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Dienstag, 29. Juni 2010

Sibel Kekilli: Darf die Perle endlich glänzen?

"Ich, Schauspielerin, weiblich, Spielalter von 23 bis 30, bin an guten Stoffen interessiert. Ich will arbeiten!" So direkt wie Sibel Kekilli bei der diesjährigen Lola-Verleihung hatte wohl noch keine Schauspielerin den Finger in die Wunde gelegt. Sie fühlte sich bei Besetzungen übergangen, in die falsche Schublade gesteckt, wollte einfach nur zeigen was sie kann. Wer sie in Dieter Wedels unsäglichem Zweiteiler "Gier" in der Nebenrolle als Animiermädchen Nadja wahrgenommen hatte, wusste, wovon sie sprach. Jetzt mehren sich die Zeichen, dass Sibel Kekilli eine neue Chance bekommt: Ihre Episodenrolle im Kiel-Tatort soll ausgebaut werden. Dass sie die charismatische Maren Eggert als Frieda Jung ersetzen kann, ist wohl nicht zu erwarten. Aber es ist auch nicht der schlechteste Tatort für Kekilli, um ihre Facetten zu zeigen. Zart, aber doch temperamentvoll könnte sie ein interessantes Gegengewicht bilden zum behäbigen Borowski, der seine Minimal-Mimik zum Markenzeichen gemacht hat. Ein erster Schritt zum lang ersehnten Durchbruch? Zu wünschen wäre es ihr.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Frank Giering: Der große Zweifler ist gegangen

Frank Giering ist tot, und damit verlässt einer meiner liebsten Fernsehschauspieler die Bühne. Das macht mich sehr traurig, denn er war erst 38 Jahre alt. In den wenigen Interviews, die über ihn zu lesen waren, ließ er durchblicken, wie sehr er an sich und seiner Leistung zweifelte. Erst mit 29 Jahren traute er sich zu, bei seiner Mutter auszuziehen. Für mich war Giering immer der Melancholiker mit dem gewissen Etwas - er spielte abgründig, intensiv, aber nie ließ er einen kalt, selbst in Nebenrollen wie zuletzt als Henry Weber in Der Kriminalist. Natürlich bleibt Absolute Giganten unvergessen, danach verzieh man auch Fehltritte wie Baader gern. Und wann immer der Name Giering im Fernsehprogramm erschien, und war es auch noch so ein banaler Fernfilm, war das gleichzeitig ein Muss und ein Qualitätssiegel für mich als Zuschauerin. Frank Giering, der Spezialist für Rollen mit Brüchen: dass es die in seinem eigenen Leben offenbar auch gab, mehr als wir gedacht hätten, hat sich erst jetzt gezeigt.

Nachtrag: Frank Giering starb an einer Gallenkolik, wie die Obduktion ergab.

Montag, 21. Juni 2010

RTL-Ferienreporter: Rette uns, wer kann!

Wir armen Deutschen. Uns gelingt auch wirklich nichts. Wir können keine vernünftige Regierung wählen, werden auf dem Platz von Serbien blamiert - und am allerschlimmsten ist es im Urlaub. Da sind wir nämlich völlig verloren, weil aber auch alles schief geht. Aber zum Glück gibt es ja den netten Onkel Ralf Benkö vom RTL-Reportage-Kleinod "Wir retten Ihren Urlaub - Einsatz für den RTL-Ferienreporter". Der spürt schon über tausende Kilometer hinweg, wenn eine gebeutelte deutsche Familie aus dem Hotel fliegt, weil sie über einen Internet-Pleitegeier gebucht hat. Wie durch Zauberhand ist die Kamera schon an, wenn die ersten Tränchen fließen, die Koffer im türkischen Straßenstaub landen und der Rezeptions-Gorilla grimmig guckt. Auftritt Superheld Benkö: Jetzt wird der türkische Tourismus zurückgeärgert! Der Mann schachert um Hotelzimmer, knetet Hoteliers weich und führt gähnend-spannende Telefonate, bis die randlose Brille gefährlich wackelt. Am Ende ist dann alles gut und die Familie schlürft Drinks im Pool. Zwar völlig lächerlich gemacht und entmündigt, aber Hauptsache dat Wasser is so schön blau!

Donnerstag, 17. Juni 2010

Entlausungskur beim ZDF: Der Affe muss weg

Vor lauter WM-Trubel hat keiner gemerkt, dass das ZDF gerade dabei ist, klammheimlich "Unser Charly" abzuservieren, nach sage und schreibe 15 Staffeln, die 16. wird gerade gedreht! Der Grund dafür ist nicht etwa, dass man den Zuschauern inzwischen mehr Niveau zutraut, als dem haarigen Freund zur besten Sendezeit beim Bananensammeln zuzusehen. Nein, laut welt.de haben sich unter anderem "führende Wissenschaftler und Juristen" beschwert. Denn es sei schließlich nicht klar, was mit den Charly-Darstellern geschehe, wenn sie für ihre alterslose Rolle zu tatterig geworden seien. Offenbar kommen sie dann nicht gemütlich ins Affenaltersheim, sondern "in ein schlecht geführtes Tierasyl in Texas, dem das US-Landwirtschaftsministerium die Lizenz entzogen hat." Nicht nur angesichts dieser Vorstellung hält sich meine Trauer über die Absetzung der Serie in Grenzen. Über den Tierschutz würde ich in diesem Fall übrigens den Zuschauerschutz setzen. An den sollte man überhaupt viel öfter denken. Dann müssten auch nicht so viele alte Affen nach Texas.

Montag, 14. Juni 2010

My Name is Kahn

Erinnert sich noch jemand an die Spielfeld-Interviews, zu denen sich Oliver Kahn in seiner aktiven Laufbahn immer ganz doll zwingen musste? Den Blick nach rechts oben vom Interviewer weg gerichtet, Augen und Lippen zusammengekniffen, die Sätze kurz, abgehackt und immer ein bisschen zickig. Das war mal! Der neu geborene Kahn parlierte gestern Katrin Müller-Hohenstein lässig an die Wand. Für ihn ein innerer Reichsparteitag? Wie auch immer: Der Anzug schnieke, die Pose lässig-weltmännisch, passend dazu ein neues kleines Wohlstandsbäuchlein - Olli füllte die neue Rolle mit jeder Pore aus, sichtlich genießend. Ob man ihn nach dem Spiel aus dem Studio komplimentieren musste? Übrigens: Die Suche nach dem neuen Bundespräsidenten dürfte nach diesem Auftritt ja wohl beendet sein.

Freitag, 11. Juni 2010

Tröööööööt, es ist WM!

Für mich hat es etwas Entspannendes, das Gebrabbel von Netzer und Delling, ich lasse es gerade im Hintergrund laufen. Was mich allerdings beunruhigt: Das Grundrauschen tausender Vuvuzelas im Stadion legt einen Klangteppich darunter, der an einen Hornissenschwarm denken lässt. Respekt, wer da noch normal weitermoderieren kann. Und die Spieler sollten rechtzeitig über Ohrstöpsel nachdenken. Pfeift an!

Donnerstag, 10. Juni 2010

Jauch geht zur ARD - kann er das Greisenprogramm retten?

Das kann man sich heute kaum noch vorstellen: Die Internationale Funkausstellung war in den 80ern tatsächlich ein kleines Fernsehereignis. Und zwei stachen dabei besonders heraus: Gottschalk und Jauch, die frechen Schlakse, die sich durch die löchrig geplante Sendung kalauerten. Heute sind beide Fernseh-Dinosaurier. Gottschalk quält sich schon so lange beim ZDF, dass man ihm den Abschied fast herbeiwünscht. Und jetzt wagt auch Jauch den Schritt zurück zu den Öffentlich-Rechtlichen und soll die ARD mit aus dem Tief ziehen. Und so vielleicht den zarten Aufschwung fördern, der nach "Unser Star für Oslo" bei den Machern des Ersten so gefeiert wurde. Charme hat er immer noch, mehr als Gottschalk, das war damals schon so. Aber wird er den bei der ARD auch behalten oder bald angesichts endloser Gremien- und Redaktionssitzungen Patina ansetzen? Raab schreckte immer vor dem Gang zur ARD zurück, um seinen kreativen Spirit nicht zu verlieren. Jauch drücke ich die Daumen, dass der Kelch der vorzeitigen Vergreisung an ihm vorübergehen möge.

Dienstag, 8. Juni 2010

Victoria, der Prinz kütt!

Frauen, die keinen Fußball mögen, müssen nicht traurig sein. Denn die Öffentlich-Rechtlichen haben für sie ein vermeintliches Alternativthema gefunden, das in den nächsten zwei Wochen rauf- und runtergesendet wird: Victoria soll mit ihrer Hochzeit nicht nur Schweden glücklich machen, sie wird - wie einst ihre Mama - auch Stammgast in den deutschen Wohnzimmern. Die ARD hat mit dem unerschütterlichen Adels-Haudegen Rolf Seelmann-Eggebert natürlich schon vorgelegt, "Traumhochzeit in Schweden" wurde bereits im Mai ausgestrahlt und läuft am 16. Juni noch einmal im NDR. Und natürlich moderiert Seelmann-Eggebert die Trauung am Jubeltag live. Mit dem Bräutigam hat er jetzt schon Mitleid, wie er dem Tagesspiegel verriet: "Für einen Mann ist diese Rolle schwierig. Es beginnt schon damit, dass Westling wegen des Protokolls immer zwei Schritte hinter Victoria wird gehen müssen." Wie sich Westling in Vickies Windschatten wirklich fühlt? Vielleicht verrät uns das die erste Folge der ZDF-Dokureihe "Königliche Hochzeit", die heute mit "Ein Prinz für Victoria" startet. Ich rolle den roten Teppich aus und sage: Adel verpflichtet.

Freitag, 4. Juni 2010

Kastriert: "Das wilde Leben"

Liebe Hippies. Die einen kopieren euch, die andern machen Witze über euch: euer Lebensmodell von damals wird heutzutage alles, nur meistens nicht ernst genommen. Aber den Uschi-Obermaier-Film "Das wilde Leben", ausgestrahlt gestern Abend auf Sat1, habt ihr wirklich nicht verdient: An dieser Kostümparty stimmte nicht der kleinste Zwischenton, und gute Momente habe ich vielleicht deshalb gar nicht bemerkt, weil meine Entrüstung über Matthias Schweighöfer als Rainer Langhans zu groß war. Man mag über das Original denken was man will, aber diese Kopie mit der überdimensionalen Kraus-Perücke wird ihm nun wirklich nicht gerecht. Zumal auch Schweighöfer die ironische Distanz zu seiner Rolle überdeutlich anzumerken war. Über Obermaier selbst erfuhr man außer optischen Details nicht viel - wie tickte diese Frau wirklich, was wollte sie? Vielleicht gab es in der zweiten Hälfte mehr Hinweise, ich habe den Film ehrlich gesagt nicht zu Ende gesehn. Völlig absurd wurde es durch die Werbung zwischendurch: Gerade noch wälzen sich die Kommunarden nackt auf dem Boden, dann springt der Spot rein. "Finden Sie Ihren Partner ganz einfach online auf parship.de!" So geht das heute, liebe Hippies.

Wenigstens meine kleine Tochter schenkt Uschi etwas mehr Aufmerksamkeit. Als ich neulich in einer Zeitschrift blätterte, entdeckte sie die "Me myself an Mey"-Anzeige mit Obermaier. "Mama, wer ist das?" - "Das ist Uschi Obermaier." - "Mmmh. Mama, die Oma Uschimaier is' nackidei!"