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Montag, 22. August 2011

Polizeiruf 110 München: Von Meuffels, mir wird schwindelig!

Sonntag abends ist der Kopf auf Entspannung gepolt - da kam bislang der Polizeiruf gerade recht, der viele Fälle eher nach dem Zwiebelprinzip langsam entblätterte. So dass man trotz Pasta-gefülltem Magen und der entsprechenden Sofaschwere noch Schritt halten konnte. Damit ist seit gestern Schluss: Dominik Graf inszenierte mit "Cassandras Warnung" rund um den neuen Kommissar Hanns von Meuffels alias Matthias Brandt einen irren Ritt, bei dem so manchem Zuschauer die Puste ausgegangen sein dürfte. Wie Maschinengewehrsalven tackerten da die Details auf einen ein, und auch ich musste einige Male "stopp mal, stopp mal! Darf ich das nochmal sehen?" rufen, weil ich nicht mehr durchs Ermittlungsgestrüpp durchfand. Gut, dass von Meuffels als ruhender Pol mit beruhigender Langsamkeit zu Werke ging. Ein Kommissar, der auch mal ratlos sein darf, der im Faustkampf mit einem Verdächtigen auch mal den Kürzeren zieht, weil er einfach nicht so durchtrainiert ist - kurz, der Schwächen haben darf und zum Ende nach einem Schuss vor den Bug, oder genauer: auf die kugelsichere Weste am Boden liegt wie ein trauriger Elefant.

Ansonsten: Viel Graf`sche Handschrift. Nicht fehlen durfte Testosteronbomber Ronald Zehrfeld, wieder in seiner Paraderolle als Bulle am Rande des Wahnsinns, wie auch schon in Im Angesicht des Verbrechens. Polizeiarbeit darf hier dreckig sein: auf den Fluren raufen die Verdächtigen, nach Feierabend wird Wodka gesoffen, zum Thema Bestechung hat man eine eher lockere Einstellung. Pärchen lieben sich, streiten und schlagen sich - und liegen sich dann doch wieder in den Armen. Irre sein ist hier absolut menschlich, auch von Meuffels skurrile Begegnungen mit einem Transvestiten kommen einem gegen Ende gar nicht mehr besonders vor. Der Showdown nachts im Wald war dann symptomatisch: Dunkel, durcheinander, unübersichtlich - so wie der ganze Krimi. Die Lösung präsentierte Von Meuffels dann mit einer Art Taschenspielertrick à la Holmes. Fazit: In dieser Wundertüte steckte vieles drin. Aber wer viel durcheinander konsumiert, dem ist am Ende etwas blümerant zumute. Trotzdem bin ich gespannt, welche Überraschungen Von Meuffels beim nächsten Mal aus dem Trenchcoat zaubert.

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