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Montag, 7. Februar 2011

Polizeiruf Rostock: Eine Klasse für sich

Dass ich ein großer Fan des Polizeirufs aus Rostock bin, habe ich hier ja schon mehrfach aufs Brot geschmiert. Gestern gab es wieder reichlich Wasser auf meine Mühlen. Und wieder die Erkenntnis: Mit dieser Reihe ist man den meisten Tatort-Folgen um Lichtjahre voraus. Zwar wirkte der Fall eher wie aus der 80/15-Kiste gegriffen: Ein verwaister Vater nimmt den Kampf gegen die böse Pharmaindustrie auf, nachdem seine Tochter an einem nicht ausreichend getesteten Impfstoff starb. Der eigentliche Horror spielt sich aber im Leben des Ermittlers Sascha Bukow ab, der von Mafiaboss Subocek erpresst wird und zurecht um das Leben von Frau und Kindern bangt. Was er auf sich genommen hat, um sie zu schützen, presste er in dieser Folge zwischen den Zähnen hervor: Subocek bekam von ihm die Namen von V-Männern und Kronzeugen. Kollegin König, die eigentlich gegen Bukow ermitteln soll, schluckt. Ein Kronzeuge wurde kurz danach ermordet. Doch was an Bukows Verhalten könnte man ihm wirklich vorwerfen?

Autor und Regisseur Eoin Moore gönnt seinen Figuren ein echtes Eigenleben und eine Vergangenheit, die er langsam entblättert. Wie in guten US-Serien - The Wire lässt grüßen - gibt es dabei nicht immer nur schwarz und weiß, und moralische Fragen lassen sich nicht einfach beantworten. Geschichten auf diese Art horizontal zu erzählen, wenn man pro Jahr nur zwei Folgen senden darf, ist sicher knifflig - aber die Mühe lohnt sich. Wer übrigens wissen will, wie es hinter den Kulissen zuging, erfährt darüber mehr von David Denk, der den Dreh für die taz begleitete.

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