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Montag, 7. Januar 2013

Adlon: Depression in Mahagoni

Es hätte so schön werden können - ein bisschen Glanz und Gloria im dunklen Januar, ein prominenter Cast, ein mondänes Set: Von "Adlon" hatte ich mir doch einiges erwartet. Was bleibt nach Teil 1? Ein Gefühl zwischen Langeweile und Überdruss. Langeweile, weil die Szenen keinen Drive hatten, die Dialoge vor sich hin plätscherten, die Figuren flach blieben. Überdruss, weil die Musik jegliche Feinheiten zukleisterte, weil der Hauptkonflikt (das Baby, das der Mutter weggenommen wurde) immer und immer wieder hochgezogen wurde. Das alles über weite Strecken in lichtlosen Räumen mit Mahagoni-Vertäfelung - da wird man doch depressiv! Noch dazu garniert mit Archiv-Material aus dem ersten Weltkrieg, damit auch der Lerneffekt nicht ausbleibt. Hätte man auf diese Knoppisierung nicht verzichten können?



Dazu kamen unfreiwillig skurrile Elemente, beispielsweise Christiane Paul mit schlecht einstudiertem Chris-Howland-Dialekt und der witzelnde Kaiser mit überdimensionalem Schnorres. Was fehlte? Liebe zum Detail, und zwar nicht nur bei den Kostümen. Die tollen Schauspieler hatten kaum etwas zu tun, außer steif in der Gegend herumzustehen und flache Sätze von sich zu geben. Und auch eine Prise Humor hätte "Adlon" gut getan. Im zweiten Teil sind immerhin frische Schauspieler dabei, aber ob jetzt noch Spannung aufkommt?

Kommentare:

  1. Der 1. Teil hat mir wieder vor Augen geführt, warum ich Kostümfilmen (Ausnahme: »Amadeus«) nichts abgewinnen kann. Das kann Theater besser. Ich mag es nicht, wenn so hervorragende Schauspieler wie Burghart Klaussner in ihrer Verkleidung schier ersticken. Lebendig wurde es erst, als Josephine Preuß auftrat.

    Bei den eingespielten Archivfilmen musste ich auch den Möchtegern-Geschichtslehrer des ZDF erinnert, fühlte ich mich auf das Niveau eines Unwissenden zurückversetzt – und verarscht.

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  2. Wohl wahr. Aber ich muss gestehen: Der zweite Teil hat mich weitaus mehr reingezogen. Was wohl auch an den guten Schauspielern liegt, die hier erst sehr spät wie Asse aus dem Ärmel gezogen werden. Hups, ist plötzlich Jürgen Vogel drin. Und Duken entwickelt tatsächlich so etwas wie Charisma. Aber ganz ohne Geschichtsbuch-Abarbeiten ging es auch diesmal nicht.

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