Google+ Followers

Donnerstag, 22. November 2012

Hauptstadtrevier: Kindereien und Klischees

Ich mag die Rolle der ernüchterten Zuschauerin ja überhaupt nicht, Euphorie gefällt mir viel besser! Die "Heiter bis tödlich"-Reihe im Vorabendprogramm war bisher zwar noch kein zuverlässiger Garant dafür. Ich wollte ihr aber noch eine Chance geben zum Start des "Hauptstadtreviers". Zumal Matthias Klimsa mitspielt - ihr erinnert euch an Hart aus "Berlin, Berlin?" Eben. Im Duo mit Friederike Kempter könnte das was werden. Einige Minuten ging es gut: Eine Mutter, die zwei Räuber mit einer Windel verdrischt - ein origineller Anfang. Was dann folgte, war aber so ausgedacht und weltfremd, dass es mich fast ärgerte. Nicht nur, dass die Tochter zweier Polizisten sich ausgerechnet in das Revier versetzen lässt, in dem auch die Eltern arbeiten (in einer so winzigen Stadt wie Berlin sicher an der Tagesordnung!). Nein, sie bringt auch noch ihr Baby mit zur Arbeit. Warum müssen Mütter in deutschen Filmen und Serien immer als grenzdebil dargestellt werden?

Natürlich: Noch bevor sie ihn kennengelernt hat, breitet sich Polizisten-Mama Julia Klug im Büro des Vorgesetzten aus, samt Spielzeug, Windeln, Maxi Cosi, und denkt sich nichts dabei. Würden wir doch alle tun, oder? Im Ernst: Was für ein Klischee. Kaum tauchen Kinder auf, endet alles im Chaos. Und die Mütter sind rücksichtslos und dickfällig. Ich höre schon die Herdprämien-Verfechter: Siehste, so sieht das nämlich aus mit Müttern im Job. Kaum sind sie da, gibt es nur Durcheinander. Und das arme Kind! Die Realität ist anders und keine Gag-Vorlage, wie das "Hauptstadtrevier" es gern hätte. Wir zerreißen uns, damit uns im Job keiner die Kinder anmerkt. Aber das hat natürlich weniger Schenkelklopfer-Qualitäten.

1 Kommentar:

  1. Wenn Serien und Komödien Familien zeigen, ist in der Tat Vorsicht geboten. Lustig wird's nur, wenn die Kinder ihren Eltern/Müttern auf der Nase herumtanzen, und eine Panne die nächste Distanzlosigkeit jagt. Sieht der Stoff keine Familie vor, stellt man Polizisten eben als Trottel dar, die mit Glück und Kollege Zufall ihre Fälle lösen.
    In welcher Parallelwelt leben Drehbuchautoren und Redakteure, die so etwas durchwinken?

    Es ist in Ordnung, mit Klischees zu spielen, aber in der deutschen Serienlandschaft wird darin gebadet. »Heiter bis tädlich« ist bis auf wenige Ausnahmen (»München 7«!) ein Musterbeispiel dafür. »Berlin, Berlin« und »Türkisch für Anfänger« waren wohl nur Ausrutscher.

    Und Friederike Kempter ist leider nur eine mittelmäßige Schauspielerin, die zurecht in Münster nur Thiels Stichwortgeberin ist.

    AntwortenLöschen