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Montag, 5. März 2012

Fernsehen von gestern und morgen: Scherbenhaufen, Roche & Böhmermann

Porzellan! Was fällt einem nicht alles dazu ein. Polterabend. Glück und Glas, wie schnell bricht das. Scherben bringen Glück. Porzellanteint. Zerbrochene Träume. Und, und, und. Aus dem Thema hätte man also ganz passable Bilder rausholen können. Der Stuttgart-Tatort "Scherbenhaufen" hat das, vom Titel abgesehen, tunlichst vermieden. Gegen dieses Schlafstück rund um eine Porzellanfabrik wirkte die Lindenstraße wie ein Poetryslam auf Speed. Da ist wenigstens was passiert, Iffi einfach zack, weg, nach Australien! Ob Richy Müller auch lieber ausgewandert wäre? Ihm konnte man förmlich ansehen, wie er gegen die Langeweile anspielen musste: Ein Augenbrauenzucken hier, ein Schmunzeln da, mehr Mimik war nicht. Manches war sogar richtig ärgerlich. Wieso lässt sich ein Ermittler bequatschen, als Undercover-Personenschützer sein Leben zu riskieren, wenn er weder Geld und noch Ruhm dafür zu erwarten hat? Obwohl seine Frau ihn dafür in der Luft zerreißt, weil er den Urlaub absagt? Und warum muss man das alles in einen minutenlangen Endlos-Dialog verpacken? Soviel Derrick war noch nie.

Zum Glück kann Fernsehen ja auch Hoffnung machen, wenn man nach 21.45 Uhr durchhält. Roche & Böhmermann machen alles, was das öffentlich-rechtliche Bildungsfernsehen sonst peinlich berührt unterlässt: lästern, saufen, sich ins Wort fallen, Quatsch erzählen, gemein sein. "Das Konzept steht, bis Herbst stimmt die Quote" - allein für diesen Seitenhieb gibt es ein Extra-Küsschen von mir. Die Sitzordnung am Pokertisch unter der grellen OP-haften Lampe, in deren Licht alle gruselig quallig aussahen - mal was anderes! Dass alle durcheinander reden dürfen und es keine erkennbare Themenfolge gibt - auch erfrischend. Der Spezialpreis geht an die Macher der Trailer, die die Talkgäste ankündigten. Und der eigentliche Star ist Böhmermann, der jedes Gespräch auf die Spitze treibt, perfekte Pointen setzt und Charlotte Roche damit überflüssig macht. Dem Zuschauer gibt er die Rolle eines Voyeurs an einem kranken Stammtisch, bei dem sich wie so oft die Rampensäue den größten Wortanteil sichern. Kann man sich angucken, drüber lachen, dabei reden oder was anderes machen - man verpasst nichts und wird trotzdem gut unterhalten. Nur eins hat nicht gepasst: Eine glatte Moderatorin wie Britt als Talkgast, die nicht viel Spannendes zu sagen hat, aber trotzdem ständig das Gespräch an sich reißt. Man kann den Berghain-Türsteher verstehen, warum er manche Leute nicht reinlässt.

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