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Montag, 25. März 2013

Roland Kaiser im Münster Tatort: Der Egoist sticht Boerne aus

Es gibt da diese legendäre Folge, in der Bernd Stromberg damit beauftragt wird, einen Show-Act für die Betriebsfeier zu organisieren. Für Roland Kaiser, "den alten Schlüpfer-Stürmer", müsste das Budget locker reichen, denkt er. Den Zahn zieht ihm Kaisers Manager relativ schnell. Kein Kaiser also. Am Ende muss Stromberg die Polonäse als "Bernd von M bis Z" selbst durch den Saal führen. Im Münster-Tatort persönlich aufzutreten, das lässt sich der wahre Kaiser aber natürlich nicht nehmen. Ein wirklich cleverer Schachzug: Zu den vielen Anhängern des Schmunzel-Krimis kamen so noch ein paar Schlagerfans dazu, was sich auf 12,81 Millionen Zuschauer "summ"-ierte.

Kaiser machte seine Sache wirklich gut - und erstaunlich uneitel. Der von ihm verkörperte "Roman König" (!) bot nicht viel Stoff für Mädchenträume: Nicht nur führte er einen Harem tätowierter Groupies, er machte auch als Bienengift-Opfer im Hotelbett eine eher schwammige Figur. Damit war er neben Thiel der Einzige in dieser Episode, der halbwegs authentisch rüberkam. Professor Boerne hingegen wirkte in seinem Seiden-Kimono wie aus "Charlys Tante" entsprungen. Liefers tendierte diesmal dazu, den Slapstick zu überdrehen. Obwohl er durchaus gute Momente produzierte: vor allem im Zusammenspiel mit ChrisTine Urspruch als Alberich. Wie er sie nach der Spinnensuche mit einem Ruck unter dem Bett hervorzog - grandios. Schlussendlich läpperte "Summ, summ, summ" aber detailverliebt vor sich hin. Mir gefallen die Münsteraner deutlich besser, wenn der Fall mehr Bodenhaftung hat. Dann kommen auch die Gags viel klarer heraus.

Und jetzt alle: Ich glaub' es geht schon wieder los...

Dienstag, 19. März 2013

Danni Lowinski: Alles aus für Pit?

Das war aber auch wieder gemein! Da gibt der Pit sich so viel Mühe, macht eine Therapie, töpfert einen Aschenbecher - und Danni bleibt bei "nein" und "aber". Gut, es war vielleicht etwas übertrieben, gleich seine Therapeutin mitzubringen, um sie breitzuschlagen. Aus Mitleid wird Danni ihn ganz bestimmt nicht nehmen. Aber Kletterwand und Wildwasserrafting mit August - das kann es doch nun wirklich nicht sein! Zu dumm, dass der gerade dann mit Pizza und Wein um die Ecke bog, als man dachte: Ha, jetzt lässt er sie mitten in der "Papa im Knast"-Misere hängen und sie kommt endlich zur Vernunft.

Da wir uns ja langsam dem Staffelfinale nähern, darf also gewettet werden: Kriegt der - jetzt handzahme - Lude mit Herz noch eine Chance? Oder heiratet Danni nach oben, nachdem sie schon fast Prinzessin geworden wäre?

P.S.: Endlich packt mal jemand das Thema Organspende so an, dass es jeder versteht. Gut und wichtig!
P.S.S.: Endlich wieder Brigitte Grothum im TV!

Montag, 18. März 2013

Unsere Mütter, unsere Väter: Musik aus!

Ich bin auf die Vorab-Lobhudelei reingefallen. "Unsere Mütter, unsere Väter" wurde angekündigt als modern inszeniertes und gefilmtes TV-Ereignis, als frischer Blick auf die Generation junger Wehrmachtssoldaten, die fürs Leben gezeichnet aus dem Krieg zurückkehrten und kaum darüber redeten. Für mich zwar eher "Unsere Omas, unsere Opas", aber ich war dennoch neugierig. Die gute Nachricht: das ZDF ist mit dem ersten Teil haarscharf an der Grenze zum Unerträglichen vorbeigeschliddert. Das war vor allem den Schauspielern zu verdanken - gottseidank nicht die übliche Riege, sondern echte Talente wie Volker Bruch (den ich ja schon in "Rose" super fand), Ludwig Trepte und Tom Schilling, die jede Kamera lieben muss. Bruch kann Anspannung und Verzweiflung allein durch angespannte Kiefernmuskeln zeigen, durch einen unendlich müden Blick - viel Charaktertiefe gab es aber nicht zu spielen.

Was die fünf Freunde vor dem Krieg verband, wurde anfangs viel zu schnell abgehandelt, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und später mitzuleiden. Und was an der Front wirklich in diesen jungen Männern vorging, bleibt auch nach dem ersten Teil von "Unsere Mütter, unsere Väter" ein Rätsel.Wie wir über die Trauer, die inneren Konflikte und den Verlust der Figuren zu denken hatten, wurde uns von Musik à la Hans Zimmer vorgeschrieben, die jeden Zwischenton zukleisterte. Achtung, es wird ein bisschen traurig: leise Klaviertöne. Achtung, richtig dolle dramatisch und traurig: Geigen und Pauken. Verordnetes Mitleid, das irgendwann unfassbar nervt. Auch die Off-Stimme und die eingespielten Archivaufnahmen gaben dem Ganzen dann doch wieder das übliche Guido-Knopp-Appeal, bremsten den ansonsten schnellen Schnitt völlig aus. Schade, da war mehr drin.

Montag, 11. März 2013

Tatort Hamburg mit Til Schweiger: Balla-Balla für alle

Wie ging noch gleich das Sprichwort mit den Bauern und den dicksten Kartoffeln? 12,57 Millionen! Mehr als jeder dritte Zuschauer hat den Tatort mit Til Schweiger gesehen. Wie praktisch, dann muss ich nicht noch einmal wiederholen, worum es ging. Der Dritte kann es ja den jeweils zwei anderen erzählen. Vielleicht nur kurz: Ihr kennt diese Indoor-Spielplätze? Höllenlaut, ständig knallt einer hin, blutige Nasen, bis einer heult - und am Ende gibt es Pommes für alle? So in etwa: Nur dass hier statt Pommes Eier eine tragende Rolle spielten. Eier zum Frühstück, Eieruhr zum Erschrecken, Eiervergleich - selten wurde ein Leitmotiv so zu Tode geritten. Aber das war vielleicht die Stärke dieses Tatorts: Er ließ klar durchblicken, mit welcher Masche er uns unterhalten wollte - und machte sich dann über sich selbst lustig. Blöd nur, dass ich wieder höchstens die Hälfte vom Schweigerschen Genuschel verstanden habe. Nächstes Mal schalte ich Tafel 150 gleich von Anfang an zu. Überhaupt gab es hier ein eigenartiges Missverhältnis von echten Schauspielern, die ernsthaft eine Rolle verkörperten und auch so sprachen (Waschke, Hörbiger) und Schweiger, der einfach nur Schweiger war. Scripted Reality im Drama, sozusagen. Positiv hängen bleibt Assistent Fahri Yardim als männliche Lisbeth Salander im Quasselmodus. Sehr lässig! Fazit also? Ein netter neuer Spielplatz für Schweiger und seine Community. Am Ende sind sämtliche Töchter getröstet und die blutenden Nasen abgewischt. Alle gehen geschafft nach Hause und schlafen wie ein Stein.

Oder wie Wilhelm Busch einst sagte: "Das weiß ein jeder wer's auch sei // gesund und stärkend ist das Ei."

Freitag, 1. März 2013

Traumsand-Entzug: Adieu Abendgruß, hallo Action

Das Kind hat verkündet, es sei mit sechs Jahren endgültig zu alt für das Sandmännchen. Ab sofort sei nur noch "das danach" interessant. Ich bin gelinde gesagt erschüttert. So schnell und unvermittelt kann ich dem armen Kerl doch nicht den Saft abdrehen? Gerade jetzt, wo er zu melancholischer Flötenmusik durch verschneite Landschaften fährt und versucht, mir den Winter als romantische Angelegenheit zu verkaufen. Was wird jetzt aus Kalli, der noch nicht schlafen kann? Werde ich Lola Langohr jemals wiedersehen? Oder den leicht sprachgestörten Pondorondo? Miffy und ihre Freunde, gut, die würde ich opfern - aber auch nur die! Stattdessen stehen mir Action und Aufregung mit Yakari, Wickie oder Simsalagrimm bevor. Ich werde mich beim Elternschutzbund beschweren. Denn davon kann ich ganz bestimmt nicht einschlafen.