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Montag, 6. September 2010

Tatort Frankfurt: Der letzte Tango für Dellwo und Sänger

"Prügele jeden Hund" lautet ein Merksatz für Drehbuchautoren, der soviel sagen will wie: Nimm am Anfang eines Filmes jedes Detail mit. In "Am Ende des Tages", dem letzten Fall von Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) und Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki), bekam dieser Merksatz einen neuen Dreh: Hier wurde der Hund geprügelt, aber nicht nur am Anfang. Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer) musste nicht nur zusehen, wie seine Geliebte vor seinen Augen hingerichtet wurde. Der Killer nahm ihm schließlich auch noch die Tochter (Jördis Triebel). Das war starker Tobak für den Zuschauer, aber von Regisseur und Autor Titus Selge konsequent erzählt.

Düster, grenzwertig grausam und voller verstörter Gesichter kam dieser Tatort daher, untermalt von Tango-Klängen, und so geriet der letzte Auftritt von Dellwo und Sänger angenehm unsentimental. Der Fall an sich: vielleicht nicht unbedingt ein Nerven-Drama, aber erfrischend zeitlos. Dass ein todkranker Bankräuber nach der Entlassung aus dem Knast seine damals bei einer Schießerei ums Leben gekommene "Bonnie" rächen will - durchaus denkbar. Und schön, dass mal nicht ein Anne-Will-tauglicher "Aufreger" den Plot bestimmt.

Der Abschied von den Frankfurtern fällt indes schwer: Diese beiden verdrehten Persönlichkeiten mit ihren nicht immer liebenswerten Macken werden kaum zu ersetzen sein. Zuletzt haben sie stark am Sinn ihrer Arbeit gezweifelt. So sagte Sänger: "Ich habe das komische Gefühl, dass wir beide erschossen werden könnten". Am Ende ist es zum Glück nicht so gekommen. Aber es hilft nichts: Die letzte Bierdose ist geleert - und keine Fragen offen. Bahn frei für Nina Kunzendorf und Joachim Król, die ein schweres Erbe antreten.

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