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Dienstag, 31. Januar 2012

Gottschalk Live: Ruhig, Blonder!

Als Mensch im Web 2.0-Zeitalter bin ich Tempo und Multitasking ja gewohnt. Aber wenn Gottschalk Live so weitergeht wie gestern, komme ich nicht mehr mit. Und man fragt sich auch, ob Gottschalk selbst noch versteht, was er da tut. In eine arme kleine halbe Stunde wurde so viel reingepackt, dass sie aus allen Nähten platzte. Man könnte sich ja mit einem durchaus eloquenten Studiogast wie Anke Engelke zufrieden geben. Aber nein: Es muss noch eine Umfrage über Griechenland mit rein, die Thommy von der Karte abliest wie seinerzeit eine Wett-Aufgabe. Warum dieses politische Thema? Man weiß es nicht, denn schon kommt das nächste: Ein Schüler äußert sich per wackeliger Skype-Verbindung zu seinem Schulalltag. Warum? Kriegt man auch nicht so richtig raus. Denn schon ist Gottschalk beim Papst und seinen Tauben, und dann stehen Duran Duran auf der Matte, um ihre neue CD zu promoten. Die Übersetzung klappt nicht richtig, das Gespräch wird immer fahriger, Engelke bemüht sich redlich, einmal eine Frage zu Ende zu stellen, aber es holpert so dahin. Dann noch ein Hinweis auf die neue "Soku-Doap" mit Lothar Matthäus, der es bald so macht wie die "Kratzenberger", und eine Schalte zur Wetterfee, die über ihre Schuhe plaudert. Gottschalk vernuschelt und verplappert sich permanent, und das macht es natürlich nicht besser. Fast ist man froh über die Werbepausen, die ja auch noch untergebracht werden müssen: Endlich bleibt mal jemand für ein paar Sekunden beim Thema. Nach so viel Sprachverwirrung und Themen-Bombardement ist eins sicher: Entspannung am Vorabend ist etwas anderes. Gottschalk sollte die Sendung dringend ausmisten, sonst ist der Talk-Burnout greifbar nah.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Hannah Mangold und Lucy Palm: Das Ende der Püppchen-Ära?

Der Dienstag Abend war auf Sat1 lange die Verlängerung des nachmittäglichen Bügelfernsehens: meistens liefen Romantic Comedys mit blonden Seelchen wie Eva Habermann, die nach einigen Turbulenzen am Ende das Ekelpaket ihrer Träume erobern. Sollte damit etwa endlich Schluss sein? Unter dem fragwürdigen Label "FilmFilm" überraschte der Pilotfilm "Hannah Mangold und Lucy Palm" gestern mit Frauentypen, die man lange nicht im Wohlfühlprogramm gesehen hat. Noch mehr Probleme als die Polizistin Hannah Mangold kann man kaum haben: Sie ist gerade frisch aus der Psychiatrie entlassen, ein traumatisches Erlebnis verfolgt sie immer noch, die Kollegen haben nicht gerade auf sie gewartet, die Tochter lehnt sie ab. Dann nimmt sich auch noch eine enge Freundin das Leben. Die Frau ist beschädigt und hält trotzdem durch. Dass sie degradiert wurde und keine Waffe mehr tragen darf, nimmt sie hin. Nur die Selbstironie scheint ihr geblieben zu sein: Den Spitznamen "die Irre", den ihr die Revierkollegen geben, findet sie passend.

Mit ihrer Dienst-Partnerin Lucy Palm, Typ patzig-trotzige Einzelgängerin mit weichem Kern, gibt es gleich Zickereien. Doch ein paar erfolgreich gelöste Fälle später gehen sich Mangold und Palm weniger auf die Nerven als am Anfang, man könnte fast meinen, sie mögen sich. Die beiden sperrigen Cops mit dem Knacks passen gut zur düsteren Berliner Kulisse und müssen auch nicht immer gut aussehen: Manchmal vermummt sich Mangold so in Mantel und Mütze, dass man sie kaum als Frau erkennt.

Was weniger gut zu der geerdeten Story passt sind die Mystery-Elemente (Mangold hat Halluzinationen und sieht das Böse), die von Mangold erst erklärt werden müssen, damit man sie versteht. Spannend bleibt es trotzdem, durch viele perfide kleine Wendungen, die dem sehr guten Drehbuch geschuldet sind (Michael Proehl und Matthias Tuchmann). Insgesamt ein Pilot, der gerne landen darf und bleiben sollte - und toll gespielt von Anja Kling und Britta Hammelstein.

Montag, 23. Januar 2012

Gottschalk Live: Puschen-TV mit Quasselstau

Er hat es getan, zum allerersten Mal: Mit seiner neuen Minimal-Show "Gottschalk Live" ist der Entertainosaurier heute im ARD-Vorabendprogramm in See gestochen, und beinahe wäre die ganze Chose abgesoffen. Ein paar Fragen:

// Warum die lange Einleitung, wie und was die Sendung sein will? Brauchen wir wirklich einen gesabbelten Beipackzettel, oder hätten es auch drei knackige Sätze getan?

// Warum sollte ein Promi, der noch ein letztes bisschen Selbstachtung besitzt, in dieser Sendung talken, wenn ihm wie bei Bully Herbig in jeden dritten Satz ein Werbejingle trötet? Erinnert ein bisschen an Oscarverleihungen, bei denen allzu optimistische Laudatoren von der Bühne getuscht werden. Nein, so kommt kein entspanntes Gespräch auf.

// War nicht der eigentliche Plan, tagesaktuelle Themen aufzugreifen, die die Zuschauer interessieren? Oder tanzen doch nur wieder Thommys Buddies an, die einen neuen Film/CD/Buch promoten wollen? Siehe: Armin Rhode, siehe: Beckenbauer.

// Ist das eigentlich ein Studio oder eine Zahnarztpraxis? Für eine kuschelige kleine Sendung hätte man sich mehr Flair gewünscht.

// Sind die Magazine und Zeitungen echte Gesprächsaufhänger oder doch nur Füllmaterial?

// Weiß Gottschalk eigentlich, dass Fernsehen ein visuelles Medium ist und kein abgefilmtes Radio? Das gelingt nur Domian.

Besserung bleibt zu hoffen, denn einen Trumpf hat die Sendung im Ärmel: Die Zuschauer dürfen sich live dazu äußern. Social Media sind die Geister, die er rief: Das kann für Gottschalk unangenehm werden - auf Twitter gab es während der Sendung schon viele Schüsse vor den Bug. Aber wenn er es ernst nimmt, kann er zusammen mit der Wohnzimmer-Basis eine Sendung entwickeln, die mehr sein kann als das Puschen-TV der ersten Folge. Eine Sendung, die eine Lücke füllen könnte zwischen den Endlos-Talkrunden im Dritten und den inflationären Polittalks, die man kaum noch auseinanderhalten kann. Bis dahin hat Gottschalk auch den Unterschied zwischen Klicks und Likes gelernt.

Tatort Saarbrücken: Horror-Abschied für Kappl und Deininger

Allez dann, Kappl und Deininger: 9,25 Millionen Zuschauer sahen dem Duo gestern bei seinem letzten Fall zu. Warum eigentlich zum letzten Mal, fragt man sich angesichts dieser sensationellen Quote. Es ist ein unehrenhafter, unverdienter Abschied für Maximilian Brückner und Gregor Weber, die schnell und ohne überzeugende Gründe vom SR abserviert wurden. Die Enttäuschung darüber sitzt tief. Gegenüber der taz sagt Weber, mit dem Fernsehen sei er durch. Er will jetzt lieber Bücher schreiben und kochen.

"Verschleppt" wurde zwar lange vor dem Rauswurf gedreht - der kernige Blonde und der Hornbrillenträger spielten aber mit einer Wut und Verzweiflung, dass man fast meinte, sie hätten gerade von ihrer Entlassung erfahren. Kappl prügelte auf einen Verdächtigen ein, Deiniger schrie und heulte sich durch die Ermittlungen. Man mochte kaum mit ansehen, wie sich die beiden mit ihrer Aufgabe quälten. Für den sehr düsteren Fall - typisch finnisch inszeniert von Hannu Salonen - mussten die Kommissare in vielen dunklen Kellern wühlen, bis feststand, wer drei Mädchen verschleppt und gequält hatte. Seit den Ereignissen rund um Natascha Kampusch und Anstetten sind diese Stoffe offenbar schwer im Kommen, auch wenn sie sich schwer mit der üblichen Tatort-Dramaturgie beherrschen lassen. Und so wurden bestimmte Motive (Rückblenden, zuschlagende Verliestür, ratternder Ventilator) wie so oft überstrapaziert, gerieten Verdächtige und Täter zu Norman-Bates Abziehbildern. Ein Horror, der nur schwach berührte, denn diese Art von Serientäter ist sehr weit weg vom Alltag. Und genau dort findet der Tatort sonst seine stärksten Motive. Trotz allem hinterlassen Kappl und Deininger zum Abschied einen starken Eindruck, und einmal mehr versteht man nicht, warum dieser eigentlich sein musste. Da gibt es andere Teams, die die Frühverrentung verdient hätten.

Montag, 16. Januar 2012

Tatort-Gähn und Dschungel-Schnarch: Fernsehen im Winterschlafmodus

Die Briten haben es wieder einmal geschafft: Downton Abbey aus der Schmiede von ITV hat heute Nacht einen Golden Globe gewonnen (wenn auch in der fragwürdigen Kategorie "Beste Miniserie oder Bester Fernsehfilm" - was bitte war an dieser Serie mini?) und damit inzwischen alle nennenswerten Preise abgeräumt. Und bei uns? Was das dramatische Erzählen angeht, schafft Deutschland zurzeit gerade mal den Klassenerhalt. Sehr schön zu sehen war das beim gestrigen Leipziger Tatort: Spätestens um 21.15 Uhr wusste jeder, der nicht den halben Film schlafend verbracht hatte, dass der düstere Nerd vom Layout-Tisch der Mörder sein muss. Trotzdem wurden bereits mehrfach breitgetretene Informationen (die Opfer waren doch gerade noch so glücklich gewesen, und jetzt das!) noch einmal von den Kommissaren laut denkend wiederholt. Hält das Erste seine Zuschauer wirklich für so blöd? Ja!

Das muss man den Machern des Dschungelcamps lassen: Sie wissen um den Irrwitz ihrer Produktion und können über sich selbst lachen. Schade nur, dass die brillant bösen Moderationen von Bach und Zietlow dieses Mal die Schnarchveranstaltung nicht retten können. Woran liegt es: Sind Kandidaten wie Ramona Leiß oder Brigitte Nielsen einfach zu abgewrackt, um noch ein bisschen Elan aus sich herauszuholen? Hat Raven gerade eine rabenschwarze Phase? Ist den Liegenplattsitzern der letzte Rest Power mit den Bohnen flöten gegangen? Fast vermisst man schon Langhans, Knappik und Carríere - aber nur fast. Denn das Gedöns zwischen Lianen hat man am nächsten Tag schon so schnell vergessen wie die DSDS-Sieger von gestern. Lieber auf einen Lichtblick freuen: Die neue Staffel von Danni Lowinski startet im Februar und ich durfte mir zwei Folgen im Rohschnitt ansehen. Mehr dazu beim nächsten Mal!