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Dienstag, 2. November 2010

"Kreutzer kommt": Der Kommissar mit dem Riesen-Hau

Kreutzer kam - und löste den Fall in vier Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden. Warum genau in dieser Zeit? Hat das jemand verstanden, als seine Assistentin es erklärte? Zwar lief ab und zu am Bildrand eine Uhr mit wie bei 24. Aber was sagt uns das eigentlich, wenn es keinen echten Zeitdruck gibt und es keine Folgen hat, wenn er länger braucht? Die Zeitzauberei war offenbar nur einer der etwas flaueren Gags im neuen Krimi auf Pro7. Irgendwo zwischen Dr. House und Monk soll er angesiedelt sein, der neue Kommissar - und es stimmt, Kreutzer hat einen Riesen-Hau.

Eine Bar-Chanteuse wurde ermordet und Kreutzer legte los: Jeden Hotelbewohner knöpfte er sich einzeln vor. Maxime: Möglichst viel piesacken, möglichst gemein wirken. Und möglichst viele undurchsichtige Rollen dabei spielen. Ein Borderliner mit Dienstmarke? Oder doch eher ADHS? Man hatte fast den Eindruck. Kreutzers Redeanteil war jedenfalls deutlich höher als der seiner armen Verhörpartner, die er dabei ständig mit dem Handy filmte oder mit der Webcam beobachtete. Christoph Maria Herbst spielte sich dabei durch Höhen und Tiefen: Teils vernuschelte er ganze Absätze, teils blitzte der Stromberg-Schalk durch. So richtig rund wurde die Figur jedoch nie - vielleicht, weil man rein gar nichts darüber erfuhr, warum Kreutzer so ist wie er ist?

Schade auch, dass man ihm keinen Außendreh gönnte - die Hotelkulisse wirkte muffig und nach abgestandenem Keller, irgendwann überkam einen das Bedürfnis nach etwas frischer Luft. Der Fall selbst diente - so wie auch einige Münster-Tatorte - wohl eher als Steilvorlage für Kreutzers Gags. Ernst gemeint war die Story um Tantal-Vorkommen im Kongo hoffentlich nicht. Am Ende löste sich alles in einer klassischen Miss Marple-Szene auf. Und zum Täter führte weder die Handyaufnahme noch die Webcam. Das simple Klappern eines Stocks verriet den Barpianisten, der plötzlich weniger blind war als gedacht.

Für einen spannenden Piloten hätte man von allem etwas weniger nehmen sollen: Weniger Verwicklungen, weniger Text, weniger Verdächtige. Dann wären wir Kreutzer vielleicht etwas näher gekommen. So blieb er bloß ein Freak mit großer Klappe, der durch Nervereien zum Ziel kam.

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