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Montag, 28. März 2011

Tatort Bodensee: Achtung, Mimikfältchen!

Hat jemand gestern beim Tatort spaßeshalber mal den Ton abgedreht? Dann müsste er gemerkt haben, dass Klara Blums Fall echte Stummfilm-Qualitäten besaß. Hochgezogene Augenbrauen, zusammengekniffene Lippen, zuckende Mundwinkel - und das alles im Minutentakt in Großaufnahme: Wer hier bei der Mimikanalyse nicht mithalten konnte, sollte seinen Augenarzt konsultieren. Ich konnte dummerweise das Gesichter-Rätseln bei Anne Will nicht mehr abstellen - der Kameramann offenbar auch nicht. Sonst hätte er Christian Lindner nicht ständig ins Gesicht gefilmt: Dauerblinzeln, die Lippen ein schmaler Strich, die Mundwinkel nach unten hängend. Im Tatort hätte das nach U-Haft gerochen.

Tatsächlich einbuchten sollte man aber die Macher von "5 gegen Jauch". Hat vielleicht jemand vorher diese Show einmal probehalber durchgespielt? Dann wäre vielleicht nicht schief gegangen, was schief gehen konnte. Das Totenkopfäffchen hätte Jauch nicht auf den Anzug gekotzt, Pocher hätte sich nicht seiner Hose entledigt, Jauch hätte nicht vor lauter Rumgefuchtel aus Versehen eine falsche Antwort eingeloggt, die Zuschauer hätten nicht selbst Telefonkandidaten benennen dürfen - die dann entweder nur den Anrufbeantworter sprechen ließen oder gleich auflegten. Und das in Kombination mit fünf feucht-fröhlichen Kölner Köbessen: fünf in die Magengrube des Zuschauers, würde ich sagen. Dass die Kölner gegen Jauch gewannen, war übrigens auch kein Wunder - denn der war ungefähr so ambitioniert wie ein rohes Schnitzel. Da lobe ich mir doch Raabs Kampfgeist. Von Jauch dagegen immer nur ein schwach hochgezogener Mundwinkel, wenn er eine Antwort nicht wusste - Verachtung?

Dienstag, 8. März 2011

Taras Welten: Wer ist sie, und wenn ja, wie viele?

Skandal! Skandal! "United States of Tara" wurde mit Emmys und Golden Globes ausgezeichnet - und das Erste versendet die erste Staffel seit vergangener Woche schnöde im Freitagnachtprogramm um 2 Uhr! Zum Glück hat mein Liebster mitgedacht und den Festplattenrecorder programmiert - statt Blumen, sozusagen. Und so durfte ich gestern nachgelagert die großartige Toni Colette in ihrer Paraderolle bewundern, die ihr Diablo Cody auf den Leib geschrieben hat. Als Tara Gregson lebt sie mit Mann und zwei pubertierenden Kindern im täglichen Ausnahmezustand: Tara ist eine multiple Persönlichkeit und zaubert immer dann eine neue Figur aus dem tiefsten Inneren, wenn keiner damit gerechnet hat. Mal ist sie der promiskuitive Teenie namens "T", mal ein waffenverliebter White-Trash-Biker namens Buck, mal backt sie als perfektionistische Hausfrau Alice absurde Torten und wäscht der Tochter den Mund mit Seife aus, wenn die ein schmutziges Wort ausspricht. Die Gregsons versuchen, es mit Humor zu nehmen, was nicht immer glatt gelingt. Ist das zu schräg für frühere Sendezeiten? Warum hat man dann sogar Geld in die Hand genommen, um "Taras Welten" zu synchronisieren? Was im Übrigen nicht Not getan hätte, als OmU-Fassung wäre es sicher noch lustiger. Anyway: Wer Freitag nachts mal nicht schlafen kann - einschalten. Und alle anderen zeichnen es gefälligst auf.

Montag, 7. März 2011

Tatort Wien mit Adele Neuhauser - endlich!

Wie ungerecht: Hamburgs Undercover-Ermittler Cenk Bartu hört bald auf und Mister Bernhardinerblick Moritz Eisner macht unbeirrt weiter. Kann nicht wahr sein! Doch, kann es - und darf es sogar. Denn seit gestern hat man Eisner alias Harald Krassnitzer die großartige Adele Neuhauser zur Seite gestellt, die als Bibi Fellner einen furiosen Einstand gab. Die wandelbare Neuhauser hat ihre Chance mehr als verdient: Eben noch die durchgeknallte Kitschroman-Autorin in "Doctor's Diary", jetzt ehemalige Ermittlerin bei der Sitte, die nach 20 Jahren Straße immer noch nicht abgestumpft ist und deshalb zu oft zur Flasche greift. "Ich brauche einen Assistentin, kein Wrack" beschwert sich Eisner gleich zu Anfang bei seinem Vorgesetzten. Doch dann lernt er Bibis Schwächen (verbreitet Chaos, kommt immer zu spät, trinkt zuviel und ist morgens nicht zu gebrauchen), aber auch ihre Stärken (Menschenkenntnis, gutes Bauchgefühl und jede Menge Erfahrung) besser kennen - und behält sie. Hurra, das kann ja noch was werden mit den beiden. Da verzeiht man fast die arg meloquadratische Auflösung des Falls, in der die Täter noch einmal Anschauungsmaterial schlechter Schauspielkunst lieferten. Adele Neuhauser kann es besser - mit pointierter Mimik und skurriler Körpersprache ist sie der wahre Star. Soll Eisner gern weiter neben ihr hertrotte(l)n!