Google+ Followers

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Das Fernsehjahr 2011: Trends, Trash und Trips

Ich zappe gemütlich aufs Jahresende hin - Zeit, einmal kurz zurückzuspulen. Wie war das Fernsehjahr 2011? Ganz im Gegensatz zur Politik: gemächlich und unaufgeregt. Ein paar Minitrends kristallisieren sich heraus:

1. Es lohnt sich, im Nachtprogramm zu wühlen, da gibt es viele Perlen zu entdecken. So hat mich zum Beispiel Taras Welten mit Toni Colette hellauf begeistert - Festplattenrecorder sei Dank, denn das Erste wollte die preisgekrönte Serie heimlich nach ein Uhr nachts versenden. Aber nicht mit mir, Freunde, ich habe euch erwischt!
2. Kandidatenbashing ist out, Kuschelkurs ist in: Dank The Voice of Germany begeistern Casting-Shows jetzt auch Gutmenschen. Und mit David Pfeffer hat X-Factor ein scheues nettes Reh in die Popszene herausgeschickt, das hoffentlich nicht allzu schnell von den Wölfen geholt wird.
3. Tatort kann richtig gut sein, wenn man es ernst meint - das haben die neuen Fälle mit Tukur in Wiesbaden und Kunzendorf-Krol in Frankfurt gezeigt. Nur zu gut darf man es nicht machen, sonst ergeht es einem wie Kurtulus in Hamburg: zu visionär, zu wenig Quote - das war's dann. Es folgt die Höchststrafe: Schweiger als Nachfolger.
4. Scripted Reality flutet nicht nur das Programm zur Bügelzeit - die Leute nehmen es auch noch für bare Münze, wie eine Studie gezeigt hat: Die Hälfte der Zuschauer hält die geschriebenen Szenen für Realität. Höchste Zeit für eine Lügenfernsehen-Bremse.
5. Gut gemachte Comedy hält sich auch dann im Programm, wenn drumherum alles weggespart wird. Siehe Pastewka, auf dessen neue Staffel ich mich ehrlich freue. Auch Strombergs Ausflug ins Kino, der mit Hilfe der Fans finanziert werden soll, entwickelt sich vielversprechend.
6. Rainer Langhans ist nicht mehr jung, aber er braucht das Geld. Nach dem Beinahe-Trip ins Nirwana beim Dschungelcamp presst er noch den letzten Tropfen neugewonnene Popularität aus und tingelt als Redner durch die Lande. Das muss Brigitte Nielsen 2012 erst einmal toppen.

In diesem Sinne: Dranbleiben und weiter besser fernsehen!

Freitag, 16. Dezember 2011

The Voice of Germany: Wenn Elternherzen schmerzen

Wem von uns war es als Teenie nicht peinlich, von den Eltern vom Konzert abgeholt zu werden? Wenn sie bei den Zugaben schon mit ihren Jacken über dem Arm da standen und vorwurfsvoll auf die Uhr schauten? Das war mal! The Voice auf Germany hat ein Revival eingeläutet: Elternbegleitung is back! Endlich dürfen sie wieder dabei sein, hinter der Kulisse (aber doch vor der Kamera) mitfiebern und Tränchen vergießen, wenn die Töchter & Söhne alles geben. Und selbst wenn diese noch so ausgeflippt aussehen: Die Eltern ähneln sich alle irgendwie. Die Papas in praktischen Wollpullovern, die Mamas waren vorher extra nochmal beim Friseur. Den (gar nicht mehr so jungen) Kindern ist das nicht mehr peinlich. Vor allem denen nicht, die beim Battle rausgeflogen sind - immerhin interessiert sich dann nach dem Auftritt überhaupt noch jemand für sie. Die enttäuschten Mamas der Rausgeflogenen werden ganz pietätvoll nicht mehr gefilmt. Sie haben den härtesten Job: Das Kind mit dem geplatzten Traum trösten, wenn Nena dessen Namen schon längst vergessen hat.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

David Pfeffer hat den X-Factor: War's das für die Show?

Hab ich es doch gewusst: Millionen Fernsehzuschauerinnen können nicht widerstehen, wenn ein Mann in die Kamera schaut wie ein Vögelchen, das aus dem Nest gefallen ist. Zumal, wenn er im Alltag einem Job nachgeht, den man dem Softie gar nicht zugetraut hätte. Diese Mischung aus zartem Auftritt und hartem Job hat offenbar überzeugt: Jetzt ist der Polizist David Pfeffer Sieger der zweiten X-Factor Staffel. Gut zu wissen, dass er nicht auf die große Karriere schielt und notfalls weiter seinen Dienst schieben will - vielleicht klappt es ja gerade dann mit dem Erfolg. Immerhin bleibt uns so der große Durchbruch des Quietsch-und-Knödel-Duos Nica & Joe erspart. Klassik meets Pop mag man ja auch wirklich nicht mehr hören. Angesichts mauer Quoten steht jetzt die Frage im Raum: Wie geht's weiter mit der Show - und geht's überhaupt weiter? Wenn das Konzept eine Zukuft haben soll, muss zumindest noch einiges geschraubt werden.

1. Till Brönner muss endlich die steife Oberlehrer-Attitüde ablegen. Am besten, er geht bei Bo in die Lehre. Keinem anderen Jurymitglied hat man so angemerkt wie Brönner, dass er von Autoren vorgeschriebene Sätze deklamiert hat, auch wenn es besonders charmant machen wollte.
2. Sarah Connor hingegen darf gern Brönners Anzüge auftragen - allemal besser als der Dirndl-Look der aktuellen Staffel.
3. Mehr Sendezeit für Bo! Mit seiner kodderigen aber herzlichen Art hat er die Show vorm Einschlafen gerettet. Darf bleiben!
4. Mehr Mut zum Schrägen. Kandidatinnen wie Raffaela Wais sind vielleicht schön anzusehen, aber glatt wie Kernseife - und deshalb umso schneller wieder vergessen.

In diesem Sinne: Good luck, Sergeant Pepper - und dem X-Factor eine dritte Chance.

Montag, 5. Dezember 2011

Tatort Wiesbaden: Ahoi, Wahnsinn!

Es war mir wieder einmal ein Vergnügen, Murot! Wobei: Auch wenn der Wahnsinn in den Wiesbadener Fällen Methode hat, ja haben muss - etwas weniger überdreht hätte es auch getan. Aber von Anfang an. Es ging ja schon skandalös los. Ein Tatort ohne den üblichen Vorspann, statt dessen mit einer Edgar Wallace artigen Schattenparade! Dazu ein Kommissar, der erst gerufen aber dann doch nicht gebraucht wird. Und der sich schließlich verselbstständigt, so wie sein bewusstseinserweiternder Tumor namens Lilly. Murot wühlt sich also hinein in eine düstere Dorfgemeinschaft, in der ein eigenartiger Erbschaftsstreit vor sich hinköchelt und ein erstes Todesopfer fordert. In bester James Bond Manier landet er schnell im geheimen Hinterzimmer des reichen, bösen Drahtziehers, der sich dort am Fasan labt und mit seinen Schergen noch Böseres plant. Da darf auch eine sexy Ärztin (einen Tick zu crazy: Claudia Michelsen) nicht fehlen, die am liebsten Ungesundes in Spritzen verabreicht. Und schon liegt Murot gefesselt im Keller auf einer Bahre und sieht noch mehr Farben. Doch hätte er das gebraucht? Ohne Drogen waren seine Halluzinationen fast noch lustiger. Unfassbar: die Kessler-Zwillinge als tanzende Heimsuchung für den doppelt sehenden Ermittler. Was den Fall und seine Auflösung angeht, sind die Pferde mit Regisseur Justus von Dohnányi ordentlich durchgegangen. Die Geschichte rund um die Organmafia war mit Verlaub ein großer Schmarrn. Aber trotzdem ein großer, gruseliger Spaß. Und David Lynch hat sicher lächelnd übers Dorfmäuerchen geschaut.

Donnerstag, 17. November 2011

Tatort mit Til Schweiger: Es gibt Mord, Baby!

Falls Sie mich fragen wollten, Herr Bellut: Nein, ich möchte es auch nicht machen. Aber bevor Sie die Entscheidung auf das lange Sofa geschoben haben, hätten Sie den Schweiger Til beackern sollen! Der hätte sich in der Wett-Lounge schön sonnen können, und in Kombination mit Frau Hunziker wäre im Vorbeigehen haufenweise Klatsch-und-Tratsch-Material abgefallen. Jetzt haben wir den Salat und den Schweiger im Hamburg-Tatort.

Man mag über Schweiger als Produzenten und Regisseur denken was man will (Kritiker sind für ihn ja sowieso nur doofe Neider), er stellt offenbar etwas her was den Deutschen gefällt. Muss man auch erst einmal schaffen. Aber als Darsteller in einer Reihe mit echten Schauspielern wie Wuttke, Brandt, Tukur, Kunzendorf, Prahl und Liefers? Nein, nein und nochmals nein! Ich sehe es schon vor mir, das genuschelte "WowarsndugesternabendBaby" und die amourösen Verwicklungen, wahlweise mit der Pathologin oder der Staatsanwältin. Boah, geht echt nicht! Zumal man dann sehr wahrscheinlich auf den großartigen Peter Jordan verzichten muss, den man eigentlich nicht mehr als Chef besetzen kann, weil er Schweiger in fünf Minuten an die Wand gespielt hätte. Warum man ihn nicht gleich als Ermittler behalten hat? Die Fernsehwelt macht eben immer wieder Sachen, die kein Mensch versteht. Nun denn Til, wenn es denn schon sein muss: Nimm wenigstens für 90 Minuten die Zähne auseinander. Baby!

Montag, 14. November 2011

Polizeiruf 110 Brandenburg: Lahme Gäule und ein lonesome Cowgirl

Gibt es etwas Langweiligeres als Pferde im Fernsehen? Man denke nur an Springreiten im Sonntag-Nachmittagsprogramm oder "Rivalen der Rennbahn". Auch Olga Lenski scheute in ihrem zweiten Fall leider nicht davor zurück, zwischen Gäulen zu ermitteln. Ein Züchter lag tot im Stroh, seine Witwe (Barbara Auer) und die zwei neurotischen Söhne gerieten schnell ins Blickfeld der spröden Ermittlerin. Und schon war es mir rausgerutscht: "Oh, Barbara Auer, die war es bestimmt - für eine kleine Rolle ist die doch viel zu teuer!" Ich sollte Recht behalten. Entsprechend erwartbar trabte der Fall vor sich hin bis zur finalen Gegenüberstellung in der Box - so richtig in die Hufe kam aber auch der Schluss spannungstechnisch nicht.

Aber genug der Pferde-Kalauer - denn da war noch was: Olga Lenski ist schwanger. Und wäre damit demnächst nach Charlotte Lindholm und Jana Winter (Unter anderen Umständen) die dritte Kommissarin mit Kind. Aber warum verzichten alle drei auf den Kindsvater? Warum müssen die Kommissarinnen einsame Cowgirls bleiben, dürfen die Kinder keinen Papa haben? Ist es vielleicht zu langweilig, eine ganz normale schnöde Vater-Mutter-Kind-Beziehung zu inszenieren? Zu nah dran am Wohnzimmer der Gebührenzahler? Oder wäre das zu wenig Stoff für die üblichen Verwicklungen: die alleinerziehende Mama kriegt Probleme beim Ermitteln, bisweilen wird auch mal das Kind entführt, das Alltag versinkt im Chaos. Viel Raum, um Alleinerziehenden-Klischees zu zementieren. Unter diesem Gesichtspunkt kommt der Brandenburger Polizeiruf auf meine "Kann man, muss man aber nicht sehen"-Liste. Und liebe ARD, gerade wir Mütter sind manchmal ganz froh, nicht auch noch nach 20 Uhr Kind-und-Job-Probleme serviert zu kriegen.

Dienstag, 8. November 2011

Downton Abbey: das neue Mad Men?

TV-Serien auf DVD sind ja die neuen Accessoires. Der Hipster von heute kennt die wichtigen Staffeln, bevor die anderen sie gesehen haben. Als Must-See dieser Saison wird Downton Abbey gehandelt, die mehrfach prämierte ITV-Produktion rund um ein Herrenhaus in gool old Britain, nebst den üblichen Irrungen und Wirrungen in den Reihen der Adeligen und Bediensteten. Ich habe den Check gemacht: Kann Downton Abbey das neue Mad Men werden?

Einerseits - ja. Was dafür spricht: Bei der Ausstattung wurde nicht das kleinste Detail dem Zufall überlassen. Für jedes Glöckchen, jedes Messerbänkchen scheinen Heerscharen von Austattern auf Antik-Märkten unterwegs gewesen zu sein. Gilt auch für das Kostümdesign: Vor allem die Roben der Töchter von Lord Grantham lassen an Glamour nichts vermissen. Und auch die Dialoge von Julian Fellowes ("Gosford Park") sind maßgeschneidert - herrlich, wie da im Subtext gepiesackt und gemobbt wird, das ist große englische Schule. Erst recht, wenn große Darsteller wie Maggie Smith und Jim Carter am Werk sind.

Andereseits - nein, an Mad Men reicht es dann doch nicht ganz heran.
Warum? Die Figuren sind entweder zu gut oder zu böse. Und wenn sie Geheimnisse haben, dann sind diese eher vorhersehbar und halb so wild. Vor allem Gutmensch Lord Grantham fängt irgendwann an zu nerven. In Mad Men darf sich hingegen jeder mal eine Portion Gemeinheit oder Lüge gönnen - das gibt dem Ganzen einfach mehr Würze. Auch was die Leidenschaft angeht bleiben die Downton Abbey Bewohner kühl wie Roastbeef, während die amerikanischen Werber nichts anbrennen lassen.

So bleibt Downton Abbey ein herrlicher Spaß für herbstliche Teestunden - und vielleicht ist es auch ganz gut, wenn der Suchtfaktor nicht so hoch ist wie bei Mad Men. Man kann ja nicht nur fernsehen!

Mittwoch, 7. September 2011

Cover my Song: Brave Jungs und krasse Lady, yo man!

Die Idee ist gut: Zwei völlig unterschiedliche Musiker oder Bands treffen aufeinander und müssen jeweils einen Song des anderen covern - in einer Stilrichtung, die möglichst weit weg von der eigenen liegt. Rapper trifft ehemaligen Schlagerstar, zum Beispiel: In der gestrigen Folge von Cover my Song sollte es zum Battle zwischen Katja Ebstein und dem Bremer JoKa kommen. Der krasse Reimer gegen die Ikone des Grand Prix Eurovision de la Chanson. Aber wie das so ist mit den evil boys von heute: Kaum im Amrumer Stranddomizil von Katja Ebstein angekommen, verwandelten sich JoKa und sein moderierender Begleiter Denyo in handzahme Novizen, die zur erfahrenen Ebstein aufblickten und sich kaum zu sagen trauten, dass sie ihren größten Hit "Wunder gibt es immer wieder" vorher gar nicht kannten. Oder zumindest "nur aus dem Stadion, da singen wir das manchmal für Werder" - unbewusst hatte JoKa seine Hausaufgaben gemacht.

Nach viel Geplänkel und gegenseitiger Lobhudelei - beide Rapper begeistert von der "schönen Frau", die sich so gewählt ausdrückt, Ebstein höflich interessiert mitwippend zum Beat aus der Autobox - ging's dann endlich ran ans Covern. Und diesem Prozess hätte man gut und gerne mehr Zeit einräumen können, anstatt zu zeigen wie die Jungs das Studio putzen, damit Frau Ebstein es auch nett hat. Herausgekommen sind auf beiden Seiten nämlich wirklich passable Tracks mit eigenem Text - man mag kaum glauben, dass diese in nur sieben Tagen entstanden sein sollen. Na, Vox, haben wir da etwa ein wenig geschummelt? Ebstein versuchte zum Glück nicht, den Rap zu imitieren, sie lieferte eher eine Art Protestsong-Version von JoKas Immer dann, während dieser seine eigenen Geschichten zu Wunder gibt es immer wieder gedrechselt hatte. Man könnte aus dieser Sendung wirklich noch etwas rausholen: Moderner Schnitt, weniger "Perfektes Dinner"-Tonfall, mehr Fokus auf die Musik. Aber da traut sich Vox noch nicht genug aus der Deckung. Nächste Runde: Michael Holm trifft auf Kitty Kat.

Dienstag, 23. August 2011

Danke, Loriot!

Loriot ist heute verstorben. Eine traurige Nachricht, die aber zugleich auch etwas Tröstliches mit sich bringt. Denn er ist nach einem langen Leben voller Ideen und Kreativität nicht etwa einer schweren Krankheit erlegen, sondern an Altersschwäche gestorben. Wann liest man das heutzutage schon mal in einer Todesnachricht? Das sanfte Entschlummern sei ihm gegönnt. Loriot hinterlässt ein reiches Erbe, das ihn unvergesslich macht. Sein minutiöses Timing, seine Beobachtungsgabe und seine sprachlichen Finessen werden wohl unerreicht bleiben. Und er hat etwas geschafft, das ihn noch mehr ehrt: Einen typisch deutschen Humor zu entwickeln, der sich über unsere "liebevollen Eigenheiten" lustig macht, ohne zu denunzieren. Ich ziehe den Hut, Vicco, und sage DANKE!

Und zum Abschied noch einmal ein Video mit seiner wohl kürzesten, aber nicht minder eindrucksvollen Sprechrolle als Funker: Bienenkorb.

Montag, 22. August 2011

Polizeiruf 110 München: Von Meuffels, mir wird schwindelig!

Sonntag abends ist der Kopf auf Entspannung gepolt - da kam bislang der Polizeiruf gerade recht, der viele Fälle eher nach dem Zwiebelprinzip langsam entblätterte. So dass man trotz Pasta-gefülltem Magen und der entsprechenden Sofaschwere noch Schritt halten konnte. Damit ist seit gestern Schluss: Dominik Graf inszenierte mit "Cassandras Warnung" rund um den neuen Kommissar Hanns von Meuffels alias Matthias Brandt einen irren Ritt, bei dem so manchem Zuschauer die Puste ausgegangen sein dürfte. Wie Maschinengewehrsalven tackerten da die Details auf einen ein, und auch ich musste einige Male "stopp mal, stopp mal! Darf ich das nochmal sehen?" rufen, weil ich nicht mehr durchs Ermittlungsgestrüpp durchfand. Gut, dass von Meuffels als ruhender Pol mit beruhigender Langsamkeit zu Werke ging. Ein Kommissar, der auch mal ratlos sein darf, der im Faustkampf mit einem Verdächtigen auch mal den Kürzeren zieht, weil er einfach nicht so durchtrainiert ist - kurz, der Schwächen haben darf und zum Ende nach einem Schuss vor den Bug, oder genauer: auf die kugelsichere Weste am Boden liegt wie ein trauriger Elefant.

Ansonsten: Viel Graf`sche Handschrift. Nicht fehlen durfte Testosteronbomber Ronald Zehrfeld, wieder in seiner Paraderolle als Bulle am Rande des Wahnsinns, wie auch schon in Im Angesicht des Verbrechens. Polizeiarbeit darf hier dreckig sein: auf den Fluren raufen die Verdächtigen, nach Feierabend wird Wodka gesoffen, zum Thema Bestechung hat man eine eher lockere Einstellung. Pärchen lieben sich, streiten und schlagen sich - und liegen sich dann doch wieder in den Armen. Irre sein ist hier absolut menschlich, auch von Meuffels skurrile Begegnungen mit einem Transvestiten kommen einem gegen Ende gar nicht mehr besonders vor. Der Showdown nachts im Wald war dann symptomatisch: Dunkel, durcheinander, unübersichtlich - so wie der ganze Krimi. Die Lösung präsentierte Von Meuffels dann mit einer Art Taschenspielertrick à la Holmes. Fazit: In dieser Wundertüte steckte vieles drin. Aber wer viel durcheinander konsumiert, dem ist am Ende etwas blümerant zumute. Trotzdem bin ich gespannt, welche Überraschungen Von Meuffels beim nächsten Mal aus dem Trenchcoat zaubert.

Donnerstag, 18. August 2011

zdf.neo TVLab: Handpuppen, German Angst und jede Menge Bullshit

Die Idee gefällt mir: Endlich dürfen wir Zuschauer mal über das TV-Programm mitentscheiden. Zwar "nur" auf zdf.neo, das ja immer noch eher Fernsehkritikers Liebling als Quoten-Hengst ist. Aber immerhin darf hier ab dem 27. August im hippen TVLab über zehn neue Fernsehideen abgestimmt werden, und eine wird es dann tatsächlich auch on air geben. Schade daran ist, dass hier nur halbwegs etablierte Fernsehmacher zum Zuge kommen, die Trailer sind recht professionell produziert - warum die Zuschauer nicht auch selbst Ideen einreichen lassen? Zu teuer, zu aufwändig, zu risikoreich? Mir zumindest fällt es schwer, mich bei dieser Zehnerauswahl zu entscheiden. Da wären zum Beispiel ein paar abhalfterte Handpuppen, die zusammen in einer WG leben - ganz nett, aber will man das wirklich regelmäßig sehen? Ganz zu schweigen von den drei "furchtlosen Guerilla-Reportern" des Konzepts "Bullshit", die sich irgendwo zwischen Monitor und Jackass sehen. "German Angst" widmet sich indes den Minderheiten in Deutschland - da regt sich doch glatt etwas Unbehagen, läuft das auf Gutmenschen-Fernsehen hinaus? Moderator Beisenherz vergaloppiert sich schon im Trailer: "Muslime, Schwarze, Schwule, Behinderte, Frauen, die sonst nie hintereinander genannt werden sollten, sonst...sei's drum!" Folge 1: "Wie tickt er denn, der handelsübliche Muselmane?" Äh, ja.

Und sonst? Eine Dating-Show mit versteckter Kamera, ein Cineasten-Magazin mit (!) Nilz Bokelberg, eine Show namens "Wie geil ist das denn?", in der eine Moderatorin all das mal ausprobiert, was sie immer schon mal machen wollte. Schnarch.
Gar nicht so uninteressant hingehen: Neoexplorer, ein Reisemagazin, für das zwei Reporter ohne Plan mit Laptop und Schnittplatz in eine Stadt reisen und erst dort von Redaktion und Usern erfahren, was ihre Aufgabe ist. Immerhin: Interaktion!
Enttäuschend finde ich ja, dass unter zehn Ideen nur ein einziges Serienkonzept dabei ist. Und deshalb wird wohl "Scharfe Hunde" meine Stimme kriegen. Ein arbeitsloser Fernsehkommissar löst darin mit seinem Drehbuchautor schräge Fälle - gut besetzt mit Thomas Heinze und Matthias Maschke. Aber ich orakle, diese Serie wird es auch ohne TVLab schaffen.

Freitag, 12. August 2011

Übernachtung & Frühstück bei Ingrid van Bergen: Herzlich, aber hart

Ein verregneter August - aber der echten Fernsehfreundin kann das nichts anhaben, kann sie doch mit gutem Gewissen auch einmal einen Blick auf kleinere Formate werfen, ohne draußen etwas zu verpassen. So wie zum Beispiel Übernachtung & Frühstück, donnerstags um 22 Uhr im WDR Fernsehen. Lisa Ortgies nistet sich darin für ein paar Tage bei einem Prominenten ein. Klingt entspannt, ist inszeniert und der Promi wird sicher freundlich zu ihr sein - sollte man meinen. In der gestrigen Folge mit Ingrid van Bergen in der Lüneburger Heide konnte man aber gut beobachten, dass so ein Intensivkontakt auch nicht immer einfach ist. Denn wie heißt es so schön: Besuch ist wie Fisch - nach ein paar Tagen fängt er an zu stinken. Und so gab es idyllische, wenn auch unfreiwillig komische Momente, beispielsweise wenn Ortgies und van Bergen mit einem Rudel Hunde zum Spaziergang aufbrachen und die Hunde-unerprobte Ortgies tapfer die Leinen entwirrte. Aber auch Situationen, in denen das Gespräch zu eskalieren drohte. So wie beim gemütlichen Essen mit Wein, bei dem Ortgies auf van Bergens Lebensdrama mit tödlichem Ausgang zu sprechen kam: Die Schauspielerin hatte in den 70ern ihren damaligen Ehemann erschossen und verbrachte danach ein paar Jahre im Gefängnis.

Wie es dazu kam? Bei dieser Frage machte Van Bergen komplett dicht, fuhr die Krallen aus - und behandelte Ortgies, die bis dahin auf dem guten Weg zur neuen Freundin war, plötzlich als distanzlose Journalistin. Ein wenig erstaunlich ist das schon, plauderte Van Bergen doch seinerzeit im Dschungelcamp recht unverblümt über das Ereignis. Doch wie Ortgies treffend feststellte, ist Van Bergen nicht nachtragend, und so war kurz darauf beim gemeinsamen Saunagang schon wieder alles in Butter. Van Bergen präsentiert ihrem Gast sogar ihren für ihr Alter recht passablen Busen (natürlich mit dem Rücken zur Kamera). Beim abschließenden Bierchen im Hamburger Schellfischposten dann noch einmal ein Moment, in dem man Ortgies die Verblüffung an den Augen ablesen konnte: Van Bergen deutet in einem Nebensatz an, dass sie als Kind von russischen Soldaten vergewaltigt worden sei. Und das alles erfährt man mal eben so neben Übernachtung und Frühstück: das Porträt eines Stehaufweibchens, das demnächst 80 Jahre alt wird und keine Kompromisse eingeht. Und schon gar keine Freundschaften mit ihren Nachbarn. Kompliment an Lisa Ortgies, die ihren Besuch so professionell meisterte, trotz ihrer unberechenbaren Gastgeberin.

Dienstag, 26. Juli 2011

SMS von Sherlock

Sherlock Holmes ist ein Stück britisches Kulturgut. Was man beim Fünf-Uhr-Tee niemals machen würde, hat man bei ihm hemmungslos getan: seine Fälle wurden für Kino und TV unzählige Male neu aufgegossen. Mal besser, mal weniger gut durchgezogen. Ich erinnere mich lebhaft an die solide TV-Fassung aus den 80ern mit Jeremy Brett. Guy Ritchie hat seine Sache mit Robert Downey Jr. und Jude Law in den Hauptrollen auch recht ordentlich gewuppt: eine schrille Posse mit vielen Special Effects, computeranimierten Gimmicks und flapsigen Gags. Die restlichen Verfilmungsversuche: eher Mittelmaß mit Tabakspfeife.

Wie man den Sherlock wirklich zu nehmen hat, hat 2010 die BBC vorgemacht, und zum Glück zeigt die ARD drei Folgen, jeweils sonntags um 21.45 Uhr. Man hat die Geschichten aus der Baker Street 221 b entstaubt, entkrampft und ins Heute transportiert. Der neue Sherlock (wachsgesichtig und undurchschaubar: Benedict Cumberbatch) kombiniert zwar genauso messerscharf wir der alte, bedient sich dabei aber mit Freuden technischer Hilfsmittel. Er simst mindestens so gern wie Angela Merkel, das Laptop läuft im Dauermodus - und all das in einem Tempo, dass einem schwindelig wird. Dazu tragen nicht zuletzt auch die raffinierte Bildregie und Dialoge wie Rasierklingen bei. Selbst Dr. Watson ist nicht mehr der bräsige Sesselhocker, sondern Militärarzt, der just mit posttraumatischer Belastungsstörung aus Afghanistan zurückgekehrt ist und den Stock nur wegen eines eher psychisch motivierten Beinleidens trägt. Spannend bleibt es indes auch ohne brutale Szenen, für Logik-Puzzler ist es ein wahres Fest. Die Einschaltquoten waren trotz Sommerferien bombig.

Warum man Sherlock nicht zur Prime Time dabei zusehen darf, wie er an der mangelnden Intelligenz seiner Mitmenschen verzweifelt? Das hat die ARD wohl einfach verschnarcht.

Freitag, 15. Juli 2011

Der Wahnsinn hat einen Namen: Jürgen

Heute Nacht habe ich wirklich, wirklich schlecht geträumt. Das glaubt mir kein Mensch. In meinem Albtraum hat Sat1 eine neue Show namens "Ich liebe Deutschland" gestartet. Und die wurde von Jürgen von der Lippe moderiert. An der Seite des auferstandenen Dinosauriers: Sonya Kraus und Marc Bator. Alle trugen Hawaii-Hemden und Deutschland-Fähnchen. Von der Lippe begann jeden Satz mit "So, liebe Freunde", stolperte gelegentlich über die Bärte seiner Altherrenwitze und überzog die Sendezeit um 4 Stunden. Sonya Kraus kiekste hohl, Bator suchte verzweifelt den Teleprompter und verstummte schließlich völlig. Die Studiogäste waren irgendwann völlig entkräftet, verstanden die Regeln nicht mehr und sackten einfach über dem Buzzer zusammen. Darauf spielte von der Lippe auf der Ukulele "Guten Morgen, liebe Sorgen" in Endlosschleife und wurde während des letzten Werbeblocks einfach aus dem Studio getragen. Hinter der Bühne - in der Not schließlich vom Team gefesselt und geknebelt - forderte er die sofortige Auslieferung in seine Heimatstadt Bad Salzuflen. Man wusste sich nicht anders zu helfen und telefonierte Margarethe Schreinemakers herbei, bei deren Anblick von der Lippe sofort in Ohnmacht fiel. Worauf Schreinemakers erst mal mit Kraus ein Likörchen köpfte, um dann mit Bator....und genau da bin ich aufgewacht.

Mann, Mann, Mann. Gut, dass das nicht wirklich läuft heute Abend. Oder...?

Montag, 27. Juni 2011

Polizeiruf 110 Potsdam: Kalter Einstand für Olga Lenski

Endlich eine neue große Rolle für Maria Simon - und doch eine Enttäuschung: Ihr Einstand als Olga Lenski im Brandenburger Polizeiruf 110 blieb merkwürdig flach und emotionslos. Dabei gab es für ihren Charakter jede Menge Steilvorlagen von ihren Sidekicks Horst Krause und Neumann (gerne mehr von Fritz Roth!) - doch Simons Ausdruck changierte zwischen ruppig, spröde, motzig - mehr war offenbar nicht drin. Das machte es einem schwer, diese Frau zu verstehen, die bei Sonnenaufgang im See schwimmt und mit einem schwarzen Van durch die Gegend kutschiert. Warum? Kein Hinweis, denn die Dialoge beschränkten sich darauf, nur das Nötigste zum Fall zu vermitteln. Für viel Emotion schien hier kein Platz. Auch der Fall: verdreht und konstruiert kam die Geschichte um ein verkanntes Physik-Genie daher, selbst die tolle Besetzung mit Tom Schilling und Burghart Klaußner konnte nicht mehr Tiefe in das Forschungsdrama bringen. Und Lenski? Runzelte die Stirn, kaute an der Oberlippe und wurde ein einziges Mal ganz unmotiviert laut, als sie eine Zeugin zusammenfaltete. Ansonsten - a penny for your thoughts, my dear - schien sie der Fall relativ kalt zu lassen. So wie mich. Umso mehr freue ich mich auf den nächsten Fall mit den polterigen Chaoten aus Rostock.

Montag, 20. Juni 2011

George Gently: Alles andere als sachte

Man hatte mich gewarnt, und zum Glück habe ich drauf gehört: Ein Ludwigshafen-Tatort über Frauenfußball, in dem auch Jogi Löw und Theo Zwanziger auftreten - nein danke, auf diese DFB-PR hatte ich nun wirklich keine Lust. Und wie ich die ARD kenne, war es ein sehr missionarisches Stück, das darüber aufklärt, wie wild und total verrückt Frauenfußball wirklich ist, damit auch ja alle brav mitgucken, wenn die WM losgeht. Aber wohin statt dessen zappen? Fernbedienungs-Roulette - und zum Glück auf ZDF Neo gelandet, mitten in einer Folge der britischen Krimiserie George Gently - Der Unbestechliche.

Anfang der 60er Jahre ermittelt Gently (Martin Shaw) im rauen England, als unfreiwillig einsamer Wolf: Aus Rache ist seine Frau getötet worden. Trotzdem holt er nicht zum Gegenschlag aus, im Gegenteil: Er bricht immer wieder eine Lanze für die Moral. Für ihn muss es Unterschiede geben zwischen "denen" und "uns", also zwischen Kriminellen und Polizisten. Weshalb er es sich nicht nehmen lässt, beharrlich gegen Korruption und Betrug in den eigenen Reihen vorzugehen. Bei einem Fall in Northumberland trifft er auf den jungen Ehrgeizling John Bacchus (Lee Ingleby), der in London Karriere machen will und dafür nicht vor unkonventionellen Methoden zurückschreckt. Die beiden ergeben ein Gespann, in dem es ordentlich knirscht und knarzt.

Gentlys Fälle sind was für Fans handfester Kost: Da geht es ruppig und brutal zu, es scheint immer zu regnen und man riecht förmlich den Schweiß der Tweedanzüge, wenn eine Verfolgungsjagd läuft. Die Autos quietschen, Jugendliche brettern mit ihrer Motorradgang vorbei, die Damen tragen Nylons. Die 60er mit all ihren Erwartungen, aber auch ihrem Mief sind fast zum Greifen nah. Und wer "Life on Mars" gesehen hat (in der Lee Ingleby auch schon mitspielte), kann sich auch ungefähr vorstellen, mit welch' rudimentären Mitteln hier geduldig ermittelt wird - nur dass die Zeitreise fehlt und das Ganze ein wenig früher spielt. Die nächste Folge gibt es am 3. Juli, eine Vorschau in Bildern zeigt die ZDF Mediathek. Und jetzt die Preisfrage: Aus welcher Krimiserie kennt man Martin Shaw sonst noch? Lang, lang ist's her!

Dienstag, 24. Mai 2011

Schrott-Affines und Schrottreifes: Polizeiruf Rostock vs. Carl und Bertha

Das Erste hat uns in den letzten beiden Tagen viel Blech serviert. Erst die Schrottsammler im Rostocker Polizeiruf "...und raus bist du" mit meinen Lieblingshelden Bukow und König. Eine obdachlose Ex-Architektin erpresste darin einen korrupten Schrotthändler. Ein toter Sammler, viele schräge Gestalten und Rostocker Mundart: Auch diesmal hatte der Fall wieder seinen ganz eigenen Tonfall. Die beiden Kommissare knieten sich gewohnt hemmungslos in die Drecksarbeit und soffen im Verhör mit den Klüngelbrüdern Tütenwein, vom Gegenüber kommentiert mit - "ist doch auch nicht schlechter als das Luxuszeug für 2,50!". Großartig und eine echte Entdeckung: Jan Georg Schütte, der sonst eigentlich mehr im Regiefach zu Hause ist. Den gierigen Müll-Einkäufer hat man ihm sofort abgenommen. Einziges Manko: Am Ende wurde es einfach zu schnell wieder gut - die Clochard-Architektin bekam einen Praktikumsplatz und wahrscheinlich auch das Sorgerecht für die Tochter wieder, weil König die Finger nicht vom Gutmenschen-Spielen lassen konnte.

Genauso wie Felicitas Woll als Bertha Benz, die unerschütterlich an den Erfolg ihres Mannes Carl und seine Idee vom pferdelosen Wagen glaubte. Die Story von "Carl & Bertha" ist schnell zusammengefasst: Carl hat kein Geld, will hinwerfen. Bertha stimmt ihn um. Carl hat noch weniger Geld, will alles hinwerfen. Bertha stimmt ihn um. Carl hat.....und so weiter, die ganze Schleife ungefähr fünf Mal. Bis sich Bertha endlich selbst in den Wagen setzt und nach Pforzheim tuckert. Uffz. Bis dahin musste Woll viel mit den Augen rollen und Ken Duken viel husten. Insgesamt ehrlich gesagt unsäglicher Schrott. Und die Krönung: ein Cameo-Auftritt von Olli Dittrich als Daimler.

Dienstag, 17. Mai 2011

In Sachen Opdenhövel: Warum das Erste mehr Ostwestfalen-Lippe braucht

Kaum ist der Name gefallen, schon hacken alle drauf herum: Matthias Opdenhövel soll zum Team der Sportschau stoßen. Ja warum denn nicht? Verdient hat er es allemal. Nicht nur, weil der gebürtige Detmolder ein Volontariat bei Radio Lippe überlebte - er hat auch in seiner Fernsehkarriere viel Trash mit Würde wegmoderiert. So ehrlich und unprätentiös spricht nur einer, der die feuchte Luft des Teutoburger Walds inhaliert und ansonsten die Sonne nicht übertrieben oft gesehen hat. Meine Fernsehbiograpie hatte jedenfalls immer wieder echte Opdenhövel-Momente.Unvergessen: Die Musikrateshow "Hast du Töne?" (bis 2001 bei Vox), bei der man regelmäßig an verfremdeten Refrains oder ins Deutsche übersetzten Liedtexten zu knacken hatte.

Seinen ostwestfälischen Charme entfalten konnte Opdenhövel nicht zuletzt bei "Schlag den Raab" und rund um den ESC: mit leicht zynisch gekräuselten Mundwinkeln und kurzsichtigem Eulenblick durch die schlaue Brille. Wie arg es um seine Dioptrienbilanz bestellt ist, verrät die Pastewka-Folge Das Gewitter, aufschlussreich ist sicher auch sein Buch "Die Schnellficker-Schuhe und andere Geschichten; Erlebnisse eines VIVA-Moderators". Jetzt also Fußball. Dürfte ihm als Ex-Gladbacher Stadionsprecher nicht schwer fallen. Und der Weg ist frei für mehr, es wird sich sicher eine Show finden. Ein Hoffnungsschimmer zwischen den Pilawas dieser Welt - denn ein Ostwestfale wird nie Schwiegermamas Liebling sein und versucht es deshalb auch erst gar nicht.

Montag, 2. Mai 2011

Tatort Münster: Hibbelig, knorzig, gut

Die letzten Tag standen im Zeichen des "Na endlich": Endlich ist das Meisterschafts-Hin-und-Her rund um Borussia Dortmund ausgestanden, endlich ist Gottschalk abgetreten, endlich sind Prinz und Prinzessin unter der Haube. Nur der Münster-Tatort scherte aus. Wer gehofft hatte, es würde endlich mal ein sinnvoller Fall gelöst, guckte in die Röhre. Wieder dienten der hibbelige Charme von Professor Börne und die Knorzigkeit von Kommissar Thiel als Kleister, der die Folge zusammenhielt. Weh getan hat das trotzdem nicht. Die absurden Verirrungen des ungleichen Ermittler-Paars kann man nur lieben oder hassen. Ich entscheide mich für Ersteres und habe mich köstlich bei Börnes Schädel-Rekonstruktion und Thiels ungelenken Flirtversuchen mit der Steuerfahnderin aka Lindenstraßen-Marion vergnügt. Der irre Kartoffelkönig und der untergetauchte Finanzverbrecher störten da fast ein wenig. Besser in einen Petzold-Film gepasst hätte auch der gläserne Bungalow, in dem die Menschen blasser blieben als die Fische im Aquarium. Dass dies am Ende in tausend Teile zerbarst, war nur konsequent. Insgesamt ein irrlichternder Spaß, der 11,9 Millionen Menschen anzog: Es war der meist gesehene Tatort seit 1993.

Mittwoch, 13. April 2011

Luft raus bei House?

Da sieht man mal, was passiert, wenn der einsame Wolf eingefangen und zur Pärchenhälfte wird: Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. So geschehen in der neuen (siebten) Staffel von Dr. House. Der ewige Grantler und Zyniker hat etwas mit seiner Chefin Lisa Cuddy angefangen und schon geht der Ärger los. Denn eigentlich entscheidet er am liebsten alles im Alleingang ohne Rücksicht auf Verluste. Plötzlich ist er aber in der Zwickmühle: Was Cuddy ihm als Chefin befiehlt, ist zugleich auch der Wunsch seiner Geliebten, und die Laken sind noch warm. Der unbeirrbare House, der sich sonst gerne hassen lässt, will plötzlich liebgehabt werden und fängt an, bei seinen Entscheidungen herumzueiern. Und schon ist auch die Serie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die ironische Bespiegelung der dramatischen Fälle geht flöten, und für Szenen mit Houses' Freund James bleibt weniger Raum, denn die Bettszenen nehmen sehr viel davon ein. Da wird man als Zuschauer direkt ein wenig eifersüchtig - und hofft auf ein baldiges Körnchen Zwietracht zwischen den Turteltäubchen. Denn Luft raus bei House, das wäre doch schade.

Montag, 11. April 2011

Tatort München: Zwischen Halali und Hartz IV

Hat mir dieser Tatort gefallen oder nicht? Ein klares Jein. Was war gut? Armut in Deutschland - das Thema unsentimental und ohne erhobenen Zeigefinger zu erzählen, gelingt selten. Hier hat es funktioniert. Die Kommissare versuchen erst gar nicht, mit plumpen Hilfsangeboten etwas gegen die Misere zu unternehmen. Am Schluss ist die Lage des Mädchens Nessi nach wie vor bescheiden und es bleibt fraglich, ob sie sich aus dem Sumpf ziehen kann. Eine alkoholkranke Mutter zu Hause ist ihr sichtlich lieber als selbige im Knast.

Nicht so gelungen hingegen: Die trauernde Witwe, die theatralisch auf dem teuren Sofa der vom Gatten bezahlten Villa thront und wenig Einblick in ihren Charakter, dafür aber mehr in ihren Ausschnitt bietet. Dass dieser Wohnzimmer-Vamp und ihr schneidiger Lover am Mord nicht ganz unschuldig waren, wusste man nach wenigen Minuten. Und das Jagen und Halali-Blasen? Blieb nur Staffage und erzählerischer Vorwand für die Mordwaffe - und thematisch sehr weit weg von der Wohnsiedlung mit sozialen Problemen. Auch der Handel mit gefälschten Medikamenten aus dem Internet bekam nur einen Streifschuss. Dass der junge Dealer am Ende gar Nessis neuer guter Freund sein soll, war dann doch eine recht wundersame Wendung. Aber wie heißt es so schön: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Die 8,9 Millionen Zuschauer, die gestern einschalteten, seien diesem Tatort gegönnt.

Montag, 28. März 2011

Tatort Bodensee: Achtung, Mimikfältchen!

Hat jemand gestern beim Tatort spaßeshalber mal den Ton abgedreht? Dann müsste er gemerkt haben, dass Klara Blums Fall echte Stummfilm-Qualitäten besaß. Hochgezogene Augenbrauen, zusammengekniffene Lippen, zuckende Mundwinkel - und das alles im Minutentakt in Großaufnahme: Wer hier bei der Mimikanalyse nicht mithalten konnte, sollte seinen Augenarzt konsultieren. Ich konnte dummerweise das Gesichter-Rätseln bei Anne Will nicht mehr abstellen - der Kameramann offenbar auch nicht. Sonst hätte er Christian Lindner nicht ständig ins Gesicht gefilmt: Dauerblinzeln, die Lippen ein schmaler Strich, die Mundwinkel nach unten hängend. Im Tatort hätte das nach U-Haft gerochen.

Tatsächlich einbuchten sollte man aber die Macher von "5 gegen Jauch". Hat vielleicht jemand vorher diese Show einmal probehalber durchgespielt? Dann wäre vielleicht nicht schief gegangen, was schief gehen konnte. Das Totenkopfäffchen hätte Jauch nicht auf den Anzug gekotzt, Pocher hätte sich nicht seiner Hose entledigt, Jauch hätte nicht vor lauter Rumgefuchtel aus Versehen eine falsche Antwort eingeloggt, die Zuschauer hätten nicht selbst Telefonkandidaten benennen dürfen - die dann entweder nur den Anrufbeantworter sprechen ließen oder gleich auflegten. Und das in Kombination mit fünf feucht-fröhlichen Kölner Köbessen: fünf in die Magengrube des Zuschauers, würde ich sagen. Dass die Kölner gegen Jauch gewannen, war übrigens auch kein Wunder - denn der war ungefähr so ambitioniert wie ein rohes Schnitzel. Da lobe ich mir doch Raabs Kampfgeist. Von Jauch dagegen immer nur ein schwach hochgezogener Mundwinkel, wenn er eine Antwort nicht wusste - Verachtung?

Dienstag, 8. März 2011

Taras Welten: Wer ist sie, und wenn ja, wie viele?

Skandal! Skandal! "United States of Tara" wurde mit Emmys und Golden Globes ausgezeichnet - und das Erste versendet die erste Staffel seit vergangener Woche schnöde im Freitagnachtprogramm um 2 Uhr! Zum Glück hat mein Liebster mitgedacht und den Festplattenrecorder programmiert - statt Blumen, sozusagen. Und so durfte ich gestern nachgelagert die großartige Toni Colette in ihrer Paraderolle bewundern, die ihr Diablo Cody auf den Leib geschrieben hat. Als Tara Gregson lebt sie mit Mann und zwei pubertierenden Kindern im täglichen Ausnahmezustand: Tara ist eine multiple Persönlichkeit und zaubert immer dann eine neue Figur aus dem tiefsten Inneren, wenn keiner damit gerechnet hat. Mal ist sie der promiskuitive Teenie namens "T", mal ein waffenverliebter White-Trash-Biker namens Buck, mal backt sie als perfektionistische Hausfrau Alice absurde Torten und wäscht der Tochter den Mund mit Seife aus, wenn die ein schmutziges Wort ausspricht. Die Gregsons versuchen, es mit Humor zu nehmen, was nicht immer glatt gelingt. Ist das zu schräg für frühere Sendezeiten? Warum hat man dann sogar Geld in die Hand genommen, um "Taras Welten" zu synchronisieren? Was im Übrigen nicht Not getan hätte, als OmU-Fassung wäre es sicher noch lustiger. Anyway: Wer Freitag nachts mal nicht schlafen kann - einschalten. Und alle anderen zeichnen es gefälligst auf.

Montag, 7. März 2011

Tatort Wien mit Adele Neuhauser - endlich!

Wie ungerecht: Hamburgs Undercover-Ermittler Cenk Bartu hört bald auf und Mister Bernhardinerblick Moritz Eisner macht unbeirrt weiter. Kann nicht wahr sein! Doch, kann es - und darf es sogar. Denn seit gestern hat man Eisner alias Harald Krassnitzer die großartige Adele Neuhauser zur Seite gestellt, die als Bibi Fellner einen furiosen Einstand gab. Die wandelbare Neuhauser hat ihre Chance mehr als verdient: Eben noch die durchgeknallte Kitschroman-Autorin in "Doctor's Diary", jetzt ehemalige Ermittlerin bei der Sitte, die nach 20 Jahren Straße immer noch nicht abgestumpft ist und deshalb zu oft zur Flasche greift. "Ich brauche einen Assistentin, kein Wrack" beschwert sich Eisner gleich zu Anfang bei seinem Vorgesetzten. Doch dann lernt er Bibis Schwächen (verbreitet Chaos, kommt immer zu spät, trinkt zuviel und ist morgens nicht zu gebrauchen), aber auch ihre Stärken (Menschenkenntnis, gutes Bauchgefühl und jede Menge Erfahrung) besser kennen - und behält sie. Hurra, das kann ja noch was werden mit den beiden. Da verzeiht man fast die arg meloquadratische Auflösung des Falls, in der die Täter noch einmal Anschauungsmaterial schlechter Schauspielkunst lieferten. Adele Neuhauser kann es besser - mit pointierter Mimik und skurriler Körpersprache ist sie der wahre Star. Soll Eisner gern weiter neben ihr hertrotte(l)n!

Dienstag, 22. Februar 2011

Mörderisches Wespennest: Holperiger Spaß

Man muss ihn mögen, diesen Hinnerk Schönemann. Dass er anfangs immer ein bisschen naiv-trottelig wirkt, dass er abgehackt und eigentlich viel zu schnell spricht. Aber wenn er einmal seinen mecklenburgischen Charme entfaltet hat, bleibt man doch hängen. Auf "Mörderisches Wespennest" musste man sich genauso einlassen wie auf den eigenwilligen Hauptdarsteller: Die Geschichte um einen merkwürdigen Selbstmord in der Samtgemeinde Aschberg ist wie ein Kaufmannsladen, der von allem ein bisschen anbietet. Komik, Skurriles, Schießereien, Sex und Kungeleien im Rathaus. Manche Information wirkt hier sinnlos bis überflüssig: Warum ist Privatdetektiv Finn Zehender ausgerechnet irischer Staatsbürger? War er früher wirklich mal bei der Polizei, wie es sein abgelaufener Dienstausweis vermuten lässt? Wer ist die mysteriöse angebliche Staatsanwältin, die ihm am Ende aus der Patsche hilft? Fast werden hier Erinnerungen an alte Otto-Filme wach.

Auch das Mordmotiv an sich: verschwurbelt und verdreht. Hier ein bisschen Streit um einen Häckselplatz, da ein bisschen Gerangel um Grundbesitz, den ein Investor teuer einkaufen will. Füllwatte aus Informationen. Dazwischen aber: jede Menge Spaß. Wie Uwe Bohm völlig wildgeworden in der Gegend herumballert und schließlich selbst mit durchgeschossenem Fuß durch die Landschaft hüpft, hätte den Coen-Brüdern gefallen. Auch wie Zehender und die zwei verdächtigen Brüder auf der Wache auflaufen, sich gegenseitig mit Waffen in Schach haltend, bis die junge Polizistin Frau Wippermann selbst dazwischenknallt und für Ruhe sorgt - ein großer Moment. Höhepunkt ist aber, wie Zehender am Schluss die Hauptverdächtige beim Memory-Turnier über den Tisch zieht. Es muss nicht immer alles stimmig sein. Aber das "Mörderische Wespennest" hat den Montagabend auf rumpelige Art und Weise einfach ein klein bisschen lustiger gemacht.

Montag, 21. Februar 2011

Tatort Leipzig: Zwei Eigenbrödler und das böse Internet

Stell dir vor, es kommt ein Leipziger Tatort, und ich guck nicht hin. Na gut, so ganz stimmt das nicht, physisch war ich durchaus präsent, habe mich aber dabei ertappt, zuweilen an die Steuererklärung und den Einkaufszettel von morgen zu denken. Woran lag's? Zu einen an Kepplers Dauergenöle und einer ewig genervten Saalfeld. Das hatten wir schon, das kennen wir schon. In "Rendezvous mit dem Tod" führte es außerdem dazu, dass die beiden lieber allein nebeneinanderher ermittelten, um sich aus dem Weg gehen zu können. Lange, zu lange, sah es deshalb danach aus, als hätten die beiden Fälle um die vermisste Clara Schütz und einen ermordeten Villenbesitzer nichts miteinander zu tun. Schließlich war dann aber das böse Internet der rote Faden: Über eine 50plus Datingbörse nahm ein Räuberpärchen reiche Männer aus.

Im Tatort sehen Websites immer aus wie selbstgebastelt, und natürlich meldet sich die Kommissarin (auch das gab es schon mal - war es im Bodensee- oder Niedersachsen-Tatort?) immer selbst an, um die Nicknames zu enttarnen. Warum sie das hier nur bei einem der mehreren Dutzend Verdächtigen tat, blieb unklar. Und dann die Frauen: Hat sich jemand vielleicht genau wie ich an alte Derrick-Fälle erinnert gefühlt? Die durchgeistigte Klavierlehrerin (wie eingefroren: Nadeshda Brennicke) mit dem weißen Blüschen und die überkandidelte Ex-Frau (skurril: Renate Krößner) wirkten so echt wie Saalfelds Haarsträhnchen, die Dialoge wie aus der Tappertschen Blütephase.

Am Ende dieser zähen Geschichte fiel Keppler dann obendrein in ein tiefes Loch. Saalfeld rettete ihn. Zum Dank pfiff er auf den besseren Posten in Wiesbaden. Alles wieder gut zwischen den beiden - bis zum nächsten Mecker-Motz-Konzert.

Samstag, 12. Februar 2011

Hallelujah für Gottschalk: Entertainen kann man nicht alleine

Es war keine leichte Aufgabe, nach dem Unfall von Samuel Koch in der vergangenen "Wetten,dass...?" Sendung wieder zur Normalität zu finden. Thomas Gottschalk verkündete gleich zu Beginn konsequenterweise seinen Rücktritt: nach der Sommersendung auf Mallorca soll Schluss sein. Als das endlich ausgesprochen war, schien es, als sei eine Last von ihm gefallen - so locker hat er wohl lange keine Sendung mehr wegmoderiert. Das lag nicht zuletzt auch an der stimmigen Zusammensetzung der Couchgäste, die mit ihrer Leichtigkeit und ihrem Humor selbst Naomi Campbell auf ein erträgliches Niveau mitzogen. Das Paar Liefers-Loos plauderte entspannt, als säße es auf dem heimischen Sofa, selbst die sonst etwas steife Maria Furthwängler machte Witze, und Annette Frier nahm die viel zu hohen Highheels mit Würde.

Bei den Wetten selbst ging man natürlich kein großes Risiko ein. Frisbeewerfer, die Kerzen auspusteten, ein Salami-Golfer oder auch der Abiturient, der mit den Füßen Glühbirnen eindrehte: charmante Ideen, fast wie zu alten Wetten, dass...?-Zeiten - es geht eben auch ohne Hightech und schweres Gerät. Und selbst die Musik war halbwegs erträglich: Lindenberg, Take That, Max Raabe und ein von den Hallensern auf Flaschen geblasenes Hallelujah - da haben wir schon deutlich schlimmere Mischungen gehört. Vielleicht sollte es sich Gottschalk doch noch einmal überlegen mit dem Abgang - wo doch seine Gäste schon so gebettelt haben, er möge bleiben. Selbst das "heute journal" widmete ihm einen Abschiedsbeitrag. Und Kleber erinnerte daran, was jetzt ansteht: die Suche nach einem Nachfolger. Es wird kein Leichtes.

Montag, 7. Februar 2011

Polizeiruf Rostock: Eine Klasse für sich

Dass ich ein großer Fan des Polizeirufs aus Rostock bin, habe ich hier ja schon mehrfach aufs Brot geschmiert. Gestern gab es wieder reichlich Wasser auf meine Mühlen. Und wieder die Erkenntnis: Mit dieser Reihe ist man den meisten Tatort-Folgen um Lichtjahre voraus. Zwar wirkte der Fall eher wie aus der 80/15-Kiste gegriffen: Ein verwaister Vater nimmt den Kampf gegen die böse Pharmaindustrie auf, nachdem seine Tochter an einem nicht ausreichend getesteten Impfstoff starb. Der eigentliche Horror spielt sich aber im Leben des Ermittlers Sascha Bukow ab, der von Mafiaboss Subocek erpresst wird und zurecht um das Leben von Frau und Kindern bangt. Was er auf sich genommen hat, um sie zu schützen, presste er in dieser Folge zwischen den Zähnen hervor: Subocek bekam von ihm die Namen von V-Männern und Kronzeugen. Kollegin König, die eigentlich gegen Bukow ermitteln soll, schluckt. Ein Kronzeuge wurde kurz danach ermordet. Doch was an Bukows Verhalten könnte man ihm wirklich vorwerfen?

Autor und Regisseur Eoin Moore gönnt seinen Figuren ein echtes Eigenleben und eine Vergangenheit, die er langsam entblättert. Wie in guten US-Serien - The Wire lässt grüßen - gibt es dabei nicht immer nur schwarz und weiß, und moralische Fragen lassen sich nicht einfach beantworten. Geschichten auf diese Art horizontal zu erzählen, wenn man pro Jahr nur zwei Folgen senden darf, ist sicher knifflig - aber die Mühe lohnt sich. Wer übrigens wissen will, wie es hinter den Kulissen zuging, erfährt darüber mehr von David Denk, der den Dreh für die taz begleitete.

Dienstag, 1. Februar 2011

Lena Meyer-Landrut: Zu viel des Guten

Als ich noch ein Teenie war, stieß meine Mutter eines Tages auf eine Zucchini-Quelle. Eine Nachbarin hatte zuviel angebaut und versorgte uns fortan reichlich mit dem grünen Gemüse. Dankbar wurde es weiterverarbeitet - als Auflauf, als Ratatouille, Zucchini im Pfannkuchen, Zucchini zum Fleisch, Zucchini im Salat. Bis uns irgendwann die Zucchini derbe zum Hals raushing. Denn egal in welcher Variante sie daherkam, sie blieb immer eine Zucchini. Ungefähr so kam es mir gestern bei der Grand Prix Show mit Lena Meyer-Landrut vor. Süß war sie, gut sah sie aus in ihren Outfits. Aber Lena bleibt eben trotzdem immer noch Lena - ein bisschen steif in der Hüfte und kurzatmig im Gesang. Mit gutem Songwriting lässt sich da zwar einiges rausholen - wie "That again" von Raab und das geheimnisvolle "Taken by a stranger" von Morier/Seyffert/Birkenes zeigten. Zum Ende hin stellte sich bei mir aber ganz klar Übersättigung ein - man fragt sich schon, wie man das zweite Halbfinale durchhalten soll.

Immerhin wird dann die Jury mit Joy Denalane und Anke Engelke sicher mehr Elan mitbringen als Stefanie Kloß und Schnarch-Graf Unheilig. Obwohl, einmal musste ich doch herzlich lachen - als Kloß sagte: "Wir beide hören ja sonst nicht so viel Kommerz." Ich muss mal drauf achten, ob sich die beiden beim eigenen Auftritt tatsächlich die Ohren zuhalten.

Montag, 31. Januar 2011

Schimanski: Currywurst und tiefer Sumpf

Endlich kein Dschungelcamp mehr! Und zur Feier des Tages gestern ein erstaunlich erfrischender Schimanksi. In "Schuld und Sühne" will der in die Jahre gekommene Horst eigentlich nur in Ruhe seine Currywurst essen. Doch schneller als der Imbissbudenbesitzer abkassieren kann, ist Schimanski schon wieder in einen Fall verwickelt. Der Sohn einer Freundin (als Sonja etwas hölzern: Ulrike Kriener) nimmt sich das Leben, und es kommen Fragen auf: Was ging wirklich vor sich im legendären Revier Ruhrort, wieso verzweifelte der junge Polizist an seinem Alltag? Und der Zuschauer fragt sich noch dazu: War der eigentlich Schimanskis Sohn? Das wird zwar nicht aufgeklärt, dafür aber geht es tief hinein in einen Sumpf aus Prostitution, Drogenhandel und Korruption - und fast keiner der Beamten scheint eine weiße Weste zu haben. Also krempelt Schimanski die verknitterten Ärmel hoch und macht wie immer den Drecksjob, den sonst keiner machen will.

Da er ja mittlerweile in die Jahre gekommen ist, will die Faust nicht mehr recht mitmachen, und so ermittelt er ruhig und altersmilde. Sogar Mädchenmethoden wie den Tritt ins Gemächt eines Gangsters erlaubt er sich. Fast wird Schimanski ein wenig sentimental, wenn er sieht, wie es nach ihm mit seinem alten Revier den Bach runtergeht. Aber nur fast. Am Ende sieht er klarer als alle anderen. Und mit klarem Blick zeichnet Regisseur Thomas Jauch auch Duisburg in allen Facetten. Hinterm Friedhof rauchen die Schlote, die Eckkneipe sieht immer noch so aus wie vor Jahrzehnten, nach Marxloh fährt man nur, wenn man unbedingt muss. Aber neue Zeiten sind schon angebrochen: Der smarte Innendienst-Ermittler (Johann von Bülow, inzwischen der Anzugträger vom Dienst?) gönnt sich natürlich ein Luxus-Büro im Innenhafen mit grandiosem Ausblick. Das staubige, alte Duisburg verblasst.

Am Ende des Falls werden viele behauptet haben, man hätte ja keine Wahl gehabt. Es gibt noch zwei weitere tote Polizisten, und die verbliebenen Beamten räumen das Revier Ruhrort. Es wird "umstrukturiert", also wegstrukturiert. An den Wänden bleiben schwarze Ränder zurück, wo einst Rahmen hingen. Schimanski klemmt sich eine traurige Büropalme unter den Arm - und lächelt. Und das steht ihm verdammt gut.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Back to Harem: Langhans ist raus

Ach Rainer: So endet es also mit den 68ern? Du hast dich kasteit, meditiert, dich aus Zickereien weitgehend rausgehalten - und dann hast du es doch getan: psychologisiert und den anderen auseinanderklamüsert, was in Sarah K. wirklich vorgeht. Dafür gab es schnell die Quittung: Den Zuschauern war das einfach zu langweilig. Und zapp - und weg. So geht das im neuen Jahrtausend. Tröstlich, dass dich deine Damen zu Hause erwarten. Sie werden deine Kopfstandbank liebevoll in die Ecke stellen, dir verständnisvoll über die grauen Locken streichen und dir erst einmal die rosa Unterhosen waschen. Von deiner Entspannheit muss ich mir übrigens noch einiges abgucken, vor allem angesichts der TV-Highlights der kommenden Wochen. Die Hindenburg dräut. Und Fünf gegen Jauch. Da hilft wohl auch kein Kopfstand.

Dienstag, 18. Januar 2011

Glee: Im Singsang durchs Pubertäts-Gestrüpp

Das war gestern ein schwerer Kampf mit mir selbst und der Fernbedienung: "Nachtschicht" im ZDF, mit dem großartigen Misel Maticevic und Lars Rudolph - oder doch lieber Glee, um den Hype zu verstehen? Gewonnen hat schließlich das Schulmusical. Warum ich daran hängengeblieben bin, verstehe ich immer noch nicht. Mal überlegen: Ich bin weder die anvisierte Altersgruppe, noch mag ich Filme oder Serien, in denen zwischendurch gesungen wird. Es muss am schrägen, fast simpsonesken Humor gelegen haben, der zwischen dicken Kitsch-Schichten immer wieder aufblitzte - und genau dann, wenn es fast unerträglich wurde, rasant die Kurve ins politisch Unkorrekte nahm. Damit das klappt, braucht jede Figur ein Geheimnis oder einen richtig dicken Hau. Und den haben in Glee viele - von der Vertrauenslehrerin mit Waschzwang über den indischen Schuldirektor mit Spar-Neurose bis zur Cheerleaderin, die sich als Zölibats-Aktivistin engagiert. Und nicht zu vergessen die zusammengestoppelte Musical-AG, die wirklich jeden aufnimmt - ein Loser-Trupp, wie man ihn seit "Die Bären sind los" nicht mehr gesehen hat.

Und so funktioniert auch die Story, typisch amerikanisch: Die Underdogs beißen sich durch und werden sicher am Ende die strahlenden Helden - nach vielen Irrwegen. In einer deutschen Serie würde man das den Autoren nicht abkaufen. Wer findet es heutzutage als Schüler schon toll, wenn andere besser sein wollen? Wenn es doch viel cooler ist, gleichgültig zu tun? US-Serien hingegen können sich immer wieder auf den ausgenudelten amerikanischen Traum stützen. Glee traut sich allerdings noch mehr, berührt auch vermeintlich heikle Randgebiete wie Homosexualität, Rassismus und Prüderie. Und vieles wird dann eben doch nicht so erwartbar erzählt, wie man es von einer Musical-Serie erwartete hätte. In Glee steckt einfach mehr drin, als man mir vorgaukeln wollte - das muss es gewesen sein.

Montag, 17. Januar 2011

Dschungelcamp: Weise Greise und ein Quengel-Fräulein

Jetzt ist es raus: Die Silver-Ager dieser Nation sind eindeutig cooler als die Youngsters. Während Heulboje Sarah selbst angesichts des Abwaschs schon einen halben Schwächeanfall bekommt und sich nach jeder nicht bestandenen Prüfung laut im Selbstmitleid suhlt, bleiben die Graugelockten gelassen. Rainer Langhans liegt und liegt, Carrière und Jacob-Sister Eva lassen sich die Laune nicht verderben und Katy Karrenbauer klopft der hysterischen Blondine verständnisvoll auf die Schulter. Diese Alten sind wahrlich tiefenentspannt. Und damit wäre auch schon alles aufgeschrieben, was an dieser Sendung halbwegs interessant sein könnte. Wenden wir uns lieber wieder einer US-Serie mit vielen Vorschusslorbeeren zu: Heute Abend um 20.15 Uhr startet auf Super RTL "Glee" und hier gibt's als Vorgeschmack den Trailer zur ersten Episode. Ich glaube, das ist mir lieber als ein weiterer Abend mit gequälten Kakerlaken und verstopften C-Promis.

Montag, 10. Januar 2011

Haase, Hühner - und Langhans wird reich

Die Fernsehfreundin lässt es zum Jahresbeginn langsam angehen und tuckert mit ihrem Rezensions-Zug ein wenig hinterher. Dabei hatte die letzte Fernsehwoche einiges zu bieten. Zunächst die Erkenntnis, dass ich eine Volksinitiative für mehr Doppelfolgen gründen sollte. Es macht einfach mehr Spaß, wie man beim Auftakt von Doctor's Diary gesehen hat. Die dritte Staffel hat in den ersten beiden Folgen das geschafft, was ich nach Staffel zwei bezweifelt hatte: Geht es noch lustiger? Ja, es ging: Mit perfektem Timing, knackigen Dialogen und vor allem männlichen Darstellern, die Gretchen Haase locker an die Wand spielten. Unerreicht: Doktor Kahn als Pandemie-Beauftragter und Schwester Sabine im Kampf mit dem XXL-Tampon. Soviel Lachtränen am Mittwochabend waren noch nie.

Der Tatort gestern legte indes Bleischwere über die Wohnzimmercouch. Kein Wunder, dass selbst Ballauf inzwischen häufiger während des Ermittelns einschläft - man kann es ihm nachfühlen. Wer möchte schon unter derartig grauen Herren ermitteln müssen wie in diesem Fall rund um eine Unternehmensberatung, die in einem Verlag die Mitarbeiterliste mähte? Da hatte selbst der absurd verbohrte Geflügel-Lobbyist Thomas Janning noch mehr Temperament, der im Anschluss bei Anne Will die deutschen Hühnerfarmbetreiber als "verantwortungsvolle Tierhalter" lobte. Erstaunlich, dass bei seinen schmerzfreien Tiraden keinem der Teilnehmer das Christian Rach'sche Rührei im Hals steckenblieb. Es wurde einfach weiter herumgeeiert. Und sonst? Wirft das Dschungelcamp seine Schatten voraus. Wer hat sich da verplappert und die Gage von Rainer Langhans verraten? Am Ende noch er selbst? Hoffen wir, dass er die Sendung antreten kann - und nicht von beleidigten Ex-Genossen den Hühnern zum Fraß vorgeworfen wird.