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Montag, 12. November 2012

Tatort Dortmund: Faber haut rein

Er ist kein Kommissar zum Kuscheln: Faber bei der Arbeit zuzusehen, wirft einen hin und her. Man kann über seine derben Sprüche lachen, man kann ihn hassen, weil er auf niemanden Rücksicht nimmt - und er tut einem leid, weil er so verloren wirkt. Faber (Jörg Hartmann) erzählt viel über unsere Gesellschaft. Zeit zum Trauern ist nicht mehr vorgesehen: Nach dem Tod von Frau und Kind bleibt er allein zurück und muss sich doch schnell wieder zurechtfinden in einer rastlosen Welt, in der es für ihn keinen Platz mehr zu geben scheint. Man versucht ihn zu mobben, die Kollegen haben alle ihre eigenen Probleme und leben neben ihm her. Näher kam wohl noch kein Tatort-Polizist dem tatsächlichen Alltag. Wer Wohlfühlfernsehen sucht, ist bei Faber an der falschen Adresse. Mit Schimanski wird er oft verglichen, aber Faber bringt neben seiner Derbheit eine viel größere Zerrissenheit mit, während Schimanski im größten Chaos immer noch mit sich im Reinen schien.

Mit Faber als Dortmunder Ermittler wird der Tatort mutiger, aber auch hektisch und kleinteilig. Das wäre zu vermeiden, wenn man das turtelnde Ermittlerpärchen wegließe - die beiden wirken ohnehin wie aus einem Soap-Casting entsprungen. Sich auf Faber und seine Kollegin (Anna Schudt) zu konzentrieren, würde diesem Rohdiamant noch mehr Glanz verleihen. Dann noch ein paar Klischees weniger (protzige Dealer, hilflose Gastarbeiter), und mein Daumen bleibt oben.

 

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