Google+ Followers

Montag, 30. August 2010

Tatort Wien: Die netten Cyborgs von Epitarsis

Na also, die Tatortgemeinde hat lange genug gewartet, der August-Regen hat sie gestern nochmal richtig mitten reingespült in die neue Saison. Und damit keiner einen Herzkasper bekam vor zuviel Spannung, gab man einen gemächlichen Wiener. Aber so was von gemächlich.

Ein junges Mädchen wird in einem Rohbau einer abgelegenen Neubausiedlung tot aufgefunden. Zurück bleiben ihre leidenden Eltern, denen das Kind schon lange entglitten war - in die Hände einer Sekte namens Epitarsis. An sich gar nicht so uninteressant, aber auch nicht wirklich neu. Und auf dem "Nett"-Niveau bliebt es dann auch. Was nicht zuletzt daran lag, dass die Sekte so dargestellt war, wie man sich das am Schreibtisch ausdenkt. Der Hauptsitz: ein schickes, auffälliges Citybüro aus Glas. Bei jedem Gesinnungstest legen die Mitglieder brav ihre Hände auf einen mysteriös leuchtenden Schreibtisch (der dann die Hände scannt?). Die Sekten-Anführer reden betont kühl mit Wolf-im-Schafspelz-Unterton und wirken allesamt wie Cyborgs. Das hat einen SciFi-Touch, geht aber am eigentlich Interessanten vorbei.

Wie sich eine Sekte ganz perfide und unauffällig in den Alltag schleicht, eben ohne Protz und Pseudo-Chick, wird nur einmal kurz klar, als sich zwei Epitarsier an Eisners Tochter heranmachen und sie überreden, in ihre WG einzuziehen. Doch das ist dann schon wieder ärgerlich, weil sich da das Leben des Kommissars allzu eng mit dem Fall verstrickt. Und am Ende haben sich Papa und Tochter dann eben ganz besonders lieb. Thema verschenkt also, oder besser gesagt zu holzschnittartig runtergenudelt. Und apropos hölzern: Über die Dialoge legen wir wohl auch besser den Mantel des Schweigens.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen