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Dienstag, 24. Mai 2011

Schrott-Affines und Schrottreifes: Polizeiruf Rostock vs. Carl und Bertha

Das Erste hat uns in den letzten beiden Tagen viel Blech serviert. Erst die Schrottsammler im Rostocker Polizeiruf "...und raus bist du" mit meinen Lieblingshelden Bukow und König. Eine obdachlose Ex-Architektin erpresste darin einen korrupten Schrotthändler. Ein toter Sammler, viele schräge Gestalten und Rostocker Mundart: Auch diesmal hatte der Fall wieder seinen ganz eigenen Tonfall. Die beiden Kommissare knieten sich gewohnt hemmungslos in die Drecksarbeit und soffen im Verhör mit den Klüngelbrüdern Tütenwein, vom Gegenüber kommentiert mit - "ist doch auch nicht schlechter als das Luxuszeug für 2,50!". Großartig und eine echte Entdeckung: Jan Georg Schütte, der sonst eigentlich mehr im Regiefach zu Hause ist. Den gierigen Müll-Einkäufer hat man ihm sofort abgenommen. Einziges Manko: Am Ende wurde es einfach zu schnell wieder gut - die Clochard-Architektin bekam einen Praktikumsplatz und wahrscheinlich auch das Sorgerecht für die Tochter wieder, weil König die Finger nicht vom Gutmenschen-Spielen lassen konnte.

Genauso wie Felicitas Woll als Bertha Benz, die unerschütterlich an den Erfolg ihres Mannes Carl und seine Idee vom pferdelosen Wagen glaubte. Die Story von "Carl & Bertha" ist schnell zusammengefasst: Carl hat kein Geld, will hinwerfen. Bertha stimmt ihn um. Carl hat noch weniger Geld, will alles hinwerfen. Bertha stimmt ihn um. Carl hat.....und so weiter, die ganze Schleife ungefähr fünf Mal. Bis sich Bertha endlich selbst in den Wagen setzt und nach Pforzheim tuckert. Uffz. Bis dahin musste Woll viel mit den Augen rollen und Ken Duken viel husten. Insgesamt ehrlich gesagt unsäglicher Schrott. Und die Krönung: ein Cameo-Auftritt von Olli Dittrich als Daimler.

Dienstag, 17. Mai 2011

In Sachen Opdenhövel: Warum das Erste mehr Ostwestfalen-Lippe braucht

Kaum ist der Name gefallen, schon hacken alle drauf herum: Matthias Opdenhövel soll zum Team der Sportschau stoßen. Ja warum denn nicht? Verdient hat er es allemal. Nicht nur, weil der gebürtige Detmolder ein Volontariat bei Radio Lippe überlebte - er hat auch in seiner Fernsehkarriere viel Trash mit Würde wegmoderiert. So ehrlich und unprätentiös spricht nur einer, der die feuchte Luft des Teutoburger Walds inhaliert und ansonsten die Sonne nicht übertrieben oft gesehen hat. Meine Fernsehbiograpie hatte jedenfalls immer wieder echte Opdenhövel-Momente.Unvergessen: Die Musikrateshow "Hast du Töne?" (bis 2001 bei Vox), bei der man regelmäßig an verfremdeten Refrains oder ins Deutsche übersetzten Liedtexten zu knacken hatte.

Seinen ostwestfälischen Charme entfalten konnte Opdenhövel nicht zuletzt bei "Schlag den Raab" und rund um den ESC: mit leicht zynisch gekräuselten Mundwinkeln und kurzsichtigem Eulenblick durch die schlaue Brille. Wie arg es um seine Dioptrienbilanz bestellt ist, verrät die Pastewka-Folge Das Gewitter, aufschlussreich ist sicher auch sein Buch "Die Schnellficker-Schuhe und andere Geschichten; Erlebnisse eines VIVA-Moderators". Jetzt also Fußball. Dürfte ihm als Ex-Gladbacher Stadionsprecher nicht schwer fallen. Und der Weg ist frei für mehr, es wird sich sicher eine Show finden. Ein Hoffnungsschimmer zwischen den Pilawas dieser Welt - denn ein Ostwestfale wird nie Schwiegermamas Liebling sein und versucht es deshalb auch erst gar nicht.

Montag, 2. Mai 2011

Tatort Münster: Hibbelig, knorzig, gut

Die letzten Tag standen im Zeichen des "Na endlich": Endlich ist das Meisterschafts-Hin-und-Her rund um Borussia Dortmund ausgestanden, endlich ist Gottschalk abgetreten, endlich sind Prinz und Prinzessin unter der Haube. Nur der Münster-Tatort scherte aus. Wer gehofft hatte, es würde endlich mal ein sinnvoller Fall gelöst, guckte in die Röhre. Wieder dienten der hibbelige Charme von Professor Börne und die Knorzigkeit von Kommissar Thiel als Kleister, der die Folge zusammenhielt. Weh getan hat das trotzdem nicht. Die absurden Verirrungen des ungleichen Ermittler-Paars kann man nur lieben oder hassen. Ich entscheide mich für Ersteres und habe mich köstlich bei Börnes Schädel-Rekonstruktion und Thiels ungelenken Flirtversuchen mit der Steuerfahnderin aka Lindenstraßen-Marion vergnügt. Der irre Kartoffelkönig und der untergetauchte Finanzverbrecher störten da fast ein wenig. Besser in einen Petzold-Film gepasst hätte auch der gläserne Bungalow, in dem die Menschen blasser blieben als die Fische im Aquarium. Dass dies am Ende in tausend Teile zerbarst, war nur konsequent. Insgesamt ein irrlichternder Spaß, der 11,9 Millionen Menschen anzog: Es war der meist gesehene Tatort seit 1993.