Google+ Followers

Montag, 25. Oktober 2010

Tatort Kiel: Dünner Energydrink - trotz Sibel

"Ich vermisse Maren jetzt schon" simste ein Freund gestern nach den ersten fünf Tatort Minuten. Recht hatte er: Ohne Maren Eggert alias Frieda Jung ist Borowski nur halb so geheimnisvoll. In ihrem irritierten Gesichtsausdruck spiegelte sich sein spröder Glanz, der gestern völlig verflogen schien. Oder war sein Charisma vor lauter Themenwochen-Ernährungs-Gedöns ganz zugekleistert? Gleich drei Drehbuchautoren hatten am Stoff geschraubt, das ließ nichts Gutes erwarten. Und zerfranst war's dann auch. Ja gut, wir haben unsere Lektion gelernt, wie die böse Lebensmittelfabrik funktioniert. Aber Werksführungen hat die Sendung mit der Maus schon besser inszeniert.

Die Autoren hatten ihre Hausaufgaben gemacht - und es mit der Recherche leider zu gut gemeint. So tief steckten sie im Thema, dass Borowski zwischendurch mit Zuschauers Stimme sprechen musste: "Erklär das doch mal so, dass ich das auch verstehe!" Besser geworden wäre es vielleicht mit einer anderen Besetzung: Esther Schweins verzog kaum eine Miene (oder kann sie das gar nicht mehr?), der Vater des Opfers kam wie der Unglücksrabe vom Dienst daher. Und Sibel Kekillis erster Auftritt? Mehr als Kaffee kochen und den Motor reparieren durfte sie ja nicht wirklich. Das ist noch ausbaufähig. Und dass wir nicht lesen durften, was Frieda in ihrem Brief an Borowski geschrieben hat: Frechheit!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Im Angesicht des Verbrechens: Zweite Runde

Ab kommenden Freitag wird "Im Angesicht des Verbrechens" erneut ausgestrahlt, um 21.45 Uhr im Ersten. Ich habe dazu ja schon einiges verzapft, das gern noch einmal hier nachgelesen werden darf. Ich freue mich insbesondere auf ein Wiedersehen mit Misel Maticetiv und Ronald Zehrfeld, die hoffentlich bald endlich den großen Durchbruch schaffen, den sie verdienen.

Montag, 18. Oktober 2010

Tatort "Der Schrei": Weichgekocht und hasenfüßig

Einer meiner Stammleser hat mich zwar gebeten, noch mehr Content zum Keyword "Spargel" zu produzieren, aber damit wird's heute leider nichts. Im Ludwigshafen-Tatort "Der Schrei" gab es nämlich allenfalls sehr weichgekochtes, geschmacksarmes Gemüse zu sehen, im übertragenen Sinne. Dabei war die Grundkonstellation eine gar schreckliche: Eine Bilderbuchfamilie - Vater, Mutter, Kind - verbringt ein Wochenende im Vergnügungspark. Als das Ehepaar abends nach dem Essen ins Zimmer zurückkommt, ist das Kind verschwunden. Und wird tags darauf tot aufgefunden. Ein Albtraum, den jeder nachvollziehen kann, der ein Kind hat, und der einem schon im realen Fall Maddie Bauchschmerzen bereitete.

Die Tatort-Macher packten das Thema jedoch mehr als hasenfüßig an. "Am Ende muss alles gut werden, jedenfalls halbwegs", scheint man sich gedacht zu haben. So wird der ehemalige Sexualstraftäter am Ende ermutigt, doch noch einmal mit seiner Freundin zu sprechen - und auch diese soll, wenn es nach Odenthal geht, "ihrem Herzen folgen". Die geschundenen Eltern dürfen schließlich einen Strauß Luftballons fliegen lassen. Was Hoffnung ausdrücken soll, endet im abgestandenen Klischee.

Am Ende ist die Todesursache des kleinen Mädchens relativ profan und hat nicht viel mit den angerissenen Themen wie Überforderung einer Mutter oder Kindesmissbrauch zu tun. Die Macher haben offenbar ähnlich stark mit ihrer Aufgabe gehadert wie die Kommissarin, die sich ständig fragt, ob sie alles richtig gemacht hat. Was letzten Endes ebenso nervte wie Koppers Neffe, der mit seinen unlustigen Flegeleien wohl für etwas Auflockerung sorgen sollte. Einzig im Gedächtnis bleiben wird mir das blasse Gesicht von Annika Kuhl, die als Mutter so weit weg war, dass sie kaum noch real schien.

Montag, 11. Oktober 2010

Böses, Spargeliges und jede Menge Unlustiges

Was für ein Wochenende. Dabei ging es noch recht gut los, mit einer Portion Fernseh-Avantgarde, natürlich aus den USA: ARTE zeigte die erste Folge von "Breaking Bad", die Geschichte eines Chemielehrers, der zum Drogen-Koch wider Willen wird. Ich fürchte, der Zuspruch dürfte ähnlich dürftig ausgefallen sein wie bei Mad Men auf ZDF.neo: 80.000 Zuschauer hatten den Werbern zugesehen - ein erschütternd schlechter Start. Dann am Sonntag ein Tatort auf dem Spargelhof - merkwürdig unausgegoren zwischen Slapstick und Schrecken. Und als Tiefpunkt: der deutsche Fernsehpreis. Wütende Proteste hatte man angekündigt, weil dort nicht mehr die Einzelleistung aller Produktions-Beteiligten gewürdigt wird. Einige Protestler wollten gar mit weißen Masken auslaufen. Doch statt Entrüstungsstürmen nur ein laues Lüftchen. Wenn überhaupt jemand aufbegehrt hatte, wurde das wahrscheinlich rausgeschnitten. Nur Annette Frier bat in ihrer Rede darum, die Beteiligten mögen doch bitte demnächst "den Arsch an einen Tisch" bringen, damit man bald wieder zusammen trinken könne. Kurt Krömer und Sandra Maischberger feierten derweil als Moderationspaar Sternstunden der Unlustigkeit und quälten sich durch einen schier endlosen, spannungsarmen Abend. Dazwischen hampelte Lena Meyer-Landrut unmotiviert durch ihre Songs und sägte weiter am eigenen Mythos, während Raab als Fernsehtitan seine Lorbeeren einsammelte. Liebe Fernsehschaffende, seid doch froh, dass ihr euch das nicht mehr alle antun müsst. Auf das Lob einer derartig schnarchigen Veranstaltung kann man vielleicht auch erhobenen Hauptes verzichten.

Montag, 4. Oktober 2010

"Farsan": Schwedische Schafshoden vom Grill

Die Fernsehfreundin geht heute ausnahmsweise mal fremd - ins Kino. In Hamburg ist das Filmfest gestartet, und mein erster Kinotag führte mich nach Schweden: zu "Farsan" (Balls) von Josef Fares. Nach der ganzen Sarrazin-Debatte ist diese Komödie besonders interessant. Ein Schwede mit Migrationshintergrund steht im Mittelpunkt: Aziz ist in die Jahre gekomen, seine Frau schon lange tot, und jetzt geht er seinem Sohn Sami nett, aber auch sehr penetrant auf die Nerven. Wenn Aziz nicht gerade als Schrauber in einem Fahrradladen herumwurschtelt, freut er sich diebisch auf sein Enkelkind, das bald kommen soll.

Dass der dicke Bauch seiner Schwiegertochter nur eine Attrappe ist, ahnt Aziz nicht - und Sami traut sich nicht, ihm zu beichten, dass sie keine Kinder bekommen können und deshalb eins adoptieren werden. Um Aziz abzulenken, bringt Sami ihn auf eine neue Idee: "Baba" braucht eine neue Frau. Und nach einigem Nachdenken nimmt Aziz diese Aufgabe in Angriff - auf seine Weise. Plötzlich interessiert er sich sehr für Edith, die Mutter seines Chefs...Warum das sehr witzig ist und was gegrillte Schafshoden damit zu tun haben, verrate ich nun nicht, denn ich hoffe doch sehr, dass "Farsan" bald in den deutschen Kinos laufen wird.

Überhaupt nicht funktionieren würde der Film übrigens, wenn die Basis nicht eine Geschichte gelungener Integration wäre. So arbeitet Aziz zwar im Niedriglohnsektor und spricht Schwedisch mehr schlecht als recht. Aber schon sein Sohn spricht die Sprache akzentfrei, ist Bankberater und mit einer Schwedin verheiratet - und beide werden ein chinesisches Baby adoptieren. Aziz' Kollege Juan scheint aus dem spanisch-sprachigen Ausland zu stammen. Und die beiden haben ihren schwedischen Chef äußerst gut im Griff. Damit es mit seiner Frau besser klappt, geben Sie ihm einige Lektion in Machismo - und wie sie das tun, ist liebevoll gezeichnet, ohne die beiden zu denunzieren. Jan Fares (übrigens der Vater des Regisseurs) gibt Aziz das passende Gesicht, diese traurigen Hundeaugen sind einfach zu komisch. Ich drücke "Farsan" die Daumen, dass sich schnell ein Verleih findet!