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Montag, 18. März 2013

Unsere Mütter, unsere Väter: Musik aus!

Ich bin auf die Vorab-Lobhudelei reingefallen. "Unsere Mütter, unsere Väter" wurde angekündigt als modern inszeniertes und gefilmtes TV-Ereignis, als frischer Blick auf die Generation junger Wehrmachtssoldaten, die fürs Leben gezeichnet aus dem Krieg zurückkehrten und kaum darüber redeten. Für mich zwar eher "Unsere Omas, unsere Opas", aber ich war dennoch neugierig. Die gute Nachricht: das ZDF ist mit dem ersten Teil haarscharf an der Grenze zum Unerträglichen vorbeigeschliddert. Das war vor allem den Schauspielern zu verdanken - gottseidank nicht die übliche Riege, sondern echte Talente wie Volker Bruch (den ich ja schon in "Rose" super fand), Ludwig Trepte und Tom Schilling, die jede Kamera lieben muss. Bruch kann Anspannung und Verzweiflung allein durch angespannte Kiefernmuskeln zeigen, durch einen unendlich müden Blick - viel Charaktertiefe gab es aber nicht zu spielen.

Was die fünf Freunde vor dem Krieg verband, wurde anfangs viel zu schnell abgehandelt, um eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und später mitzuleiden. Und was an der Front wirklich in diesen jungen Männern vorging, bleibt auch nach dem ersten Teil von "Unsere Mütter, unsere Väter" ein Rätsel.Wie wir über die Trauer, die inneren Konflikte und den Verlust der Figuren zu denken hatten, wurde uns von Musik à la Hans Zimmer vorgeschrieben, die jeden Zwischenton zukleisterte. Achtung, es wird ein bisschen traurig: leise Klaviertöne. Achtung, richtig dolle dramatisch und traurig: Geigen und Pauken. Verordnetes Mitleid, das irgendwann unfassbar nervt. Auch die Off-Stimme und die eingespielten Archivaufnahmen gaben dem Ganzen dann doch wieder das übliche Guido-Knopp-Appeal, bremsten den ansonsten schnellen Schnitt völlig aus. Schade, da war mehr drin.

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