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Montag, 4. Oktober 2010

"Farsan": Schwedische Schafshoden vom Grill

Die Fernsehfreundin geht heute ausnahmsweise mal fremd - ins Kino. In Hamburg ist das Filmfest gestartet, und mein erster Kinotag führte mich nach Schweden: zu "Farsan" (Balls) von Josef Fares. Nach der ganzen Sarrazin-Debatte ist diese Komödie besonders interessant. Ein Schwede mit Migrationshintergrund steht im Mittelpunkt: Aziz ist in die Jahre gekomen, seine Frau schon lange tot, und jetzt geht er seinem Sohn Sami nett, aber auch sehr penetrant auf die Nerven. Wenn Aziz nicht gerade als Schrauber in einem Fahrradladen herumwurschtelt, freut er sich diebisch auf sein Enkelkind, das bald kommen soll.

Dass der dicke Bauch seiner Schwiegertochter nur eine Attrappe ist, ahnt Aziz nicht - und Sami traut sich nicht, ihm zu beichten, dass sie keine Kinder bekommen können und deshalb eins adoptieren werden. Um Aziz abzulenken, bringt Sami ihn auf eine neue Idee: "Baba" braucht eine neue Frau. Und nach einigem Nachdenken nimmt Aziz diese Aufgabe in Angriff - auf seine Weise. Plötzlich interessiert er sich sehr für Edith, die Mutter seines Chefs...Warum das sehr witzig ist und was gegrillte Schafshoden damit zu tun haben, verrate ich nun nicht, denn ich hoffe doch sehr, dass "Farsan" bald in den deutschen Kinos laufen wird.

Überhaupt nicht funktionieren würde der Film übrigens, wenn die Basis nicht eine Geschichte gelungener Integration wäre. So arbeitet Aziz zwar im Niedriglohnsektor und spricht Schwedisch mehr schlecht als recht. Aber schon sein Sohn spricht die Sprache akzentfrei, ist Bankberater und mit einer Schwedin verheiratet - und beide werden ein chinesisches Baby adoptieren. Aziz' Kollege Juan scheint aus dem spanisch-sprachigen Ausland zu stammen. Und die beiden haben ihren schwedischen Chef äußerst gut im Griff. Damit es mit seiner Frau besser klappt, geben Sie ihm einige Lektion in Machismo - und wie sie das tun, ist liebevoll gezeichnet, ohne die beiden zu denunzieren. Jan Fares (übrigens der Vater des Regisseurs) gibt Aziz das passende Gesicht, diese traurigen Hundeaugen sind einfach zu komisch. Ich drücke "Farsan" die Daumen, dass sich schnell ein Verleih findet!

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