Google+ Followers

Montag, 31. Januar 2011

Schimanski: Currywurst und tiefer Sumpf

Endlich kein Dschungelcamp mehr! Und zur Feier des Tages gestern ein erstaunlich erfrischender Schimanksi. In "Schuld und Sühne" will der in die Jahre gekommene Horst eigentlich nur in Ruhe seine Currywurst essen. Doch schneller als der Imbissbudenbesitzer abkassieren kann, ist Schimanski schon wieder in einen Fall verwickelt. Der Sohn einer Freundin (als Sonja etwas hölzern: Ulrike Kriener) nimmt sich das Leben, und es kommen Fragen auf: Was ging wirklich vor sich im legendären Revier Ruhrort, wieso verzweifelte der junge Polizist an seinem Alltag? Und der Zuschauer fragt sich noch dazu: War der eigentlich Schimanskis Sohn? Das wird zwar nicht aufgeklärt, dafür aber geht es tief hinein in einen Sumpf aus Prostitution, Drogenhandel und Korruption - und fast keiner der Beamten scheint eine weiße Weste zu haben. Also krempelt Schimanski die verknitterten Ärmel hoch und macht wie immer den Drecksjob, den sonst keiner machen will.

Da er ja mittlerweile in die Jahre gekommen ist, will die Faust nicht mehr recht mitmachen, und so ermittelt er ruhig und altersmilde. Sogar Mädchenmethoden wie den Tritt ins Gemächt eines Gangsters erlaubt er sich. Fast wird Schimanski ein wenig sentimental, wenn er sieht, wie es nach ihm mit seinem alten Revier den Bach runtergeht. Aber nur fast. Am Ende sieht er klarer als alle anderen. Und mit klarem Blick zeichnet Regisseur Thomas Jauch auch Duisburg in allen Facetten. Hinterm Friedhof rauchen die Schlote, die Eckkneipe sieht immer noch so aus wie vor Jahrzehnten, nach Marxloh fährt man nur, wenn man unbedingt muss. Aber neue Zeiten sind schon angebrochen: Der smarte Innendienst-Ermittler (Johann von Bülow, inzwischen der Anzugträger vom Dienst?) gönnt sich natürlich ein Luxus-Büro im Innenhafen mit grandiosem Ausblick. Das staubige, alte Duisburg verblasst.

Am Ende des Falls werden viele behauptet haben, man hätte ja keine Wahl gehabt. Es gibt noch zwei weitere tote Polizisten, und die verbliebenen Beamten räumen das Revier Ruhrort. Es wird "umstrukturiert", also wegstrukturiert. An den Wänden bleiben schwarze Ränder zurück, wo einst Rahmen hingen. Schimanski klemmt sich eine traurige Büropalme unter den Arm - und lächelt. Und das steht ihm verdammt gut.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen