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Montag, 31. Dezember 2012

Mein TV-Orakel: Warum 2013 ein gutes Fernsehjahr werden muss

Jetzt hat das alte Jahr schon einen ganz krummen Rücken, weil es sich so tapfer dem Ende zuneigt. Und das penetrante 2013 hämmert mit Eisenfäusten an die Tür. Doch halt! Wir öffnen nicht, ohne noch etwas über gutes Fernsehen nachzudenken! Denn davon kann 2013 eine gute Ladung gebrauchen. Anders als Frau Merkel mit ihrer sauertöpfischen Neujahrsrede bemühe ich mich um Optimismus. Warum eigentlich alles nur besser werden kann: ein paar Ideen. Garantiert Lanz- und Tatort-frei!

  • Sat1 hat sich 2012 viele blaue Flecken geholt, man denke an "Der Cop und der Snob", "Es kommt noch dicker" und (leider!) "Auf Herz und Nieren" - gefloppt, versunken, abgesetzt. Aus dieser Misere kann man aber auch lernen. Und zwar nicht, dass sich Serien nicht mehr lohnen. Denn dass Eigenproduktionen sehr wohl funktionieren können, zeigen schließlich "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" nach wie vor. Aber da stimmt eben die Besetzung auch haargenau, und die Autoren können sich entfalten. Sicher kein Patentrezept - aber eines, über das es sich nachzudenken lohnt.  
  • Das ZDF hat entrümpelt: in den blauen Sack kamen unter anderen das Forsthaus Falkenau, der Landarzt, Unser Affe Charly. Geballte Landlust und Rührseligkeit, die ich auf keinen Fall vermissen werde. Bleibt die Hoffnung, dass die Leerstellen mit mehr als nur Fußball-Events gefüllt werden.
  • Gottschalk nur noch in homöopathischen Dosen. Gebt ihm doch im Ersten eine Show, die vielleicht nur zweimal im Jahr kommt. Und Ruhe ist! Denn dieses Dauergehampel zwischen Überpräsenz und Unterkomplexität erträgt doch auf Dauer kein Mensch. 
  • Die Zahl der Talkshows schwindet, die Kochshows haben ihren Zenit auch überschritten. Es wird also hoffentlich weniger geplappert und gekleckert, dafür mehr geklotzt. 
  • Die Mediatheken werden immer besser: Fernsehen zu festen Uhrzeiten, wer kann das denn überhaupt noch? Gut, dass immer mehr Fernsehperlen auch online abrufbar sind. Sonst wäre ich dem Festplattenrekorder längst komplett anheimgefallen.  
  • Fernsehen und nebenbei twittern: Einige finde es bescheuert. Aber hat schon mal jemand über die beziehungsfördernde Wirkung nachgedacht? Welcher Mann ist nicht froh, wenn die Liebste neben ihm endlich mal den ganzen Film lang die Klappe hält? Dass bisschen Geklicker nimmt man da doch gern in Kauf, behaupte ich als Second Screen Nutzerin.

    Und wenn das alles nichts hilft: Hallo, DVD! Downtown Abbey, Homeland, Newsroom, Boardwalk Empire und Justified haben mir 2012 viel Spaß gemacht. 2013 hat sicher noch mehr Gutes im Rucksack - das habe ich im Gefühl!

    In diesem Sinne einen guten Rutsch und ein fröhliches neues Jahr!

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Homeland: Können diese Augen lügen?

Warum ich nichts über den letzten Tatort geschrieben habe? Ich hatte Besseres zu tun. Genauer gesagt: Ich hatte Homeland zu sehen. Eine Serie, die das Verhältnis der Amerikaner zum Terrorismus klug beleuchtet und verständlich macht. Worum geht es: Acht Jahre lang war US-Marine Nicholas Brody (Damian Lewis) im Irak verschollen. Dann endlich wird er in einer Art Verlies entdeckt - schwer gezeichnet. Zurück in seiner Heimat, feiert man ihn überschwänglich als Held. Doch CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) vermutet nach einem Hinweis eines Informanten, man habe Brody in der Haft zu einem Terroristen "umgedreht". Ist Brody ein Held oder ein Schläfer? Die Antwort will ich hier nicht geben, um nicht zu spoilern. Nur so viel: Es wird geschickt mit dem Misstrauen von uns Zuschauern gespielt. Hier ein rästelhaftes Detail, dort ein vielsagender Blick: Wer lügt hier, wem kann man noch trauen? Ist Brody einfach nur vollkommen traumatisiert und Mathison, die Psychopharmaka schluckt, nicht eher ein Fall für die Therapie? Oder sieht sie tatsächlich klarer als wir? Die Geschichte entwickelt Sogwirkung. Mich hat es an die erste Staffel 24 erinnert - man würde sich am liebsten ein paar Tage Urlaub dafür nehmen. 2013 soll Homeland auf Sat.1 zu sehen sein. Laut Geschäftsführung "die beste Serie der Welt". Ob das stimmt, lassen wir mal dahingestellt - zumindest ist Homeland aber ein brillantes Stück Fernsehen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Auswärtsspiel bei texterella: Wie mir Downton Abbey den Winter versüßt

Und weil es so viel Spaß macht, geht es gleich weiter mit der Blogwichtelei: Heute habe ich die Ehre eines Gastbeitrags bei texterella alias Suanne Ackstaller. Ich knöpfe mir darin Downton Abbey vor und verrate, warum auf meinem Kosmetikregal rosige Zeiten anbrechen. Susanne bloggt über Mode und schöne Dinge - also bitte: nichts wie hin und lesen, es lohnt sich!

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Blogwichteln: SlowLifeLab zu Gast bei der fernsehfreundin

Heute habe ich eine grandiose Nikolaus-Überraschung für euch: Alice Scheerer vom SlowLifeLab hat für mich einen Gastbeitrag geschrieben. Ja, so etwas Tolles bekommt man, wenn man beim Texttreff-Blogwichteln mitmacht. Wenn das mal nicht viel besser ist als Apfel, Nuss und Mandelkern! Alice ist Jahrgang 1976, Diplom Informationswirtin und bloggt mit einem Faible für Historisches und Traditionelles. Seit 2010 renoviert sie ein Fachwerkhaus und kämpft mit zwei Gärten. Und jetzt Licht aus, Spot an für Alice!

Die fernsehfreundin mag das selbstvergessene Gefühl, wenn Fernsehen Spaß macht. Wann kann ich mich eigentlich beim Fernsehen selbst vergessen? Welche Fernsehserie hat mich darüber hinaus wirklich bewegt und hat etwas mit meinem Leben zu tun? Eigentlich nur „Katze mit Hut“ und die HEIMAT-Trilogie, die wir zum Glück beide auf DVD haben. Aber wer weiß, vielleicht wird HEIMAT bald wieder ausgestrahlt...
Zum ersten Mal über die Serie unterhalten habe ich mich im Jahr 1997 im Chat. Mein Gesprächspartner hatte gerade eine Karriere als Punk-Musiker abgebrochen und ein Kompositionsstudium in Berkley begonnen. Wir waren uns einig, dass die Filmmusik sehr gelungen sei und die HEIMAT-Trilogie sowieso einzigartig. Die wenigsten Fernsehserien fließen so gemächlich dahin, als seien dem Regisseur Sendezeit und Produktionskosten einerlei. Ideal, um sich hineinzuträumen und eine Zeit lang selbstvergessen andere für sich leben zu lassen.
Als Teenager und im Studium mochte ich DIE ZWEITE HEIMAT am liebsten, in der zu Anfang viele Protagonisten zusammen in einer alten Villa am Rande Münchens leben und man im Laufe der Folgen beobachten kann, wie sich Karrieren und Charaktere entwickeln.
Ich litt mit Helga, der unverstandenen Tochter, die ihre Wut zur RAF trieb. Ich freute mich mit Renate, die von der einfachen Angestellten zur Wirtin einer phantasievoll dekorierten Künstlerkneipe wurde. Nebenbei bemerkt: die Schauspielerin Franziska Traub wirkt in diesem Umfeld vielschichtiger als in „Ritas Welt“. Ich bedauerte den Kompositionsstudenten Herrmann, der zwischen Familie und wirr handelnder Geliebter mäanderte.
Inzwischen kam der Kompositionsstudent aus Berkley zurück, änderte seinen Vornamen und eröffnete ein Tonstudio. Ich fand mein #herzblatt und zog karrieregetrieben durch Süddeutschland.
Die erste Staffel der HEIMAT schloss ich erst vor ein paar Jahren ins Herz. Sie spielt im fiktiven Hunsrückdorf Schabbach. Als Liebhaber traditioneller Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Architektur kommen #herzblatt und ich aus dem Fiepen kaum heraus. Die alte Werkstatt! Die Küchengeräte! Die Fachwerkhäuser, deren Türen der geschäftstüchtige Ernst vordergründig ersetzt und heimlich als Restaurationsmaterial einlagert. Mich erstaunt Paul Simons Karriere in den USA, in die er eines Tages ohne Gepäck aufbrach. Ich amüsiere mich über Lucie, die Prostituierte aus den „höchsten Kreisen Berlins“ und ich kann mich in Herrmanns Mutter Maria weitaus besser einfühlen als in die entrückte Geliebte Clarissa aus der ZWEITEn HEIMAT.
Im dritten Teil kehrt Herrmann in den Hunsrück zurück und renoviert mit Clarissa ein altes Haus. Dieser Teil ist unserem Leben auf der Altbau-Dauerbaustelle so nah, dass er uns gerade nicht bewegt. Vielleicht wird sich das mit größerem Abstand zum Thema Renovieren ändern. Clarissas Handlungen muten jedenfalls weniger entrückt an.
Salome Kammer, die Darstellerin der Clarissa ist im echten Leben Sängerin und die Ehefrau von Edgar Reitz, dem Autor und Regisseur der HEIMAT-Trilogie. Zusammen mit seinem Co-Autor Peter Steinbach verarbeitete Reitz eigene Erinnerungen, Zeitungsausschnitte und Erzählungen von Hunsrück-Bewohnern.
Am 01. November feierte Edgar Reitz seinen achtzigsten Geburtstag und im nächsten Jahr wird aus der Trilogie eine Tetralogie werden. DIE ANDERE HEIMAT erzählt von der Zeit, in der viele Bewohner des Hunsrücks aus Armut auswanderten.
Die HEIMAT-Fans, allen voran Gehrweiler im Hunsrück, in dem viele Einstellungen der ersten HEIMAT und der ANDEREN HEIMAT gedreht wurden, können den Kinostart kaum erwarten. Und sicherlich wird auch der Rest der Tetralogie (zuletzt 2007 ausgestrahlt) seinen Weg zurück in die Fernseher finden.
Ob der Kompositionsstudent, nun Gitarrenlehrer in einer niedersächsischen Kleinstadt, die Serie auch wieder ansehen wird?

Montag, 26. November 2012

Tatort Münster: Rinderwunschbehandlung mit Dauer-Klamauk

Wolbeck. Ein Ort, wie er münsterländischer kaum sein könnte (ich als Münsterländerin darf das sagen): Früher hat man dort Hexenprozesse abgehalten, heute ist der Höhepunkt des Tagwerks ein Besuch im örtlichen Gartenbauzentrum oder der Dorfschenke. Seit gestern ist Wolbeck auch dem Rest Deutschlands bekannt, oder besser gesagt 12,1 Millionen Zuschauern. Er brach wie erwartet alle Rekorde, der Jubiläums-Fall von Boerne und Thiel. Es galt den Mord an einem dubiosen Heilpraktiker zu lösen, der sich durch fruchtbarkeitsfördernde Behandlungen einen Namen gemacht hatte.

Ich will gar nicht nacherzählen, warum im Laufe der Geschichte eine Ziege aufgeschnitten, eine Kuh besamt werden und die arme Alberich Fahrrad fahren musste - je länger ich darüber nachdenke, desto schwieriger wird es, in der überladenen Story noch einen roten Faden auszumachen. Es war einfach zuviel des Guten. Boerne und Thiel wirken normalerweise allein durch ihre skurrilen Dialoge, spielen ihre Mitdarsteller locker an die Wand. In "Das Wunder von Wolbeck" waren sie aber permanent von so viel Skurrilität und Getier umgeben, dass der gewohnte Witz des Ermittlerpaars völlig unterging. Wer hier noch normal oder schon völlig verrückt war (wie die Witwe des Mordopfers), ließ sich schließlich nicht mehr auseinanderhalten. Immerhin: das Grün zwischen Werse und Angel war kameratechnisch sehr schön eingefangen. Und die Wolbecker sind im Herzen Texaner, soviel ist sicher.

Donnerstag, 22. November 2012

Hauptstadtrevier: Kindereien und Klischees

Ich mag die Rolle der ernüchterten Zuschauerin ja überhaupt nicht, Euphorie gefällt mir viel besser! Die "Heiter bis tödlich"-Reihe im Vorabendprogramm war bisher zwar noch kein zuverlässiger Garant dafür. Ich wollte ihr aber noch eine Chance geben zum Start des "Hauptstadtreviers". Zumal Matthias Klimsa mitspielt - ihr erinnert euch an Hart aus "Berlin, Berlin?" Eben. Im Duo mit Friederike Kempter könnte das was werden. Einige Minuten ging es gut: Eine Mutter, die zwei Räuber mit einer Windel verdrischt - ein origineller Anfang. Was dann folgte, war aber so ausgedacht und weltfremd, dass es mich fast ärgerte. Nicht nur, dass die Tochter zweier Polizisten sich ausgerechnet in das Revier versetzen lässt, in dem auch die Eltern arbeiten (in einer so winzigen Stadt wie Berlin sicher an der Tagesordnung!). Nein, sie bringt auch noch ihr Baby mit zur Arbeit. Warum müssen Mütter in deutschen Filmen und Serien immer als grenzdebil dargestellt werden?

Natürlich: Noch bevor sie ihn kennengelernt hat, breitet sich Polizisten-Mama Julia Klug im Büro des Vorgesetzten aus, samt Spielzeug, Windeln, Maxi Cosi, und denkt sich nichts dabei. Würden wir doch alle tun, oder? Im Ernst: Was für ein Klischee. Kaum tauchen Kinder auf, endet alles im Chaos. Und die Mütter sind rücksichtslos und dickfällig. Ich höre schon die Herdprämien-Verfechter: Siehste, so sieht das nämlich aus mit Müttern im Job. Kaum sind sie da, gibt es nur Durcheinander. Und das arme Kind! Die Realität ist anders und keine Gag-Vorlage, wie das "Hauptstadtrevier" es gern hätte. Wir zerreißen uns, damit uns im Job keiner die Kinder anmerkt. Aber das hat natürlich weniger Schenkelklopfer-Qualitäten.

Montag, 19. November 2012

Tatort Berlin: Im Würgegriff der Themenwoche

Hiermit verfüge ich: Themenwochen darf ab sofort nur noch ARTE machen - die können das. Das Erste nervt mich mit seinem Sterben-Special bereits jetzt so, dass ich mich nicht mehr traue, den Rest der Woche noch einmal einzuschalten. Ich habe ernsthaft Angst: Es könnte ja wieder dieser Spot kommen, in dem Beckmann, Nuhr und Käßmann ankündigen, mit mir darüber reden zu wollen! Als könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen. Fast hätte ich jetzt geschrieben "lieber sterbe ich", aber das wäre gemein, das Thema ist an sich ja ein sehr gutes. Wäre es nur nicht so typisch gutmenschelnd aufbereitet wie es eben nur das Erste kann.

They call it Bildungsfernsehen: Auch in den Tatort schwappte die Themenwoche hinein, was ihm - man ahnt es bereits - nicht sonderlich gut getan hat. Gestorben wird hier ja ohnehin schon genug, nun legte eine krebskranke Polizistin dem Ganzen noch ein Stück Erdenschwere obendrauf. Sehr realistisch natürlich, dass sie ihren Kindern nichts davon erzählt hatte, nur noch Wochen leben zu dürfen, und dass sie mit Morphiumpflaster weiter arbeiten ging. Ritter und Stark schauten sich dieses Phänomen mit hängenden Schultern an und gaben sich ganz der Hilflosigkeit hin. Von einer faden Verfolgungsszene abgesehen trotteten sie durch den Fall wie zwei brave Ponys, so stoisch und treu, dass sie zum Schluss gar noch einen weiteren Mord zuließen. Und im Vergleich merkte man dann, wie gut der neue Dortmunder Kommissar Faber seine Sache macht: Übers Sterben zu erzählen muss nicht immer sterbenslangweilig sind.

P.S.: Apropos Tatort: Sehr zu empfehlen ist die Pastewka-Folge vom vergangenen Freitag, in der sich Pastweka als Kölner Tatort Kommissar ins Spiel bringt und bei Henning Krautmacher Sprachunterricht nimmt.

Montag, 12. November 2012

Tatort Dortmund: Faber haut rein

Er ist kein Kommissar zum Kuscheln: Faber bei der Arbeit zuzusehen, wirft einen hin und her. Man kann über seine derben Sprüche lachen, man kann ihn hassen, weil er auf niemanden Rücksicht nimmt - und er tut einem leid, weil er so verloren wirkt. Faber (Jörg Hartmann) erzählt viel über unsere Gesellschaft. Zeit zum Trauern ist nicht mehr vorgesehen: Nach dem Tod von Frau und Kind bleibt er allein zurück und muss sich doch schnell wieder zurechtfinden in einer rastlosen Welt, in der es für ihn keinen Platz mehr zu geben scheint. Man versucht ihn zu mobben, die Kollegen haben alle ihre eigenen Probleme und leben neben ihm her. Näher kam wohl noch kein Tatort-Polizist dem tatsächlichen Alltag. Wer Wohlfühlfernsehen sucht, ist bei Faber an der falschen Adresse. Mit Schimanski wird er oft verglichen, aber Faber bringt neben seiner Derbheit eine viel größere Zerrissenheit mit, während Schimanski im größten Chaos immer noch mit sich im Reinen schien.

Mit Faber als Dortmunder Ermittler wird der Tatort mutiger, aber auch hektisch und kleinteilig. Das wäre zu vermeiden, wenn man das turtelnde Ermittlerpärchen wegließe - die beiden wirken ohnehin wie aus einem Soap-Casting entsprungen. Sich auf Faber und seine Kollegin (Anna Schudt) zu konzentrieren, würde diesem Rohdiamant noch mehr Glanz verleihen. Dann noch ein paar Klischees weniger (protzige Dealer, hilflose Gastarbeiter), und mein Daumen bleibt oben.

 

Freitag, 9. November 2012

Move On - der Film: Mikkelsen irrlichtert durch Europa

Nicht dass hier jemand denkt, die Fernsehfreundin ist total retro, die guckt ja nur Tatort: Nein, ich bin durchaus aufgeschlossen für Experimente! Fernsehen auf Youtube soll ja das große Ding der nächsten Jahre werden, höre ich von überall. Da hat wohl auch jemand bei der Telekom gut zugehört und zack! produzieren die gleich einen ganzen Spielfilm: Move on heißt das gute Stück, und offenbar hat die Cloud dabei einen großen Teil an Ideen und Locationvorschlägen beigesteuert. Worum geht's? Ein Mann (Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen) transportiert einen mysteriösen silbernen Koffer durch ganz Europa und wirkt dabei reichlich gehetzt. Ob er er ein Agent, ein Killer oder gar ein Cyborg ist - man weiß es nicht ganz genau. Von Amsterdam aus reist er durch acht Länder, muss sich mehrmals in Verfolgungsjagden beweisen, trinkt, liebt eine Unbekannte, landet schließlich in Berlin - und den Schluss verrate ich jetzt nicht. Viele schöne Frauen spielen  mit, Alexandra Maria Lara zum Beispiel. Ach, von der hat man auch länger nichts gehört, dachte ich mir - und jetzt in einem Telekom-Film....nun ja!

Die Locations sind wirklich toll ausgewählt, vor allem wenn es in ländliche Regionen osteuropäischer Länder geht wie Ungarn, Kroatien, Montenegro. Das Product-Placement (Handy, Auto, Turnschuhe): dezent gelöst. Aber es wird insgesamt einfach keine spannende Geschichte daraus, auch wenn die Musik das ständig suggerieren will (Drehbuch: Matt Greenhalgh). Das liegt nicht zuletzt an Mikkelsen und seiner Figur: Wenn man nicht weiß, was den Mann antreibt, was er fühlt und will, dann ist es einem auf Dauer ziemlich egal, ob er nun den Koffer heil irgendwo hin bringt oder nicht. Zumal Mikkelsen nicht die größte mimische Bandbreite zeigt, es ist eher eine verkniffene Angelegenheit. Hätte man "Move on" mit Misel Maticevic besetzt - es hätte richtig gut werden können! Aber schaut es euch trotzdem mal an, die Bilder sind sehenwert und der Film ist aufwändig produziert.

Montag, 5. November 2012

"Wetten, dass...?", Lindenstraße, Polizeiruf: Geistertanz zur Primetime

Kinder, Kinder, nach Halloween und dem Gruselwochenende bei ARD und ZDF habe ich jetzt genug Restschauder in den Knochen für die ganze Woche. Schon beim Gedanken an "Wetten, dass...?", das ich nur mit beschämtem Wegschalten zwischendurch ertragen habe, tanzen meine Nackenhaare Tango. Ich war nie ein großer Tom Hanks-Fan, aber da muss ich ihm recht geben: Für diese Unterhaltungs-Dauerfolter hätte man in den USA jeden Produzenten vom Hof gejagt. Was war schlimmer: die debilen Wetten? Der übermotivierte Lanz, der sich für seinen Versicherungsvertreter-Humor permanent selbst abfeiert? Oder das Promi-Sofa, das sich in eine schmerzfreie (Speidel, Garrett, Schöneberger) und eine Fremschäm-Zone (Hanks, Berry) teilte? Keine Ahnung. Das Schlimme ist ja: Die Redaktion traut uns zu, das gut zu finden, und die Quote signalisiert, dass sie damit bei der Mehrheit richtig liegt. Au weia.

Die Lindenstraße findet sich neu
Spaß gemacht hat indes die Lindenstraße: eine ganze Folge rund um eine Halloween-Party, mit den üblichen Problemchen, diesmal aber im Kostüm. Für die Maskenbildner muss es ein Fest gewesen sein. Mir gefielen besonders gut die Bowle-speiende Lisa im Teufels-Outfit und Momo als Knochenmann - es stand ihm gar nicht schlecht. Schön, dass es offenbar Versuche gibt, den Oltimer unter den deutschen Serien mit neuen Erzähl-Ideen aufzufrischen. Mit dem Polizeiruf "Fieber" ging es dann endgültig hinab in den Keller. Matthias Brandt wandelte als angeschossener Hans von Meuffels durch eine dunkle, verstörende Klinik-Szenerie - nichts für schwache Nerven. Ein Untoter, reichlich Blut, Spritzen und Narben, ein loses Raucherbein lag auch herum: Ich war froh, das Abendessen schon verdaut zu haben. Trotz guter Besetzung mit einigen meiner Lieblinge (Peter Jordan, Jürgen Tonkel) zog es sich am Ende aber doch ein wenig dahin. Vielleicht wiederholten sich die Bilder von kalten Krankenhausfluren und Nahtoderfahrungen auf dem Gipfel doch zu oft. Aber für den Mut, etwas Ungewöhnliches zu wagen, gibt es trotzdem ein Fleißkärtchen!

Montag, 29. Oktober 2012

Tatort München: Hauende Frauen und schlohweiße Schöpfe

Ich kann mich ja wie ein Kind freuen,wenn meine Lieblingsschauspieler/innen zur Prime Time besetzt werden. Dass Katharina Marie Schubert gestern im Münchner Tatort zu sehen war - toll. Auch Anna Böger und Nina Proll: sehr gut. Aber: Es waren die richtigen Frauen in den falschen Rollen. Entweder zu klein und unbedeutend wie im Fall von Schubert und Böger - wobei die Damen selbst aus den wenigen Sätzen das Beste herausgeholt haben - oder nicht ganz typgerecht: Nina Proll als Kampfmaschine à la Kill Bill wirkte ein wenig angestrengt. Überhaupt, die Geschichte um zwei EC-Karten-Betrügerinnen, die eine Drückerkolonne wie eine Sekte führten, war mehr als seltsam und mir persönlich zu weit weg vom Batic'-Leitmayrschen Tagesgeschäft. Ist jemanden aufgefallen, wie schlohweiß die Schöpfe der beiden inzwischen sind? Vielleicht wird es doch Zeit für eine Wachablösung. Aber wer soll es machen? Sie haben ja nun schon ein paar neue Kollegen verschlissen. Und ich fürchte, der ungeschickte Herr Fechner (großartig: Maxi Schafroth) wird es ja nun auch nicht werden. Herrgottsakra!

Montag, 22. Oktober 2012

Tatort Stuttgart: Gutbürgerlicher Hausmanns-Schnarch

Schon der zweite Tatort in Folge mit Schnarch-Garantie - das merk ich mir! Knapp neun Millionen Zuschauer hatte der dröge Stuttgarter, kaum zu glauben. Ich wette, nur ein knappes Drittel dürfte am Ende noch beide Augenlider oben gehalten haben - unter Zuhilfenahme diverser Streichhölzer! Den beiden an sich gar nicht so schlechten Schauspielern Klare und Müller wünscht man doch eine deutlich bessere Geschichte. Und so viel ist sicher: Internetphänomene und junge Umweltaktivisten machen einen Plot noch lange nicht modern! Ganz zu schweigen von einer fast übertrieben schwäbelnden Staatsanwältin. Fehlen Tempo und Dialogwitz, kann der Fall umweltpolitisch noch so brisant sein, es zündet einfach nicht. Wie man das besser macht? "Kreutzer kommt ins Krankenhaus" hat es gezeigt. Da saß jeder Satz wie ein Peitschenhieb. Der Quote geholfen hat es leider nicht, im Gegenteil. Was vielleicht auch an der insgesamt etwas sehr vollen, verknoteten Story lag. Da ging die einzelne skurrile Idee manchmal über den großen Erzählbogen. Dafür war die Schweineaugen-Dichte ungewöhnlich hoch.

Montag, 15. Oktober 2012

Tatort Kiel: Wulffisierte Welt

Verdammt. Eingeschlafen. Mittendrin. Und das mir! Das hat der arme Borowski nun wirklich nicht verdient. Mühte er sich doch so redlich ab an diesem verquasten Fall, in dem sich die Wege realer (Barschel) und ausgedachter Politiker (Thomas Heinze mit beängstigender Ähnlichkeit zu Wulff) in einer Verschwörungsgeschichte kreuzten. Hilflos, ja fast schon tapsig wuschtelte er sich durch die Ermittlungen, flankiert von einer völlig hilflosen Sarah Brandt im Praktikantinnen-Modus. Symptomatisch, dass der BND ihr ständig die Beweise vor der Nase wegschnappte. Am Ende hatte der politische Background natürlich nicht wirklich etwas mit dem Mord zu tun, vielmehr führte die Eitelkeit einer Fernsehmoderatorin zum Unvermeidlichen. Schließlich verschwand noch ein nutty Professor auf dem Weg nach Kiel. Fragt mich nicht, warum genau. Irgendwann sprach auch Tom Buhrow aus dem Fernseher. Das Erste spielt sich selbst im Ersten. Oder habe ich das alles nur geträumt?

Freitag, 12. Oktober 2012

Das ZDF entrümpelt: Alles muss raus

Landarzt weg, Forsthaus Falkenau weg, Unser Charly und Ein Fall für zwei: auch weg. Mann, Mann, im ZDF wird gerade ganz schön aufgeräumt. Dass auch Stolberg der Entrümpelungsaktion zum Opfer gefallen ist, hat mich allerdings überrascht - auch weil ich Rudolf Kowalski eine Fortsetzung gegönnt hätte. Gleich mal schauen, was man noch hinterherschicken könnte. Ich dachte da an "Volle Kanne" und den Fernsehgarten (bitte!). Andere Ideen, jemand?

Montag, 1. Oktober 2012

Polizeiruf Rostock: Stillschweigen mit angezogener Handbremse

Ich bin ja ein großer Fan des Rostocker Polizeirufs und werde nicht müde, das zu betonen. Zum Fall gestern muss ich aber ein klein wenig mäkeln. Rockerbanden sind ja ein beliebtes Thema in Krimis, sie sind so unglaublich böse und im Herzen doch romantisch, zumindest soll das so rüberkommen. So weit, so abgenudelt. Wenn der Chefrocker dann aber mit einem eigentlich tollen Schauspieler krass fehlbesetzt ist, geht dem Ganzen komplett die Puste aus, zu sehen im gestrigen Polizeiruf "Stillschweigen". Thomas Sarbacher ist ein kantiger Typ, spannendes Gesicht, anziehende Stimme. Aber als Oberrocker mit langer Matte und aufgemalten Tattoos? Och nö. Stets bemüht, aber dafür schlichtweg überqualifiziert. Auch Dirk Borchardt, der ja immer die durchgeknallten, wenn auch grenzgenialen Brutalos spielt, tat mir ein wenig leid. Ihn am Ende einfach nur noch sinnlos herumballern zu lassen, wurde weder ihm noch seinem Rollencharakter gerecht. Toll hingegen mal wieder Buckows kodderschnauzige Dialoge, die parallel geführte Ermittlungsarbeit und die Idee, Frau König eine neue Facette zu geben: ihre ungeklärte Herkunft. Da steckt noch viel drin. Jenseits des knatternden Auspuffs.

Montag, 24. September 2012

Tatort Dortmund: Wenn der Taubenzüchter schluchzt

Das war ein Wochenende der "Ach schade"-Erlebnisse, bis auf das Ende, aber dazu später mehr. Die neue Pastewka-Staffel startete ungewohnt verhalten, in der ersten Folge gab es viel Neues zu erzählen. Zu viel? Ein Umzug ins Promi-Viertel, ein schrulliger Hausmeister, ein zu früh verschenktes Rubbellos und der unvermeidliche Nachzug von Bruder Hagen und Freundin "Bruck" - nett anzusehen, aber mit viel Luft nach oben, was die Komik angeht. Aber das kann ja noch werden. Ratlos gemacht hat mich dagegen der neue Dortmund-Tatort. Großartig wie erwartet: Jörg Hartmann als Peter Faber, ein Kommissar am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein schlafloser Freak, nervös und irgendwie unheimlich. Einer, der lieber auf dem Boden sitzt und einsam eine Dose kalte Ravioli im dunklen Konferenzraum isst. Der eigenartige Fall um einen schwulen Studenten hingegen wirkte merkwürdig konstruiert und gekünstelt, die Dialoge der Zeugenbefragungen hatten fast schon Derrick-Niveau. Und was sagte uns das Ende: Die Lösung für einen schwulen Familienvater, der sich nicht outen will, kann nur sein, sich in die Luft zu jagen? Mmmmhhh. Als Ex-Ruhrpottlerin darf ich außerdem anprangern, dass keines der üblichen Klischees ausgelassen wurde. Da schluchzt der Taubenzüchter, von Borussia und Stahlkocher-Wehmut ganz zu schweigen. Übrigens: Was ist das "Chelsea" für ein Club, in dem zur besten Abendspielzeit (also noch vor 23 Uhr) so dermaßen viel los ist? Ich finde, der Assistent hätte ruhig vorher noch zum Spiel gehen dürfen! Aber am Ende des Sonntags wurde doch noch alles gut: mit der "Mondverschwörung" auf 3sat. Der US-amerikanische Reporter Dennis Mascarenas interviewt darin Esoteriker und Verschwörungstheoretiker und lässt sie einfach reden. Genau wie im Vorläufer "Deckname Dennis" entlarven sie sich dabei sehr schnell selbst. Sehr komisch, und manchmal  genau so unheimlich wie der neue Dortmund-Kommissar.

Dienstag, 18. September 2012

Auf Herz und Nieren: Gut gemacht, voll verkannt

So! Sommerpause vorbei. Und schon muss ich mich wieder aufregen! Da hat es "Auf Herz und Nieren" (SAT1, 21.15 Uhr) gestern doch tatsächlich geschafft, dass ich das Buch beiseite lege und mit Spaß zuschaue. Ja, hier waren offenbar Autoren mit Liebe bei der Sache. Der Witz stimmte, das Timing war da, die Grundidee "Schnösel-Schönheits-Chirurg triff auf trauernden Engel in einer Berliner Kiez-Praxis" gar nicht mal so schlecht. Auch wenn mir Max von Pufendorf manchmal etwa zu cheesy erschien - das Ganze hatte viele charmante Momente. Und dann das: Quote abgeschmiert, nur 1,47 Mio. Zuschauer! Fernsehen kann so unfair sein - zumal wenn man bedenkt, dass das unsägliche "Es kommt noch dicker" in der Woche davor so viel mehr abgeräumt hat. Mit pubertärem Klamauk, gegen den die Supernasen aus den 80ern wie Arthouse Kino anmuten. Tröstend, dass die Quote ab der 3. Folge auch schon wieder den Sinkflug antritt. Und damit auf in den Fernseh-Herbst. Es kann nur besser werden!

Montag, 16. Juli 2012

Sommerpause!

Ich könnte es jetzt wie die ARD machen und alte Tatort-Posts wiederholen. Aber dafür habe ich ja ein Archiv. Viel Spaß beim Stöbern, und sobald die Saison wieder anläuft, geht es hier weiter!

Montag, 18. Juni 2012

Ungenießbarer Lothar: Vox findet eigene Doku-Soap doof

Arme Holländer. Ohne einen einzigen Punkt sind sie ausgeschieden, und acht Millionen Zuschauer haben es sich in ihrer Heimat vor dem Fernseher angesehen. Das ist bei einer Einwohnerzahl von rund 16 Millionen jeder zweite Niederländer. Man habe sich zur Lachnummer des Turniers gemacht, schreiben die lokalen Zeitungen heute, die Trikotfarbe schwarz sei vollkommen angemessen gewesen. Bloß gut, dass der Holländer per se nicht nachtragend ist. Spätestens zur nächsten WM wird das Selbstbewusstsein  ein neues Hoch erreichen, alles andere wäre nicht "gezellig". Ganz ungemütlich geht es derweil rund um Lothar Matthäus zu. Seine Dokusoap "Lothar - immer am Ball" macht schon Ärger, bevor sie überhaupt gesendet wurde. Vox-Chef Kai Sturm gefiel das Material gar nicht, woraufhin er die Sendezeit gen Mitternacht verschob. Aber hatte er wirklich etwas anderes erwartet? Aus einem Interview mit der WELT erfahren wir schon ein klein wenig, worauf wir uns freuen dürfen: Matthäus sortiert Joghurt im Kühlschrank nach Haltbarkeitsdatum, regt sich über schiefe Fußmatten auf und schimpft mit der Freundin, weil sie tatsächlich mit Strumpfhose ausgehen will. Das verspricht einiges. Gelacht wird übrigens eher wenig: "Wenn Sie vier Monate vor der Kamera stehen, können Sie nicht die ganze Zeit lächeln. Das wäre gelogen. Aber in Deutschland gibt es kein Mittelding, nur oben oder unten, Regen oder Sonnenschein", sagt Matthäus. Na na na, Lothar, nun mal nicht den Kopf hängen lassen! Die Sorgenfurchen über der Nasenwurzel sind in der letzten Zeit ohnehin schon verdächtig tief geworden. Wobei man sich schon fragt: Wie ist er da nur wieder reingeraten. Oder um im Reportersprech zu bleiben: Wie naiv ist es, sich ständig zum Kanonenfutter zu machen? Und damit zurück ins Stadion!

Montag, 7. Mai 2012

Abschied von Cenk Batu: Ein Ende mit Schrecken

Dass die Hamburger Tatort-Fälle mit Cenk Batu abgesetzt werden, ist an sich schon eine Schande. Dass ihm nicht einmal ein würdiger Abschied gegönnt war, umso gemeiner. Nicht nur, dass sich Mehmet Kurtulus durch eine überfrachtete Story wühlen musste, die kaum ein Klischee ausließ: die schwangere Freundin, die ihm natürlich nichts verrät, bis es zu spät ist; eine Horde wild gewordener Trader, die sich permanent selbst abfeiert - man mag von diesem Beruf halten was man will, aber so albern mag ich mir diese Banker einfach nicht vorstellen. Daneben Corinna Harfouch als eiskalter Engel mit Cyborg-Tunnelblick und Kai Wiesinger als schwacher Kanzler in Lebensgefahr. Da blieb für Batu selbst wenig Raum - als tragischer Held endet er schließlich angeschossen im OP. Und jetzt kommt's: Man bangt um Batus Leben, da dreht sich der Dienst habende Arzt um und murmelt unter seinem Mundschutz: "Machste zwei 1:30, das macht Lutz immer." Es dauert einen Moment, bis man die Stimme von Jörg Schönenborn erkennt, und dann murmelt eine Frauenstimme noch etwas von "kleinen Härchen". Da haben die einfach in die Sterbeszene reingequatscht! Liebe ARD, so geht das nicht: Der Mann ist noch nicht kalt, da wird schon fröhlich weitergeschnattert. Ein bisschen Respekt, bitte, und Finger weg von den Reglern! Bei Batus Nachfolger Herrn S. könnt ihr euch das nicht erlauben.

Montag, 23. April 2012

Tatort Frankfurt: Böses Spiel mit sehr viel Folie

Hasst jemand Frischhaltefolie genau so sehr wie ich? Die Abreißkante treibt mich in den Wahnsinn. Ich kriege es einfach nicht hin, die Folie gerade abzutrennen. Sie schnellt zurück, kaum dass man sie abgerissen hat, und dann muss man beim nächsten Mal wieder mühsam den schiefen Anfang von der Rolle knibbeln. Wieso hat dagegen eigentlich noch niemand was erfunden? Der Täter im gestrigen Frankfurt-Tatort "Es ist böse" kannte dieses Problem offenbar nicht: In höchstens einer Minute hatte er sich im Badezimmer komplett mit der Folie eingewickelt, um sich dann auf seine Opfer zu stürzen. Ein blutiger und sehr morbider Fall nach einer wahren Begebenheit, der die arme Conny Mey an ihre Grenzen trieb. Aber in wahren Fällen liegt eben auch die Tücke: dem echten Stoff treu zu bleiben und ihn trotzdem dramaturgisch spannend zu erzählen. Da hakte es hier und da. War die Grundgeschichte zu dünn für 90 Minuten? Es schien, als müsse sie mit diversen Nebensträngen künstlich aufgeblasen werden: ein wild gewordener Journalist recherchierte in eigener Sache, Conny Mey hatte einen Tinnitus und wechselte in den KDD, wo sie angesichts einer krankenhausreif geprügelten Ehefrau völlig die Kontrolle verlor. Flashbacks und verzerrte Traumbilder der Kommissarin machen das Ganze noch unüberschaubarer und zäher. Am Ende wird als Mörder derjenige enthüllt, den man die ganze Zeit schon in Verdacht hatte. Nur - warum wurde dieser nicht gleich observiert, so wie man es mit Markus Förster (Uwe Bohm) getan hatte? Im Gedächtnis bleibt das eindrucksvolle Gesicht von Marc Bischoff, der der Figur des Prostituiertenmörders Holger Ritter beängstigend nahe kam.

Freitag, 20. April 2012

Idiotentest: Mit Gasfuß zum Quotenerfolg

Achtung, Outing. Ich habe gestern "Idiotentest" im ZDF gesehen, und ja: Ich habe mich bestens unterhalten! "Was lachst du denn da so", rief der Mann ständig aus dem Nebenzimmer. So kann es eben gehen, wenn die Lust auf was Seichtes mal einen Abend die Oberhand gewinnt. Diese (Tragi?-)Komödie rund um drei Frauen, die ihren Führerschein verloren haben und jetzt zum Test antreten müssen, war kein großes Kino. Aber sie war mit Liebe gemacht - und ausgezeichnet gecastet. Man mag Mariele Millowitsch mögen oder nicht, sie hat ein Talent peinliche Situationen so zu spielen, dass man sich selbst darin sieht. Auch Kai Lentrodt ist so ein Kandidat, man kennt das schon aus Ladykracher. Diesmal hatte man ihn als Macho-Fahrlehrer Marius eigentlich gegen den Typ besetzt - aber die Rechnung ging auf. Und ja, am Ende fügte sich vielleicht alles ein bisschen zu gut in Richtung Hoffnung. Aber der Weg dahin war liebevoll gebaut, voller netter Figuren mit großen Macken und auch traurig-nachdenklicher Momente. Allein der Loverboy Eric aus dem Fahrkurs war ein ziemliches Weichei, da hätte man noch mehr rausholen können. Aber ansonsten hat "Idiotentest" alles richtig gemacht - und wurde zu Recht mit 5,54 Millionen Zuschauern belohnt.

Donnerstag, 12. April 2012

Lösegeld: Mit Dackelblick und Handschellen

Dass ich Misel Maticevic gern öfter sähe, ist ja nichts Neues. Aber, aber, aber: Die Rolle muss schon passen. In "Lösegeld" erlebte man ihn gestern als liebeskranken Cop, der vor lauter Leidenschaft seine eigentliche Aufgabe vergisst und eine Diamantenräuberin davonkommen lässt. Was ja eigentlich eine schöne Geschichte wäre. Nur knisterte es zwischen dem desillusionierten Lederjackenträger Diethard Lysewski und Ulrike Tscharre, der Chefin einer Begleitagentur, ungefähr so stark wie zwischen Schafwolle und Löschpapier. Nämlich gar nicht. Lag es am skeptischen Blick der Betrügerin? Oder an Lysewskis treu-doofer Dackelmasche? Nach spätestens einer Stunde war die Luft raus, und man hoffte, er folge ihr nicht wirklich nach Costa Rica, wo sie jeden Dienstag um halb sechs auf ihn warten wolle. Soviel plattes Planting und Pay Off wäre dann doch zuviel gewesen. Kleiner Lichtblick im wahrsten Wortsinn: Simon Licht, den man schon in Stormberg und als Richie Raff im legendären "Beutolomäus und die vergessene Weihnacht" hassen lernen durfte. Der Chefzyniker ist seine Paraderolle, aber hier spielte er als schroffer Bulle glatt das Pärchen an die Wand. Denn hinter der Testosteron-Fassade war auch noch ein bisschen Platz für eine weiche Seite. Und wer sich immer schon mal gefragt hat, was man eigentlich macht, wenn man mit Handschellen ans Bett gefesselt ist und dann pinkeln muss, weiß jetzt Bescheid.


Montag, 26. März 2012

Tatort Wien: Tiefgekühlt und warm gespielt

Ja, so kann es was werden mit den Wienern. Seit Adele Neuhauser als Bibi Fellner mit dabei ist,
war der Bernhardiner-Blick von Moritz Eisner fast schon erträglich geworden. Jetzt hat man ihnen mit "Falsch verpackt" auch noch einen morbiden Fall gegönnt, der wirklich gut zum Wiener Lebensgefühl passt. Die Zutaten:Verschiedene Leichteile (weiträumig über Hinterhöfe verteilt), ein Kopf im heimischen Kühlschrank, eine angebrochene Nase, ein Hühnerfleisch-Millionär (gefroren in der eigenen Kühlkammer) und viel schlechte Laune - wahlweise entstanden durch Diät (Eisner) oder Alkohl und die falschen Freunde (Fellner). Das rabenschwarze Pendant zu den beiden Münsteranern, sozusagen. Machte Spaß, auch der elektronische Soundtrack von Gerhard Schuller passte wunderbar. Nicht zu vergessen natürlich Martin Brambach, der ja eigentlich immer ein Gewinn ist - hier als Geflügelpapst, herrlich fies. Es bleibt dabei, diesmal nichts zu nörgeln: Geh bitte, macht's einfach weiter so!

Donnerstag, 15. März 2012

Rizzoli & Isles: Zwei Krimi-Püppchen wie gemalt

Die Idee ist gar nicht schlecht: zwei Frauen ermitteln zu lassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Polizistin Jane Rizzoli hat - klischeehaft ihren italienischen Wurzeln entsprechend - ein aufbrausendes Temperament und schert sich nicht um Regeln. Ihr Gegenpart, Pathologin Maura Isles, ist eher der verkopfte Typ und macht sich nicht gern die manikürten Hände schmutzig. Goldmarie und Pechmarie gehen ermitteln, sozusagen. Mit Highheels und Handschellen. Optisch kommt "Rizzoli & Isles" dann aber leider doch nicht so kontrastreich daher. Der Look ist derart glatt gestylt, dass man selbst bei einem von Bösewichten völlig verwüsteten Raum den Eindruck hat, der Fußabdruck des Setdesigners sei noch warm. Rizzoli übernimmt zwar gern den dreckigen Part der Ermittlerarbeit, aber selbst ihr beschmutztes Shirt nach einem Mordanschlag wirkt wie angemalt. Die beiden sollen halt aussehen wie aus Sex and the city entsprungen. Was die Pointen angeht, können sie mit Carrie Bradshaw aber nicht mithalten - zu flau. "Rizzoli & Isles" basiert auf den Romanen von Tess Gerritsen, die der Phantasie sicher mehr Spielraum geben. Das Werbeplakat mit den beiden langbeinigen Schönheiten hat allerdings gewirkt: Rund drei Millionen Zuschauer folgten ihnen auf Vox. Und damit könnten sie die weibliche Alternative zum ebenso glatt polierten "The Mentalist" werden.

Montag, 5. März 2012

Fernsehen von gestern und morgen: Scherbenhaufen, Roche & Böhmermann

Porzellan! Was fällt einem nicht alles dazu ein. Polterabend. Glück und Glas, wie schnell bricht das. Scherben bringen Glück. Porzellanteint. Zerbrochene Träume. Und, und, und. Aus dem Thema hätte man also ganz passable Bilder rausholen können. Der Stuttgart-Tatort "Scherbenhaufen" hat das, vom Titel abgesehen, tunlichst vermieden. Gegen dieses Schlafstück rund um eine Porzellanfabrik wirkte die Lindenstraße wie ein Poetryslam auf Speed. Da ist wenigstens was passiert, Iffi einfach zack, weg, nach Australien! Ob Richy Müller auch lieber ausgewandert wäre? Ihm konnte man förmlich ansehen, wie er gegen die Langeweile anspielen musste: Ein Augenbrauenzucken hier, ein Schmunzeln da, mehr Mimik war nicht. Manches war sogar richtig ärgerlich. Wieso lässt sich ein Ermittler bequatschen, als Undercover-Personenschützer sein Leben zu riskieren, wenn er weder Geld und noch Ruhm dafür zu erwarten hat? Obwohl seine Frau ihn dafür in der Luft zerreißt, weil er den Urlaub absagt? Und warum muss man das alles in einen minutenlangen Endlos-Dialog verpacken? Soviel Derrick war noch nie.

Zum Glück kann Fernsehen ja auch Hoffnung machen, wenn man nach 21.45 Uhr durchhält. Roche & Böhmermann machen alles, was das öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen sonst peinlich berührt unterlässt: lästern, saufen, sich ins Wort fallen, Quatsch erzählen, gemein sein. "Das Konzept steht, bis Herbst stimmt die Quote" - allein für diesen Seitenhieb gibt es ein Extra-Küsschen von mir. Die Sitzordnung am Pokertisch unter der grellen OP-haften Lampe, in deren Licht alle gruselig quallig aussahen - mal was anderes! Dass alle durcheinander reden dürfen und es keine erkennbare Themenfolge gibt - auch erfrischend. Der Spezialpreis geht an die Macher der Trailer, die die Talkgäste ankündigten. Und der eigentliche Star ist Böhmermann, der jedes Gespräch auf die Spitze treibt, perfekte Pointen setzt und Charlotte Roche damit überflüssig macht. Dem Zuschauer gibt er die Rolle eines Voyeurs an einem kranken Stammtisch, bei dem sich wie so oft die Rampensäue den größten Wortanteil sichern. Kann man sich angucken, drüber lachen, dabei reden oder was anderes machen - man verpasst nichts und wird trotzdem gut unterhalten. Nur eins hat nicht gepasst: Eine glatte Moderatorin wie Britt als Talkgast, die nicht viel Spannendes zu sagen hat, aber trotzdem ständig das Gespräch an sich reißt. Man kann den Berghain-Türsteher verstehen, warum er manche Leute nicht reinlässt.

Montag, 27. Februar 2012

Mildred Pierce: Auch Kate Winslet greift mal daneben

Ich bin ja selbst schuld, man soll auf das Gehype eben nicht immer reinfallen. Mildred Pierce: Eine HBO-Mini-Serie, besetzt mit Kate Winslet und Guy Pearce, prämiert mit Emmy und Golden Globe für die Hauptdarsteller - was konnte man damit schon falsch machen? Und dann: die große Langeweile. Nach einer Folge konnte man ja noch denken, das wird schon irgendwann. Aber das Gähnen blieb. Nicht nur, dass sich die Story und die Dialoge dahinschleppten. Frau Winslet sah auch extrem unvorteilhaft aus. Ungewohnt mager und blass, eckig und hart im Gesicht. Lag es an der zu dunklen Haarfarbe, an den sehr dunkel nachgezogenen Augenbrauen - oder einfach nur an ihrem permanent migränigen Gesichtsausdruck? Noch schlimmer: die Sexszenen mit Guy Pearce, den man mit Oberlippenbärtchen und Seitenscheitel-Ponyfrisur verunstaltet hatte. Gefühllos klemmten er und Winslet die Gliedmaßen ineinander. Nein, das will man nicht öfter als nötig sehen müssen. Musste man aber, denn immer bevor die Handlung völlig zu erlahmen drohte, schwupps, Kampf der blassen Leiber. Insgesamt also eine DVD, die man sich sparen kann. Bis auf einen Lichtblick: Brían Francis O'Byrne als Ex-Mann Bert, der mir schon in Flash Forward angenehm aufgefallen war. Und Frau Winslet soll bitte mal wieder ordentlich essen.

Dienstag, 21. Februar 2012

Polizeiruf 110 Rostock: Buckow am Rande des Nervenzusammenbruchs

Eckhard Theophil ist wohl der einzige deutsche Drehbuchautor, der selbst schon einmal im Knast war. Aus seiner Zeit in Fuhlsbüttel schöpft er immer noch viel: gefallene Engel, Kirmesboxer, gutmütige Tätowierer und andere liebenswert-skurrile Gestalten bevölkern seine Geschichten. Im Rostocker Polizeiruf hat man das am Sonntag wieder einmal sehr schön gesehen. Jede Figur ein Miniatur-Drama für sich: soziale Abstiegsstorys mit dem Wunsch nach Happy End, der sich selten erfüllt. Das zu entwickeln, macht viel Arbeit. Für den Polizeiruf "Einer trage des anderen Last" war es aber fast schon zuviel des Guten, denn zwischen den vielen schillernden Figuren drohte man gelegentlich den Faden des Falls zu verlieren. Buckow ermittelte diesmal allein und am Rande des Nervenzusammenbruchs: Während Kollegin König im Koma lag, versuchte er völlig übernächtigt die Spuren zu entwirren und verlor dabei ein ums andere Mal die Fassung. Die Zeugen konnten von Glück sagen, wenn sie nur angeschrieen wurden, einen verqueren Kollegen schickte er gar undercover in den Knast und damit fast in den Tod. Die rauen Dialoge nahmen jedes F-Word mit, fast als sei man mitten in einer deutschen The Wire-Version. Soviel Direktheit passt gut zu den Rostockern. Nur am Ende trieb die Räuberpistole allzu wilde Blüten: als der albanische Arzt die Messer wetzte, um damit Finger abzuschneiden. Ansonsten aber wie immer: Daumen hoch für Buckow und Konsorten!

Donnerstag, 16. Februar 2012

Wetten, dass...?: Lahmer Tanz um Lanz

Gott sei's getrommelt und gepfiffen, der Topf hat endlich einen neuen Deckel! Nachdem das ZDF wochenlang seinen schwer vermittelbaren Sprössling "Wetten,dass...?" wie sauer Bier anbieten musste, erbarmt sich endlich jemand. Die Lösung ist naheliegend, weil er schon unter Vertrag ist. Der Kandidat: berechnenbar und unglaublich langweilig. Markus Lanz. Und dabei hatte man schon Hoffnung geschöpft, dieser Schwiegermutterliebling meine es ernst damit, sein Weg führe eher von der Showbühne weg - vielleicht gar in die Eiswüsten dieser Welt, wo er ja gern urlaubt? Nun darf er auf diesem knorpeligen, altmodischen Showkonzept herumkauen und zusehen, ob er noch ein Tröpfchen Spannung herauspressen kann. Viel Spaß. Vielleicht ist man aber auch besonders leidensfähig, wenn man schon einmal mit Birgit Schrowange liiert war. Selbstbewusst scheint er ja zu sein: Lanz will lieber allein moderieren und sich ohne Nazan Eckes in Thommys Fußstapfen verlieren. Gottschalk ist indes schneller auf der Resterampe gelandet, als man gedacht hätte. Das Erste hat jetzt die Werbepreise für Gottschalk Live gesenkt. 

Freitag, 3. Februar 2012

Danni Lowinski: Ohne Jingles die reine Freude

Heute nur ein kurzer Post mit einem Reminder: Am Montag startet die neue Danni Lowinski-Staffel. Freuen darf man sich auf Bastian Pastewka als Steuerberater, der wirklich keinen Spaß versteht - was umso komischer ist, als es eine Pastewka-Folge gab, in der er selbst mit der Steuer Probleme bekam. Erst versuchte er, Dutzende Bewirtungsquittungen über Dienstgespräche mit Michael Kessler bei einem Pinocchio-Eisbecher durchzuboxen, weitere Quittungen ließ er von seiner Nichte ausfüllen - mit absurden Konsequenzen. Auch vor Rollstuhl-Witzen haben die Danni-Lowinski-Autoren keine Angst, die Folge um den neuen Elektro-Rolli für Dannis Vater ist wirklich, wirklich gut. Ich habe sie im Rohschnitt gesehen und dabei ist mir aufgefallen, dass die Serie ohne Musikuntermalung noch viel besser wirkt. Erinnert ein wenig an britische Sozialkomödien. Also beim nächsten Mal gern weglassen, die Jingles.

P.S.: Apropos Pastweka: Auf seiner Facebook-Seite gibt er fast täglich einen Festplattenrecordertipp. Gute Idee!

Dienstag, 31. Januar 2012

Gottschalk Live: Ruhig, Blonder!

Als Mensch im Web 2.0-Zeitalter bin ich Tempo und Multitasking ja gewohnt. Aber wenn Gottschalk Live so weitergeht wie gestern, komme ich nicht mehr mit. Und man fragt sich auch, ob Gottschalk selbst noch versteht, was er da tut. In eine arme kleine halbe Stunde wurde so viel reingepackt, dass sie aus allen Nähten platzte. Man könnte sich ja mit einem durchaus eloquenten Studiogast wie Anke Engelke zufrieden geben. Aber nein: Es muss noch eine Umfrage über Griechenland mit rein, die Thommy von der Karte abliest wie seinerzeit eine Wett-Aufgabe. Warum dieses politische Thema? Man weiß es nicht, denn schon kommt das nächste: Ein Schüler äußert sich per wackeliger Skype-Verbindung zu seinem Schulalltag. Warum? Kriegt man auch nicht so richtig raus. Denn schon ist Gottschalk beim Papst und seinen Tauben, und dann stehen Duran Duran auf der Matte, um ihre neue CD zu promoten. Die Übersetzung klappt nicht richtig, das Gespräch wird immer fahriger, Engelke bemüht sich redlich, einmal eine Frage zu Ende zu stellen, aber es holpert so dahin. Dann noch ein Hinweis auf die neue "Soku-Doap" mit Lothar Matthäus, der es bald so macht wie die "Kratzenberger", und eine Schalte zur Wetterfee, die über ihre Schuhe plaudert. Gottschalk vernuschelt und verplappert sich permanent, und das macht es natürlich nicht besser. Fast ist man froh über die Werbepausen, die ja auch noch untergebracht werden müssen: Endlich bleibt mal jemand für ein paar Sekunden beim Thema. Nach so viel Sprachverwirrung und Themen-Bombardement ist eins sicher: Entspannung am Vorabend ist etwas anderes. Gottschalk sollte die Sendung dringend ausmisten, sonst ist der Talk-Burnout greifbar nah.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Hannah Mangold und Lucy Palm: Das Ende der Püppchen-Ära?

Der Dienstag Abend war auf Sat1 lange die Verlängerung des nachmittäglichen Bügelfernsehens: meistens liefen Romantic Comedys mit blonden Seelchen wie Eva Habermann, die nach einigen Turbulenzen am Ende das Ekelpaket ihrer Träume erobern. Sollte damit etwa endlich Schluss sein? Unter dem fragwürdigen Label "FilmFilm" überraschte der Pilotfilm "Hannah Mangold und Lucy Palm" gestern mit Frauentypen, die man lange nicht im Wohlfühlprogramm gesehen hat. Noch mehr Probleme als die Polizistin Hannah Mangold kann man kaum haben: Sie ist gerade frisch aus der Psychiatrie entlassen, ein traumatisches Erlebnis verfolgt sie immer noch, die Kollegen haben nicht gerade auf sie gewartet, die Tochter lehnt sie ab. Dann nimmt sich auch noch eine enge Freundin das Leben. Die Frau ist beschädigt und hält trotzdem durch. Dass sie degradiert wurde und keine Waffe mehr tragen darf, nimmt sie hin. Nur die Selbstironie scheint ihr geblieben zu sein: Den Spitznamen "die Irre", den ihr die Revierkollegen geben, findet sie passend.

Mit ihrer Dienst-Partnerin Lucy Palm, Typ patzig-trotzige Einzelgängerin mit weichem Kern, gibt es gleich Zickereien. Doch ein paar erfolgreich gelöste Fälle später gehen sich Mangold und Palm weniger auf die Nerven als am Anfang, man könnte fast meinen, sie mögen sich. Die beiden sperrigen Cops mit dem Knacks passen gut zur düsteren Berliner Kulisse und müssen auch nicht immer gut aussehen: Manchmal vermummt sich Mangold so in Mantel und Mütze, dass man sie kaum als Frau erkennt.

Was weniger gut zu der geerdeten Story passt sind die Mystery-Elemente (Mangold hat Halluzinationen und sieht das Böse), die von Mangold erst erklärt werden müssen, damit man sie versteht. Spannend bleibt es trotzdem, durch viele perfide kleine Wendungen, die dem sehr guten Drehbuch geschuldet sind (Michael Proehl und Matthias Tuchmann). Insgesamt ein Pilot, der gerne landen darf und bleiben sollte - und toll gespielt von Anja Kling und Britta Hammelstein.

Montag, 23. Januar 2012

Gottschalk Live: Puschen-TV mit Quasselstau

Er hat es getan, zum allerersten Mal: Mit seiner neuen Minimal-Show "Gottschalk Live" ist der Entertainosaurier heute im ARD-Vorabendprogramm in See gestochen, und beinahe wäre die ganze Chose abgesoffen. Ein paar Fragen:

// Warum die lange Einleitung, wie und was die Sendung sein will? Brauchen wir wirklich einen gesabbelten Beipackzettel, oder hätten es auch drei knackige Sätze getan?

// Warum sollte ein Promi, der noch ein letztes bisschen Selbstachtung besitzt, in dieser Sendung talken, wenn ihm wie bei Bully Herbig in jeden dritten Satz ein Werbejingle trötet? Erinnert ein bisschen an Oscarverleihungen, bei denen allzu optimistische Laudatoren von der Bühne getuscht werden. Nein, so kommt kein entspanntes Gespräch auf.

// War nicht der eigentliche Plan, tagesaktuelle Themen aufzugreifen, die die Zuschauer interessieren? Oder tanzen doch nur wieder Thommys Buddies an, die einen neuen Film/CD/Buch promoten wollen? Siehe: Armin Rhode, siehe: Beckenbauer.

// Ist das eigentlich ein Studio oder eine Zahnarztpraxis? Für eine kuschelige kleine Sendung hätte man sich mehr Flair gewünscht.

// Sind die Magazine und Zeitungen echte Gesprächsaufhänger oder doch nur Füllmaterial?

// Weiß Gottschalk eigentlich, dass Fernsehen ein visuelles Medium ist und kein abgefilmtes Radio? Das gelingt nur Domian.

Besserung bleibt zu hoffen, denn einen Trumpf hat die Sendung im Ärmel: Die Zuschauer dürfen sich live dazu äußern. Social Media sind die Geister, die er rief: Das kann für Gottschalk unangenehm werden - auf Twitter gab es während der Sendung schon viele Schüsse vor den Bug. Aber wenn er es ernst nimmt, kann er zusammen mit der Wohnzimmer-Basis eine Sendung entwickeln, die mehr sein kann als das Puschen-TV der ersten Folge. Eine Sendung, die eine Lücke füllen könnte zwischen den Endlos-Talkrunden im Dritten und den inflationären Polittalks, die man kaum noch auseinanderhalten kann. Bis dahin hat Gottschalk auch den Unterschied zwischen Klicks und Likes gelernt.

Tatort Saarbrücken: Horror-Abschied für Kappl und Deininger

Allez dann, Kappl und Deininger: 9,25 Millionen Zuschauer sahen dem Duo gestern bei seinem letzten Fall zu. Warum eigentlich zum letzten Mal, fragt man sich angesichts dieser sensationellen Quote. Es ist ein unehrenhafter, unverdienter Abschied für Maximilian Brückner und Gregor Weber, die schnell und ohne überzeugende Gründe vom SR abserviert wurden. Die Enttäuschung darüber sitzt tief. Gegenüber der taz sagt Weber, mit dem Fernsehen sei er durch. Er will jetzt lieber Bücher schreiben und kochen.

"Verschleppt" wurde zwar lange vor dem Rauswurf gedreht - der kernige Blonde und der Hornbrillenträger spielten aber mit einer Wut und Verzweiflung, dass man fast meinte, sie hätten gerade von ihrer Entlassung erfahren. Kappl prügelte auf einen Verdächtigen ein, Deiniger schrie und heulte sich durch die Ermittlungen. Man mochte kaum mit ansehen, wie sich die beiden mit ihrer Aufgabe quälten. Für den sehr düsteren Fall - typisch finnisch inszeniert von Hannu Salonen - mussten die Kommissare in vielen dunklen Kellern wühlen, bis feststand, wer drei Mädchen verschleppt und gequält hatte. Seit den Ereignissen rund um Natascha Kampusch und Anstetten sind diese Stoffe offenbar schwer im Kommen, auch wenn sie sich schwer mit der üblichen Tatort-Dramaturgie beherrschen lassen. Und so wurden bestimmte Motive (Rückblenden, zuschlagende Verliestür, ratternder Ventilator) wie so oft überstrapaziert, gerieten Verdächtige und Täter zu Norman-Bates Abziehbildern. Ein Horror, der nur schwach berührte, denn diese Art von Serientäter ist sehr weit weg vom Alltag. Und genau dort findet der Tatort sonst seine stärksten Motive. Trotz allem hinterlassen Kappl und Deininger zum Abschied einen starken Eindruck, und einmal mehr versteht man nicht, warum dieser eigentlich sein musste. Da gibt es andere Teams, die die Frühverrentung verdient hätten.

Montag, 16. Januar 2012

Tatort-Gähn und Dschungel-Schnarch: Fernsehen im Winterschlafmodus

Die Briten haben es wieder einmal geschafft: Downton Abbey aus der Schmiede von ITV hat heute Nacht einen Golden Globe gewonnen (wenn auch in der fragwürdigen Kategorie "Beste Miniserie oder Bester Fernsehfilm" - was bitte war an dieser Serie mini?) und damit inzwischen alle nennenswerten Preise abgeräumt. Und bei uns? Was das dramatische Erzählen angeht, schafft Deutschland zurzeit gerade mal den Klassenerhalt. Sehr schön zu sehen war das beim gestrigen Leipziger Tatort: Spätestens um 21.15 Uhr wusste jeder, der nicht den halben Film schlafend verbracht hatte, dass der düstere Nerd vom Layout-Tisch der Mörder sein muss. Trotzdem wurden bereits mehrfach breitgetretene Informationen (die Opfer waren doch gerade noch so glücklich gewesen, und jetzt das!) noch einmal von den Kommissaren laut denkend wiederholt. Hält das Erste seine Zuschauer wirklich für so blöd? Ja!

Das muss man den Machern des Dschungelcamps lassen: Sie wissen um den Irrwitz ihrer Produktion und können über sich selbst lachen. Schade nur, dass die brillant bösen Moderationen von Bach und Zietlow dieses Mal die Schnarchveranstaltung nicht retten können. Woran liegt es: Sind Kandidaten wie Ramona Leiß oder Brigitte Nielsen einfach zu abgewrackt, um noch ein bisschen Elan aus sich herauszuholen? Hat Raven gerade eine rabenschwarze Phase? Ist den Liegenplattsitzern der letzte Rest Power mit den Bohnen flöten gegangen? Fast vermisst man schon Langhans, Knappik und Carríere - aber nur fast. Denn das Gedöns zwischen Lianen hat man am nächsten Tag schon so schnell vergessen wie die DSDS-Sieger von gestern. Lieber auf einen Lichtblick freuen: Die neue Staffel von Danni Lowinski startet im Februar und ich durfte mir zwei Folgen im Rohschnitt ansehen. Mehr dazu beim nächsten Mal!