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Montag, 18. Oktober 2010

Tatort "Der Schrei": Weichgekocht und hasenfüßig

Einer meiner Stammleser hat mich zwar gebeten, noch mehr Content zum Keyword "Spargel" zu produzieren, aber damit wird's heute leider nichts. Im Ludwigshafen-Tatort "Der Schrei" gab es nämlich allenfalls sehr weichgekochtes, geschmacksarmes Gemüse zu sehen, im übertragenen Sinne. Dabei war die Grundkonstellation eine gar schreckliche: Eine Bilderbuchfamilie - Vater, Mutter, Kind - verbringt ein Wochenende im Vergnügungspark. Als das Ehepaar abends nach dem Essen ins Zimmer zurückkommt, ist das Kind verschwunden. Und wird tags darauf tot aufgefunden. Ein Albtraum, den jeder nachvollziehen kann, der ein Kind hat, und der einem schon im realen Fall Maddie Bauchschmerzen bereitete.

Die Tatort-Macher packten das Thema jedoch mehr als hasenfüßig an. "Am Ende muss alles gut werden, jedenfalls halbwegs", scheint man sich gedacht zu haben. So wird der ehemalige Sexualstraftäter am Ende ermutigt, doch noch einmal mit seiner Freundin zu sprechen - und auch diese soll, wenn es nach Odenthal geht, "ihrem Herzen folgen". Die geschundenen Eltern dürfen schließlich einen Strauß Luftballons fliegen lassen. Was Hoffnung ausdrücken soll, endet im abgestandenen Klischee.

Am Ende ist die Todesursache des kleinen Mädchens relativ profan und hat nicht viel mit den angerissenen Themen wie Überforderung einer Mutter oder Kindesmissbrauch zu tun. Die Macher haben offenbar ähnlich stark mit ihrer Aufgabe gehadert wie die Kommissarin, die sich ständig fragt, ob sie alles richtig gemacht hat. Was letzten Endes ebenso nervte wie Koppers Neffe, der mit seinen unlustigen Flegeleien wohl für etwas Auflockerung sorgen sollte. Einzig im Gedächtnis bleiben wird mir das blasse Gesicht von Annika Kuhl, die als Mutter so weit weg war, dass sie kaum noch real schien.

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