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Montag, 30. August 2010

Tatort Wien: Die netten Cyborgs von Epitarsis

Na also, die Tatortgemeinde hat lange genug gewartet, der August-Regen hat sie gestern nochmal richtig mitten reingespült in die neue Saison. Und damit keiner einen Herzkasper bekam vor zuviel Spannung, gab man einen gemächlichen Wiener. Aber so was von gemächlich.

Ein junges Mädchen wird in einem Rohbau einer abgelegenen Neubausiedlung tot aufgefunden. Zurück bleiben ihre leidenden Eltern, denen das Kind schon lange entglitten war - in die Hände einer Sekte namens Epitarsis. An sich gar nicht so uninteressant, aber auch nicht wirklich neu. Und auf dem "Nett"-Niveau bliebt es dann auch. Was nicht zuletzt daran lag, dass die Sekte so dargestellt war, wie man sich das am Schreibtisch ausdenkt. Der Hauptsitz: ein schickes, auffälliges Citybüro aus Glas. Bei jedem Gesinnungstest legen die Mitglieder brav ihre Hände auf einen mysteriös leuchtenden Schreibtisch (der dann die Hände scannt?). Die Sekten-Anführer reden betont kühl mit Wolf-im-Schafspelz-Unterton und wirken allesamt wie Cyborgs. Das hat einen SciFi-Touch, geht aber am eigentlich Interessanten vorbei.

Wie sich eine Sekte ganz perfide und unauffällig in den Alltag schleicht, eben ohne Protz und Pseudo-Chick, wird nur einmal kurz klar, als sich zwei Epitarsier an Eisners Tochter heranmachen und sie überreden, in ihre WG einzuziehen. Doch das ist dann schon wieder ärgerlich, weil sich da das Leben des Kommissars allzu eng mit dem Fall verstrickt. Und am Ende haben sich Papa und Tochter dann eben ganz besonders lieb. Thema verschenkt also, oder besser gesagt zu holzschnittartig runtergenudelt. Und apropos hölzern: Über die Dialoge legen wir wohl auch besser den Mantel des Schweigens.

Dienstag, 17. August 2010

Abenteuer Afrika: Der Pakt mit dem Teufel

Lieber Herr Rösler,

wo waren Sie gestern Abend zwischen 20 und 21 Uhr? Nicht zu Hause? Dann kennen Sie Santana nicht. Santana ist 19 Jahre alt, alleinerziehende Mutter ohne Ausbildung und wiegt 135 kg bei einer Größe von 1,69 m. Das ist gefährlich. Lebensgefährlich. Santana ist mit sieben weiteren Teenies ihrer Gewichtsklasse Protagonistin der Sendung "Abenteuer Afrika - Teenies beißen sich durch". RTL2 hat die acht Teenies in ein Camp in der Kalahari verfrachtet, wo sie abspecken sollen.

Und hier kommen Sie ins Spiel. Sie sind doch zuständig für die Gesundheit der Deutschen, richtig? Dann stoppen Sie das! Stoppen Sie, dass übergewichtige junge Menschen mit angeschlagenem Herz-Kreislaufsystem, auf dem Weg zur Zuckerkrankheit, dabei gefilmt werden, wie sie vor offener Kamera zusammenbrechen, weil sie die afrikanische Hitze und die körperliche Belastung nicht aushalten. Stoppen Sie, dass diese Teenies von einem "Camparzt" behandelt werden, der nur kurz den Blutdruck misst und dann mit den Schultern zuckt. Stoppen Sie, dass sie kein vernünftiges Ernährungsprogramm nach ihren Bedürfnissen machen, sondern von einer Fernseh-Expertin mit schlauen Ratschlägen versorgt werden.

Jetzt meinen Sie, die seien ja selbst schuld, warum müsse man auch bei einer solchen Sendung mitmachen? Vielleicht deshalb, weil man als junger Mensch ohne Ausbildung, der ein Gewicht von drei Zentnern mit sich herumträgt, nach jedem Strohhalm greift - und so auch einen Pakt mit dem Teufel RTL2 eingeht. Deshalb: Ab in den Dienstwagen, fahren Sie hin zu Santana, Becci und Cengiz und sehen Sie nach, ob es denen noch gut geht. Und nehmen Sie den Niebel gleich mit. Denn dass RTL2 namibische Eingeborenen-Familien als Deko-Element in der Campkulisse missbraucht hat, sollte bitte auch dicken Ärger geben. Danke!

Donnerstag, 12. August 2010

"Frei nach Plan": Drei Schwestern und ein Elefant

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Wenn Fußball kommt, und sei es auch nur ein Testspiel, holen die Öffentlich-Rechtlichen als Gegenstück immer gern einen "besonderen" Fernsehfilm aus der Kiste - für die Damen. Und da zurzeit noch das Sommerloch gähnt, hat es gestern "Frei nach Plan" zur Primetime ins Erste geschafft, eine Tragikomödie von Franziska Meletzky. Ich blieb mehr zufällig daran hängen - außer mir leider nur etwas mehr als drei Millionen weitere Zuschauer. Dabei hatte man hier eine großartige Besetzung aufgefahren, unter anderem Corinna Harfouch und Dagmar Manzel. Doch so recht kriegte die Story den Allerwertesten nicht hoch.

Wer "Zurück nach Dalarna" gesehen hat, kennt ungefähr das Grundgerüst: Zur Familienfeier - die Mutter hat Geburtstag - kehrt eine Tochter, das schwarze Schaf, aus der Stadt nach Hause zurück und trifft dort ihre zwei Schwestern, die in der Provinz zurückgeblieben sind. Das schwarze Schaf ist in diesem Fall eine Rocksängerin, die Pleite gegangen ist - eine Rolle, die Dagmar Manzel (in bunten Ethno-Fähnchen) überhaupt nicht gut stand. Da half auch das zersauste Haar nicht. Sehr glaubwürdig indessen Corinna Harfouch als älteste Schwester, die verbissen und zerzweifelt versucht, das Fest zu organisieren. Und dabei immer wieder daran scheitert, dass keiner bei ihrem Plan mitzieht, wie harsch sie auch dazu auffordert. Dazwischen die sanfte dritte Schwester, der die Rockröhre den Mann ausspannt und die in der letzten Viertelstunde nur noch heulend im Bild steht.

Hatte mir der Film bis zur Hälfte gut gefallen, vor allem durch die Liebe zu den Zwischentönen, ist er doch zum Ende hin abgestürzt - der Schluss spulte sich seltsam schnell ab, fast als wäre auf einen Schlag mit dem Tod der Mutter die Luft raus. Noch rätselhafter das letzte Bild: Ein Elefant geht im Morgengrauen spazieren. Mmmh. Da hat sich Franziska Meletzky, die auch schon Folgen für Stromberg schrieb, wohl noch mal einen ganz persönlichen Spaß gegönnt.

P.S.: Und jetzt noch eine Preisfrage: Welche Schauspielerin aus der letzten Stromberg-Staffel war in "Frei nach Plan" in einer Nebenrolle zu sehen? Kleiner Tipp: Diesmal ohne Hornbrille, Dutt und Akzent.