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Montag, 29. April 2013

Tatort Hamburg: Lass das mal den Wotan machen

Die letzte Tüte Milch ist getrunken, die Feuer gelöscht: und gegen Wotan Wilke Möhring (und hier gebe ich zu: ich musste schon wieder nachgucken, wie man den Namen richtig schreibt) kann man nichts sagen. Als Kommissar Thorsten Falke war er wirklich sehr viel angenehmer als der dauerballernde Tschick Nilla. Street-Credibility: passt. Etwas kumpelig, etwas schratig, auf eine Hamburger Art direkt - und zum Glück sehr unaufgeregt. Gar nicht so schlecht auch die Idee, den Nebenplot über sein Privatleben an seiner Freundschaft zu Jan (Sebastian Schipper) aufzuhängen. Denn Freundschaft jenseits der Vierzig, wenn die Lebensentwürfe auseinanderdriften, kann manchmal genauso kompliziert sein wie Liebesbeziehungen. Hier und da wurde die Buddy-Romantik für meinen Geschmack allerdings etwas überstrapaziert - übers Lagerfeuer hüpfen am Strand und so weiter. Da bleibt "Absolute Giganten" bei allen Anspielungen einfach unerreicht.

Der Fall rund um den Feuerteufel selbst hatte immerhin einen echten Hamburg Bezug - auch wenn einiges unklar und flach blieb. Was ging wirklich in dem jungen Zündler vor, wo kam der her, was hatte er vorher erlebt? Und dann der Ehemann Jürgen Mintal: mit Bernhard Schütz so prominent besetzt, dass einem gleich mehr schwante. Doch warum die Nummer mit dem Kopfgeld? Auch Petra Schmidt-Schaller dürfte noch einiges mehr zu zeigen haben als ein sphinxhaftes Lächeln. Aber zwischen der kühlen Blonden und dem Calcium-Fetischisten Falke geht sicher noch einiges - bei der nächsten Folge bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.

Dienstag, 23. April 2013

Danni und Pit: Die Mafiabraut dreht noch eine Warteschleife

Das war mal ein Staffelfinale nach meinem Geschmack! Danni heiratet Bea. Papa sticht sein erstes Tattoo. Zeltinger aka "de Pläät" platzt in der Sauna und die Mafiabraut-Anwältin haut Pit aus dem Knast. Am Ende feiern alle in der SUV-Limo. Nicht zu vergessen: Jochen Nickels Auftritt als "der Schäng", der Danni ein ehrliches Gespräch mit seinem P**** erlaubte. Zum Ende wurde also noch einmal tief in die dreckige Kiste gegriffen, und das ist es ja auch, was diese Serie so sympathisch macht. Es darf herumgesaut werden! Danni kann jetzt das Kind ihrer "best friend forever" adoptieren, aber die Männerfrage bleibt offen. Gut, dass die nächste Staffel schon angekündigt wurde. Augusts Dackelblick am Ende war ja fast schon herzzerreißend - und Pit (Dirk Borchardt) hat natürlich sämtliche Romantik-Register gezogen. Der Beinahe-Kuss am Ende: Hach! Mal ehrlich Mädels - wie bockig muss man sein, diesen Bad Guy ziehen zu lassen? Aber in der Causa Pit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das hätte sicher auch de Pläät so gewollt.

Montag, 15. April 2013

Letzter Tatort mit Conny Mey: Abschied ist ein scharfer Nagelknipser

Die Pediküre fällt heute aus: In den nächsten Tagen wäre es mir sehr lieb, wenn alle erst einmal ihre Socken anlassen. Mein Bedarf an blutigen Zehen ohne Nägel ist vorerst gedeckt. Die zweite schlechte Nachricht: "Wer das Schweigen bricht" war der letzte Fall mit Conny Mey. Tröstlich, dass einem der Abschied nicht gerade schwer gemacht wurde: Seltsam unausgegoren war diese Episode, düster und lichtlos, und die podologischen Details hätte ich mir auch gern erspart. Ständig diese Folterfüße im Bild - da kriegt man ja Phantomschmerzen! Immerhin weiß ich jetzt, wie man Psoriasis ausspricht. Schade, dass der eigentlich spannenden Erzählstrecke im Gefängnis so schnell die Puste ausging - Steier machte da einen guten Job, "emotional etwas over ze top", wie er sagen würde. Doch dann kippte die Story: Nazis, Russen und Wärter spielten plötzlich kaum noch eine Rolle, es folgten Entführung, lahme Krankenhausszenen, Warten aufs SEK, ein 08/15 Showdown. Immerhin zeigten Steier-Mey ein letztes Mal, was dieses Duo so besonders machte: Steier stur wie aus Stein, aber schnoddrig mit Seele. Mey (diesmal erstaunlich hoch geschlossen) unbeirrbar direkt, schnörkellos und lustig. Zurecht fragte Steier, was denn jetzt aus "Ich geh' mit dir durch dick und doof" werde. Die beiden sind in ihrer doppelten Präsenz wohl kaum zu ersetzen. Bye, bye, Conny Mey - irgendwas von dir bleibt hier! Und wenn es nur das Mädchengemüse ist.

Mittwoch, 3. April 2013

Lerchenberg: Der Anfang ist gemacht

Innovation beim ZDF: Klingt erst einmal gefährlich, tut aber gar nicht weh. Zwar ist vom neuen frischen Wind vorerst nur ein leises Lüftchen wahrzunehmen. Aber mit "Lerchenberg" ist immerhin ein Anfang gemacht: mit viel Mut für öffentlich-rechtliche Verhältnisse, auch wenn es sicher noch etwas mutiger ginge. Man startet erst einmal da, wo man sich auskennt: In den eigenen Mainzer Hallen, in der die verzweifelte Redakteurin einer Entwicklungsredaktion versucht, ein neues Format für Sascha Hehn zu finden. Es hagelt Anspielungen auf die Tücken des Sendealltags, aber all das bleibt in kalkulierbarem Rahmen und wird nie richtig böse. Was den Charme ausmacht, ist die ungewöhnliche Besetzung. Eva Löbau als Billie Zarg ist erwartungsgemäß richtig toll. Die Rolle der Schüchternen, die von allen herumgeschubst wird und sich nicht aus der Deckung wagt, ist wie für sie gemacht. Sascha Hehn und sogar Wayne Carpendale machen vor, dass sie tatsächlich spielen können, wenn man ihnen glaubwürdigen Text gibt statt pilcherisierter Plattheiten. Und keine Frage: Hehn macht sich mit Bravour zum Affen. Erst Roland Kaiser, dann Hehn: Wer das Schmalz-Business so lange überstanden hat, hat sich ein lässiges Comeback einfach verdient.

Für meinen Geschmack war Lerchenberg aber erst in der letzten Folge so konsequent unkorrekt, dass es richtig Spaß machte. (Achtung Spoiler!) Wie die völlig fertige Billie im überdimensionalen Mainzelmännchen Det-Kostüm den verwahrlosten Hehn in Kapitäns-Uniform küsste: ein großer Moment! Da hatte sich Lerchenberg warm gespielt, und man hätte gern noch ein paar Folgen lang zugesehen. Aber das kann ja noch werden?