Google+ Followers

Donnerstag, 3. Januar 2013

Smash: Sind wir nicht alle ein bisschen Marilyn?

Das darf man ja kaum laut sagen, wenn man in Hamburg wohnt - wo doch hier jeder Quadratmeter darauf abgeklopft wird, ob nicht doch noch Platz für ein weiteres Musicaltheater wäre: Mich könnt ihr mit Musicals jagen. Zumindest was die deutschen Produktionen mit Löwen, auf Rollenschuhen oder im Boxring angeht: Ich verzichte gern. Wenn mir jedoch jemand eine Karte für eine Broadway-Show schenken würde, ich würde sofort zugreifen. "A Chorus Line" mit Michael Douglas habe ich sicher schon häufiger gesehen als "Dirty Dancing", und natürlich war ich als Teenie süchtig nach "Fame".

Jahrzehnte später hat nun Steven Spielberg mit Smash eine neue Serie produziert, in der sich wieder alles um Lügen und Geheimnisse im Backstage-Bereich einer amerikanischen Musicalproduktion dreht. RTL2 sendet die erste Staffel ab heute um 20.15 Uhr, aber das Etikett "Serienhighlight" scheint mir etwas zu hoch gegriffen. Dabei ist der Plot gar nicht schlecht: Ein ungleiches Songwriter-Paar plant ein Musical über Marilyn Monroe. Da der Erfolg der Show sehr von der Hauptdarstellerin abhängt, ist das Casting besonders brisant. Soll die schüchterne Karen Cartwright aus Iowa eine Chance bekommen, die sich bislang als Kellnerin durchschlägt und auf den großen Durchbruch hofft? Oder die abgeklärte und etwas drallere Ivy Lynn, die nach Jahren in verschiedenen Musical-Ensembles ihre letzte Chance auf eine Hauptrolle gekommen sieht?

Entscheiden soll das der ultracoole und - wie könnte es anders sein - bärbeißige Choreograph Derek Wills. Und leider, leider kann Jack Davenport (den ich schon in Flash Forward sehr hölzern fand) einem wie Michael Douglas nicht das Wasser reichen. Er gibt den Typ mit Ecken und Kanten nur vor, hat aber de fakto gar keine. Auch Katharine McPhee und Megan Hilty als Karen und Ivy wirken viel zu glatt - man sieht sie nicht einmal wirklich schwitzen nach einem harten Tanztraining. Aus dem gleichen Grund schaue ich auch CSI nicht mehr: Der ganze Look ist mir zu künstlich und steril, da fehlt einfach der Charme.

Ansonsten wird natürlich inflationär mit Körperteilen gewackelt und Lippenstift aufgetragen, damit man auch ja nie vergisst: Es geht um Marilyn! Die doch so viel Herz hatte! Und die ja so schlimm kommerzialisiert wurde - in Smash etwa nicht? Erträglich wird es durch Anjelica Huston als abgebrannte, frisch geschiedene Produzentin und Debra Messing als Songwriterin Julia, die dem Ganzen einen Hauch Menschlichkeit verleihen. In den USA läuft demnächst die zweite Staffel, in der auch Jennifer Hudson mitspielt.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen