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Freitag, 20. Dezember 2013

Freitags-Flusen: ☆ Die Festtagsausgabe ☆

Habt ihr auch schon Lametta über den Bildschirm geworfen und die Fernbedienung mit Zimt und Nelken gespickt? Dann kann's ja losgehen mit der weihnachtlichen Fernseh-Endlosschleife! Vorab aber noch ein Hinweis an alle Allergiker: Das Festtags-Programm kann Spuren von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" enthalten!
Und sonst?

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2014 wirft fröhliche Schatten voraus, mit vielen guten und richtigen Entscheidungen: ProSieben hat eine ganze Staffel von "Schulz in the Box" bestellt, ZDFneo weitere 20 Folgen des Neo Magazins. Hurra, dass konsequent kreative Arbeit endlich auch einmal belohnt wird.

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Wieso gibt es eigentlich einen Aufschrei, wenn sich Markus Lanz und Zuschauer bei "Wetten, dass...?" das Gesicht schwarz bemalen - aber keiner sagt etwas dazu, dass Anni Friesinger demnächst eine Gruppe bedauernswerter Kenianer auf dem Eis vorführt? Schon beim Trailer zu "Real Cool Runnings" muss ich mich so fremdschämen, dass meine innere Schneeballwurfmaschine anspringt.

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Eine neue Arztserie, das hat wirklich noch gefehlt - nicht! Wenn man den Originalitätsmangel des Sujets beiseite schiebt, könnt die neue Comedy "Schmidt - Chaos auf Rezept" aber dennoch ganz lustig werden. Die Besetzung mit Lucas Gregorowicz und Julia Hartmann in den Hauptrollen macht Hoffnung: ab dem 6. Februar 2014 immer donnerstags um 21.15 Uhr auf RTL.

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Langeweile vor dem Fest? Aber zu alt für "Wir warten aufs Christkind"? Ich hätte da eine Beschäftigungstherapie: Fensterschmuck basteln mit den Stammeswappen aus Game of Thrones! Aber Achtung beim Wappen der Baratheons: nicht in die Finger schneiden, sonst wird's schon wieder blutig.

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Und damit wünsche ich frohe Festtage und danke allen, die hier mitgelesen haben!

Freitag, 13. Dezember 2013

Hoher Besuch: Frau Bodenlosz schaut fern

Hurra! Die fernsehfreundin darf heute einen Gaststar begrüßen. Beim alljährlichen Texttreff-Blogwichteln habe ich einen wunderhübschen Beitrag von Nina Bodenlosz gewonnen, die sich für mich durchs TV-Programm treiben ließ. Ich sage danke und: Film ab!
 
Ich bin eine routinierte und erfahrene Zuschauerin. Seit 1972, als meine Eltern zur Olympiade in München einen Fernseher anschafften, habe ich mich zielstrebig in den Umgang mit dem Medium eingearbeitet.

Ich schaue regelmäßig fern, schließlich will ich meine Form bewahren. In letzter Zeit schlafe ich dabei leider schnell ein. Das muss nicht nur am Programm liegen. Ich bin einfach müde von einem erlebnisreichen Jahr und reif für den Winterschlaf. Sogar der Waschbär auf meinem Dach ist in den letzten Wochen ruhiger geworden. Ich sollte mir ein Beispiel nehmen und früh zu Bett gehen, statt mühsam die Augen offen zu halten, um mein Tagessoll zu erfüllen.

Wenn ich beim Fernsehen auf dem Sofa einnicke und immer wieder aufwache, bekomme ich nicht nur einen verspannten Nacken, es ergeben sich überraschende Zusammenhänge. Aus dem Kochstudio springe ich in den OP, auf einen Hundeschlitten im ewigen Eis und mitten hinein in den Beziehungsstreit auf der Almhütte. Außerdem bleiben Fragen offen. Und offene Fragen sind es doch, die unsere Denkprozesse vorantreiben. Ich werde nie erfahren, wer laut Drehbuch der Mörder war. Ich muss die Geschichte selbst zu Ende bringen oder sie mit der nächsten Szene verknüpfen, aus einer anderen Serie. Manchmal ist mir nicht klar, welche Szenen zusammengehören, vor allem, wenn ich in den Wachphasen durch die Kanäle zappe. Die SchauspielerInnen und Talkshowgäste sind sich doch meist sehr ähnlich. Manche treten an einem Abend in mehreren Rollen auf. Wer kann das auseinanderhalten? Alles fließt ineinander. Es entsteht eine endlose, vielschichtige, komplexe Erzählstruktur. Fernsehen postmodern.

Ein paar Kontinuitäten gibt es zurzeit: Jeden Abend erklärt mir ein Mann mit Hornbrille, der für ein Bordell arbeitet, jedoch anscheinend nicht als Prostitutierter, wie sein Etablissement funktioniert – mal bei einer Talkshow, mal im Fernsehinterview. Sollte ich jemals so einen Club eröffnen wollen, wüsste ich jetzt, wie das geht. Durch die Wiederholung sitzt der Stoff. Irgendwo hält mir stets jemand eine Knarre ins Gesicht und schreit mich an. Größe 46 des Glitzerleopardenshirts ist im Verkaufsfernsehen meist bald nicht mehr vorrätig. Tiere pflanzen sich fort. Und immer nimmt auf einem Kanal gerade jemand ab.

Das Letzte raubt mir den Schlaf. Manchmal setze ich mich sogar kurz auf. Die Coaches bearbeiten die Dicken, damit diese schneller Fett verlieren. Es ist ein erbärmliches Bild. Muss man so etwas zeigen? Warum laufen Ernährungs- und Fitnesscoaches nicht Sturm dagegen, dass ihr Berufsstand im Fernsehen so rundum ekelhaft erscheint? Sind die tatsächlich so? Gestern beschimpfte der Coach seinen Dicken, weil nicht schnell genug abnahm. Sie standen auf einem verschneiten Feld. Der Dicke hatte wie ein Ackergaul eine Art Pflug mit Gewichten daran über den Boden gequält. Er hatte rote Flecken im Gesicht und seine Handflächen waren zerschunden von den Griffen des Pflugs. Der Coach warf ihm vor, im Leben ein Drückeberger zu sein. Später entschuldigte sich der Coach bei einem Glas Wasser mit den Worten: „Mein Fehler, ich habe dir zu viel zugetraut.“ Der Dicke bedankte sich für das Verständnis. Mir drehte sich der Magen um.

Ich zappte weiter und betrachtete lange Zeit eine Galápagosschildkröte. Sie wollte exotische Früchte fressen, bekam sie aber nicht mit dem Maul zu fassen. Der Schlaf erlöste mich.


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Nina Bodenlosz lebt in Berlin und veröffentlicht im Bodenlosz-Archiv Texte über Wunder des Alltags und andere Phänomene. Ihr Alter Ego Katarina Pollner lebt ebenfalls in Berlin, schreibt, lektoriert wissenschaftliche Texte und bringt seit Kurzem Menschen mit /ENERGY DANCE®/ in Bewegung.


 

Freitag, 6. Dezember 2013

Freitags-Flusen: Kraut-Comedy, Crowd-Sourcing und ein Liegefahrrad

Hui, schnell die Tür zu, es zieht. Xaver bleibt draußen - hier sind die Freitags-Flusen!

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Kommt Netflix bald auch nach Deutschland? Zumindest sondiert das Internet-Unternehmen derzeit den europäischen Markt. Ich habe schon mehrmals laut "hierher! hierher!" gerufen, vielleicht nützt es was.

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Ein toller Erfolg für den Tatortreiniger: Bjarne Mädel wischt bald auch in den USA durch. Der Pay-TV-Kanal MhZ Networks USA hat die Comedy-Serie gekauft und will sie im Original mit englischen Untertiteln ausstrahlen.

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Da liest man einmal den Stern, und dann das: Moritz A. Sachs fährt Liegefahrrad! No further comment.

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Wenn das Tanja hört: Ulf wird Papa! Allerdings im echten Leben: Bei Stromberg-Darsteller Oliver Wnuk und der reizenden Yvonne Catterfeld ist ein Baby in Sicht. Der mittels Crowdsourcing finanzierte Stromberg-Film kommt übrigens voraussichtlich im Februar 2014 ins Kino.

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Und noch ein TV-Tipp: "It's more than TV" stellt die neuen US-Serien und ihre Macher vor. Heute um 23.35 Uhr auf ARTE.

Freitag, 22. November 2013

Freitags-Flusen: Waldi-Gate, Krimi-Schwemme und Neues von Pastewka

Da ist er wieder: der kleine, feine Rückblick aufs Fernsehgeschehen der Woche, höchst subjektiv von mir zusammengestellt.

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Waldemar Hartmann hat daneben gelangt! Als Telefonjoker behauptete er, Deutschland sei niemals Weltmeister im eigenen Land geworden. Hätte er mich mal gefragt. Das Endspiel fiel nämlich mit dem Tag meiner Taufe zusammen. Intensiver erinnern kann ich mich allerdings an eine Ausgabe "Zimmer frei!", in der ich als Studentin Ende der 90er Jahre einmal im Publikum saß. Hartmann gab dort eine derart armselige Vorstellung, dass am Ende rund zwei Drittel der Zuschauer eine rote Karte hochhielten Das bedeutete soviel wie: Lasst den nicht einziehen! Die Sendung wurde übrigens nie ausgestrahlt.

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Warum müssen Fernsehautoren in Deutschland so oft Krimis schreiben? André Georgi hat mit torrent darüber gesprochen und gibt interessante Einblicke.

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Die "Girls" kommen zurück: HBO hat die dritte Staffel für Januar 2014 angekündigt. Ob es Hannah dann besser gehen wird? Ich hoffe, dass zumindest das Trommelfell bis dahin wieder abgeheilt ist.

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Ich habe mir die ersten beiden Folgen der neuen Amazon-Serie "Alpha House" angesehen und finde: um mit HBO oder Netflix mithalten zu können, ist es noch ein langer Weg. John Goodman ist nicht so lustig, wie er sein könnte. Obwohl ich schon lachen musste, als er morgens unter der Dusche einfach ein Nickerchen hielt. Vielleicht muss man einfach stoisch weitergucken, und der Charme entfaltet sich erst später. Immerhin sind die ersten drei Folgen gratis.

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Es gibt wieder Licht am Ende des Comedy-Tunnels: Für Anfang 2014 sind neue Pastewka-Folgen angekündigt, ein Weihnachtsspecial wird Sat1 zuvor am 20. Dezember senden. Was der Sender sonst noch alles fürs kommende Jahr im Köcher hat, seht ihr hier.
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Und damit: husch, husch, ins Wochenende!

Mittwoch, 20. November 2013

Mittagspause mit TV-Koch: Auf einen Happen mit Kolja Kleeberg

Beim Bloggen kann man ja so herrlich die Zeit vergessen. Mir gelingt das allerdings immer nur bis höchstens halb eins. Dann fängt der Magen an zu knurren. Und es kommt die große Frage auf, die alle Freelancer im Home Office fürchten: Was koche ich jetzt bloß? Es soll schmecken, gesund und am besten noch in wenigen Minuten fertig sein. Die Quadratur des Kreises - denn meistens ist gerade nichts da. Oder wenn, dann nur das übliche Nudeln-mit-Pesto-Tralala.

Kein Wunder also, dass ich gestern der Einladung in die Kochschule La Cocina zu einer "Deluxe-Mittagspause" mit TV-Koch Kolja Kleeberg gefolgt bin. Immerhin hat der Mann mit dem Spitzbärtchen sich von Kerner bis Lanz, von Küchenschlacht bis Kocharena einmal quer durchs deutsche Fernsehen gekocht. Vor seiner Kochkarriere wollte er Schauspieler werden. Dieses Jahr konnte er daran anknüpfen und war in einer Folge "Notruf Hafenkante" zu sehen.

 

Auf dem Menüplan standen drei Gerichte, basierend auf Deluxe-Produkten: ein lauwarmer Nudelsalat mit Pistaziendressing und Lachscarpaccio, ein Dry Aged Rib Eye Steak mit Kopfsalatherzen in Safranbutter und indischen Kartoffeln und als Nachtisch Crème Brûlée mit Beerensauce und Schokoladeneis. Wow! Aber das musste natürlich alles erst gekocht werden, und da war jede helfende Hand gefragt. Ich versuchte mich in der Vorspeisengruppe. Bin ich froh, dass ich dabei nicht auch noch gefilmt wurde! Es kann ja so viel schiefgehen, und beim Arrangieren von 22 Tellern Lachscarpaccio kommt man ganz schön ins Schwitzen. Immerhin geizten Kleeberg und sein Assistent nicht mit guten Tipps. Die Hände sind das beste Werkzeug, habe ich gelernt. Und Fleisch kann man auch rückwärts braten: erst im Ofen anwärmen und dann in die Pfanne.

Die Fernsehküchen dieser Welt werden trotzdem ohne mich auskommen müssen, das überlasse ich lieber den Profis. Aber super gegessen habe ich. Die Messlatte für die nächste Mittagspause liegt hoch. Kleeberg, übernehmen Sie!

 

Freitag, 15. November 2013

Freitags-Flusen: Fernsehblog macht dicht, Tatortreiniger schrubbt weiter, Ghost spukt in Serie

War es der Bambi? Oder der Echo? Diese Preisverleihungen sind aber auch alle gleich, da blickt ja niemand mehr durch - schon gar nicht Helene Fischer. Und was war sonst los diese Woche?

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Wie mühsam sich Akteure wie Christian Kahrmann oder Nina Petri durchschlagen müssen, wenn sie gerade nicht drehen, zeigte die Doku "Gute Jahre, schlechte Jahre" aus der ZDF-Reihe 37°. Das Café "Kahrmanns Own" dürfte jetzt einige Gäste mehr zählen.

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Peer Schader macht Schluss mit seinem Fernsehblog, dass er zuletzt auf Ulmen.tv führte, nachdem faz.net ihn unverständlicherweise nicht mehr weiterbloggen ließ. Bleibt zu hoffen, an anderer Stelle mehr von ihm zu lesen.

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Weiter geht es indes für den "Tatortreiniger": Vier neue Folgen werden gedreht, Regie wie gehabt Arne Feldhuisen, Buch Mizzy Meyer. Ausgestrahlt wird bereits Anfang Januar - was für ein reizender Start ins neue Fernsehjahr!

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Die Schlacht ist eröffnet: Amazon setzt an, die Film- und Fernsehindustrie links zu überholen. Heute startet die erste eigene Serie, eine Polit-Comedy namens "Alpha House". Dass John Goodman eine Hauptrolle spielt, macht die Sache nicht weniger interessant. Als Nächstes wird "Betas" folgen, eine elfteilige Serie über vier Freunde im Silicon Valley. Autoren können ihre Ideen über die Plattform Amazon Studios pitchen.

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Paramount arbeitet offenbar an einer Neuauflage des Kinofilms "Ghost - Nachricht von Sam" (1990) als TV-Serie. Ob Demi Moore dafür wieder in die Latzhosen steigt, war nicht herauszubekommen.

Und damit: Ab ins Wochenende!
 

Mittwoch, 13. November 2013

FilmStoffEntwicklung: Degeto-Entrümpelung und das Strahlen der Linda Seger

Im Wagen vor mir fuhr Fiona Erdmann, hinter mir saß Gustav Peter Wöhler: die Fahrt im ICE nach Berlin war gewissermaßen ein "Foreshadowing" auf einen schillernden Tag mit großer Bandbreite von Schatten bis Licht. Ich habe mir am Samstag auf dem "Tag der Dramaturgie" des Verbands für Film- und Fernsehdramaturgie (VeDRA) angehört, was die Branche zurzeit bewegt. Ein paar Schlaglichter.

Volker Heise hat nicht nur die tolle, leider von viel zu wenig Zuschauern gesehene Serie "Zeit der Helden" gedreht, er plauderte auch sehr sympathisch über das ambitionierte Projekt. Im April 2014 wird seine Doku "24 h Jerusalem" auf ARTE zu sehen sein, für die er den Alltag Jerusalems 24 Stunden nonstop und in Echtzeit filmte.

Die Degeto räumt auf - nicht nur ihr Archiv, auch ihren Cast. Geschäftsführerin Christine Strobl scheint wild entschlossen zu sein, neue Gesichter zu etablieren. Da kommen auf Christine Neubauer und Christian Kohlund magere Zeiten zu.

Der Tatort hat sehr lange Vorlaufzeiten - rund zwei Jahre kann es dauern, bis ein Stoff umgesetzt ist. "Reichen Sie gern Stoffe für 2017 ein!", kalauerte man auf dem Podium. Wie solch ein Stoff dann aktuell und zeitgemäß sein soll, bleibt ein Rätsel. An neuen Hauptfiguren für den Berlin Tatort wird fleißig gebastelt.

Wie ein warmes Bad, das Autorenverzweiflung und "Ich werf die Brocken hin"-Gedanken abspült, wirkte die kurze, aber intensive Fragerunde mit der Mutter aller Drehbuchratgeber: Linda Seger. Eine zierliche Dame mit kurzen grauen Haaren, breitem frechem Grinsen und sehr viel Energie - wahrlich ein Erlebnis. Von ihrem Humor und ihrer Zuversicht wünscht man auch der deutschen Branche ein dickes Pfund.

Freitag, 8. November 2013

Freitags-Flusen: Knast-Comeback, Wolfgang Amadeus Schmidt, Hammer & Sichl

Außen alles grau, innen November-Blues? Dagegen habe ich etwas, to brighten up your day: die Freitags-Flusen! Was diese Woche hängenblieb - frisch abgezupft.

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Schwedische Gardinen liegen wieder schwer im Trend: Die Dreharbeiten für den "Knastarzt" laufen, jetzt setzt RTL mit einer Adaption der australischen Produktion "Wentworth" noch einen drauf und schickt wieder Frauen hinter Gitter. Federführend sind die Soap-Experten von UFA Serial Drama. Ob es ein Wiedersehen mit Walter gibt, ist noch unklar.

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ZDFneo liebt es britisch - gut so! Wieder wurden zwei BBC-Serien eingekauft. 2014 sollen "Ripper Street" und "The Fear" starten. In "Ripper Street" ermittelt Matthew Mcfadyen ("Spooks") im London des späten 19. Jahrhunderts, "The Fear" dreht sich um einen demenzkranken Gangsterboss.

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Hat mal jemand bei Harald Schmidt Fieber gemessen? Man kann sich ernsthaft Sorgen machen um den Herrn, der sich laut "Playboy"-Interview mit Mozart vergleicht. Einen Nachfolger für sich selbst sieht er nicht: "Neo, Eins-Plus, Pipifax, ich weiß gar nicht, wie die Spartenkanäle alle heißen. Da kann sich ja nichts mehr durchsetzen." Entweder hat er vorher zu viel im Heft geblättert und war davon ganz verwirrt, oder er hat nur Spaß gemacht. Ich hoffe letzteres.

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Unbedingt ansehen: Die sechsteilige Serie "Top of the Lake" von Jane Campion (ARTE) - am besten auf einem großen Bildschirm!

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Immer freitags um 22 Uhr zeigt der BR ab heute die neue Miniserie "Hammer & Sichl". Ein Schwabinger Hallodri (wie könnte es anders sein: Wolfgang Fierek) und ein Stralsunder (Tim Wilde) gründen einen Handwerksbetrieb. Ob das doof oder lustig wird? Der Trailer zumindest kommt ein wenig lahm rüber.

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Und damit verabschiedet sich die Fernsehfreundin übers Wochenende nach Berlin - da wird nämlich über Filmstoffentwicklung konferiert - und auch ganz viel über TV geredet. Ich werde die Ohren spitzen und kommende Woche brühwarm berichten!
 

Montag, 4. November 2013

Tatort Erfurt: Homerun für den flotten Dreier

Inzwischen gibt es ja so viele regionale Tatort-Kommissare, dass man gelegentlich den Überblick verliert: Ist der jetzt neu oder kommt der nur so selten, dass man denkt, der sei neu (wie bei Murot aus Wiesbaden)? Bei den drei Newbies aus Erfurt indes war schnell klar: so ein Trio gab's bisher noch nicht. Emrah Ertem hat beim Casting ganze Arbeit geleistet. Friedrich Mücke, Benjamin Kramme und ganz besonders Alina Levshin machen in "Kalter Engel" einen tollen Job. Fünf Gründe dafür:

1. Die Jungs haben trainiert - egal wer rennt, es sieht richtig gut aus. Man muss sich zu keiner Zeit Sorge um Knie- und Hüftgelenksschäden machen, die eine Frühpensionierung nach sich ziehen könnten (siehe auch: Tatort Berlin, Tatort München).

2. Keiner spielt den anderen an die Wand.

3. Die Praktikantin wird wie eine Praktikantin behandelt: man schiebt ihr einen Stuhl vor die Fensterbank oder schmeißt sie einfach aus dem Verhörzimmer. Von gespielter Höflichkeit hält hier keiner etwas.

4. Es wird nur das Nötigste geredet. Wenn beim nächsten Fall seltener "krass" und "Alter" im Dialogbuch stünde, wäre das allerdings auch nicht schlecht. Man muss sich aber auch nicht darüber aufregen.

5. Endlich einmal hat der Kommissar das Kind, und nicht die überspannte alleinerziehende Kommissarin (siehe: Tatort Furtwängler).

Nach dem Münchner Schmarrn der vorherigen Woche eine echte Wohltat!

 

Donnerstag, 31. Oktober 2013

NEO MAGAZIN: Ein Bastard zum Liebhaben

Programmtipp! Programmtipp! Heute startet das NEO MAGAZIN, um 23 Uhr auf ZDFneo: das seriöse Quatschprogramm mit Jan Böhmermann, dem "Schneewittchen" unter den deutschen Fernsehmoderatoren (sagt Silke Bumester, taz). Das NEO MAGAZIN ist gewissermaßen der räudige Hund unter den deutschen Comedy-Formaten: entweder man gibt ihm einen Tritt oder man legt ihn in das kuschelige Körbchen seines Herzens. Ich empfehle letzteres!


 

Freitag, 25. Oktober 2013

Freitags-Flusen: Brody bleibt Brody, Steiner gegen alle und die Rückkehr des Mark Keller

So kann's gehen - es ist schon wieder Freitag und die ganze Woche über gab es fast nichts Berichtenswertes. Aber eben nur fast!

Für alle Homeland-Homies: Wer sich schon immer gefragt hat, warum die selbst Frau von Nicholas Brody ihn immer mit dem Nachnamen anspricht: auf serienjunkies gibt es eine Erklärung. Übrigens wurde just eine vierte Homeland-Staffel in Auftrag gegeben.

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Das ZDF hat ein Crossover zwischen "Wilsberg" und dem Münster-Tatort angeregt. Nein, bitte nicht noch mehr aus der Hochburg der Mettwürste, Lodenmäntel und Soutanen! Soviel Bürgerlichkeit und Durchschnittlichkeit muss ja nicht auch noch verdoppelt werden.

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Wie hart das Leben als Ex-Profigewichtheber sein kann, konnte man sehr schön im SWR beobachten: In "Steiner gegen alle" musste Matthias Steiner unter anderem Feuerwehrschläuche zusammenschrauben. Das "große TV-Duell" hatte so viel Charme wie ein Stadtfest in Pinneberg. Zum Glück war Steiner nicht allein, ich zitiere den SWR: "Gut, dass er seine Frau Inge dabei hat. Emotional und kraftvoll stärkt sie ihm den Rücken und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite."

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Es wird wieder gerast, gehauen und gecrasht: Die elfte Staffel von "Alarm für Cobra 11" ist gestartet. Und es gibt ein Wiedersehen: Mark Keller alias André Fux, vor vierzehn Jahren nach einem Sturz ins mallorquinische Meer für tot erklärt, ist gar nicht mehr so tot und mischt wieder munter mit. So ein Fux! Erinnert sich eigentlich noch jemand an den Karrierestart von Mark Keller? Ende der Achtziger trat er als Dean Martin-Imitator in der Rudi Carrell Show auf.

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Mein TV-Tipp läuft heute Abend um 20.15 Uhr auf ARTE: "Unter Verdacht: Ohne Vergebung" mit Senta Berger als Eva Prohacek und dem netten Herrn Langner. Kann man eigentlich blind empfehlen!
 

Freitag, 18. Oktober 2013

Freitags-Flusen: Luke Mockridge, Antoine Monot als Tech-Nick und Killing Berlin

Endlich Freitag! Was diese Woche los war: frisch abgezupft und für euch angerichtet!

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Sie nehmen ihn, sie nehmen ihn nicht, sie nehmen ihn, sie nehmen ihn nicht...nachdem Sonja Zietlow und Daniel Hartwich sich zuerst zierten, den Comedypreis zu behalten, darf er jetzt doch bei ihnen im Regal verstauben. Ganz untergegangen sind dabei zwei absolut zu Recht Prämierte: Carolin Kebekus (Beste Komikerin) und Bastian Pastewka (Beste Comedyserie und Bester Schauspieler). Bester Newcomer wurde Luke Mockridge, einer der sechs Söhne von...? Genau: Bill Mockridge alias Erich Schiller aus der Lindenstraße.

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"Abgenickt von Tech-Nick" kalauert die neue Saturn Kampagne. Naja, ähem. Der Text ist mau, das Casting umso besser: Antoine Monot Jr. heißt das neue Testimonial. Wer jetzt "Hat der das nötig?" brummelt, den erinnere ich an Charly Hübner (seinerzeit im Spot für die Dresdner Bank, jetzt Polizeiruf110- Kommissar) oder auch Samuel Finzi (Spot für Ergo, jetzt u.a. Vince Flemming), denen Werbung ebenfalls mehr Bekanntheit eingebracht hat. Wenn's denn hilft!

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Aus "Der Dicke" wird "Die Kanzlei", und neben Sabine Postel darf sich in Zukunft Herbert Knaup behaupten. Zumindest schauspielerisch kein Fliegengewicht.

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Wie schwer es selbst etablierten Autoren im Fernsehen gemacht wird, lässt Markus Stromiedel in seinem Insiderbericht auf faz.net durchblicken. Ein Plädoyer für mehr Mut, TV-Projekte an den Start zu bringen, die anders sind als das, was bisher erfolgreich war.

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RTL arbeitet mit Produzentin Steffi Ackermann (Doctor's Diary) offenbar an einem neuen Miniserien-Projekt namens "Killing Berlin". Das Ganze soll in den 20er Jahren spielen, ein Kommissar ermittelt mit neuen, ungewöhnlichen Methoden. Klingt nicht schlecht!

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Und noch ein TV-Tipp zum Wochenende: "Ob ihr wollt oder nicht" ist ein starkes Familiendrama und trotz des ernsten Themas sehr witzig. Noch dazu super besetzt, u.a. mit Anna Böger und Katharina Schubert. Sonntag um 22 Uhr auf Sixx!

 

Dienstag, 15. Oktober 2013

"Scandal" auf Super RTL: Olivia Pope zeigt ihr tolles Büro

Super RTL? Sind das nicht die mit den Cartoons? Die schalte ich ja eigentlich nie ein. Doch gestern gab es zum ersten Mal seit Jahren wieder einen guten Grund dafür, denn der Sender hat einen vermeintlich dicken Fisch an der Angel: Die ABC-Serie "Scandal" (immer montags um 20.15 Uhr), konzipiert von Shonda Rhimes (Grey's Anatomy, Private Practice), von Kritikern hochgelobt und eindrücklich empfohlen. Eine Workplace-Serie über die Politberaterin und Anwältin Olivia Pope, die reiche Leute mit schmutzigen Geheimnissen vor dem großen Skandal bewahrt.

Politik, Skandale - klingt gut, also habe ich eingeschaltet. Es könnte ja einer dieser Geheimtipps sein, der nächstes Jahr mit Emmys überhäuft wird. Wie's war? Nun ja: Ich wurde das Gefühl nicht los, durch einen besiedelten Einrichtungskatalog geführt zu werden. In Scandal ist alles überstylt: Das Büro mit dem gigantisch großen, auf Hochglanz polierten Konferenztisch nebst Designerstühlen (Eames?), die beleuchtete Recherchewand und auch das Team um die Olivia Pope.

Vielleicht war es aber auch gut, dass es wenigstens viel zu sehen gab, wenn schon nicht viel Gefühl aufkam. Vieles war einfach unglaubwürdig. Zum einen die ständigen Monologe der Beteiligten, wie jemand sein Leben zu leben habe ("Geh und leb' ein normales Leben, werde glücklich!"). Und dann die Beziehung von Olivia Pope zum Präsidenten, den nur die Überwachungskameras davon abhielten, sie auf dem Schreibtisch zu vernaschen. Noch dazu mit einem Gesichtsausdruck wie Robert Atzorn in jüngeren Jahren. Zu stereotyp auch Katie Lowes alias Quinn Perkins, das unerfahrene Greenhorn, dem ob der Abgezockheit von Olivia Pope ständig der Mund offen stand.
Letztere, alias Kerry Washington, wirkte übrigens seltsam abwesend, so als sei sie in der falschen Serie gelandet. Und musste man ihr die deutsche Stimme von Desperate Housewive Linette (Victoria Sturm) geben? Mich hat das sehr irritiert.

Fazit: überraschend enttäuschend!

 

Freitag, 11. Oktober 2013

Freitags-Flusen: Tod in Springfield, Manolis und der andere Brody

Zur Feier des Tages habe ich mich selbst zum Editor at Large befördert und meinen Ghostwriter an die Freitags-Flusen gesetzt. Lest selbst, welche News er zusammengeklöppelt hat!

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Shocking: Zum Start der 25. Simpsons-Staffel macht eine grausige Nachricht die Runde. Einer der Springfield-Bewohner wird sterben. Ob an Halloween oder an Überdruss, war nicht herauszubekommen. Ich tippe auf Maggie. Schnuller-Latex-Allergie.

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Alder! Eben noch in der Soulkitchen, dreht Adam Bousdoukos jetzt für die Lindenstraße. Als Manolis wird er kellnernd im Akropolis aushelfen, das bekanntlich nach einem Carrotmob wieder brummt wie die Hölle. Natürlich bringt Manolis ein dunkles Geheimnis mit - ist er vielleicht die Reinkarnation von Else Kling?

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Ich mag ja den Blog "Never underdressed" allein schon wegen des Namens. Noch mehr mag ich ihn, weil er sich jüngst der Mode in Downton Abbey widmete. Merke: Der Knöchel war seinerzeit die erogene Zone der Frau.

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Der eine Brody lügt sich gerade durch die zweite Staffel Homeland, der andere - Brodie geschrieben - sucht Vermisste: Fast wäre "Case Histories" an mir vorbeigegangen. Der melancholische Privatdetektiv und Ex-Bulle rollt in Edinburgh alte Fälle wieder auf und macht das auf sehr sehenswerte, bedächtige Weise. Am 12. Oktober läuft noch einmal die Doppelfolge "Schatten der Vergangenheit", ansonsten geht's immer dienstags ab 20.15 Uhr auf ZDFneo weiter.

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Und zum Wochenende noch etwas Wahnwitz: eine kleine Vorschau auf das NEO Magazin mit Jan Böhmermann, zu sehen ab 31. Oktober. Das soll so!

 

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Fashion Hero: Und wieder eine Show von der Stange

Warum ist diese Show so unfassbar langweilig? Über Mode gäbe es doch eigentlich viel Interessantes zu sagen. Und es gibt sicher ödere Protagonisten als junge Modemacher, die sich tagtäglich ein Bein für ihre Ideen ausreißen. Aber leider ist das Design der Show selbst völlig auf der Strecke geblieben. Kein bisschen Avantgarde. Lag das Konzept bei Karstadt auf dem Wühltisch? Oder hat da jemand Kai Pflaume ein Schnittmuster aus der Tasche geklaut? Von der Beleuchtung über die Einspieler und die unterlegte Musik bis zur Moderation, die so vieles "einzigartig" findet und es doch nicht ist - die ganze Performance hat nichts Eigenes. Wieder und wieder erhebt sich das Studiopublikum brav zum Klatschen, der Schnitt klappert lahm hinterher. Würde man zwischendrin einschalten, man wüsste nicht, ob man gerade bei The Voice, DSDS, Popstars oder GNTM unterwegs ist. Lichtkegel dort, Nebenmaschine hier - dazwischen Menschen, die sich ständig vor Aufregung die Hände vors Gesicht schlagen. Eine Show, die nicht wehtut, aber auch absolut nichts auslöst. Massenware von der Stange - one fits all. Schade um die schönen Entwürfe, die so lieblos verheizt werden. Und Claudia? Ist und bleibt eben nur Claudia. Sie sitzt und spricht und....Moment....zzzZZZZzzz....

(pssst! Bloggerin träumt von neuen Showideen. Bitte nicht wecken!)
 

Freitag, 27. September 2013

Freitags-Flusen: Katzenberger ermittelt, Guardian-Leser pitchen und Don Draper hat Haarspray im Bart

Der Bundesvision Song Contest ist abgehakt, Bosse hat verdient gewonnen - und was war sonst noch los in dieser Woche? Hört, hört!

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Mehr als 20.000 Schauspieler gibt es in Deutschland. Und ich wette, ein Großteil davon ist ziemlich fähig. Und was macht die ARD? Besetzt die Hauptrolle in einem Fernsehfilm mit einer nuschelnden Barbie. Daniela Katzenberger soll als pfälzische Sparkassenangestellte Kriminalfälle lösen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Takes da pro Satz gebraucht werden! Für mich der Flop der Woche.

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Welche Serie würdet ihr gern sehen? Der Guardian hat ganz einfach seine Leser gefragt. 500 Pilot Pitches wurden eingeschickt, gesichtet und knallhart von Experten auseinandergenommen. Mein Favorit: Cassidy Cargo. Eine Frau erbt eine Airline und muss sich im Macho-Business bewähren. Kann man machen.

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Während bei Jan Josef Liefers, frisch ausgezeichnet mit der goldenen Henne, der Herbst dieses Jahr auf dem Kopf beginnt, lässt Jon Hamm alias Don Draper lang hängen. Um seinen wildwuchernden Bart für die Emmys präsentabel zu machen, griff seine Maskenbildnerin zu Haarspray. Und was ist mit dem Ozonloch? Diese Bartmode muss endlich aufhören!

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Apropos Mad Men: Storys über Werber bleiben en vogue. Jüngst gestartet: "The Crazy Ones" (CBS) mit Robin William, der zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder Fernsehen macht. Er spielt den Chef einer Werbeagentur, die er zusammen mit seiner Tochter leitet (Sarah Michelle Gellar).

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Die Freitags-Flusen machen kommende Woche Pause. Vorher aber noch ein Gucktipp:
"Der rote Kakadu" (Mittwoch um 23 Uhr im BR) ist ein kleiner, feiner Film von Dominik Graf, in dem mir zum ersten Mal Ronald Zehrfeld aufgefallen ist - inzwischen ja ein ganz Großer.

Dienstag, 24. September 2013

"Masters of Sex": das nächste große Ding nach Mad Men?

Welcher neuen Serie wird es wohl gelingen, in die siebenmeilenstiefelgroßen Fußstapfen von Mad Men zu treten? Große Chancen räumen US-Kritiker der Showtime-Produktion "Masters of Sex" ein, die sich um das Leben und Experimentieren des Sexualforscher-Paars Willam H. Masters und Virginia H. Johnson dreht. Showtime (aus deren Schmiede unter anderem auch Homeland und Dexter stammen) zeigt jetzt die erste Folge gratis online. Enjoy!

 

Freitag, 20. September 2013

Freitags-Flusen: Weissensee, Promi Big Brother und Neues aus Great Britain

Freitag ist Freutag ist TV-Klatsch-Tag: Die News!


Früher war alles besser? Von wegen: Es gab Zeiten, da tummelten sich Kuschel-Rapper wie Oli Petzokat aka Oli P. in den Charts. Gottseidank kann man das im Ordner "Erledigt" abheften.  Oli P. singt nicht mehr, er macht jetzt in Hundefutter und hat in Köln einen Bio-Leckerli-Laden namens "Stöckchens Delikatessen" eröffnet. Wie tierisch lustig es mit dem Elite-Kläffern zugeht, wird er sicher auch in seinem neuen Format "Oli's Hundeleben" berichten, das Yahoo für seine Vidoeangebot Yahoo Screen angekündigt hat.

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Top-Quote für "Weissensee": Den Auftakt der zweiten Staffel haben über fünf Millionen Zuschauer gesehen. Da geht noch mehr! Toll erzählt, sehr traurig, sehr berührend: einschalten!

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Ein ganz heißer Kandidat für den Grimme-Preis ist meiner Meinung nach die Parallel-Moderation von Oliver Kalkofe zu Promi Big Brother. Als One-Man-Shitstorm arbeitet er sich auf seiner Facebook-Seite unermüdlich an der Hohlheit der "Beklopptenbaracke" ab - für mich die Tirade der Woche.

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Lecker: Die besten Essens-Szenen in TV-Serien. Mein Favorit ist die Eis-inhalierende Betty Draper im deprimierend hässlichen Nachthemd.

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Großstadtkrimi ist out - die britischen Formate zieht es in die Provinz: The Daily Beast legt uns "Broadchurch" und "Southcliff"  ans Herz. Wer genug hat von den trotteligen deutschen Dorfpolizisten und es düster und spannend mag, sollte sich das schon einmal notieren.

Montag, 16. September 2013

"Angezählt" in Wien: Bibi Fellner, die ungekrönte Queen of Tatort

Man konnte nicht hinsehen, aber man konnte auch nicht wegsehen: Der Wien-Tatort "Angezählt" ging an die Nieren. Das lag einmal mehr an Adele Neuhauser, die ihre Bibi Fellner so tieftraurig und zugleich so witzig spielt, dass sie für mich die ungekrönte Queen of Tatort bleibt. Die Quote von über neun Millionen Zuschauern: absolut verdient. Nicht nur, weil es bis zum Schluss spannend blieb. Oder weil das Thema Zwangsprostitution so schonungslos und direkt auf den Tisch kam wie in keinem anderen Tatort, der sich je daran versucht hat.  Es war ein bestimmter Blick auf die Dinge, der diesen Fall besonders machte. Klar, ehrlich und unsentimental. 

Ein zwölfjähriger Junge zündet eine Frau an - und für ein paar Minuten ist man geneigt, an einen Dummejungen-Streich mit bösem Ausgang zu denken. Doch es ist ein Auftragsmord für einen Zuhälter, den der kleine Ivo aus Angst um seine Mutter ausgeführt hat. Dass das Leben des Jungen, als illegaler bulgarischer Einwanderer ohnehin arm an Chancen, danach noch einmal gut werden kann, ist schwer vorstellbar. Spätestens als er am Ende den bösen Zuhälter erschießt, wird das Happy End utopisch. Das tut weh. Und wer leidet mit? Bibi Fellner, auch sie eine Heimatlose, von den Eltern früh verlassen. Nichts möchte sie mehr, als dass andere die Zuwendung bekommen, die sie selbst nie hatte. Sie hofft auf das gute Ende, wirft sich für die Schwachen in den Ring, als Rächerin der Ungeliebten - und weiß doch, dass es schwer wird. Für ihre Menschlichkeit musste sie diesmal viel Prügel einstecken, äußerst brutal und an der Grenze des Erträglichen. Aber Bibi ist noch lange nicht ausgeknockt. Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Dafür muss man sie einfach lieben.
 

Freitag, 13. September 2013

Freitags-Flusen: Semmelrogge zieht ein, Drehstart für den Knastarzt und Intrigen in Downton Abbey

Man kann Augen und Ohren zuhalten wie man will, irgendein TV-Gossip dringt doch durch! Diese Woche:

Gemein! Alida Kurras, Ex-Big Brother Container-Insassin, lässt rückblickend kein gutes Haar am Lifestyle-Knast. Sogar den Garten habe man damals überdacht, so dass kaum Luft hindurchdringen konnte. Ich mache mir jetzt doch ein bisschen Sorgen um die Sauerstoff-Sättigung von Martin Semmelrogge, der dem Vernehmen nach heute dort einziehen soll. Denn an der frischen Luft war der Stimmknarzer ja in der Vergangenheit schon eher selten.

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Apropos Knast: In Düsseldorf sind die Dreharbeiten für "Der Knastarzt" gestartet. Die Rolle des Weißkittels übernimmt Bernhard Piesk (wow!).

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Es wird Herbst und damit rückt die nächste Staffel "Downton Abbey" in Sichtweite. Was bereits durchgesickert ist: Footman Thomas (Rob James-Collier) wird sich beim Intrigieren diesmal auf das Kindermädchen der kleinen Sybbie konzentrieren. Mehr darüber weiß der Digital Spy.

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Der NDR hat ihn lange zurückgehalten, jetzt läuft der Fernsehfilm "Ein Job" nun doch heute Abend um 23.30 Uhr im Ersten, also mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Alles nur, weil Doris Heinze seinerzeit daran mitgewerkelt hat, munkelt die taz. Heinze hin oder her, immerhin spielt Vanessa Redgrave mit und ich kann endlich meine Martin Brambach-Strichliste weiterführen. Hiermit mein TV-Tipp zum Wochenende!

Mittwoch, 11. September 2013

"Die 2" mit Gottschalk und Jauch: Warum die Best friends forever-Masche zieht

Gottschalk und Jauch in einer dreistündigen Sendung: dass dieser Tanz der Fernsehdinosaurier den TV-Kritikern eine Steilvorlage liefern würde, war ja klar. Altbacken, scheintot, zum Gähnen, so der Tenor. Die Zuschauer sahen das anders, knappe sieben Millionen blieben dabei. Warum? An Barbara Schöneberger kann es nicht gelegen haben: die Ärmste war diesmal offenbar so eng in ihr Kleid eingenäht, dass ihr nur sehr wenig Lockerheit entweichen konnte. Die Spiele können es auch nicht gewesen sein, da war selbst Mike Krüger in 4 gegen Willi seinerzeit kreativer. Und mit ihrer gespielten gutmütigen Trotteligkeit gingen mir die beiden Altstars schon nach wenigen Minuten so was von auf die Nerven.

Aber in einem Punkt hat RTL alles richtig gemacht: die Story der beiden Protagonisten stimmte. Man kann gegen die sentimentalen Einspielfilmchen am Anfang sagen was man will - dieses Best of Fernsehmomente erfüllte seinen Zweck. Bei vielen Zuschauern, die JauchSchalk schon seit Jahrzehnten im TV verfolgen, bedienten sie höchstwahrscheinlich eine große Sehnsucht nach Kontinuität und Verlässlichkeit. Seht her, hier sind zwei, die das ganze Business durchgestanden haben, mit allen Ups and Downs. Trotzdem sind sie noch befreundet und keine abgehobenen Promis. Es gibt sie noch, die guten Dinge - in unserer ach so schnelllebigen Zeit. Das zumindest wollte RTL uns glauben machen. "Die 2" sind ein bisschen wie Manufactum. Man kauft ihnen alles ab, so lange es den Hauch der guten alten Zeit verströmt. Das bisschen Mief gehört eben einfach dazu.

Freitag, 6. September 2013

Freitags-Flusen: Michael J. Fox, The Slap und ein Wochenend-Tipp

Ja, ist denn scho' wieder Freitag? Dann aber schnell: Was diese Woche bei mir hängenblieb!


Was macht eigentlich Michael J. Fox? Einiges: Am 26. September startet seine "Michael J. Fox Show". In der NBC-Comedyserie spielt er einen an Parkinson erkrankten Vater, der nach fünf Jahren Familienpause in den Job zurückkehrt. An Selbstironie scheint es ihm nicht zu mangeln.
Mehr dazu auf tv.com

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Lindenstraße-Drehbuchautor Michael Meisheit hat sich das deutsche Fernsehen vorgeknöpft. Ein Abgesang mit Blick auf die neuen Chancen, die sich auftun: Fernsehen ist durch

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Gut, dass ich ab und an doch noch ins Programmheft linse - sonst wäre mir die tolle australische Serie "The Slap" auf ARTE durch die Lappen gegangen. Eine Mann ohrfeigt auf einer Party einen kleinen Jungen, der vorher alle terrorisiert hat. Ein Klaps mit Folgen, erzählt aus der Perspektive verschiedener Familienmitglieder und Freunde. Gibt's noch in der Mediathek!

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Perpetuum Lobhudelei: Beim Deutschen Comedypreis gibt es eine eigenartige Nominierung. Oliver Welke und Olaf Schubert stehen für die Moderation des Deutschen Fernsehpreises 2012 auf der Liste. Preise, die andere Preise mit Preisen belohnen - ein Modell für die Ewigkeit?

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Die neue Weissensee-Staffel rückt in Sichtweite: ab 17. September im Ersten, kurz davor werden noch einmal alle alten Folgen wiederholt. Ich kann nur soviel versprechen: es wird dramatisch und sehr traurig. 

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Und noch ein TV-Tipp für Schlaflose oder Programmierfreudige: "Frau fährt, Mann schläft" mit Hannelore Elsner,  in der Nacht zum Sonntag um 1.55 Uhr auf 3sat.

Freitag, 30. August 2013

Jetzt neu: Die Freitags-Flusen!

Ab sofort gibt's hier endlich regelmäßig etwas Neues: Die Freitags-Flusen! Alle News und Kuriositäten, die über die Woche an mir hängengeblieben sind: frisch abgezupft und mit Liebe serviert!

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Es gibt noch einen Fernsehgott: Olli Schulz hat mit "Schulz in the Box" gezeigt, wie man's macht. Die erste Folge führte ihn zu den Protestlern von Fuck for Forrest, bei denen sicher lange nicht mehr so viel gelacht wurde (wahrscheinlich ist die Bewegung auch deshalb noch so klein). Schulz blieb locker, ganz er selbst, kein bisschen zynisch oder besserwisserisch. Tiefenentspanntes Fernsehen fürs große Grinsen. Gimme more!

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Man fragt sich so langsam, ob Kevin Spacey noch zwischen dem realen Leben und seiner Rolle als Frank Underwood in House of Cards unterscheiden kann - die Rede, die er in Edinburgh hielt, hatte viel vom Underwoodschen Pathos. Aber es war viel Wahres drin: "The audience wants the control! Give the people what they want!" Dem ist nichts hinzuzufügen. Amen!
hier geht's zur Rede

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Was den Rostocker Polizeiruf angeht, wiederhole ich mich gern: Buckow und König lassen einfach jeden Tatort alt aussehen. Auch "Zwischen den Welten" war wieder ein echtes Glanzstück. Andreas Guenther, der den stinkstiefeligen Poeschel spielt, hält sich zurzeit lieber fern vom feinen Berliner Trottoir: Passanten beschimpften ihn als Penner, warfen ihm Geld hin und wechselten die Straßenseite. Alles nur wegen seiner neuen Rolle in "Götz von Berlichingen", die von ihm Zottelbart und filziges Haar verlangt. Das war nicht nett, Berlin! Aber den passenden Spruch müsste er ja aus dem Götz kennen.

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Entschuldigung, es kribbelt so in der Nase, ich muss kurz....Hi-hi-hi-History! Wobei wir auch gleich beim Thema wären: Das zdfneo TV-Lab ist entschieden! Innovations-Alert? Eher nicht: In Serie gehen wird "Tohuwabohu" mit Ross Antony und Jeanette Biedermann. Prominente sollen sich auf Kinder stürzen. Den Armen bleibt auch nichts erspart. Soviel Erwachsenenkrampf gab es nicht mehr seit Kinderquatsch mit Michael!

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Gute Nachrichten für alle Danni Lowinski-Fans: Pit ist auch in der kommenden Staffel wieder dabei!


Und noch ein TV-Tipp zum Wochenende: "Was du nicht siehst", Samstag um 22.45 Uhr im WDR - mit Alice Dwyer (gerade noch im Polizeiruf gesehen) und Ludwig Trepte. Da kann also nicht viel schief gehen!

Donnerstag, 22. August 2013

Doc meets Dorf, Christine, Sekretärinnen: Alle Steinzeit - außer Mutti

Ich weiß. Es ist gemein, immer wieder US-Produktionen zum Vergleich heranzuziehen, wenn neue deutsche Serien laufen. Aber, aber, aber: Wie kann es sein, dass am neuen RTL Serien-Donnerstag gleich drei weibliche Hauptfiguren an den Start gehen, man aber nur eine davon halbwegs ernst nehmen kann? Ich hatte die Erwartungen ja schon auf Limbostangen-Niveau gesenkt und keine Carrie Mathison, keine Hannah Horvath, keine Peggy Olson, kein New Girl erwartet. Nur einen Hauch Komplexität und Credibility. Pustekuchen - in zwei von drei Fällen. Aber der Reihe nach:

"Doc meets Dorf" folgt wie ein Lemming dem "Trend", Städter auf dem platten Land drollig scheitern zu lassen. Was daran so spannend sein soll, wird sich mir als gebürtigem Landkind wohl nie erschließen. In meinen Flashbacks tauchen Schützen- und Feuerwehrfeste, Schnapsgelage und Fronleichnamsumzüge auf. Vor den Fertighäusern (hin und wieder wird eins zwangsversteigert) stehen heute mindestens zwei Autos im Carport, aber kein Mensch kann mehr Trecker fahren.

In deutschen Fernsehserien geht das so: Die in der Stadt gescheiterte, traumatisiert aufs Land reisende Frau hat grundsätzlich einen viel zu großen Rollkoffer dabei und trägt Stilettos. Beides dafür gedacht, früher oder später damit in einer Pfütze zu landen, um danach entrüstet und mit Gummistiefeln ausgestattet weiterzutraben. Zum Repertoire gehören auch der verschmähte Jugendfreund, jede Menge haariger Tiere und mindestens eine schrullige Alte. Überhaupt sind alle sehr schrullig und reden nur in Hauptsätzen. Die Landschaft ist schön, die Sonne scheint und es ist ja alles so toll grün.

"Doc meets Dorf" lässt nichts davon aus, fügt aber skurrilerweise eine um sich ballernde Chinesin hinzu. Inhaltlich spielt den konservativen Frauenbezähmern unserer Nation alles in die Hände: die geniale Chirurgin wird anders als geplant nicht vom genialen Chirurgen geheiratet und flüchtet trotzig nach Kanada (haha) in die brandenburgische Pampa. Man ahnt: nach einigen Irrungen und Wirrungen heiratet die ehemals Widerspenstige einen der lokalen Flanellhemdenträger - in diesem Fall den Nachbarn oder Tierarzt - und ist eins mit sich selbst. Nichts überrascht, nichts ist wirklich richtig lustig. Da hilft auch die ständige Flucherei wenig: Fritzi Frühling wird nicht mein Herbst-Liebling werden.

Mit "Christine - Perfekt war gestern" macht RTL dann schon sehr viel mehr richtig. Sie ist alleinerziehend (wie immerhin schätzungsweise 2,7 Millionen Deutsche). Für die Trennung von ihrem Ex, mit dem sie immer noch befreundet ist, gab es gar keinen besonderen Grund, außer dass beim Sex die Luft raus war. Auch das dürfte dem Gros der Zuschauer nicht unbekannt vorkommen. Sie hat sich in der Vergangenheit etwas gehen lassen und will das ändern - zum Beispiel indem sie nach Jahren wieder auf eine Party geht, ohne jemanden zu kennen. Diana Amft spielt das wie immer sehr überzeugend, mit großem Talent für Peinlichkeiten. Man könnte sich zwar fragen, ob sie aus der Bridget Jones-Schublade eines Tages wieder herausfindet - aber warum eigentlich, wenn sie es so gut macht? Die Dialoge (übrigens aus männlicher Hand, meine Damen) haben Tempo, die Pointen sitzen - hier passt alles!

Und vom "hier passt alles" zum "hier passt nichts" braucht es nur eine Werbeunterbrechung. "Sekretärinnen - Überleben von neun bis fünf" wirft uns zurück in die Steinzeit. Hallo ProQuote, was sagt ihr eigentlich dazu? Tagsüber wird über die Frauenquote in Deutschlands Vorstandsetagen diskutiert. Und abends schauen wir drei grenzdebilen Büro-Mäusen dabei zu, wie sie ihrem - wahlweise cholerischen oder sexistischen - Chef zuarbeiten und alles tun, damit er ja zufrieden ist? Da war das ZDF seinerzeit mit "Girlfriends" schon einmal weiter, denn da saß sogar ein Mann im Schreibpool (übrigens eine der ersten größeren Fernsehrollen von Benjamin Sadler).

Bei so viel Biederkeit wird doch der Prosecco ganz schal!

Montag, 12. August 2013

Schnauze Simon: Ja, aber bitte sofort!

Ich habe ja schon viel gesehen in meiner Fernsehbiografie, aber DAS hat mich dann doch für eine Weile in Schockstarre verfallen lassen: Sportmoderator Steffen Simon versuchte sich gestern in "Schnauze Simon" (WDR, nach der Sportschau) erstmals als Fußballsatiriker. Was an sich schon bekloppt ist, da das biedere Fußballgeschäft und Satire ungefähr so gut zusammenpassen wie Simon und seine neue Nerdbrille. Gibt es eine Steigerung von Fremdschämen? Man mag kaum darüber bloggen, aus Angst dass es ansteckend sein könnte! Ich weiß gar nicht was schlimmer war: Der ungelenke Versuch, die Promptertexte zu schauspielern? Die ausgedachten Schmähbotschaften in der Bauchbinde, die wohl demonstrieren sollten, was für ein frecher Hund dieser Simon ist? Die uralten Videoschnipsel, darunter Loddars Gestammel auf Englisch und eine Kuh mit Auffahrunfall? Hieße ich Magath, ich würde Simon zur Strafe Bergsteigen lassen - mit einem Rucksack voller Witzebücher.

Satire kommt übrigens, wie Lateiner behaupten, vom Wort "satira", das wiederum auf "satura lanx" zurückgeht: "mit Früchten gefüllte Schale". Stinkfrüchte sind damit sicher nicht gemeint. Daher: Ausdrücklicher Nicht-Guck-Befehl für "Schnauze Simon"!

(hier gibt's einen Ausschnitt aus dem Elend, anklicken auf eigene Gefahr!)

Montag, 5. August 2013

Shameless: Einmal Familienserie ohne Biedermeier, bitte!

Das ZDF plant ja angeblich eine Art deutsches Breaking Bad. Ich hätte eine viel bessere Idee: ein deutsches Shameless! Denn eine Familienserie, die derart in die Vollen greift, die keinen dreckigen Witz auslässt und zugleich so grundehrlich und kein bisschen zynisch daherkommt, dass es fast wehtut - das wäre die logische Fortsetzung, nachdem "Unser Charly" und "Forsthaus Falkenau" endlich rausgeflogen sind. Es dürfte zwar schwierig sein, einen deutschen William H. Macy zu finden, ein wahrer Sechser im Besetzungslotto. Den Rest könnt ihr einfach den Autoren überlassen - das kriegen wir hin!

Shameless wird von Showtime produziert, beruht auf einer britischen Serie des kongenialen Paul Abbott ("Hit&Miss", "State of Play") und zeigt eine alleinerziehenden Vater mit sechs Kindern, der seine Schecks lieber versäuft als sich um die Familie zu kümmern. Das klingt zwar düstern, ist aber sehr lustig und berührend. Die vierte Staffel ist inzwischen in der Mache.

 

Freitag, 2. August 2013

Finger weg von der Lindenstraße: Warum sie bleiben muss

Gerüchte gab es in den vergangenen Wochen ja schon einige, zum Sommerloch kochen sie nun wieder hoch: Die Zukunft der Lindenstraße kippelt. Mit Glück wird bis 2014 verlängert, vielleicht lässt sich der WDR auch noch bis 2015 breitschlagen. Ein klares Bekenntnis sieht anders aus - das hat die Serie als treues Pferd im Sendestall nun wirklich nicht verdient. Und das sage ich, obwohl ich eher zu den Spätberufenen zähle. Theoretisch hätte ich in den letzten 30 Jahren alle Folgen sehen können. Aber als Teen und Twen hat mich eine gewisse Muffigkeit abgeschreckt: Die Zimmer waren immer funzelig beleuchtet, die Tapeten fürchterlich altbacken, die Möbel aus dunklem Holz, alles ungemein erdrückend. Dr. Dressler, Else Kling und Gung fand ich unheimlich. Das Niveau der Schauspieler schwankte zwischen großer Bühnenkunst und kleinem Amateurtheater. Doch das hat sich geändert.

Irgendwann in den letzten drei Jahren hat sich der Knoten gelöst. Die Figuren wurden glaubwürdiger, die Schauspieler fanden in ihre Rollen: Die Buchstabs, Nina und sogar der gereifte Klausi Beimer sind eine echte Bereicherung mit glaubwürdigen Problemen, sogar die Rückkehr von Philipp Sperling hat weniger weh getan als gedacht. Die alte Garde der Beimers, Zenkers und Flöters schleicht sich langsam  aus. Das tut der Serie gut. Und dass die Schauspieler überhaupt Zeit hatten, sich warmzuspielen, liegt eben auch an der langen Laufzeit. Horizontales Erzählen - bei HBO-Serien liebt man es, in Deutschland gibt es das sonst kaum. Nur in der Lindenstraße dürfen Erzählfäden weitergesponnen werden, über Jahrzehnte. Und auch sonst ist die Lindenstraße moderner geworden: eine schöne Idee ist das Abspannton-Raten auf Twitter, und seit kurzem gibt es eine App um die Folgen zeitunabhängig zu sehen (sehr praktisch beim Kochen!).

Hier sollte die Lindenstraße dranbleiben: sich immer wieder neu erfinden, die Rollen mit Typen besetzen und die Geschichten glaubwürdig erzählen. Das Altbackene und Künstliche muss raus. Weg mit der Holzvertäfelung, lüften und Licht reinlassen. Der Tapetenwechsel ist in vollem Gange. Verlängerung bis 2020? Das wäre ein Deal! 




Freitag, 12. Juli 2013

Girls auf ZDFneo: Occupy Synchro-Studios!

Herzlich willkommen an diesem Freitag. Heute mit: Zuckerbrot und Peitsche für ZDFneo. Fangen wir mit dem süßen Lob an: ZDFneo hat sie, die wirklich sehenswerten Serien. House of Lies, Mad Men, Misfits und am kommenden Wochenende endlich: Girls! Über die Einkaufspolitik kann man also wirklich nicht meckern. Es gibt sogar Annäherungsversuche an das Guckverhalten der Downloader und Streamer: Eventprogammierung heißt das Zauberwort, man zeigt alle Folgen am Stück statt jede Woche häppchenweise. Fehlt nur noch eins zum Glück: Weg mit der Synchro! Wir können Englisch, notfalls eben mit Untertiteln - und wir wollen den ganzen Witz! Gerade bei einer dialoglastigen Serie wie Girls ist Synchronisation eine besonders gemeine Art der Charme-Beschneidung. Was Hanna flapsig nebenbei dahin sagt, kann ihre deutsche Stimme nur nachspielen - und schon ist es nur noch halb so lässig. Aus dem gleichen Grund fand ich Woody Allen-Filme lange doof - ich kannte sie nur auf Deutsch. Die Originalfassungen liebe ich.

Es wird Zeit für eine Anti-Synchronisations-Bewegung: Fernsehdeutschland, beweg dich! Occupy Synchro-Studios! Und nebenbei bemerkt: Jeder finnische Busfahrer spricht besser Englisch als deutsche Akademiker. Von wegen tolles finnisches Bildungssystem. Die gucken einfach nur gute Serien, die nicht nach Hörspiel klingen.

Dienstag, 18. Juni 2013

Satire-Alert: Ihr macht wohl Witze (garantiert Hirschhausenfrei)

Geht ein Deutscher zum Lachen in den Keller. Kommt nach einer Minute wieder zurück. Unten sitzt schon Friedrich Küppersbusch. Gut so! Denn was der "Sozialkundelehrer ohne Haare" da in seinem Hobbyraum zusammenzimmert, sieht zwar aus wie Bürgerfernsehen der ersten Stunde, lässt mich aber durchaus lächelnd einschlafen. Alles wird gut, denn Friedrich und sein "Tagesschaum"-Team haben das Geschehen im Blick. Und weil ich so entspannt schlafe, weise ich nur minimale Gebrauchsspuren auf - und bin damit der Albtraum jedes Marktforschungsinstituts, eine Art Gestaltenwandler zwischen den Zielgruppen: Alt genug um Küppersbusch gut zu finden, weil ich dem Herrn früher schon mal beim Fernsehmachen zugesehen habe. Aber auch wiederum nicht zu alt, um mich nicht auch auf das neue NEO MAGAZIN mit Jan Böhmermann (ab Herbst auf ZDFneo) zu freuen - aus Gründen! Mit dem dritten blassen Anzugträger fremdele ich noch etwas: "Durchgedreht!" mit Jörg Thadeusz  hat bei mir eher gekokelt als gezündet. Impro-Shows sind wohl nicht so meins. So viel Spontaneität macht einen ja ganz nervös.

Montag, 10. Juni 2013

Tatort Bremen: Heute trag' ich Trauma

Es gibt Spielzeuge, die sind so simpel und gut, dass sie nie aussterben. Papierpuppen zum Beispiel. Einfach ein paar Streifchen umknicken, schon hat man ihnen ein neues Kostüm verpasst. Dieses Prinzip scheint den Machern des Bremen-Tatorts vertraut zu sein. Lürsen und Stedefreund trugen in "Er wird töten" ihre Traumata vor sich her, als hätte sie ihnen jemand angepappt. Während Lürsen mit versteinerte Miene um ihren Noch-Nicht-Aber-Irgendwie-Doch-Lover Leo (ein viel zu kurzer Auftritt für den tollen Antoine Monot Jr.) trauerte, hatte Stedefreund an den Gräueln seines Afghanistan-Einsatzes zu kauen. Und doch wirkten beide wie immer, abgesehen von den Wäscheständern und Türen, die Stedefreund um- bzw. eintrat. Wenigstens kam damit in die kostengünstige Produktion, die sich fast nur in einem Gebäude abspielte, ein wenig Bewegung.

Ansonsten wirkte dieser Fall, der eigentlich viel über Schuld, verpasste Chancen und Einsamkeit zu erzählen hatte, merkwürdig spröde und leidenschaftslos. Die eigentliche Tragik entfaltete sich erst in den letzten Minuten, als endlich die ganze Geschichte von Marie (Annika Kuhl) erzählt wurde: Eine ehrgeizige Ärztin, die den Vater beeindrucken will, betäubt ihr Kind, weil sie zu einer vermeintlich wichtigen OP antreten will. Die tödlichen Folgen schiebt sie auf väterliche Anweisung ihrem Mann in die Schuhe, der dafür acht Jahre im Knast verbüßt. Damit er sie nie wieder strafend anschaut, mordet sie noch einmal und lenkt den Verdacht erneut auf ihn. So viel Selbstverleugnung tut weh. Lürsen und Stedefreund dürfen indes ihre Trauma-Papierkleidchen wieder abnehmen. Ich bin gespannt, was man ihnen als Nächstes aus dem Schränkchen holt.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Holy Moly: Kebekus-Zensur beim WDR

Lieber WDR,

ich hätte jetzt gern anteilig meinen Rundfunkbeitrag zurück. Warum dürfte dir klar sein. Das Video von Carolin Kebekus war offenbar schon seit drei Wochen freigegeben - und jetzt kurz vor Abschuss hast du es zurückgezogen. Gab es davor etwa einen Anruf aus dem großen V? Oder sind die lokalen Kirchen-Allerwertesten dir aufs Dach gestiegen? Was mich aber noch mehr ärgert: dass du den Religionsangehörigen unter deinen Zuschauern kein bisschen Humor zutraust. Glaubst du allen Ernstes, auch nur ein Katholik unter 40 wäre nach dem Video heulend zusammengebrochen? Nicht, dass ich dazugehören würde, aber: Vielleicht hätten gerade jene nach all den Skandalen sogar ganz gern etwas zu lachen? Mit Verlaub: Da hast du dir vor lauter Weihrauchnebel ein ganz schön dickes Eigentor geschossen. Denn jetzt wird das schöne Stück munter verlinkt - oder besser gesagt: auf Teufel komm raus.

Deine Fernsehfreundin





 

Montag, 27. Mai 2013

Tatort Stuttgart: This Bootz is made for walking

Die letzten Stuttgarter Tatorte habe ich ja schnöde ignoriert, damit muss jetzt Schluss sein, der gestrige war nämlich tatsächlich ganz passabel. Nicht wegen des Falles, sondern wegen der glaubwürdig erzählten privaten Katastrophe von Sebastian Bootz, der bislang immer in der Schublade "glücklicher Familienvater" steckte und ein fast schon unheimliches Gegenmodell zu den übrigen psychisch angeknacksten Ermittlern bildete. Doch mit dem trauten Heim ist es jetzt vorbei, denn seine Frau verlässt ihn, und weil der Neue im Rollstuhl sitzt, wagt Bootz es nicht ihm an den Kragen gehen - und weiß schließlich kaum noch wohin mit seiner Wut. Dieses relativ lebensnahe Drama ist toll gespielt von Felix Klare und Maja Schöne, beide erfahrene Theaterschauspieler, die hier endlich einmal mehr zeigen können. Das Drehbuch unterlässt es tunlichst, sie in endlosen Dialogen zu verheizen, stattdessen schweigen sich die zukünftig Getrennten quälend lang am Esstisch an, während die Kinder ahnungslos dabeisitzen. Wie das Leben eben so spielt. Der Fall an sich wird da fast zur Nebensache (etwas arg süffisant: Filip Peeters), ein wenig verworren ist er noch dazu, und den teuren Hubschrauberflug am Ende hätte es nun wirklich nicht gebraucht. Kleine Kuriosität am Rande: Die Gangster trugen Namen bekannter Autoren wie Volker Zahn, Markus Stromiedel, Johannes Betz und Moscherosch, dem das Zitat "Im Dunkeln ist gut Munkeln" zugeschrieben wird. Dafür hätte ich jetzt gern ein paar Fleißpunkte!

Dienstag, 21. Mai 2013

Zurück aus dem Funkloch

Zwei Wochen ohne Fernsehen - I did it! Und es hat gar nicht weg getan. Der Kopf ist wieder frei, die Haut mindestens so glatt wie die von Billy Crystal und Bette Midler, deren Film "Parental Guidance" definitiv auf die Liste verbotener Flugbegleitungsfilme gehört. Bei so viel Botox bleibt einem ja der Tomatensaft im Hals stecken! Nach erschütternden 90 Minuten mit den beiden Broadway-Mutanten brauchte ich zum Herunterkommen etwas Handfestes vom Festplattenrecorder: vorrätig waren Olli Dittrichs Frühstücksfernsehen (schön eingefangen, der typische Tonfall der MoMa-Beiträge - eher rätselhaft dagegen der kalauernde Nachrichtensprecher) und der Gänsehaut-Tatort mit Borowski. Ein Fest. Habe ich sonst noch etwas verpasst?

Montag, 29. April 2013

Tatort Hamburg: Lass das mal den Wotan machen

Die letzte Tüte Milch ist getrunken, die Feuer gelöscht: und gegen Wotan Wilke Möhring (und hier gebe ich zu: ich musste schon wieder nachgucken, wie man den Namen richtig schreibt) kann man nichts sagen. Als Kommissar Thorsten Falke war er wirklich sehr viel angenehmer als der dauerballernde Tschick Nilla. Street-Credibility: passt. Etwas kumpelig, etwas schratig, auf eine Hamburger Art direkt - und zum Glück sehr unaufgeregt. Gar nicht so schlecht auch die Idee, den Nebenplot über sein Privatleben an seiner Freundschaft zu Jan (Sebastian Schipper) aufzuhängen. Denn Freundschaft jenseits der Vierzig, wenn die Lebensentwürfe auseinanderdriften, kann manchmal genauso kompliziert sein wie Liebesbeziehungen. Hier und da wurde die Buddy-Romantik für meinen Geschmack allerdings etwas überstrapaziert - übers Lagerfeuer hüpfen am Strand und so weiter. Da bleibt "Absolute Giganten" bei allen Anspielungen einfach unerreicht.

Der Fall rund um den Feuerteufel selbst hatte immerhin einen echten Hamburg Bezug - auch wenn einiges unklar und flach blieb. Was ging wirklich in dem jungen Zündler vor, wo kam der her, was hatte er vorher erlebt? Und dann der Ehemann Jürgen Mintal: mit Bernhard Schütz so prominent besetzt, dass einem gleich mehr schwante. Doch warum die Nummer mit dem Kopfgeld? Auch Petra Schmidt-Schaller dürfte noch einiges mehr zu zeigen haben als ein sphinxhaftes Lächeln. Aber zwischen der kühlen Blonden und dem Calcium-Fetischisten Falke geht sicher noch einiges - bei der nächsten Folge bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.

Dienstag, 23. April 2013

Danni und Pit: Die Mafiabraut dreht noch eine Warteschleife

Das war mal ein Staffelfinale nach meinem Geschmack! Danni heiratet Bea. Papa sticht sein erstes Tattoo. Zeltinger aka "de Pläät" platzt in der Sauna und die Mafiabraut-Anwältin haut Pit aus dem Knast. Am Ende feiern alle in der SUV-Limo. Nicht zu vergessen: Jochen Nickels Auftritt als "der Schäng", der Danni ein ehrliches Gespräch mit seinem P**** erlaubte. Zum Ende wurde also noch einmal tief in die dreckige Kiste gegriffen, und das ist es ja auch, was diese Serie so sympathisch macht. Es darf herumgesaut werden! Danni kann jetzt das Kind ihrer "best friend forever" adoptieren, aber die Männerfrage bleibt offen. Gut, dass die nächste Staffel schon angekündigt wurde. Augusts Dackelblick am Ende war ja fast schon herzzerreißend - und Pit (Dirk Borchardt) hat natürlich sämtliche Romantik-Register gezogen. Der Beinahe-Kuss am Ende: Hach! Mal ehrlich Mädels - wie bockig muss man sein, diesen Bad Guy ziehen zu lassen? Aber in der Causa Pit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das hätte sicher auch de Pläät so gewollt.

Montag, 15. April 2013

Letzter Tatort mit Conny Mey: Abschied ist ein scharfer Nagelknipser

Die Pediküre fällt heute aus: In den nächsten Tagen wäre es mir sehr lieb, wenn alle erst einmal ihre Socken anlassen. Mein Bedarf an blutigen Zehen ohne Nägel ist vorerst gedeckt. Die zweite schlechte Nachricht: "Wer das Schweigen bricht" war der letzte Fall mit Conny Mey. Tröstlich, dass einem der Abschied nicht gerade schwer gemacht wurde: Seltsam unausgegoren war diese Episode, düster und lichtlos, und die podologischen Details hätte ich mir auch gern erspart. Ständig diese Folterfüße im Bild - da kriegt man ja Phantomschmerzen! Immerhin weiß ich jetzt, wie man Psoriasis ausspricht. Schade, dass der eigentlich spannenden Erzählstrecke im Gefängnis so schnell die Puste ausging - Steier machte da einen guten Job, "emotional etwas over ze top", wie er sagen würde. Doch dann kippte die Story: Nazis, Russen und Wärter spielten plötzlich kaum noch eine Rolle, es folgten Entführung, lahme Krankenhausszenen, Warten aufs SEK, ein 08/15 Showdown. Immerhin zeigten Steier-Mey ein letztes Mal, was dieses Duo so besonders machte: Steier stur wie aus Stein, aber schnoddrig mit Seele. Mey (diesmal erstaunlich hoch geschlossen) unbeirrbar direkt, schnörkellos und lustig. Zurecht fragte Steier, was denn jetzt aus "Ich geh' mit dir durch dick und doof" werde. Die beiden sind in ihrer doppelten Präsenz wohl kaum zu ersetzen. Bye, bye, Conny Mey - irgendwas von dir bleibt hier! Und wenn es nur das Mädchengemüse ist.

Mittwoch, 3. April 2013

Lerchenberg: Der Anfang ist gemacht

Innovation beim ZDF: Klingt erst einmal gefährlich, tut aber gar nicht weh. Zwar ist vom neuen frischen Wind vorerst nur ein leises Lüftchen wahrzunehmen. Aber mit "Lerchenberg" ist immerhin ein Anfang gemacht: mit viel Mut für öffentlich-rechtliche Verhältnisse, auch wenn es sicher noch etwas mutiger ginge. Man startet erst einmal da, wo man sich auskennt: In den eigenen Mainzer Hallen, in der die verzweifelte Redakteurin einer Entwicklungsredaktion versucht, ein neues Format für Sascha Hehn zu finden. Es hagelt Anspielungen auf die Tücken des Sendealltags, aber all das bleibt in kalkulierbarem Rahmen und wird nie richtig böse. Was den Charme ausmacht, ist die ungewöhnliche Besetzung. Eva Löbau als Billie Zarg ist erwartungsgemäß richtig toll. Die Rolle der Schüchternen, die von allen herumgeschubst wird und sich nicht aus der Deckung wagt, ist wie für sie gemacht. Sascha Hehn und sogar Wayne Carpendale machen vor, dass sie tatsächlich spielen können, wenn man ihnen glaubwürdigen Text gibt statt pilcherisierter Plattheiten. Und keine Frage: Hehn macht sich mit Bravour zum Affen. Erst Roland Kaiser, dann Hehn: Wer das Schmalz-Business so lange überstanden hat, hat sich ein lässiges Comeback einfach verdient.

Für meinen Geschmack war Lerchenberg aber erst in der letzten Folge so konsequent unkorrekt, dass es richtig Spaß machte. (Achtung Spoiler!) Wie die völlig fertige Billie im überdimensionalen Mainzelmännchen Det-Kostüm den verwahrlosten Hehn in Kapitäns-Uniform küsste: ein großer Moment! Da hatte sich Lerchenberg warm gespielt, und man hätte gern noch ein paar Folgen lang zugesehen. Aber das kann ja noch werden?

Montag, 25. März 2013

Roland Kaiser im Münster Tatort: Der Egoist sticht Boerne aus

Es gibt da diese legendäre Folge, in der Bernd Stromberg damit beauftragt wird, einen Show-Act für die Betriebsfeier zu organisieren. Für Roland Kaiser, "den alten Schlüpfer-Stürmer", müsste das Budget locker reichen, denkt er. Den Zahn zieht ihm Kaisers Manager relativ schnell. Kein Kaiser also. Am Ende muss Stromberg die Polonäse als "Bernd von M bis Z" selbst durch den Saal führen. Im Münster-Tatort persönlich aufzutreten, das lässt sich der wahre Kaiser aber natürlich nicht nehmen. Ein wirklich cleverer Schachzug: Zu den vielen Anhängern des Schmunzel-Krimis kamen so noch ein paar Schlagerfans dazu, was sich auf 12,81 Millionen Zuschauer "summ"-ierte.

Kaiser machte seine Sache wirklich gut - und erstaunlich uneitel. Der von ihm verkörperte "Roman König" (!) bot nicht viel Stoff für Mädchenträume: Nicht nur führte er einen Harem tätowierter Groupies, er machte auch als Bienengift-Opfer im Hotelbett eine eher schwammige Figur. Damit war er neben Thiel der Einzige in dieser Episode, der halbwegs authentisch rüberkam. Professor Boerne hingegen wirkte in seinem Seiden-Kimono wie aus "Charlys Tante" entsprungen. Liefers tendierte diesmal dazu, den Slapstick zu überdrehen. Obwohl er durchaus gute Momente produzierte: vor allem im Zusammenspiel mit ChrisTine Urspruch als Alberich. Wie er sie nach der Spinnensuche mit einem Ruck unter dem Bett hervorzog - grandios. Schlussendlich läpperte "Summ, summ, summ" aber detailverliebt vor sich hin. Mir gefallen die Münsteraner deutlich besser, wenn der Fall mehr Bodenhaftung hat. Dann kommen auch die Gags viel klarer heraus.

Und jetzt alle: Ich glaub' es geht schon wieder los...

Dienstag, 19. März 2013

Danni Lowinski: Alles aus für Pit?

Das war aber auch wieder gemein! Da gibt der Pit sich so viel Mühe, macht eine Therapie, töpfert einen Aschenbecher - und Danni bleibt bei "nein" und "aber". Gut, es war vielleicht etwas übertrieben, gleich seine Therapeutin mitzubringen, um sie breitzuschlagen. Aus Mitleid wird Danni ihn ganz bestimmt nicht nehmen. Aber Kletterwand und Wildwasserrafting mit August - das kann es doch nun wirklich nicht sein! Zu dumm, dass der gerade dann mit Pizza und Wein um die Ecke bog, als man dachte: Ha, jetzt lässt er sie mitten in der "Papa im Knast"-Misere hängen und sie kommt endlich zur Vernunft.

Da wir uns ja langsam dem Staffelfinale nähern, darf also gewettet werden: Kriegt der - jetzt handzahme - Lude mit Herz noch eine Chance? Oder heiratet Danni nach oben, nachdem sie schon fast Prinzessin geworden wäre?

P.S.: Endlich packt mal jemand das Thema Organspende so an, dass es jeder versteht. Gut und wichtig!
P.S.S.: Endlich wieder Brigitte Grothum im TV!

Montag, 18. März 2013

Unsere Mütter, unsere Väter: Musik aus!

Ich bin auf die Vorab-Lobhudelei reingefallen. "Unsere Mütter, unsere Väter" wurde angekündigt als modern inszeniertes und gefilmtes TV-Ereignis, als frischer Blick auf die Generation junger Wehrmachtssoldaten, die fürs Leben gezeichnet aus dem Krieg zurückkehrten und kaum darüber redeten. Für mich zwar eher "Unsere Omas, unsere Opas", aber ich war dennoch neugierig. Die gute Nachricht: das ZDF ist mit dem ersten Teil haarscharf an der Grenze zum Unerträglichen vorbeigeschliddert. Das war vor allem den Schauspielern zu verdanken - gottseidank nicht die übliche Riege, sondern echte Talente wie Volker Bruch (den ich ja schon in "Rose" super fand), Ludwig Trepte und Tom Schilling, die jede Kamera lieben muss. Bruch kann Anspannung und Verzweiflung allein durch angespannte Kiefernmuskeln zeigen, durch einen unendlich müden Blick - viel Charaktertiefe gab es aber nicht zu spielen.

Was die fünf Freunde vor dem Krieg verband, wurde anfangs viel zu schnell abgehandelt, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und später mitzuleiden. Und was an der Front wirklich in diesen jungen Männern vorging, bleibt auch nach dem ersten Teil von "Unsere Mütter, unsere Väter" ein Rätsel.Wie wir über die Trauer, die inneren Konflikte und den Verlust der Figuren zu denken hatten, wurde uns von Musik à la Hans Zimmer vorgeschrieben, die jeden Zwischenton zukleisterte. Achtung, es wird ein bisschen traurig: leise Klaviertöne. Achtung, richtig dolle dramatisch und traurig: Geigen und Pauken. Verordnetes Mitleid, das irgendwann unfassbar nervt. Auch die Off-Stimme und die eingespielten Archivaufnahmen gaben dem Ganzen dann doch wieder das übliche Guido-Knopp-Appeal, bremsten den ansonsten schnellen Schnitt völlig aus. Schade, da war mehr drin.

Montag, 11. März 2013

Tatort Hamburg mit Til Schweiger: Balla-Balla für alle

Wie ging noch gleich das Sprichwort mit den Bauern und den dicksten Kartoffeln? 12,57 Millionen! Mehr als jeder dritte Zuschauer hat den Tatort mit Til Schweiger gesehen. Wie praktisch, dann muss ich nicht noch einmal wiederholen, worum es ging. Der Dritte kann es ja den jeweils zwei anderen erzählen. Vielleicht nur kurz: Ihr kennt diese Indoor-Spielplätze? Höllenlaut, ständig knallt einer hin, blutige Nasen, bis einer heult - und am Ende gibt es Pommes für alle? So in etwa: Nur dass hier statt Pommes Eier eine tragende Rolle spielten. Eier zum Frühstück, Eieruhr zum Erschrecken, Eiervergleich - selten wurde ein Leitmotiv so zu Tode geritten. Aber das war vielleicht die Stärke dieses Tatorts: Er ließ klar durchblicken, mit welcher Masche er uns unterhalten wollte - und machte sich dann über sich selbst lustig. Blöd nur, dass ich wieder höchstens die Hälfte vom Schweigerschen Genuschel verstanden habe. Nächstes Mal schalte ich Tafel 150 gleich von Anfang an zu. Überhaupt gab es hier ein eigenartiges Missverhältnis von echten Schauspielern, die ernsthaft eine Rolle verkörperten und auch so sprachen (Waschke, Hörbiger) und Schweiger, der einfach nur Schweiger war. Scripted Reality im Drama, sozusagen. Positiv hängen bleibt Assistent Fahri Yardim als männliche Lisbeth Salander im Quasselmodus. Sehr lässig! Fazit also? Ein netter neuer Spielplatz für Schweiger und seine Community. Am Ende sind sämtliche Töchter getröstet und die blutenden Nasen abgewischt. Alle gehen geschafft nach Hause und schlafen wie ein Stein.

Oder wie Wilhelm Busch einst sagte: "Das weiß ein jeder wer's auch sei // gesund und stärkend ist das Ei."

Freitag, 1. März 2013

Traumsand-Entzug: Adieu Abendgruß, hallo Action

Das Kind hat verkündet, es sei mit sechs Jahren endgültig zu alt für das Sandmännchen. Ab sofort sei nur noch "das danach" interessant. Ich bin gelinde gesagt erschüttert. So schnell und unvermittelt kann ich dem armen Kerl doch nicht den Saft abdrehen? Gerade jetzt, wo er zu melancholischer Flötenmusik durch verschneite Landschaften fährt und versucht, mir den Winter als romantische Angelegenheit zu verkaufen. Was wird jetzt aus Kalli, der noch nicht schlafen kann? Werde ich Lola Langohr jemals wiedersehen? Oder den leicht sprachgestörten Pondorondo? Miffy und ihre Freunde, gut, die würde ich opfern - aber auch nur die! Stattdessen stehen mir Action und Aufregung mit Yakari, Wickie oder Simsalagrimm bevor. Ich werde mich beim Elternschutzbund beschweren. Denn davon kann ich ganz bestimmt nicht einschlafen.

Montag, 18. Februar 2013

Netflix feiert House of Cards - und wir träumen weiter

Die Berlinale ist vorbei, und das ist gut so. Mit einem gepflegten Kino-Husten im Gepäck bin auch ich sicher wieder zu Hause gelandet. Hamwa was gelernt? Hamwa! Das Fernsehen schleicht sich still und heimlich ins Festivalprogramm ein. Jane Campion hat eine Serie namens Top of the Lake gedreht und in Berlin am Stück gezeigt. Wohl dem, der so viel Sitzfleisch hatte. Als neuer heißer Scheiß wird indes House of Cards gehandelt, ein Polit-Thriller aus der Produktion von David Fincher, starring Kevin Spacey. Zu sehen im Video-on-demand-Channel Netflix, der mich ja immer wieder vor Neid erblassen lässt. Aber gut, warten wir eben wieder ein Jahr bis die DVD da ist. Tröstend immerhin, dass ZDFneo derzeit ein anderes House versendet, nämlich House of Lies mit dem großartigen Don Cheadle als Unternehmensberater. Sehr charmant: Er spricht durch die vierte Wand zum Zuschauer, was wieder in Mode zu kommen scheint. Knifflig wird es am heutigen Montag - hurtig den Festplattenrekorder angeworfen: VOX zeigt den Auftakt von "Grimm", einer düsteren Märchenadaption mit Mystery und Horror-Elementen, die aber durchaus ihre guten Momente und gar keinen so schlechten Humor hat. Im ZDF wird derweil "Unter anderen Umständen" ermittelt - auch immer einen Blick wert. Und nicht zu vergessen: Wie geht es weiter mit Danni Lowinski und Pit? Hustend zurück ins Studio!



Donnerstag, 7. Februar 2013

Neu im Lena Dunham Fanclub: Girls, Girls, Girls!

"Wir sind eigentlich zehn Jahre zu alt dafür, du und ich, aber ich hab trotzdem sehr gelacht!", sagte meine Freundin C. neulich zu mir. Sie ist nach Australien ausgewandert und meiner Zeit, auch was Serien angeht, immer einen Schritt voraus. Aber ich hole auf! Endlich gibt es "Girls" jetzt auf DVD und wie immer hatte C. Recht. Lena Dunham ist fantastisch. Anfangs weiß man nicht so genau, auf was man sich da gerade einlässt: Freundinnen-Comedy? Coming of Age-Story? Beziehungsdrama? Generation Praktikum? Es wird sehr viel und schnell geredet, an- und ausgezogen, ins und aus dem Bett gestiegen, atemlos. Aber die Hauptfigur Hannah Horvath ist einfach so sympathisch, dass man immer weitergucken muss. Dass Girls in New York spielt, habe ich zwischendurch völlig ausgeblendet - in Hannah können sich auch Frauen aus Gelsenkirchen-Buer wiederfinden. Sie hadert mit sich, ihrer Figur, ihrem Liebesleben, den Eltern, die ihr den Geldhahn zudrehen. Sie macht sich Sorgen, schlimme Krankheiten zu haben, googelt danach, twittert nebenbei, wartet auf SMS ihrer Affäre...klingt alles nicht sonderlich spektakulär, ist aber so ehrlich und politisch unkorrekt erzählt, dass man es einfach lieben muss. Denn dafür wird man als Durchschnittsmensch nie zu alt: Selbstzweifel, kreative Blockaden, Beziehungs-Irrwege, Sinnsuche. Woody Allens Wachablösung ist da: danke, Lena Dunham!

 

Dienstag, 5. Februar 2013

Danni Lowinski: Nimm Pit!

Hoppla, ich habe ja noch gar nichts zur neuen Danni Lowinski-Staffel geschrieben! Das liegt vielleicht daran, dass es immer viel schwerer ist über etwas Schönes zu schreiben als einen Verriss. Nach dem letzten Bodensee-Tatort mit seinen derrick-esken Dialogen juckte es mich extrem in den Fingern - aber dafür war mir einfach die Zeit zu schade. Danni entzückt mich hingegen immer wieder aufs Neue. Was mir in der aktuellen Staffel besonders gut gefällt, ist der Besetzungs-Coup Dirk Borchardt, der seine Rolle als verliebter Lude ganz, ganz großartig spielt. Man kennt ihn ja als den Brutalo vom Dienst aus diversen Tatorten, SOKOs und anderen Fernsehfilmen, die Filmographie ist wirklich beeindruckend. In seiner ganzen Über-Körperlichkeit (Borchardt arbeitet unter anderem auch als Kampf-Choreograph) ist er das perfekte Puzzleteil für Danni, die ihn aber permanent abwatscht. Ich fürchte, sie wird sich am Ende doch für den Gaga-Anwalt mit dem ferngesteuerten Hubschrauber (!) entscheiden - oder bekommt gar der inzwischen verheiratete Ex noch eine Chance? Wie auch immer: Schön, wenn Schauspiel-Schwergewichte, die eigentlich schon einen Stammplatz in den Öffentlich-Rechtlichen haben, so ein angenehmes Gastspiel bei den Privaten geben. Und Danni: Nimm' den Pit. Ich möchte euch zu gern als verrücktes Ehepaar sehen!

Schöner Clip: Besuch vom Pit


Montag, 28. Januar 2013

Tatort Saarland: Die fabelhafte Welt des Jens Stellbrink

In jüngster Zeit hat uns der Tatort ja eine schräge Vögel beschert: den grüblerischen Murot, den grenzgenialen Faber, nicht zu vergessen Conny Mey in ihren weißen Jeans. Aber keiner hat sich so schnell in mein Herz gespielt wie Jens Stellbrink, auch wenn diese Figur mit dem Saarland in etwa so viel gemein hat wie ein Ring Fleischwurst mit Fischbrötchen. Warum ich diesen Ermittler mag? Jemand, der so selbstverständlich in Gummistiefeln durch den Baumarkt trabt, der seine Einkäufe einfach auf den Gepäckträger seines Roller klemmt, der Schlabberhose statt Lederhose trägt, den muss man irgendwie gern haben. Zumal, wenn dieser jemand einerseits mit großen Augen in die Welt schaut wie das Mädchen Melinda, das er in der ersten Folge zu beschützen hatte. Andererseits aber ein messerscharfes Gespür für Zwischentöne beweist und seinem Unterbewusstsein traut.

Stellbrink macht sich keinen Druck, und das ist gut so. Denn zuviel Druck machen leider die Figuren, die man um ihn herumgruppiert hat: eine Staatsanwältin, der man nach zwei Minuten beim Schnattern nicht mehr zuhören mag, und eine wohlmöglich der Matrix entsprungene Kampf-Kollegin, die das Lächeln an der Kommissariatspforte abgegeben hat. Dazwischen strahlt dieser Stellbrink wie eine männliche Variante von Amélie, keck und unangreifbar mitten im bösen Geschehen. Soviel Magie schafft nur ein Ausnahmeschauspieler wie Devid Striesow. Ich mag sie, die fabelhafte Welt des Jens Stellbrink.

Montag, 21. Januar 2013

Polizeiruf 110 Rostock: "Der Fisch ist illegal! Aber essen Sie ruhig weiter."

Ihr wisst es: der Rostocker ist mein liebster Polizeiruf. Weil er einfach alles hat: spröde aber doch pointierte Dialoge, dickköpfige Charaktere, Hafenflair, eine perfekte Besetzung. So auch diesmal in der Folge "Fischerkrieg", die sich illegalen Fischfangmethoden widmete. Eine Szene brachte die ganze Misere perfekt auf den Punkt: Bukow sitzt im Restaurant, Kollegin König bestellt ihm ein Fischgericht und klärt ihn über die Herkunft auf: schwarz gehandelt. Darauf ruft Bukow in den Raum: "Der Fisch ist illegal! Aber essen Sie ruhig weiter." Und so ist es im Grunde ja auch: Gelesen hat man schon so viel von Überfischung und Fangquoten, aber kaum jemand lässt sich davon beim Einkauf leiten.

Ich gelobe Besserung! Und muss gestehen, dass ich im "Fischerkrieg" zwischenzeitlich den Faden verloren habe und teils nicht mehr wusste, wer hier wen warum verdroschen hat. Ein Ruhepol in all dem Wirrwar: Kurt Manchen als Bukows Vater Veit, der diesmal richtig viel Dreck am Stecken hatte - und am Ende einen moralischen Teilsieg erringen konnte. Dass das Mordmotiv dann plötzlich einer Männerliebe entsprang, hat mir allerdings ein "Och nö!" entlockt, kam es doch wie Kai aus der Kiste, weit weg von den (ebenso wie der Fisch) illegalen Flüchtlingsfuhren nach Schweden, um die sich lange alles gedreht hatte. Insgesamt aber doch wieder ein passabler Wurf.

Und nicht vergessen: Ab heute gibt es neue Danni Lowinski-Staffeln - sie bekommt ein eigenes Büro. Ob das gut geht?

Freitag, 11. Januar 2013

Silver Linings: Das muss man gesehen haben

Achtung, Achtung, ich unterbreche diesen Blog für eine Eilmeldung: Bitte sofort vom Fernseher lösen und ins Kino gehen! Und dann: Silver Linings ansehen! Das ist diesmal keine Empfehlung, sondern ein Befehl. Der Film hat aber auch wirklich alles: Witz, Skurrilität, Ideen. Er ist angenehm unsentimental und trotzdem sehr, sehr berührend. Und toll gespielt! Das sage ich nicht nur wegen Bradley Cooper. Ehrlich. Ende der Durchsage!

 

Montag, 7. Januar 2013

Adlon: Depression in Mahagoni

Es hätte so schön werden können - ein bisschen Glanz und Gloria im dunklen Januar, ein prominenter Cast, ein mondänes Set: Von "Adlon" hatte ich mir doch einiges erwartet. Was bleibt nach Teil 1? Ein Gefühl zwischen Langeweile und Überdruss. Langeweile, weil die Szenen keinen Drive hatten, die Dialoge vor sich hin plätscherten, die Figuren flach blieben. Überdruss, weil die Musik jegliche Feinheiten zukleisterte, weil der Hauptkonflikt (das Baby, das der Mutter weggenommen wurde) immer und immer wieder hochgezogen wurde. Das alles über weite Strecken in lichtlosen Räumen mit Mahagoni-Vertäfelung - da wird man doch depressiv! Noch dazu garniert mit Archiv-Material aus dem ersten Weltkrieg, damit auch der Lerneffekt nicht ausbleibt. Hätte man auf diese Knoppisierung nicht verzichten können?



Dazu kamen unfreiwillig skurrile Elemente, beispielsweise Christiane Paul mit schlecht einstudiertem Chris-Howland-Dialekt und der witzelnde Kaiser mit überdimensionalem Schnorres. Was fehlte? Liebe zum Detail, und zwar nicht nur bei den Kostümen. Die tollen Schauspieler hatten kaum etwas zu tun, außer steif in der Gegend herumzustehen und flache Sätze von sich zu geben. Und auch eine Prise Humor hätte "Adlon" gut getan. Im zweiten Teil sind immerhin frische Schauspieler dabei, aber ob jetzt noch Spannung aufkommt?

Donnerstag, 3. Januar 2013

Smash: Sind wir nicht alle ein bisschen Marilyn?

Das darf man ja kaum laut sagen, wenn man in Hamburg wohnt - wo doch hier jeder Quadratmeter darauf abgeklopft wird, ob nicht doch noch Platz für ein weiteres Musicaltheater wäre: Mich könnt ihr mit Musicals jagen. Zumindest was die deutschen Produktionen mit Löwen, auf Rollenschuhen oder im Boxring angeht: Ich verzichte gern. Wenn mir jedoch jemand eine Karte für eine Broadway-Show schenken würde, ich würde sofort zugreifen. "A Chorus Line" mit Michael Douglas habe ich sicher schon häufiger gesehen als "Dirty Dancing", und natürlich war ich als Teenie süchtig nach "Fame".

Jahrzehnte später hat nun Steven Spielberg mit Smash eine neue Serie produziert, in der sich wieder alles um Lügen und Geheimnisse im Backstage-Bereich einer amerikanischen Musicalproduktion dreht. RTL2 sendet die erste Staffel ab heute um 20.15 Uhr, aber das Etikett "Serienhighlight" scheint mir etwas zu hoch gegriffen. Dabei ist der Plot gar nicht schlecht: Ein ungleiches Songwriter-Paar plant ein Musical über Marilyn Monroe. Da der Erfolg der Show sehr von der Hauptdarstellerin abhängt, ist das Casting besonders brisant. Soll die schüchterne Karen Cartwright aus Iowa eine Chance bekommen, die sich bislang als Kellnerin durchschlägt und auf den großen Durchbruch hofft? Oder die abgeklärte und etwas drallere Ivy Lynn, die nach Jahren in verschiedenen Musical-Ensembles ihre letzte Chance auf eine Hauptrolle gekommen sieht?

Entscheiden soll das der ultracoole und - wie könnte es anders sein - bärbeißige Choreograph Derek Wills. Und leider, leider kann Jack Davenport (den ich schon in Flash Forward sehr hölzern fand) einem wie Michael Douglas nicht das Wasser reichen. Er gibt den Typ mit Ecken und Kanten nur vor, hat aber de fakto gar keine. Auch Katharine McPhee und Megan Hilty als Karen und Ivy wirken viel zu glatt - man sieht sie nicht einmal wirklich schwitzen nach einem harten Tanztraining. Aus dem gleichen Grund schaue ich auch CSI nicht mehr: Der ganze Look ist mir zu künstlich und steril, da fehlt einfach der Charme.

Ansonsten wird natürlich inflationär mit Körperteilen gewackelt und Lippenstift aufgetragen, damit man auch ja nie vergisst: Es geht um Marilyn! Die doch so viel Herz hatte! Und die ja so schlimm kommerzialisiert wurde - in Smash etwa nicht? Erträglich wird es durch Anjelica Huston als abgebrannte, frisch geschiedene Produzentin und Debra Messing als Songwriterin Julia, die dem Ganzen einen Hauch Menschlichkeit verleihen. In den USA läuft demnächst die zweite Staffel, in der auch Jennifer Hudson mitspielt.