Google+ Followers

Montag, 29. November 2010

Tatort Wiesbaden: Murot, die Haselnuss und die Moral

Es gibt sie wirklich noch, die guten Dinge. Der neue Tatort mit Ulrich Tukur gehört seit gestern für mich unbedingt dazu. Wenn ein Krimi Spaß macht, dann so: Mit gut sitzenden Bildern, starken Schauspielern und einem Kommissar, dem nicht alles total egal ist. Felix Murot vom LKA Wiesbaden ist so einer. Einer, der noch an das Gute im Menschen glaubt und der es - ganz Pfarrerssohn - überhaupt nicht mag, wenn man sich über die Opfer lustig macht: "Es nimmt kein gutes Ende mit denen, die keinen Respekt vor den Toten haben." Murot hat etwas liebenswürdig Altmodisches an sich. Er trägt schwer an seinen Moralvorstellungen, und oft machen sie ihm die Arbeit sehr mühsam, denn seine Mitstreiter sehen es nicht immer genauso eng wie er.

Für seinen Kollegen Thönnies (immer wieder: Martin Brambach) ist die Auflösung des Mordes am Edersee "kein Thema" mit dem man sich lang aufhalten müsste. Aber Murot bohrt tiefer. Und es bohrt in ihm: Ein Tumor wächst in seinem Kopf, groß wie eine Haselnuss, und quält ihn mit einer verschobenen Wahrnehmung. Auch hier ist Murot ganz alte Schule: Natürlich vertraut er sich nicht den Ärzten an, er nimmt lieber Schmerztabletten und drückt die Gedanken an den Tod weg. Am Ende nennt er die Haselnuss einfach Lilly, so wie eine verflossene Jugendliebe. Das versteht nur eine, seine Sekretärin Magda Wächter (toll: Barbara Philipp), der er ein "Gemüt wie ein Fleischerhund" attestiert. Die beiden sind ein Gespann wie seinerzeit Bond und Moneypenny, vom Leben offenbar bereits gezeichnet, aber nicht verbittert, und in ihrem lakonischen Tonfall einfach großartig. Auf den Fall, der nicht wirklich rund war, will ich gar nicht weiter eingehen. Selten hingegen gab es wohl einen Tatort mit einem derart stimmigen Bild- und auch Musikkonzept. Der Soundteppich, aus dem immer wieder Bruchstücke alter Schlager und Akkordeonklänge auftauchten, passte so gut zu Tukur/Murot wie seine Retro-Anzüge und sein alter Wagen. Es muss eben nicht immer alles schnell, laut, modern sein. Dieser Kommissar geht einem trotzdem nahe.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen