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Montag, 22. November 2010

Mordkommission Istanbul: Picture Postcards from Turkey

Die Idee ist gut, doch die ARD noch nicht so weit: "Mordkommission Istanbul" sollte etwas Exotik in den ansonsten carmen-nebeligen Samstag Abend bringen, nachdem der letzte Fall vor einem Jahr ganz passabel abgeschnitten hatte. Doch wieder war die Versuchung stärker, die lebendige Stadt nur als Postkartenidyll zu inszenieren. Was müssen die ganzen Hubschrauberflüge gekostet haben! Um die Atmosphäre einzufangen, den Trubel in den Gassen und die Geräusche, hätte man sich tiefer hinein begeben müssen - aber das gelingt wohl nur Fatih Akin. Unter der Ägide von Ziegler-Film blieb der Krimi öffentlich-rechtlich angepasst. Und man darf vermuten, dass der Großteil der Indoor-Szenen auf deutschem Terrain gedreht wurde. Schade, denn der Schauplatz hätte viel Potenzial, mit etwas mehr Mut zum Derben, Rauen.

Das aber wird schon mit der Besetzung verschenkt: Erol Sander als smarter Ermittler mag vielen Frauen gefallen, in dieser Folge besonders seiner eigenen, aber ein spannender Kommissar mit Ecken und Kanten ist er nicht. Liebevoll gezeichnet indes sein perfektionistischer Sidekick, der schratige Johnny Controletti namens Mustafa Tombul, den Oscar Ortega Sanchez mit Gespür für Zwischentöne spielte. Was man von den Frauen in diesem schwachen Fall um einen Banküberfall mit Todesfolge, der mit einer Kindesentführung zusammenhing, nicht behaupten konnte: Barbara Wussow als türkische Intellektuelle mit österreichischem Zungenschlag? Naja. Und auch Sibel Kekilli bliebt weit unter dem Niveau, das man ihr zutrauen kann. Trotzdem gebe ich der Mordkommission Istanbul noch eine Chance. Traut euch, die Stadt auch mal dreckig zu zeigen, weg mit der Tourismuswerbung. Und gönnt ihr einen Fall, der so nur in Istanbul geschehen kann. Dann sehe ich auch über Erol Sanders zu perfekten Teint hinweg.

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