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Dienstag, 21. Februar 2012

Polizeiruf 110 Rostock: Buckow am Rande des Nervenzusammenbruchs

Eckhard Theophil ist wohl der einzige deutsche Drehbuchautor, der selbst schon einmal im Knast war. Aus seiner Zeit in Fuhlsbüttel schöpft er immer noch viel: gefallene Engel, Kirmesboxer, gutmütige Tätowierer und andere liebenswert-skurrile Gestalten bevölkern seine Geschichten. Im Rostocker Polizeiruf hat man das am Sonntag wieder einmal sehr schön gesehen. Jede Figur ein Miniatur-Drama für sich: soziale Abstiegsstorys mit dem Wunsch nach Happy End, der sich selten erfüllt. Das zu entwickeln, macht viel Arbeit. Für den Polizeiruf "Einer trage des anderen Last" war es aber fast schon zuviel des Guten, denn zwischen den vielen schillernden Figuren drohte man gelegentlich den Faden des Falls zu verlieren. Buckow ermittelte diesmal allein und am Rande des Nervenzusammenbruchs: Während Kollegin König im Koma lag, versuchte er völlig übernächtigt die Spuren zu entwirren und verlor dabei ein ums andere Mal die Fassung. Die Zeugen konnten von Glück sagen, wenn sie nur angeschrieen wurden, einen verqueren Kollegen schickte er gar undercover in den Knast und damit fast in den Tod. Die rauen Dialoge nahmen jedes F-Word mit, fast als sei man mitten in einer deutschen The Wire-Version. Soviel Direktheit passt gut zu den Rostockern. Nur am Ende trieb die Räuberpistole allzu wilde Blüten: als der albanische Arzt die Messer wetzte, um damit Finger abzuschneiden. Ansonsten aber wie immer: Daumen hoch für Buckow und Konsorten!

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