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Montag, 23. April 2012

Tatort Frankfurt: Böses Spiel mit sehr viel Folie

Hasst jemand Frischhaltefolie genau so sehr wie ich? Die Abreißkante treibt mich in den Wahnsinn. Ich kriege es einfach nicht hin, die Folie gerade abzutrennen. Sie schnellt zurück, kaum dass man sie abgerissen hat, und dann muss man beim nächsten Mal wieder mühsam den schiefen Anfang von der Rolle knibbeln. Wieso hat dagegen eigentlich noch niemand was erfunden? Der Täter im gestrigen Frankfurt-Tatort "Es ist böse" kannte dieses Problem offenbar nicht: In höchstens einer Minute hatte er sich im Badezimmer komplett mit der Folie eingewickelt, um sich dann auf seine Opfer zu stürzen. Ein blutiger und sehr morbider Fall nach einer wahren Begebenheit, der die arme Conny Mey an ihre Grenzen trieb. Aber in wahren Fällen liegt eben auch die Tücke: dem echten Stoff treu zu bleiben und ihn trotzdem dramaturgisch spannend zu erzählen. Da hakte es hier und da. War die Grundgeschichte zu dünn für 90 Minuten? Es schien, als müsse sie mit diversen Nebensträngen künstlich aufgeblasen werden: ein wild gewordener Journalist recherchierte in eigener Sache, Conny Mey hatte einen Tinnitus und wechselte in den KDD, wo sie angesichts einer krankenhausreif geprügelten Ehefrau völlig die Kontrolle verlor. Flashbacks und verzerrte Traumbilder der Kommissarin machen das Ganze noch unüberschaubarer und zäher. Am Ende wird als Mörder derjenige enthüllt, den man die ganze Zeit schon in Verdacht hatte. Nur - warum wurde dieser nicht gleich observiert, so wie man es mit Markus Förster (Uwe Bohm) getan hatte? Im Gedächtnis bleibt das eindrucksvolle Gesicht von Marc Bischoff, der der Figur des Prostituiertenmörders Holger Ritter beängstigend nahe kam.

Freitag, 20. April 2012

Idiotentest: Mit Gasfuß zum Quotenerfolg

Achtung, Outing. Ich habe gestern "Idiotentest" im ZDF gesehen, und ja: Ich habe mich bestens unterhalten! "Was lachst du denn da so", rief der Mann ständig aus dem Nebenzimmer. So kann es eben gehen, wenn die Lust auf was Seichtes mal einen Abend die Oberhand gewinnt. Diese (Tragi?-)Komödie rund um drei Frauen, die ihren Führerschein verloren haben und jetzt zum Test antreten müssen, war kein großes Kino. Aber sie war mit Liebe gemacht - und ausgezeichnet gecastet. Man mag Mariele Millowitsch mögen oder nicht, sie hat ein Talent peinliche Situationen so zu spielen, dass man sich selbst darin sieht. Auch Kai Lentrodt ist so ein Kandidat, man kennt das schon aus Ladykracher. Diesmal hatte man ihn als Macho-Fahrlehrer Marius eigentlich gegen den Typ besetzt - aber die Rechnung ging auf. Und ja, am Ende fügte sich vielleicht alles ein bisschen zu gut in Richtung Hoffnung. Aber der Weg dahin war liebevoll gebaut, voller netter Figuren mit großen Macken und auch traurig-nachdenklicher Momente. Allein der Loverboy Eric aus dem Fahrkurs war ein ziemliches Weichei, da hätte man noch mehr rausholen können. Aber ansonsten hat "Idiotentest" alles richtig gemacht - und wurde zu Recht mit 5,54 Millionen Zuschauern belohnt.

Donnerstag, 12. April 2012

Lösegeld: Mit Dackelblick und Handschellen

Dass ich Misel Maticevic gern öfter sähe, ist ja nichts Neues. Aber, aber, aber: Die Rolle muss schon passen. In "Lösegeld" erlebte man ihn gestern als liebeskranken Cop, der vor lauter Leidenschaft seine eigentliche Aufgabe vergisst und eine Diamantenräuberin davonkommen lässt. Was ja eigentlich eine schöne Geschichte wäre. Nur knisterte es zwischen dem desillusionierten Lederjackenträger Diethard Lysewski und Ulrike Tscharre, der Chefin einer Begleitagentur, ungefähr so stark wie zwischen Schafwolle und Löschpapier. Nämlich gar nicht. Lag es am skeptischen Blick der Betrügerin? Oder an Lysewskis treu-doofer Dackelmasche? Nach spätestens einer Stunde war die Luft raus, und man hoffte, er folge ihr nicht wirklich nach Costa Rica, wo sie jeden Dienstag um halb sechs auf ihn warten wolle. Soviel plattes Planting und Pay Off wäre dann doch zuviel gewesen. Kleiner Lichtblick im wahrsten Wortsinn: Simon Licht, den man schon in Stormberg und als Richie Raff im legendären "Beutolomäus und die vergessene Weihnacht" hassen lernen durfte. Der Chefzyniker ist seine Paraderolle, aber hier spielte er als schroffer Bulle glatt das Pärchen an die Wand. Denn hinter der Testosteron-Fassade war auch noch ein bisschen Platz für eine weiche Seite. Und wer sich immer schon mal gefragt hat, was man eigentlich macht, wenn man mit Handschellen ans Bett gefesselt ist und dann pinkeln muss, weiß jetzt Bescheid.