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Dienstag, 22. Februar 2011

Mörderisches Wespennest: Holperiger Spaß

Man muss ihn mögen, diesen Hinnerk Schönemann. Dass er anfangs immer ein bisschen naiv-trottelig wirkt, dass er abgehackt und eigentlich viel zu schnell spricht. Aber wenn er einmal seinen mecklenburgischen Charme entfaltet hat, bleibt man doch hängen. Auf "Mörderisches Wespennest" musste man sich genauso einlassen wie auf den eigenwilligen Hauptdarsteller: Die Geschichte um einen merkwürdigen Selbstmord in der Samtgemeinde Aschberg ist wie ein Kaufmannsladen, der von allem ein bisschen anbietet. Komik, Skurriles, Schießereien, Sex und Kungeleien im Rathaus. Manche Information wirkt hier sinnlos bis überflüssig: Warum ist Privatdetektiv Finn Zehender ausgerechnet irischer Staatsbürger? War er früher wirklich mal bei der Polizei, wie es sein abgelaufener Dienstausweis vermuten lässt? Wer ist die mysteriöse angebliche Staatsanwältin, die ihm am Ende aus der Patsche hilft? Fast werden hier Erinnerungen an alte Otto-Filme wach.

Auch das Mordmotiv an sich: verschwurbelt und verdreht. Hier ein bisschen Streit um einen Häckselplatz, da ein bisschen Gerangel um Grundbesitz, den ein Investor teuer einkaufen will. Füllwatte aus Informationen. Dazwischen aber: jede Menge Spaß. Wie Uwe Bohm völlig wildgeworden in der Gegend herumballert und schließlich selbst mit durchgeschossenem Fuß durch die Landschaft hüpft, hätte den Coen-Brüdern gefallen. Auch wie Zehender und die zwei verdächtigen Brüder auf der Wache auflaufen, sich gegenseitig mit Waffen in Schach haltend, bis die junge Polizistin Frau Wippermann selbst dazwischenknallt und für Ruhe sorgt - ein großer Moment. Höhepunkt ist aber, wie Zehender am Schluss die Hauptverdächtige beim Memory-Turnier über den Tisch zieht. Es muss nicht immer alles stimmig sein. Aber das "Mörderische Wespennest" hat den Montagabend auf rumpelige Art und Weise einfach ein klein bisschen lustiger gemacht.

Montag, 21. Februar 2011

Tatort Leipzig: Zwei Eigenbrödler und das böse Internet

Stell dir vor, es kommt ein Leipziger Tatort, und ich guck nicht hin. Na gut, so ganz stimmt das nicht, physisch war ich durchaus präsent, habe mich aber dabei ertappt, zuweilen an die Steuererklärung und den Einkaufszettel von morgen zu denken. Woran lag's? Zu einen an Kepplers Dauergenöle und einer ewig genervten Saalfeld. Das hatten wir schon, das kennen wir schon. In "Rendezvous mit dem Tod" führte es außerdem dazu, dass die beiden lieber allein nebeneinanderher ermittelten, um sich aus dem Weg gehen zu können. Lange, zu lange, sah es deshalb danach aus, als hätten die beiden Fälle um die vermisste Clara Schütz und einen ermordeten Villenbesitzer nichts miteinander zu tun. Schließlich war dann aber das böse Internet der rote Faden: Über eine 50plus Datingbörse nahm ein Räuberpärchen reiche Männer aus.

Im Tatort sehen Websites immer aus wie selbstgebastelt, und natürlich meldet sich die Kommissarin (auch das gab es schon mal - war es im Bodensee- oder Niedersachsen-Tatort?) immer selbst an, um die Nicknames zu enttarnen. Warum sie das hier nur bei einem der mehreren Dutzend Verdächtigen tat, blieb unklar. Und dann die Frauen: Hat sich jemand vielleicht genau wie ich an alte Derrick-Fälle erinnert gefühlt? Die durchgeistigte Klavierlehrerin (wie eingefroren: Nadeshda Brennicke) mit dem weißen Blüschen und die überkandidelte Ex-Frau (skurril: Renate Krößner) wirkten so echt wie Saalfelds Haarsträhnchen, die Dialoge wie aus der Tappertschen Blütephase.

Am Ende dieser zähen Geschichte fiel Keppler dann obendrein in ein tiefes Loch. Saalfeld rettete ihn. Zum Dank pfiff er auf den besseren Posten in Wiesbaden. Alles wieder gut zwischen den beiden - bis zum nächsten Mecker-Motz-Konzert.

Samstag, 12. Februar 2011

Hallelujah für Gottschalk: Entertainen kann man nicht alleine

Es war keine leichte Aufgabe, nach dem Unfall von Samuel Koch in der vergangenen "Wetten,dass...?" Sendung wieder zur Normalität zu finden. Thomas Gottschalk verkündete gleich zu Beginn konsequenterweise seinen Rücktritt: nach der Sommersendung auf Mallorca soll Schluss sein. Als das endlich ausgesprochen war, schien es, als sei eine Last von ihm gefallen - so locker hat er wohl lange keine Sendung mehr wegmoderiert. Das lag nicht zuletzt auch an der stimmigen Zusammensetzung der Couchgäste, die mit ihrer Leichtigkeit und ihrem Humor selbst Naomi Campbell auf ein erträgliches Niveau mitzogen. Das Paar Liefers-Loos plauderte entspannt, als säße es auf dem heimischen Sofa, selbst die sonst etwas steife Maria Furthwängler machte Witze, und Annette Frier nahm die viel zu hohen Highheels mit Würde.

Bei den Wetten selbst ging man natürlich kein großes Risiko ein. Frisbeewerfer, die Kerzen auspusteten, ein Salami-Golfer oder auch der Abiturient, der mit den Füßen Glühbirnen eindrehte: charmante Ideen, fast wie zu alten Wetten, dass...?-Zeiten - es geht eben auch ohne Hightech und schweres Gerät. Und selbst die Musik war halbwegs erträglich: Lindenberg, Take That, Max Raabe und ein von den Hallensern auf Flaschen geblasenes Hallelujah - da haben wir schon deutlich schlimmere Mischungen gehört. Vielleicht sollte es sich Gottschalk doch noch einmal überlegen mit dem Abgang - wo doch seine Gäste schon so gebettelt haben, er möge bleiben. Selbst das "heute journal" widmete ihm einen Abschiedsbeitrag. Und Kleber erinnerte daran, was jetzt ansteht: die Suche nach einem Nachfolger. Es wird kein Leichtes.

Montag, 7. Februar 2011

Polizeiruf Rostock: Eine Klasse für sich

Dass ich ein großer Fan des Polizeirufs aus Rostock bin, habe ich hier ja schon mehrfach aufs Brot geschmiert. Gestern gab es wieder reichlich Wasser auf meine Mühlen. Und wieder die Erkenntnis: Mit dieser Reihe ist man den meisten Tatort-Folgen um Lichtjahre voraus. Zwar wirkte der Fall eher wie aus der 80/15-Kiste gegriffen: Ein verwaister Vater nimmt den Kampf gegen die böse Pharmaindustrie auf, nachdem seine Tochter an einem nicht ausreichend getesteten Impfstoff starb. Der eigentliche Horror spielt sich aber im Leben des Ermittlers Sascha Bukow ab, der von Mafiaboss Subocek erpresst wird und zurecht um das Leben von Frau und Kindern bangt. Was er auf sich genommen hat, um sie zu schützen, presste er in dieser Folge zwischen den Zähnen hervor: Subocek bekam von ihm die Namen von V-Männern und Kronzeugen. Kollegin König, die eigentlich gegen Bukow ermitteln soll, schluckt. Ein Kronzeuge wurde kurz danach ermordet. Doch was an Bukows Verhalten könnte man ihm wirklich vorwerfen?

Autor und Regisseur Eoin Moore gönnt seinen Figuren ein echtes Eigenleben und eine Vergangenheit, die er langsam entblättert. Wie in guten US-Serien - The Wire lässt grüßen - gibt es dabei nicht immer nur schwarz und weiß, und moralische Fragen lassen sich nicht einfach beantworten. Geschichten auf diese Art horizontal zu erzählen, wenn man pro Jahr nur zwei Folgen senden darf, ist sicher knifflig - aber die Mühe lohnt sich. Wer übrigens wissen will, wie es hinter den Kulissen zuging, erfährt darüber mehr von David Denk, der den Dreh für die taz begleitete.

Dienstag, 1. Februar 2011

Lena Meyer-Landrut: Zu viel des Guten

Als ich noch ein Teenie war, stieß meine Mutter eines Tages auf eine Zucchini-Quelle. Eine Nachbarin hatte zuviel angebaut und versorgte uns fortan reichlich mit dem grünen Gemüse. Dankbar wurde es weiterverarbeitet - als Auflauf, als Ratatouille, Zucchini im Pfannkuchen, Zucchini zum Fleisch, Zucchini im Salat. Bis uns irgendwann die Zucchini derbe zum Hals raushing. Denn egal in welcher Variante sie daherkam, sie blieb immer eine Zucchini. Ungefähr so kam es mir gestern bei der Grand Prix Show mit Lena Meyer-Landrut vor. Süß war sie, gut sah sie aus in ihren Outfits. Aber Lena bleibt eben trotzdem immer noch Lena - ein bisschen steif in der Hüfte und kurzatmig im Gesang. Mit gutem Songwriting lässt sich da zwar einiges rausholen - wie "That again" von Raab und das geheimnisvolle "Taken by a stranger" von Morier/Seyffert/Birkenes zeigten. Zum Ende hin stellte sich bei mir aber ganz klar Übersättigung ein - man fragt sich schon, wie man das zweite Halbfinale durchhalten soll.

Immerhin wird dann die Jury mit Joy Denalane und Anke Engelke sicher mehr Elan mitbringen als Stefanie Kloß und Schnarch-Graf Unheilig. Obwohl, einmal musste ich doch herzlich lachen - als Kloß sagte: "Wir beide hören ja sonst nicht so viel Kommerz." Ich muss mal drauf achten, ob sich die beiden beim eigenen Auftritt tatsächlich die Ohren zuhalten.