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Dienstag, 23. August 2011

Danke, Loriot!

Loriot ist heute verstorben. Eine traurige Nachricht, die aber zugleich auch etwas Tröstliches mit sich bringt. Denn er ist nach einem langen Leben voller Ideen und Kreativität nicht etwa einer schweren Krankheit erlegen, sondern an Altersschwäche gestorben. Wann liest man das heutzutage schon mal in einer Todesnachricht? Das sanfte Entschlummern sei ihm gegönnt. Loriot hinterlässt ein reiches Erbe, das ihn unvergesslich macht. Sein minutiöses Timing, seine Beobachtungsgabe und seine sprachlichen Finessen werden wohl unerreicht bleiben. Und er hat etwas geschafft, das ihn noch mehr ehrt: Einen typisch deutschen Humor zu entwickeln, der sich über unsere "liebevollen Eigenheiten" lustig macht, ohne zu denunzieren. Ich ziehe den Hut, Vicco, und sage DANKE!

Und zum Abschied noch einmal ein Video mit seiner wohl kürzesten, aber nicht minder eindrucksvollen Sprechrolle als Funker: Bienenkorb.

Montag, 22. August 2011

Polizeiruf 110 München: Von Meuffels, mir wird schwindelig!

Sonntag abends ist der Kopf auf Entspannung gepolt - da kam bislang der Polizeiruf gerade recht, der viele Fälle eher nach dem Zwiebelprinzip langsam entblätterte. So dass man trotz Pasta-gefülltem Magen und der entsprechenden Sofaschwere noch Schritt halten konnte. Damit ist seit gestern Schluss: Dominik Graf inszenierte mit "Cassandras Warnung" rund um den neuen Kommissar Hanns von Meuffels alias Matthias Brandt einen irren Ritt, bei dem so manchem Zuschauer die Puste ausgegangen sein dürfte. Wie Maschinengewehrsalven tackerten da die Details auf einen ein, und auch ich musste einige Male "stopp mal, stopp mal! Darf ich das nochmal sehen?" rufen, weil ich nicht mehr durchs Ermittlungsgestrüpp durchfand. Gut, dass von Meuffels als ruhender Pol mit beruhigender Langsamkeit zu Werke ging. Ein Kommissar, der auch mal ratlos sein darf, der im Faustkampf mit einem Verdächtigen auch mal den Kürzeren zieht, weil er einfach nicht so durchtrainiert ist - kurz, der Schwächen haben darf und zum Ende nach einem Schuss vor den Bug, oder genauer: auf die kugelsichere Weste am Boden liegt wie ein trauriger Elefant.

Ansonsten: Viel Graf`sche Handschrift. Nicht fehlen durfte Testosteronbomber Ronald Zehrfeld, wieder in seiner Paraderolle als Bulle am Rande des Wahnsinns, wie auch schon in Im Angesicht des Verbrechens. Polizeiarbeit darf hier dreckig sein: auf den Fluren raufen die Verdächtigen, nach Feierabend wird Wodka gesoffen, zum Thema Bestechung hat man eine eher lockere Einstellung. Pärchen lieben sich, streiten und schlagen sich - und liegen sich dann doch wieder in den Armen. Irre sein ist hier absolut menschlich, auch von Meuffels skurrile Begegnungen mit einem Transvestiten kommen einem gegen Ende gar nicht mehr besonders vor. Der Showdown nachts im Wald war dann symptomatisch: Dunkel, durcheinander, unübersichtlich - so wie der ganze Krimi. Die Lösung präsentierte Von Meuffels dann mit einer Art Taschenspielertrick à la Holmes. Fazit: In dieser Wundertüte steckte vieles drin. Aber wer viel durcheinander konsumiert, dem ist am Ende etwas blümerant zumute. Trotzdem bin ich gespannt, welche Überraschungen Von Meuffels beim nächsten Mal aus dem Trenchcoat zaubert.

Donnerstag, 18. August 2011

zdf.neo TVLab: Handpuppen, German Angst und jede Menge Bullshit

Die Idee gefällt mir: Endlich dürfen wir Zuschauer mal über das TV-Programm mitentscheiden. Zwar "nur" auf zdf.neo, das ja immer noch eher Fernsehkritikers Liebling als Quoten-Hengst ist. Aber immerhin darf hier ab dem 27. August im hippen TVLab über zehn neue Fernsehideen abgestimmt werden, und eine wird es dann tatsächlich auch on air geben. Schade daran ist, dass hier nur halbwegs etablierte Fernsehmacher zum Zuge kommen, die Trailer sind recht professionell produziert - warum die Zuschauer nicht auch selbst Ideen einreichen lassen? Zu teuer, zu aufwändig, zu risikoreich? Mir zumindest fällt es schwer, mich bei dieser Zehnerauswahl zu entscheiden. Da wären zum Beispiel ein paar abhalfterte Handpuppen, die zusammen in einer WG leben - ganz nett, aber will man das wirklich regelmäßig sehen? Ganz zu schweigen von den drei "furchtlosen Guerilla-Reportern" des Konzepts "Bullshit", die sich irgendwo zwischen Monitor und Jackass sehen. "German Angst" widmet sich indes den Minderheiten in Deutschland - da regt sich doch glatt etwas Unbehagen, läuft das auf Gutmenschen-Fernsehen hinaus? Moderator Beisenherz vergaloppiert sich schon im Trailer: "Muslime, Schwarze, Schwule, Behinderte, Frauen, die sonst nie hintereinander genannt werden sollten, sonst...sei's drum!" Folge 1: "Wie tickt er denn, der handelsübliche Muselmane?" Äh, ja.

Und sonst? Eine Dating-Show mit versteckter Kamera, ein Cineasten-Magazin mit (!) Nilz Bokelberg, eine Show namens "Wie geil ist das denn?", in der eine Moderatorin all das mal ausprobiert, was sie immer schon mal machen wollte. Schnarch.
Gar nicht so uninteressant hingehen: Neoexplorer, ein Reisemagazin, für das zwei Reporter ohne Plan mit Laptop und Schnittplatz in eine Stadt reisen und erst dort von Redaktion und Usern erfahren, was ihre Aufgabe ist. Immerhin: Interaktion!
Enttäuschend finde ich ja, dass unter zehn Ideen nur ein einziges Serienkonzept dabei ist. Und deshalb wird wohl "Scharfe Hunde" meine Stimme kriegen. Ein arbeitsloser Fernsehkommissar löst darin mit seinem Drehbuchautor schräge Fälle - gut besetzt mit Thomas Heinze und Matthias Maschke. Aber ich orakle, diese Serie wird es auch ohne TVLab schaffen.

Freitag, 12. August 2011

Übernachtung & Frühstück bei Ingrid van Bergen: Herzlich, aber hart

Ein verregneter August - aber der echten Fernsehfreundin kann das nichts anhaben, kann sie doch mit gutem Gewissen auch einmal einen Blick auf kleinere Formate werfen, ohne draußen etwas zu verpassen. So wie zum Beispiel Übernachtung & Frühstück, donnerstags um 22 Uhr im WDR Fernsehen. Lisa Ortgies nistet sich darin für ein paar Tage bei einem Prominenten ein. Klingt entspannt, ist inszeniert und der Promi wird sicher freundlich zu ihr sein - sollte man meinen. In der gestrigen Folge mit Ingrid van Bergen in der Lüneburger Heide konnte man aber gut beobachten, dass so ein Intensivkontakt auch nicht immer einfach ist. Denn wie heißt es so schön: Besuch ist wie Fisch - nach ein paar Tagen fängt er an zu stinken. Und so gab es idyllische, wenn auch unfreiwillig komische Momente, beispielsweise wenn Ortgies und van Bergen mit einem Rudel Hunde zum Spaziergang aufbrachen und die Hunde-unerprobte Ortgies tapfer die Leinen entwirrte. Aber auch Situationen, in denen das Gespräch zu eskalieren drohte. So wie beim gemütlichen Essen mit Wein, bei dem Ortgies auf van Bergens Lebensdrama mit tödlichem Ausgang zu sprechen kam: Die Schauspielerin hatte in den 70ern ihren damaligen Ehemann erschossen und verbrachte danach ein paar Jahre im Gefängnis.

Wie es dazu kam? Bei dieser Frage machte Van Bergen komplett dicht, fuhr die Krallen aus - und behandelte Ortgies, die bis dahin auf dem guten Weg zur neuen Freundin war, plötzlich als distanzlose Journalistin. Ein wenig erstaunlich ist das schon, plauderte Van Bergen doch seinerzeit im Dschungelcamp recht unverblümt über das Ereignis. Doch wie Ortgies treffend feststellte, ist Van Bergen nicht nachtragend, und so war kurz darauf beim gemeinsamen Saunagang schon wieder alles in Butter. Van Bergen präsentiert ihrem Gast sogar ihren für ihr Alter recht passablen Busen (natürlich mit dem Rücken zur Kamera). Beim abschließenden Bierchen im Hamburger Schellfischposten dann noch einmal ein Moment, in dem man Ortgies die Verblüffung an den Augen ablesen konnte: Van Bergen deutet in einem Nebensatz an, dass sie als Kind von russischen Soldaten vergewaltigt worden sei. Und das alles erfährt man mal eben so neben Übernachtung und Frühstück: das Porträt eines Stehaufweibchens, das demnächst 80 Jahre alt wird und keine Kompromisse eingeht. Und schon gar keine Freundschaften mit ihren Nachbarn. Kompliment an Lisa Ortgies, die ihren Besuch so professionell meisterte, trotz ihrer unberechenbaren Gastgeberin.