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Montag, 10. Juni 2013

Tatort Bremen: Heute trag' ich Trauma

Es gibt Spielzeuge, die sind so simpel und gut, dass sie nie aussterben. Papierpuppen zum Beispiel. Einfach ein paar Streifchen umknicken, schon hat man ihnen ein neues Kostüm verpasst. Dieses Prinzip scheint den Machern des Bremen-Tatorts vertraut zu sein. Lürsen und Stedefreund trugen in "Er wird töten" ihre Traumata vor sich her, als hätte sie ihnen jemand angepappt. Während Lürsen mit versteinerte Miene um ihren Noch-Nicht-Aber-Irgendwie-Doch-Lover Leo (ein viel zu kurzer Auftritt für den tollen Antoine Monot Jr.) trauerte, hatte Stedefreund an den Gräueln seines Afghanistan-Einsatzes zu kauen. Und doch wirkten beide wie immer, abgesehen von den Wäscheständern und Türen, die Stedefreund um- bzw. eintrat. Wenigstens kam damit in die kostengünstige Produktion, die sich fast nur in einem Gebäude abspielte, ein wenig Bewegung.

Ansonsten wirkte dieser Fall, der eigentlich viel über Schuld, verpasste Chancen und Einsamkeit zu erzählen hatte, merkwürdig spröde und leidenschaftslos. Die eigentliche Tragik entfaltete sich erst in den letzten Minuten, als endlich die ganze Geschichte von Marie (Annika Kuhl) erzählt wurde: Eine ehrgeizige Ärztin, die den Vater beeindrucken will, betäubt ihr Kind, weil sie zu einer vermeintlich wichtigen OP antreten will. Die tödlichen Folgen schiebt sie auf väterliche Anweisung ihrem Mann in die Schuhe, der dafür acht Jahre im Knast verbüßt. Damit er sie nie wieder strafend anschaut, mordet sie noch einmal und lenkt den Verdacht erneut auf ihn. So viel Selbstverleugnung tut weh. Lürsen und Stedefreund dürfen indes ihre Trauma-Papierkleidchen wieder abnehmen. Ich bin gespannt, was man ihnen als Nächstes aus dem Schränkchen holt.

1 Kommentar:

  1. Postel und Mommsen spielten für mich so, als wollten sie partout nichts mit dem Film zu tun haben.

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