mal verstanden und brauche es nicht nochmal als Vorankündigung mit Weichzeichner. Dafür gerne mehr von Ronald Zehrfeld: "Woher kommste, wat kannste?" "Komme ausm Ostteil der Stadt und kann von daher eingtli fast allet". Auch ein Aufwecker: die Flucht des Russen aus dem Verhörzimmer. So dreckig darf es gern weitergehen.

Mittwoch, 28. April 2010

Dutschke - wo waren deine Zuschauer?

Champions League schlägt Bildungsfernsehen: Nur magere 1,8 Millionen Zuschauer wollten gestern das Dokudrama "Dutschke" sehen - sogar "The Biggest Loser" konnte mit 1,38 Mio. mehr abräumen. Dabei war es doch gut gemeint, und stellenweise auch gut gemacht. Erst schien die Rolle für Christoph Bach eine Nummer zu groß, aber er wuchs rein - und schaffte es, Dutschke vor allem als Mensch greifbarer zu machen. Hängengeblieben ist bei mir die Szene, in der Dutschke selig sein erstes Baby wickelt - und einer seiner SDS-Mitstreiter ihn anschnauzt, damit ginge doch wertvolle Zeit für die politische Arbeit verloren. "Lass das doch Gretchen machen." Aber Dutschke wickelt ganz entspannt weiter, dies sei eben auch Politik. Eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die diesen als Polit-Engagement getarnten Machismo eben nicht nötig hatte. Am Schluss schoss sich das ZDF allerdings ein Eigentor: Kaum war der letzter Satz "Und dann war er tot" ausgesprochen, fuhr auch schon die Werbung rein. Nicht zum ersten Mal habe ich mir den guten alten Abspann zurückgewünscht.

Dienstag, 27. April 2010

Im Angesicht des Hype?

Heute startet "Im Angesicht des Verbrechens" auf ARTE - von den Kritikern mit einem derartig dicken Lob-Vorschuss bedacht, dass es einem Angst und bange wird - zumal mich Dominik Grafs letzter Serien-Versuch "Kommissar Süden" nicht wirklich überzeugt hat.

Die Dreharbeiten zum neuen Mehrteiler müssen ein Kraftakt gewesen sein. Gegenüber der ZEIT berichtet Graf, dass er dabei fast den Faden verlor: "Man lebt wie mit einem Computer im Kopf, mit dessen Hilfe man versucht, von Minute eins bis Minute 480 alles im Blick zu behalten. Da wir aber nicht mal im kleinsten Detail chronologisch gedreht haben, habe ich mich bei 40 Grad Celsius in der Russendisko manchmal schon gefragt: Wo sind wir jetzt noch mal genau im Film? Der Typ da hinten, der kann doch gar nicht im Bild rumstehen, der taucht doch erst drei Folgen später das erste Mal hier auf!" Auch Autor Rolf Basedow hat sich, wie auf stern.de nachzulesen, nicht geschont und selbst in der Ukraine recherchiert, zum Beispiel die Mechanismen des Zigarettenschmuggels, oder wie junge Frauen vom Dorf nach Berlin gebracht werden und dort in der Prostitution landen. Einmal war Basedow etwas mulmig. "Ich hatte kurz Angst, als ich mit zwei Banditen in der Ukraine im Birkenwald spazieren war." Wir sind also froh, dass er die Premiere seiner Serie erleben darf.

Über dem ganzen Hype um die Macher im Hintergrund wird fast vergessen, dass "Im Angesicht des Verbrechens" auch großartig besetzt ist - unter anderem mit den drei "M"s: Marie (Bäumer), Max (Riemelt) und Misel (Maticevic), der schon "Blackout" ein eindrucksvolles Gesicht gab. Diesmal hoffentlich nicht wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit!

Montag, 26. April 2010

Teenage Mutant Hero David

"Mutantenstadl" nennen Spötter den Musikantenstadl ja gern, und bislang erschien mir das etwas sehr zynisch. Bis ich am Samstag zufällig daran hängenblieb und dies hier mit ansehen musste: David Hasselhoff im Duett mit Andy Borg. Erschütternd.

Gottseidank ist wenigstens der Stuttgart-Tatort im Aufwind. "Blutgeld" war vielleicht nicht der glamouröseste Fall der letzten Zeit, aber mir gefiel das: etwas langsam, sehr viel solide Polizeiarbeit, wenig Privates aus dem Leben der Ermittler. Im Mittelpunkt ein Verdächtiger (stark: Stephan Kampwirth), der sich mit allem übernommen hatte. Und der zeigte, wohin es führen kann, wenn man nie genug kriegt: zwei Familien, zwei Leben, und jede Menge Schulden, aus denen er nur mit unsauberen Drehs herauszukommen glaubte. Rätselhaft lediglich, wieso die kalabrische Mafia hier mit russischen Killern zusammenarbeitete. Fehlt es an Nachwuchs? Das machte das letzte Drittel unnötig verschachtelt und verdreht. Am Ende ging - trotz Überraschungs-Showdown - fast ein wenig die Puste aus. Man hätte sich für den Schluss eine ähnlich starke Szene gewünscht wie zu Anfang: Als die Eltern mit Geburtstagstorte die Tür öffnen und ein Ständchen anstimmen - und davor stehen zwei Kommissare, die die Nachricht vom Tod des Geburtstagskinds überbringen.

Freitag, 23. April 2010

Freud' und Leid

Wo wir gerade von Zukunftsvisionen sprachen: Gibt es die für unser Fernsehprogramm? Zumindest die Kritiker scheinen die Hoffnung schon aufgegeben zu haben. David Denk schwelgt heute in der taz in Nostalgie, wie schön es doch damals mit Knight Rider und dem A-Team war, und dass solch eine mediale Erweckung heute kaum noch möglich wäre. Nun kann man nerdisch über seine Erinnerungen schwadronieren - aber was, bitte schön, war an diesen Serien wirklich gut, wenn man sie sich heute mit etwas Abstand ansieht? Die schlechten Schnitte, die holprigen Stunts, die kalauernden Dialoge? Wirklich, da sind wir doch inzwischen besseres gewohnt. Keine zehn Pferde kriegen mich mehr vor den Fernseher, wenn "Hart aber herzlich" läuft. Da fiebere ich doch lieber auf "Im Angesicht des Verbrechens" hin, das kommende Woche endlich startet. Freude!

Doch Freud' und Leid liegen in der Programmplanung oft eng nebeneinander. Für den Part Leid ist diesmal Pro7 verantwortlich: Im Sommer soll es vier neue Prime-Time-Shows geben. Unter anderem wird in "Crazy Competition", einem Battle zwischen Dörfern, an den Verlierer der „Stein der Schande“ vergeben. Moderation: Sonya "Die Geißel" Kraus und Jumbo Schreiner (who the fuck ist Jumbo Schreiner???) Charlotte Engelhardt darf in "League of Balls" Männer abchecken, ob sie die größten Checker sind. Möge der Stein der Schande den Pro7-Planern schwer auf den Schultern lasten.

Mittwoch, 21. April 2010

Vulkanologen, menschlich gesehen

Ich wusste bislang gar nicht, dass es in Deutschland so viele Vulkanologen gibt. Jetzt kommen sie alle aus ihren muffigen Universitätsbüros, um uns von großem Unheil zu künden. Der Vulkanologe an sich scheint ein Faible für extremen Bartwuchs und verknitterte Oberhemden zu haben, das Haar trägt er meist zerzaust wie frisch aus dem Ätna geschlüpft. Er hat wenig Frischluft an sich gelassen und bürstet den Aktenstaub nur höchst selten aus den Gesichtsfurchen. Manche mögen sie belächeln, mich beruhigt diese Spezies von Wissenschaftler, sie hat etwas rührend Großväterliches an sich. Zippert warnte aber heute in seiner Welt-Kolumne davor, dass die Vulkanologen derzeit die Zeckenexperten vom Bildschirm verdrängen - nicht dass die dann explodieren!

Flash Forward: Schnall' ich es nicht?

Au weia, ich habe den Faden verloren. Flash Forward verwirrt mich. Vielleicht ist das einfach zuviel für meinen Kopf: Erst glauben alle an ihre Zukunftsvision, dann wieder nicht, und dann gibt es plötzlich neben den Verschwörern mit dem Hand-Symbol auch noch die mit dem Drei-Stern-Tattoo auf dem Arm. Oder sind das die Gleichen? Und was sollte das mit dem Poker-Spiel um die Weltherrschaft? Vielleicht wollen die Macher hier auch einfach zuviel: Philosophie und Action, SciFi und Romantik... Vor allem der riesige Cast macht es unübersichtlich: Der Cop und seine Ehefrau, deren Kollegen und Patienten, die Babysitterin, Kollegen des Cops, Chef des Cops, der Freund des Cops, dessen Tochter...und alle mit langer Vergangenheit plus belastender Zukunftsvision. Jede Folge ächzt unter der Fülle der Details. Und nach einer Pipipause hast du ganz verloren. Aber ich sehe es vor mir, kurze 2:30 Minuten, es ist alles ein wenig verschwommen, aber: In einem halben Jahr werde ich im Wohnzimmer aufspringen und alles verstanden haben!

Dienstag, 20. April 2010

Wie Phoenix aus der Asche - der neue Polizeiruf

Fast hätte die deutsche Bahn es geschafft: mich durch ihr Chaos daran zu hindern, den neuen Polizeiruf aus Rostock zu sehen. Aber auch volle Waggons, Verspätungen und Schwitzen im S-Bahn-Ersatzverkehr konnten mich nicht aufhalten. Ich wurde belohnt: Nach der ersten Folge mit Charly Hübner und Anneke-Kim Sarnau freue ich mich jetzt schon auf die zweite. Vielleicht einfach deshalb, weil die beiden so grundsympathisch und normal daherkommen und scheinbar sehr lässig in ihre Rollen gefunden haben. Letztere hängen zwar leider etwas im Klischee fest (der knurrige Bulle mit Milieuvergangenheit und die Biotante: wieso eigentlich nicht mal umgekehrt?), aber das machen die guten Dialoge spielend wieder wett. Pikant auch, dass Sarnau alias Katrin König ihren neuen Kollegen beschatten soll - was hat Bukow bloß angestellt? Wir werden es herausfinden. Und Uwe Steimle dabei nicht eine Minute vermissen.

Mittwoch, 7. April 2010

Tatort, Tango tanzend

Borowski in Finnland: Das war doch mal eine ganz neue, frische Idee. Nach all dem österlichen Herumgesitze kam man so wenigstens bei den Ermittlungen an die frische Luft: in die unendlichen finnischen Wälder - grün, moosig und sehr verwirrend, wenn man sich darin nicht auskennt. Kein Wunder, dass Klaus aus Kiel mehr als einmal den Weg aus den Augen verlor und sich völlig verfranste. Denn so modern wir auch leben: Ohne Handy und Navi ist man in der finnischen Einöde eben ganz schön aufgeschmissen.

Nicht den Faden verlor er hingegen im aufzudeckenden Fall, der sich um ein ermordetes junges Mädchen drehte. Das blieb erfrischend klar und nachvollziehbar, und selbst der köpfesammelnde Massenmörder fügte sich am Ende harmonisch ins Ganze - auf seine Art. Was hätte man nicht alles für Seitenstränge auswalzen können - z.B. erzieherische Maßnahmen für Junkies in einer finnischen Blockhütte, oder auch die Romanze zwischen Borowski und seiner Kollegin Frieda. Aber selbst letztere wurde mit feinem Humor nur ganz zart angedeutet. Und deshalb war für mich dieser Tatort so erfrischend wir ein Tango in klarer finnischer Waldluft.