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Montag, 20. September 2010

Tatort "Bluthochzeit": Thumbs up!

"In der Fernsehzeitung stand: Daumen nach unten, den brauchst du nicht zu gucken", hatte mir meine Schweigermutter am Telefon geraten. Aber wer hört schon auf seine Schwiegermutter? Gut, dass ich doch eingeschaltet habe: Meine niedrigen Erwartungen an den Bodensee-Tatort "Bluthochzeit" wurden weit getoppt. Schon der Anfang gab ein gutes Tempo vor: Vor Klara Blums Augen wird ein Mann erschossen, der zweite ist auf der Flucht. Und es steht zu befürchten, dass er es auf Beate Gellert abgesehen hat. Sie war einst vom zuvor Ermordeten entführt und ihr reicher Vater um Lösegeld erpresst worden. Das Geld tauchte seitdem nicht mehr auf.

Am Tag ihrer Hochzeit wird sie nun - so ist es Brauch - wieder entführt, damit der Bräutigam sie findet. Zieht sie anfangs noch mit einer ganzen Horde Männer los, wird der Kreis schnell kleiner: Nur noch vier begleiten sie schließlich, zuerst mit der Seilbahn hoch auf einen Berg, dann an einen See. Und einer von ihnen hat mörderische Pläne mit im Gepäck - doch welcher? Autor Stefan Dähnert hat ein Ratespiel entworfen, dass immer wieder durch unerwarteten Twists überrascht. Während Klara Blum mit dem Bräutigam im Matsch - und damit auch im Fall - feststeckt, wird eine abgeschiedene Hütte Kulisse für ein fast kammerspielartiges letztes Drittel. Und das enthält dichte Szenen, die für einen Tatort fast zu schade sind - beispielsweise als einer der vier Männer sich beim Zettel-Raten als einsamer Freak outet, der sich auf fremden Hochzeiten und Beerdigungen einschleicht. Doch er ist nicht der Täter, auch wenn er immer wieder verrückt aus der Wäsche schaut und sich an seine Herrenhandtasche klammert.

Auf den wahren Bösewicht hätte Klara Blum schon ganz zu Anfang kommen können, als er ihr ein Tablett mit Sekt und Selters hinhielt: "Ich würde Ihnen die Selter empfehlen." Ihm war klar, dass Blum noch einen klaren Kopf brauchen würde. Am Ende stellt sie sich ihrem Trauma vom Anfang, mit konsequentem Ausgang. Und sonst? Viele frische Gesichter, die man gern bald wiedersehen würde, darunter Hannes Wegener.

P.S. Da ich direkt im Anschluss "Sport im Westen" gesehen habe, eine neue Folge für "Bei der Geburt getrennt": Sebastian Bezzel und Manuel Neuer.

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