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Montag, 26. März 2012

Tatort Wien: Tiefgekühlt und warm gespielt

Ja, so kann es was werden mit den Wienern. Seit Adele Neuhauser als Bibi Fellner mit dabei ist,
war der Bernhardiner-Blick von Moritz Eisner fast schon erträglich geworden. Jetzt hat man ihnen mit "Falsch verpackt" auch noch einen morbiden Fall gegönnt, der wirklich gut zum Wiener Lebensgefühl passt. Die Zutaten:Verschiedene Leichteile (weiträumig über Hinterhöfe verteilt), ein Kopf im heimischen Kühlschrank, eine angebrochene Nase, ein Hühnerfleisch-Millionär (gefroren in der eigenen Kühlkammer) und viel schlechte Laune - wahlweise entstanden durch Diät (Eisner) oder Alkohl und die falschen Freunde (Fellner). Das rabenschwarze Pendant zu den beiden Münsteranern, sozusagen. Machte Spaß, auch der elektronische Soundtrack von Gerhard Schuller passte wunderbar. Nicht zu vergessen natürlich Martin Brambach, der ja eigentlich immer ein Gewinn ist - hier als Geflügelpapst, herrlich fies. Es bleibt dabei, diesmal nichts zu nörgeln: Geh bitte, macht's einfach weiter so!

Donnerstag, 15. März 2012

Rizzoli & Isles: Zwei Krimi-Püppchen wie gemalt

Die Idee ist gar nicht schlecht: zwei Frauen ermitteln zu lassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Polizistin Jane Rizzoli hat - klischeehaft ihren italienischen Wurzeln entsprechend - ein aufbrausendes Temperament und schert sich nicht um Regeln. Ihr Gegenpart, Pathologin Maura Isles, ist eher der verkopfte Typ und macht sich nicht gern die manikürten Hände schmutzig. Goldmarie und Pechmarie gehen ermitteln, sozusagen. Mit Highheels und Handschellen. Optisch kommt "Rizzoli & Isles" dann aber leider doch nicht so kontrastreich daher. Der Look ist derart glatt gestylt, dass man selbst bei einem von Bösewichten völlig verwüsteten Raum den Eindruck hat, der Fußabdruck des Setdesigners sei noch warm. Rizzoli übernimmt zwar gern den dreckigen Part der Ermittlerarbeit, aber selbst ihr beschmutztes Shirt nach einem Mordanschlag wirkt wie angemalt. Die beiden sollen halt aussehen wie aus Sex and the city entsprungen. Was die Pointen angeht, können sie mit Carrie Bradshaw aber nicht mithalten - zu flau. "Rizzoli & Isles" basiert auf den Romanen von Tess Gerritsen, die der Phantasie sicher mehr Spielraum geben. Das Werbeplakat mit den beiden langbeinigen Schönheiten hat allerdings gewirkt: Rund drei Millionen Zuschauer folgten ihnen auf Vox. Und damit könnten sie die weibliche Alternative zum ebenso glatt polierten "The Mentalist" werden.

Montag, 5. März 2012

Fernsehen von gestern und morgen: Scherbenhaufen, Roche & Böhmermann

Porzellan! Was fällt einem nicht alles dazu ein. Polterabend. Glück und Glas, wie schnell bricht das. Scherben bringen Glück. Porzellanteint. Zerbrochene Träume. Und, und, und. Aus dem Thema hätte man also ganz passable Bilder rausholen können. Der Stuttgart-Tatort "Scherbenhaufen" hat das, vom Titel abgesehen, tunlichst vermieden. Gegen dieses Schlafstück rund um eine Porzellanfabrik wirkte die Lindenstraße wie ein Poetryslam auf Speed. Da ist wenigstens was passiert, Iffi einfach zack, weg, nach Australien! Ob Richy Müller auch lieber ausgewandert wäre? Ihm konnte man förmlich ansehen, wie er gegen die Langeweile anspielen musste: Ein Augenbrauenzucken hier, ein Schmunzeln da, mehr Mimik war nicht. Manches war sogar richtig ärgerlich. Wieso lässt sich ein Ermittler bequatschen, als Undercover-Personenschützer sein Leben zu riskieren, wenn er weder Geld und noch Ruhm dafür zu erwarten hat? Obwohl seine Frau ihn dafür in der Luft zerreißt, weil er den Urlaub absagt? Und warum muss man das alles in einen minutenlangen Endlos-Dialog verpacken? Soviel Derrick war noch nie.

Zum Glück kann Fernsehen ja auch Hoffnung machen, wenn man nach 21.45 Uhr durchhält. Roche & Böhmermann machen alles, was das öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen sonst peinlich berührt unterlässt: lästern, saufen, sich ins Wort fallen, Quatsch erzählen, gemein sein. "Das Konzept steht, bis Herbst stimmt die Quote" - allein für diesen Seitenhieb gibt es ein Extra-Küsschen von mir. Die Sitzordnung am Pokertisch unter der grellen OP-haften Lampe, in deren Licht alle gruselig quallig aussahen - mal was anderes! Dass alle durcheinander reden dürfen und es keine erkennbare Themenfolge gibt - auch erfrischend. Der Spezialpreis geht an die Macher der Trailer, die die Talkgäste ankündigten. Und der eigentliche Star ist Böhmermann, der jedes Gespräch auf die Spitze treibt, perfekte Pointen setzt und Charlotte Roche damit überflüssig macht. Dem Zuschauer gibt er die Rolle eines Voyeurs an einem kranken Stammtisch, bei dem sich wie so oft die Rampensäue den größten Wortanteil sichern. Kann man sich angucken, drüber lachen, dabei reden oder was anderes machen - man verpasst nichts und wird trotzdem gut unterhalten. Nur eins hat nicht gepasst: Eine glatte Moderatorin wie Britt als Talkgast, die nicht viel Spannendes zu sagen hat, aber trotzdem ständig das Gespräch an sich reißt. Man kann den Berghain-Türsteher verstehen, warum er manche Leute nicht reinlässt.