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Montag, 27. Juni 2011

Polizeiruf 110 Potsdam: Kalter Einstand für Olga Lenski

Endlich eine neue große Rolle für Maria Simon - und doch eine Enttäuschung: Ihr Einstand als Olga Lenski im Brandenburger Polizeiruf 110 blieb merkwürdig flach und emotionslos. Dabei gab es für ihren Charakter jede Menge Steilvorlagen von ihren Sidekicks Horst Krause und Neumann (gerne mehr von Fritz Roth!) - doch Simons Ausdruck changierte zwischen ruppig, spröde, motzig - mehr war offenbar nicht drin. Das machte es einem schwer, diese Frau zu verstehen, die bei Sonnenaufgang im See schwimmt und mit einem schwarzen Van durch die Gegend kutschiert. Warum? Kein Hinweis, denn die Dialoge beschränkten sich darauf, nur das Nötigste zum Fall zu vermitteln. Für viel Emotion schien hier kein Platz. Auch der Fall: verdreht und konstruiert kam die Geschichte um ein verkanntes Physik-Genie daher, selbst die tolle Besetzung mit Tom Schilling und Burghart Klaußner konnte nicht mehr Tiefe in das Forschungsdrama bringen. Und Lenski? Runzelte die Stirn, kaute an der Oberlippe und wurde ein einziges Mal ganz unmotiviert laut, als sie eine Zeugin zusammenfaltete. Ansonsten - a penny for your thoughts, my dear - schien sie der Fall relativ kalt zu lassen. So wie mich. Umso mehr freue ich mich auf den nächsten Fall mit den polterigen Chaoten aus Rostock.

Montag, 20. Juni 2011

George Gently: Alles andere als sachte

Man hatte mich gewarnt, und zum Glück habe ich drauf gehört: Ein Ludwigshafen-Tatort über Frauenfußball, in dem auch Jogi Löw und Theo Zwanziger auftreten - nein danke, auf diese DFB-PR hatte ich nun wirklich keine Lust. Und wie ich die ARD kenne, war es ein sehr missionarisches Stück, das darüber aufklärt, wie wild und total verrückt Frauenfußball wirklich ist, damit auch ja alle brav mitgucken, wenn die WM losgeht. Aber wohin statt dessen zappen? Fernbedienungs-Roulette - und zum Glück auf ZDF Neo gelandet, mitten in einer Folge der britischen Krimiserie George Gently - Der Unbestechliche.

Anfang der 60er Jahre ermittelt Gently (Martin Shaw) im rauen England, als unfreiwillig einsamer Wolf: Aus Rache ist seine Frau getötet worden. Trotzdem holt er nicht zum Gegenschlag aus, im Gegenteil: Er bricht immer wieder eine Lanze für die Moral. Für ihn muss es Unterschiede geben zwischen "denen" und "uns", also zwischen Kriminellen und Polizisten. Weshalb er es sich nicht nehmen lässt, beharrlich gegen Korruption und Betrug in den eigenen Reihen vorzugehen. Bei einem Fall in Northumberland trifft er auf den jungen Ehrgeizling John Bacchus (Lee Ingleby), der in London Karriere machen will und dafür nicht vor unkonventionellen Methoden zurückschreckt. Die beiden ergeben ein Gespann, in dem es ordentlich knirscht und knarzt.

Gentlys Fälle sind was für Fans handfester Kost: Da geht es ruppig und brutal zu, es scheint immer zu regnen und man riecht förmlich den Schweiß der Tweedanzüge, wenn eine Verfolgungsjagd läuft. Die Autos quietschen, Jugendliche brettern mit ihrer Motorradgang vorbei, die Damen tragen Nylons. Die 60er mit all ihren Erwartungen, aber auch ihrem Mief sind fast zum Greifen nah. Und wer "Life on Mars" gesehen hat (in der Lee Ingleby auch schon mitspielte), kann sich auch ungefähr vorstellen, mit welch' rudimentären Mitteln hier geduldig ermittelt wird - nur dass die Zeitreise fehlt und das Ganze ein wenig früher spielt. Die nächste Folge gibt es am 3. Juli, eine Vorschau in Bildern zeigt die ZDF Mediathek. Und jetzt die Preisfrage: Aus welcher Krimiserie kennt man Martin Shaw sonst noch? Lang, lang ist's her!