Google+ Followers

Dienstag, 18. Januar 2011

Glee: Im Singsang durchs Pubertäts-Gestrüpp

Das war gestern ein schwerer Kampf mit mir selbst und der Fernbedienung: "Nachtschicht" im ZDF, mit dem großartigen Misel Maticevic und Lars Rudolph - oder doch lieber Glee, um den Hype zu verstehen? Gewonnen hat schließlich das Schulmusical. Warum ich daran hängengeblieben bin, verstehe ich immer noch nicht. Mal überlegen: Ich bin weder die anvisierte Altersgruppe, noch mag ich Filme oder Serien, in denen zwischendurch gesungen wird. Es muss am schrägen, fast simpsonesken Humor gelegen haben, der zwischen dicken Kitsch-Schichten immer wieder aufblitzte - und genau dann, wenn es fast unerträglich wurde, rasant die Kurve ins politisch Unkorrekte nahm. Damit das klappt, braucht jede Figur ein Geheimnis oder einen richtig dicken Hau. Und den haben in Glee viele - von der Vertrauenslehrerin mit Waschzwang über den indischen Schuldirektor mit Spar-Neurose bis zur Cheerleaderin, die sich als Zölibats-Aktivistin engagiert. Und nicht zu vergessen die zusammengestoppelte Musical-AG, die wirklich jeden aufnimmt - ein Loser-Trupp, wie man ihn seit "Die Bären sind los" nicht mehr gesehen hat.

Und so funktioniert auch die Story, typisch amerikanisch: Die Underdogs beißen sich durch und werden sicher am Ende die strahlenden Helden - nach vielen Irrwegen. In einer deutschen Serie würde man das den Autoren nicht abkaufen. Wer findet es heutzutage als Schüler schon toll, wenn andere besser sein wollen? Wenn es doch viel cooler ist, gleichgültig zu tun? US-Serien hingegen können sich immer wieder auf den ausgenudelten amerikanischen Traum stützen. Glee traut sich allerdings noch mehr, berührt auch vermeintlich heikle Randgebiete wie Homosexualität, Rassismus und Prüderie. Und vieles wird dann eben doch nicht so erwartbar erzählt, wie man es von einer Musical-Serie erwartete hätte. In Glee steckt einfach mehr drin, als man mir vorgaukeln wollte - das muss es gewesen sein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen