Google+ Followers

Montag, 31. Dezember 2012

Mein TV-Orakel: Warum 2013 ein gutes Fernsehjahr werden muss

Jetzt hat das alte Jahr schon einen ganz krummen Rücken, weil es sich so tapfer dem Ende zuneigt. Und das penetrante 2013 hämmert mit Eisenfäusten an die Tür. Doch halt! Wir öffnen nicht, ohne noch etwas über gutes Fernsehen nachzudenken! Denn davon kann 2013 eine gute Ladung gebrauchen. Anders als Frau Merkel mit ihrer sauertöpfischen Neujahrsrede bemühe ich mich um Optimismus. Warum eigentlich alles nur besser werden kann: ein paar Ideen. Garantiert Lanz- und Tatort-frei!

  • Sat1 hat sich 2012 viele blaue Flecken geholt, man denke an "Der Cop und der Snob", "Es kommt noch dicker" und (leider!) "Auf Herz und Nieren" - gefloppt, versunken, abgesetzt. Aus dieser Misere kann man aber auch lernen. Und zwar nicht, dass sich Serien nicht mehr lohnen. Denn dass Eigenproduktionen sehr wohl funktionieren können, zeigen schließlich "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" nach wie vor. Aber da stimmt eben die Besetzung auch haargenau, und die Autoren können sich entfalten. Sicher kein Patentrezept - aber eines, über das es sich nachzudenken lohnt.  
  • Das ZDF hat entrümpelt: in den blauen Sack kamen unter anderen das Forsthaus Falkenau, der Landarzt, Unser Affe Charly. Geballte Landlust und Rührseligkeit, die ich auf keinen Fall vermissen werde. Bleibt die Hoffnung, dass die Leerstellen mit mehr als nur Fußball-Events gefüllt werden.
  • Gottschalk nur noch in homöopathischen Dosen. Gebt ihm doch im Ersten eine Show, die vielleicht nur zweimal im Jahr kommt. Und Ruhe ist! Denn dieses Dauergehampel zwischen Überpräsenz und Unterkomplexität erträgt doch auf Dauer kein Mensch. 
  • Die Zahl der Talkshows schwindet, die Kochshows haben ihren Zenit auch überschritten. Es wird also hoffentlich weniger geplappert und gekleckert, dafür mehr geklotzt. 
  • Die Mediatheken werden immer besser: Fernsehen zu festen Uhrzeiten, wer kann das denn überhaupt noch? Gut, dass immer mehr Fernsehperlen auch online abrufbar sind. Sonst wäre ich dem Festplattenrekorder längst komplett anheimgefallen.  
  • Fernsehen und nebenbei twittern: Einige finde es bescheuert. Aber hat schon mal jemand über die beziehungsfördernde Wirkung nachgedacht? Welcher Mann ist nicht froh, wenn die Liebste neben ihm endlich mal den ganzen Film lang die Klappe hält? Dass bisschen Geklicker nimmt man da doch gern in Kauf, behaupte ich als Second Screen Nutzerin.

    Und wenn das alles nichts hilft: Hallo, DVD! Downtown Abbey, Homeland, Newsroom, Boardwalk Empire und Justified haben mir 2012 viel Spaß gemacht. 2013 hat sicher noch mehr Gutes im Rucksack - das habe ich im Gefühl!

    In diesem Sinne einen guten Rutsch und ein fröhliches neues Jahr!

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Homeland: Können diese Augen lügen?

Warum ich nichts über den letzten Tatort geschrieben habe? Ich hatte Besseres zu tun. Genauer gesagt: Ich hatte Homeland zu sehen. Eine Serie, die das Verhältnis der Amerikaner zum Terrorismus klug beleuchtet und verständlich macht. Worum geht es: Acht Jahre lang war US-Marine Nicholas Brody (Damian Lewis) im Irak verschollen. Dann endlich wird er in einer Art Verlies entdeckt - schwer gezeichnet. Zurück in seiner Heimat, feiert man ihn überschwänglich als Held. Doch CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) vermutet nach einem Hinweis eines Informanten, man habe Brody in der Haft zu einem Terroristen "umgedreht". Ist Brody ein Held oder ein Schläfer? Die Antwort will ich hier nicht geben, um nicht zu spoilern. Nur so viel: Es wird geschickt mit dem Misstrauen von uns Zuschauern gespielt. Hier ein rästelhaftes Detail, dort ein vielsagender Blick: Wer lügt hier, wem kann man noch trauen? Ist Brody einfach nur vollkommen traumatisiert und Mathison, die Psychopharmaka schluckt, nicht eher ein Fall für die Therapie? Oder sieht sie tatsächlich klarer als wir? Die Geschichte entwickelt Sogwirkung. Mich hat es an die erste Staffel 24 erinnert - man würde sich am liebsten ein paar Tage Urlaub dafür nehmen. 2013 soll Homeland auf Sat.1 zu sehen sein. Laut Geschäftsführung "die beste Serie der Welt". Ob das stimmt, lassen wir mal dahingestellt - zumindest ist Homeland aber ein brillantes Stück Fernsehen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Auswärtsspiel bei texterella: Wie mir Downton Abbey den Winter versüßt

Und weil es so viel Spaß macht, geht es gleich weiter mit der Blogwichtelei: Heute habe ich die Ehre eines Gastbeitrags bei texterella alias Suanne Ackstaller. Ich knöpfe mir darin Downton Abbey vor und verrate, warum auf meinem Kosmetikregal rosige Zeiten anbrechen. Susanne bloggt über Mode und schöne Dinge - also bitte: nichts wie hin und lesen, es lohnt sich!

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Blogwichteln: SlowLifeLab zu Gast bei der fernsehfreundin

Heute habe ich eine grandiose Nikolaus-Überraschung für euch: Alice Scheerer vom SlowLifeLab hat für mich einen Gastbeitrag geschrieben. Ja, so etwas Tolles bekommt man, wenn man beim Texttreff-Blogwichteln mitmacht. Wenn das mal nicht viel besser ist als Apfel, Nuss und Mandelkern! Alice ist Jahrgang 1976, Diplom Informationswirtin und bloggt mit einem Faible für Historisches und Traditionelles. Seit 2010 renoviert sie ein Fachwerkhaus und kämpft mit zwei Gärten. Und jetzt Licht aus, Spot an für Alice!

Die fernsehfreundin mag das selbstvergessene Gefühl, wenn Fernsehen Spaß macht. Wann kann ich mich eigentlich beim Fernsehen selbst vergessen? Welche Fernsehserie hat mich darüber hinaus wirklich bewegt und hat etwas mit meinem Leben zu tun? Eigentlich nur „Katze mit Hut“ und die HEIMAT-Trilogie, die wir zum Glück beide auf DVD haben. Aber wer weiß, vielleicht wird HEIMAT bald wieder ausgestrahlt...
Zum ersten Mal über die Serie unterhalten habe ich mich im Jahr 1997 im Chat. Mein Gesprächspartner hatte gerade eine Karriere als Punk-Musiker abgebrochen und ein Kompositionsstudium in Berkley begonnen. Wir waren uns einig, dass die Filmmusik sehr gelungen sei und die HEIMAT-Trilogie sowieso einzigartig. Die wenigsten Fernsehserien fließen so gemächlich dahin, als seien dem Regisseur Sendezeit und Produktionskosten einerlei. Ideal, um sich hineinzuträumen und eine Zeit lang selbstvergessen andere für sich leben zu lassen.
Als Teenager und im Studium mochte ich DIE ZWEITE HEIMAT am liebsten, in der zu Anfang viele Protagonisten zusammen in einer alten Villa am Rande Münchens leben und man im Laufe der Folgen beobachten kann, wie sich Karrieren und Charaktere entwickeln.
Ich litt mit Helga, der unverstandenen Tochter, die ihre Wut zur RAF trieb. Ich freute mich mit Renate, die von der einfachen Angestellten zur Wirtin einer phantasievoll dekorierten Künstlerkneipe wurde. Nebenbei bemerkt: die Schauspielerin Franziska Traub wirkt in diesem Umfeld vielschichtiger als in „Ritas Welt“. Ich bedauerte den Kompositionsstudenten Herrmann, der zwischen Familie und wirr handelnder Geliebter mäanderte.
Inzwischen kam der Kompositionsstudent aus Berkley zurück, änderte seinen Vornamen und eröffnete ein Tonstudio. Ich fand mein #herzblatt und zog karrieregetrieben durch Süddeutschland.
Die erste Staffel der HEIMAT schloss ich erst vor ein paar Jahren ins Herz. Sie spielt im fiktiven Hunsrückdorf Schabbach. Als Liebhaber traditioneller Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Architektur kommen #herzblatt und ich aus dem Fiepen kaum heraus. Die alte Werkstatt! Die Küchengeräte! Die Fachwerkhäuser, deren Türen der geschäftstüchtige Ernst vordergründig ersetzt und heimlich als Restaurationsmaterial einlagert. Mich erstaunt Paul Simons Karriere in den USA, in die er eines Tages ohne Gepäck aufbrach. Ich amüsiere mich über Lucie, die Prostituierte aus den „höchsten Kreisen Berlins“ und ich kann mich in Herrmanns Mutter Maria weitaus besser einfühlen als in die entrückte Geliebte Clarissa aus der ZWEITEn HEIMAT.
Im dritten Teil kehrt Herrmann in den Hunsrück zurück und renoviert mit Clarissa ein altes Haus. Dieser Teil ist unserem Leben auf der Altbau-Dauerbaustelle so nah, dass er uns gerade nicht bewegt. Vielleicht wird sich das mit größerem Abstand zum Thema Renovieren ändern. Clarissas Handlungen muten jedenfalls weniger entrückt an.
Salome Kammer, die Darstellerin der Clarissa ist im echten Leben Sängerin und die Ehefrau von Edgar Reitz, dem Autor und Regisseur der HEIMAT-Trilogie. Zusammen mit seinem Co-Autor Peter Steinbach verarbeitete Reitz eigene Erinnerungen, Zeitungsausschnitte und Erzählungen von Hunsrück-Bewohnern.
Am 01. November feierte Edgar Reitz seinen achtzigsten Geburtstag und im nächsten Jahr wird aus der Trilogie eine Tetralogie werden. DIE ANDERE HEIMAT erzählt von der Zeit, in der viele Bewohner des Hunsrücks aus Armut auswanderten.
Die HEIMAT-Fans, allen voran Gehrweiler im Hunsrück, in dem viele Einstellungen der ersten HEIMAT und der ANDEREN HEIMAT gedreht wurden, können den Kinostart kaum erwarten. Und sicherlich wird auch der Rest der Tetralogie (zuletzt 2007 ausgestrahlt) seinen Weg zurück in die Fernseher finden.
Ob der Kompositionsstudent, nun Gitarrenlehrer in einer niedersächsischen Kleinstadt, die Serie auch wieder ansehen wird?