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Montag, 11. April 2011

Tatort München: Zwischen Halali und Hartz IV

Hat mir dieser Tatort gefallen oder nicht? Ein klares Jein. Was war gut? Armut in Deutschland - das Thema unsentimental und ohne erhobenen Zeigefinger zu erzählen, gelingt selten. Hier hat es funktioniert. Die Kommissare versuchen erst gar nicht, mit plumpen Hilfsangeboten etwas gegen die Misere zu unternehmen. Am Schluss ist die Lage des Mädchens Nessi nach wie vor bescheiden und es bleibt fraglich, ob sie sich aus dem Sumpf ziehen kann. Eine alkoholkranke Mutter zu Hause ist ihr sichtlich lieber als selbige im Knast.

Nicht so gelungen hingegen: Die trauernde Witwe, die theatralisch auf dem teuren Sofa der vom Gatten bezahlten Villa thront und wenig Einblick in ihren Charakter, dafür aber mehr in ihren Ausschnitt bietet. Dass dieser Wohnzimmer-Vamp und ihr schneidiger Lover am Mord nicht ganz unschuldig waren, wusste man nach wenigen Minuten. Und das Jagen und Halali-Blasen? Blieb nur Staffage und erzählerischer Vorwand für die Mordwaffe - und thematisch sehr weit weg von der Wohnsiedlung mit sozialen Problemen. Auch der Handel mit gefälschten Medikamenten aus dem Internet bekam nur einen Streifschuss. Dass der junge Dealer am Ende gar Nessis neuer guter Freund sein soll, war dann doch eine recht wundersame Wendung. Aber wie heißt es so schön: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Die 8,9 Millionen Zuschauer, die gestern einschalteten, seien diesem Tatort gegönnt.

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