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Dienstag, 18. Juni 2013

Satire-Alert: Ihr macht wohl Witze (garantiert Hirschhausenfrei)

Geht ein Deutscher zum Lachen in den Keller. Kommt nach einer Minute wieder zurück. Unten sitzt schon Friedrich Küppersbusch. Gut so! Denn was der "Sozialkundelehrer ohne Haare" da in seinem Hobbyraum zusammenzimmert, sieht zwar aus wie Bürgerfernsehen der ersten Stunde, lässt mich aber durchaus lächelnd einschlafen. Alles wird gut, denn Friedrich und sein "Tagesschaum"-Team haben das Geschehen im Blick. Und weil ich so entspannt schlafe, weise ich nur minimale Gebrauchsspuren auf - und bin damit der Albtraum jedes Marktforschungsinstituts, eine Art Gestaltenwandler zwischen den Zielgruppen: Alt genug um Küppersbusch gut zu finden, weil ich dem Herrn früher schon mal beim Fernsehmachen zugesehen habe. Aber auch wiederum nicht zu alt, um mich nicht auch auf das neue NEO MAGAZIN mit Jan Böhmermann (ab Herbst auf ZDFneo) zu freuen - aus Gründen! Mit dem dritten blassen Anzugträger fremdele ich noch etwas: "Durchgedreht!" mit Jörg Thadeusz  hat bei mir eher gekokelt als gezündet. Impro-Shows sind wohl nicht so meins. So viel Spontaneität macht einen ja ganz nervös.

Montag, 10. Juni 2013

Tatort Bremen: Heute trag' ich Trauma

Es gibt Spielzeuge, die sind so simpel und gut, dass sie nie aussterben. Papierpuppen zum Beispiel. Einfach ein paar Streifchen umknicken, schon hat man ihnen ein neues Kostüm verpasst. Dieses Prinzip scheint den Machern des Bremen-Tatorts vertraut zu sein. Lürsen und Stedefreund trugen in "Er wird töten" ihre Traumata vor sich her, als hätte sie ihnen jemand angepappt. Während Lürsen mit versteinerte Miene um ihren Noch-Nicht-Aber-Irgendwie-Doch-Lover Leo (ein viel zu kurzer Auftritt für den tollen Antoine Monot Jr.) trauerte, hatte Stedefreund an den Gräueln seines Afghanistan-Einsatzes zu kauen. Und doch wirkten beide wie immer, abgesehen von den Wäscheständern und Türen, die Stedefreund um- bzw. eintrat. Wenigstens kam damit in die kostengünstige Produktion, die sich fast nur in einem Gebäude abspielte, ein wenig Bewegung.

Ansonsten wirkte dieser Fall, der eigentlich viel über Schuld, verpasste Chancen und Einsamkeit zu erzählen hatte, merkwürdig spröde und leidenschaftslos. Die eigentliche Tragik entfaltete sich erst in den letzten Minuten, als endlich die ganze Geschichte von Marie (Annika Kuhl) erzählt wurde: Eine ehrgeizige Ärztin, die den Vater beeindrucken will, betäubt ihr Kind, weil sie zu einer vermeintlich wichtigen OP antreten will. Die tödlichen Folgen schiebt sie auf väterliche Anweisung ihrem Mann in die Schuhe, der dafür acht Jahre im Knast verbüßt. Damit er sie nie wieder strafend anschaut, mordet sie noch einmal und lenkt den Verdacht erneut auf ihn. So viel Selbstverleugnung tut weh. Lürsen und Stedefreund dürfen indes ihre Trauma-Papierkleidchen wieder abnehmen. Ich bin gespannt, was man ihnen als Nächstes aus dem Schränkchen holt.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Holy Moly: Kebekus-Zensur beim WDR

Lieber WDR,

ich hätte jetzt gern anteilig meinen Rundfunkbeitrag zurück. Warum dürfte dir klar sein. Das Video von Carolin Kebekus war offenbar schon seit drei Wochen freigegeben - und jetzt kurz vor Abschuss hast du es zurückgezogen. Gab es davor etwa einen Anruf aus dem großen V? Oder sind die lokalen Kirchen-Allerwertesten dir aufs Dach gestiegen? Was mich aber noch mehr ärgert: dass du den Religionsangehörigen unter deinen Zuschauern kein bisschen Humor zutraust. Glaubst du allen Ernstes, auch nur ein Katholik unter 40 wäre nach dem Video heulend zusammengebrochen? Nicht, dass ich dazugehören würde, aber: Vielleicht hätten gerade jene nach all den Skandalen sogar ganz gern etwas zu lachen? Mit Verlaub: Da hast du dir vor lauter Weihrauchnebel ein ganz schön dickes Eigentor geschossen. Denn jetzt wird das schöne Stück munter verlinkt - oder besser gesagt: auf Teufel komm raus.

Deine Fernsehfreundin