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Montag, 26. November 2012

Tatort Münster: Rinderwunschbehandlung mit Dauer-Klamauk

Wolbeck. Ein Ort, wie er münsterländischer kaum sein könnte (ich als Münsterländerin darf das sagen): Früher hat man dort Hexenprozesse abgehalten, heute ist der Höhepunkt des Tagwerks ein Besuch im örtlichen Gartenbauzentrum oder der Dorfschenke. Seit gestern ist Wolbeck auch dem Rest Deutschlands bekannt, oder besser gesagt 12,1 Millionen Zuschauern. Er brach wie erwartet alle Rekorde, der Jubiläums-Fall von Boerne und Thiel. Es galt den Mord an einem dubiosen Heilpraktiker zu lösen, der sich durch fruchtbarkeitsfördernde Behandlungen einen Namen gemacht hatte.

Ich will gar nicht nacherzählen, warum im Laufe der Geschichte eine Ziege aufgeschnitten, eine Kuh besamt werden und die arme Alberich Fahrrad fahren musste - je länger ich darüber nachdenke, desto schwieriger wird es, in der überladenen Story noch einen roten Faden auszumachen. Es war einfach zuviel des Guten. Boerne und Thiel wirken normalerweise allein durch ihre skurrilen Dialoge, spielen ihre Mitdarsteller locker an die Wand. In "Das Wunder von Wolbeck" waren sie aber permanent von so viel Skurrilität und Getier umgeben, dass der gewohnte Witz des Ermittlerpaars völlig unterging. Wer hier noch normal oder schon völlig verrückt war (wie die Witwe des Mordopfers), ließ sich schließlich nicht mehr auseinanderhalten. Immerhin: das Grün zwischen Werse und Angel war kameratechnisch sehr schön eingefangen. Und die Wolbecker sind im Herzen Texaner, soviel ist sicher.

Donnerstag, 22. November 2012

Hauptstadtrevier: Kindereien und Klischees

Ich mag die Rolle der ernüchterten Zuschauerin ja überhaupt nicht, Euphorie gefällt mir viel besser! Die "Heiter bis tödlich"-Reihe im Vorabendprogramm war bisher zwar noch kein zuverlässiger Garant dafür. Ich wollte ihr aber noch eine Chance geben zum Start des "Hauptstadtreviers". Zumal Matthias Klimsa mitspielt - ihr erinnert euch an Hart aus "Berlin, Berlin?" Eben. Im Duo mit Friederike Kempter könnte das was werden. Einige Minuten ging es gut: Eine Mutter, die zwei Räuber mit einer Windel verdrischt - ein origineller Anfang. Was dann folgte, war aber so ausgedacht und weltfremd, dass es mich fast ärgerte. Nicht nur, dass die Tochter zweier Polizisten sich ausgerechnet in das Revier versetzen lässt, in dem auch die Eltern arbeiten (in einer so winzigen Stadt wie Berlin sicher an der Tagesordnung!). Nein, sie bringt auch noch ihr Baby mit zur Arbeit. Warum müssen Mütter in deutschen Filmen und Serien immer als grenzdebil dargestellt werden?

Natürlich: Noch bevor sie ihn kennengelernt hat, breitet sich Polizisten-Mama Julia Klug im Büro des Vorgesetzten aus, samt Spielzeug, Windeln, Maxi Cosi, und denkt sich nichts dabei. Würden wir doch alle tun, oder? Im Ernst: Was für ein Klischee. Kaum tauchen Kinder auf, endet alles im Chaos. Und die Mütter sind rücksichtslos und dickfällig. Ich höre schon die Herdprämien-Verfechter: Siehste, so sieht das nämlich aus mit Müttern im Job. Kaum sind sie da, gibt es nur Durcheinander. Und das arme Kind! Die Realität ist anders und keine Gag-Vorlage, wie das "Hauptstadtrevier" es gern hätte. Wir zerreißen uns, damit uns im Job keiner die Kinder anmerkt. Aber das hat natürlich weniger Schenkelklopfer-Qualitäten.

Montag, 19. November 2012

Tatort Berlin: Im Würgegriff der Themenwoche

Hiermit verfüge ich: Themenwochen darf ab sofort nur noch ARTE machen - die können das. Das Erste nervt mich mit seinem Sterben-Special bereits jetzt so, dass ich mich nicht mehr traue, den Rest der Woche noch einmal einzuschalten. Ich habe ernsthaft Angst: Es könnte ja wieder dieser Spot kommen, in dem Beckmann, Nuhr und Käßmann ankündigen, mit mir darüber reden zu wollen! Als könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen. Fast hätte ich jetzt geschrieben "lieber sterbe ich", aber das wäre gemein, das Thema ist an sich ja ein sehr gutes. Wäre es nur nicht so typisch gutmenschelnd aufbereitet wie es eben nur das Erste kann.

They call it Bildungsfernsehen: Auch in den Tatort schwappte die Themenwoche hinein, was ihm - man ahnt es bereits - nicht sonderlich gut getan hat. Gestorben wird hier ja ohnehin schon genug, nun legte eine krebskranke Polizistin dem Ganzen noch ein Stück Erdenschwere obendrauf. Sehr realistisch natürlich, dass sie ihren Kindern nichts davon erzählt hatte, nur noch Wochen leben zu dürfen, und dass sie mit Morphiumpflaster weiter arbeiten ging. Ritter und Stark schauten sich dieses Phänomen mit hängenden Schultern an und gaben sich ganz der Hilflosigkeit hin. Von einer faden Verfolgungsszene abgesehen trotteten sie durch den Fall wie zwei brave Ponys, so stoisch und treu, dass sie zum Schluss gar noch einen weiteren Mord zuließen. Und im Vergleich merkte man dann, wie gut der neue Dortmunder Kommissar Faber seine Sache macht: Übers Sterben zu erzählen muss nicht immer sterbenslangweilig sind.

P.S.: Apropos Tatort: Sehr zu empfehlen ist die Pastewka-Folge vom vergangenen Freitag, in der sich Pastweka als Kölner Tatort Kommissar ins Spiel bringt und bei Henning Krautmacher Sprachunterricht nimmt.

Montag, 12. November 2012

Tatort Dortmund: Faber haut rein

Er ist kein Kommissar zum Kuscheln: Faber bei der Arbeit zuzusehen, wirft einen hin und her. Man kann über seine derben Sprüche lachen, man kann ihn hassen, weil er auf niemanden Rücksicht nimmt - und er tut einem leid, weil er so verloren wirkt. Faber (Jörg Hartmann) erzählt viel über unsere Gesellschaft. Zeit zum Trauern ist nicht mehr vorgesehen: Nach dem Tod von Frau und Kind bleibt er allein zurück und muss sich doch schnell wieder zurechtfinden in einer rastlosen Welt, in der es für ihn keinen Platz mehr zu geben scheint. Man versucht ihn zu mobben, die Kollegen haben alle ihre eigenen Probleme und leben neben ihm her. Näher kam wohl noch kein Tatort-Polizist dem tatsächlichen Alltag. Wer Wohlfühlfernsehen sucht, ist bei Faber an der falschen Adresse. Mit Schimanski wird er oft verglichen, aber Faber bringt neben seiner Derbheit eine viel größere Zerrissenheit mit, während Schimanski im größten Chaos immer noch mit sich im Reinen schien.

Mit Faber als Dortmunder Ermittler wird der Tatort mutiger, aber auch hektisch und kleinteilig. Das wäre zu vermeiden, wenn man das turtelnde Ermittlerpärchen wegließe - die beiden wirken ohnehin wie aus einem Soap-Casting entsprungen. Sich auf Faber und seine Kollegin (Anna Schudt) zu konzentrieren, würde diesem Rohdiamant noch mehr Glanz verleihen. Dann noch ein paar Klischees weniger (protzige Dealer, hilflose Gastarbeiter), und mein Daumen bleibt oben.

 

Freitag, 9. November 2012

Move On - der Film: Mikkelsen irrlichtert durch Europa

Nicht dass hier jemand denkt, die Fernsehfreundin ist total retro, die guckt ja nur Tatort: Nein, ich bin durchaus aufgeschlossen für Experimente! Fernsehen auf Youtube soll ja das große Ding der nächsten Jahre werden, höre ich von überall. Da hat wohl auch jemand bei der Telekom gut zugehört und zack! produzieren die gleich einen ganzen Spielfilm: Move on heißt das gute Stück, und offenbar hat die Cloud dabei einen großen Teil an Ideen und Locationvorschlägen beigesteuert. Worum geht's? Ein Mann (Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen) transportiert einen mysteriösen silbernen Koffer durch ganz Europa und wirkt dabei reichlich gehetzt. Ob er er ein Agent, ein Killer oder gar ein Cyborg ist - man weiß es nicht ganz genau. Von Amsterdam aus reist er durch acht Länder, muss sich mehrmals in Verfolgungsjagden beweisen, trinkt, liebt eine Unbekannte, landet schließlich in Berlin - und den Schluss verrate ich jetzt nicht. Viele schöne Frauen spielen  mit, Alexandra Maria Lara zum Beispiel. Ach, von der hat man auch länger nichts gehört, dachte ich mir - und jetzt in einem Telekom-Film....nun ja!

Die Locations sind wirklich toll ausgewählt, vor allem wenn es in ländliche Regionen osteuropäischer Länder geht wie Ungarn, Kroatien, Montenegro. Das Product-Placement (Handy, Auto, Turnschuhe): dezent gelöst. Aber es wird insgesamt einfach keine spannende Geschichte daraus, auch wenn die Musik das ständig suggerieren will (Drehbuch: Matt Greenhalgh). Das liegt nicht zuletzt an Mikkelsen und seiner Figur: Wenn man nicht weiß, was den Mann antreibt, was er fühlt und will, dann ist es einem auf Dauer ziemlich egal, ob er nun den Koffer heil irgendwo hin bringt oder nicht. Zumal Mikkelsen nicht die größte mimische Bandbreite zeigt, es ist eher eine verkniffene Angelegenheit. Hätte man "Move on" mit Misel Maticevic besetzt - es hätte richtig gut werden können! Aber schaut es euch trotzdem mal an, die Bilder sind sehenwert und der Film ist aufwändig produziert.

Montag, 5. November 2012

"Wetten, dass...?", Lindenstraße, Polizeiruf: Geistertanz zur Primetime

Kinder, Kinder, nach Halloween und dem Gruselwochenende bei ARD und ZDF habe ich jetzt genug Restschauder in den Knochen für die ganze Woche. Schon beim Gedanken an "Wetten, dass...?", das ich nur mit beschämtem Wegschalten zwischendurch ertragen habe, tanzen meine Nackenhaare Tango. Ich war nie ein großer Tom Hanks-Fan, aber da muss ich ihm recht geben: Für diese Unterhaltungs-Dauerfolter hätte man in den USA jeden Produzenten vom Hof gejagt. Was war schlimmer: die debilen Wetten? Der übermotivierte Lanz, der sich für seinen Versicherungsvertreter-Humor permanent selbst abfeiert? Oder das Promi-Sofa, das sich in eine schmerzfreie (Speidel, Garrett, Schöneberger) und eine Fremschäm-Zone (Hanks, Berry) teilte? Keine Ahnung. Das Schlimme ist ja: Die Redaktion traut uns zu, das gut zu finden, und die Quote signalisiert, dass sie damit bei der Mehrheit richtig liegt. Au weia.

Die Lindenstraße findet sich neu
Spaß gemacht hat indes die Lindenstraße: eine ganze Folge rund um eine Halloween-Party, mit den üblichen Problemchen, diesmal aber im Kostüm. Für die Maskenbildner muss es ein Fest gewesen sein. Mir gefielen besonders gut die Bowle-speiende Lisa im Teufels-Outfit und Momo als Knochenmann - es stand ihm gar nicht schlecht. Schön, dass es offenbar Versuche gibt, den Oltimer unter den deutschen Serien mit neuen Erzähl-Ideen aufzufrischen. Mit dem Polizeiruf "Fieber" ging es dann endgültig hinab in den Keller. Matthias Brandt wandelte als angeschossener Hans von Meuffels durch eine dunkle, verstörende Klinik-Szenerie - nichts für schwache Nerven. Ein Untoter, reichlich Blut, Spritzen und Narben, ein loses Raucherbein lag auch herum: Ich war froh, das Abendessen schon verdaut zu haben. Trotz guter Besetzung mit einigen meiner Lieblinge (Peter Jordan, Jürgen Tonkel) zog es sich am Ende aber doch ein wenig dahin. Vielleicht wiederholten sich die Bilder von kalten Krankenhausfluren und Nahtoderfahrungen auf dem Gipfel doch zu oft. Aber für den Mut, etwas Ungewöhnliches zu wagen, gibt es trotzdem ein Fleißkärtchen!