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Freitag, 30. August 2013

Jetzt neu: Die Freitags-Flusen!

Ab sofort gibt's hier endlich regelmäßig etwas Neues: Die Freitags-Flusen! Alle News und Kuriositäten, die über die Woche an mir hängengeblieben sind: frisch abgezupft und mit Liebe serviert!

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Es gibt noch einen Fernsehgott: Olli Schulz hat mit "Schulz in the Box" gezeigt, wie man's macht. Die erste Folge führte ihn zu den Protestlern von Fuck for Forrest, bei denen sicher lange nicht mehr so viel gelacht wurde (wahrscheinlich ist die Bewegung auch deshalb noch so klein). Schulz blieb locker, ganz er selbst, kein bisschen zynisch oder besserwisserisch. Tiefenentspanntes Fernsehen fürs große Grinsen. Gimme more!

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Man fragt sich so langsam, ob Kevin Spacey noch zwischen dem realen Leben und seiner Rolle als Frank Underwood in House of Cards unterscheiden kann - die Rede, die er in Edinburgh hielt, hatte viel vom Underwoodschen Pathos. Aber es war viel Wahres drin: "The audience wants the control! Give the people what they want!" Dem ist nichts hinzuzufügen. Amen!
hier geht's zur Rede

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Was den Rostocker Polizeiruf angeht, wiederhole ich mich gern: Buckow und König lassen einfach jeden Tatort alt aussehen. Auch "Zwischen den Welten" war wieder ein echtes Glanzstück. Andreas Guenther, der den stinkstiefeligen Poeschel spielt, hält sich zurzeit lieber fern vom feinen Berliner Trottoir: Passanten beschimpften ihn als Penner, warfen ihm Geld hin und wechselten die Straßenseite. Alles nur wegen seiner neuen Rolle in "Götz von Berlichingen", die von ihm Zottelbart und filziges Haar verlangt. Das war nicht nett, Berlin! Aber den passenden Spruch müsste er ja aus dem Götz kennen.

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Entschuldigung, es kribbelt so in der Nase, ich muss kurz....Hi-hi-hi-History! Wobei wir auch gleich beim Thema wären: Das zdfneo TV-Lab ist entschieden! Innovations-Alert? Eher nicht: In Serie gehen wird "Tohuwabohu" mit Ross Antony und Jeanette Biedermann. Prominente sollen sich auf Kinder stürzen. Den Armen bleibt auch nichts erspart. Soviel Erwachsenenkrampf gab es nicht mehr seit Kinderquatsch mit Michael!

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Gute Nachrichten für alle Danni Lowinski-Fans: Pit ist auch in der kommenden Staffel wieder dabei!


Und noch ein TV-Tipp zum Wochenende: "Was du nicht siehst", Samstag um 22.45 Uhr im WDR - mit Alice Dwyer (gerade noch im Polizeiruf gesehen) und Ludwig Trepte. Da kann also nicht viel schief gehen!

Donnerstag, 22. August 2013

Doc meets Dorf, Christine, Sekretärinnen: Alle Steinzeit - außer Mutti

Ich weiß. Es ist gemein, immer wieder US-Produktionen zum Vergleich heranzuziehen, wenn neue deutsche Serien laufen. Aber, aber, aber: Wie kann es sein, dass am neuen RTL Serien-Donnerstag gleich drei weibliche Hauptfiguren an den Start gehen, man aber nur eine davon halbwegs ernst nehmen kann? Ich hatte die Erwartungen ja schon auf Limbostangen-Niveau gesenkt und keine Carrie Mathison, keine Hannah Horvath, keine Peggy Olson, kein New Girl erwartet. Nur einen Hauch Komplexität und Credibility. Pustekuchen - in zwei von drei Fällen. Aber der Reihe nach:

"Doc meets Dorf" folgt wie ein Lemming dem "Trend", Städter auf dem platten Land drollig scheitern zu lassen. Was daran so spannend sein soll, wird sich mir als gebürtigem Landkind wohl nie erschließen. In meinen Flashbacks tauchen Schützen- und Feuerwehrfeste, Schnapsgelage und Fronleichnamsumzüge auf. Vor den Fertighäusern (hin und wieder wird eins zwangsversteigert) stehen heute mindestens zwei Autos im Carport, aber kein Mensch kann mehr Trecker fahren.

In deutschen Fernsehserien geht das so: Die in der Stadt gescheiterte, traumatisiert aufs Land reisende Frau hat grundsätzlich einen viel zu großen Rollkoffer dabei und trägt Stilettos. Beides dafür gedacht, früher oder später damit in einer Pfütze zu landen, um danach entrüstet und mit Gummistiefeln ausgestattet weiterzutraben. Zum Repertoire gehören auch der verschmähte Jugendfreund, jede Menge haariger Tiere und mindestens eine schrullige Alte. Überhaupt sind alle sehr schrullig und reden nur in Hauptsätzen. Die Landschaft ist schön, die Sonne scheint und es ist ja alles so toll grün.

"Doc meets Dorf" lässt nichts davon aus, fügt aber skurrilerweise eine um sich ballernde Chinesin hinzu. Inhaltlich spielt den konservativen Frauenbezähmern unserer Nation alles in die Hände: die geniale Chirurgin wird anders als geplant nicht vom genialen Chirurgen geheiratet und flüchtet trotzig nach Kanada (haha) in die brandenburgische Pampa. Man ahnt: nach einigen Irrungen und Wirrungen heiratet die ehemals Widerspenstige einen der lokalen Flanellhemdenträger - in diesem Fall den Nachbarn oder Tierarzt - und ist eins mit sich selbst. Nichts überrascht, nichts ist wirklich richtig lustig. Da hilft auch die ständige Flucherei wenig: Fritzi Frühling wird nicht mein Herbst-Liebling werden.

Mit "Christine - Perfekt war gestern" macht RTL dann schon sehr viel mehr richtig. Sie ist alleinerziehend (wie immerhin schätzungsweise 2,7 Millionen Deutsche). Für die Trennung von ihrem Ex, mit dem sie immer noch befreundet ist, gab es gar keinen besonderen Grund, außer dass beim Sex die Luft raus war. Auch das dürfte dem Gros der Zuschauer nicht unbekannt vorkommen. Sie hat sich in der Vergangenheit etwas gehen lassen und will das ändern - zum Beispiel indem sie nach Jahren wieder auf eine Party geht, ohne jemanden zu kennen. Diana Amft spielt das wie immer sehr überzeugend, mit großem Talent für Peinlichkeiten. Man könnte sich zwar fragen, ob sie aus der Bridget Jones-Schublade eines Tages wieder herausfindet - aber warum eigentlich, wenn sie es so gut macht? Die Dialoge (übrigens aus männlicher Hand, meine Damen) haben Tempo, die Pointen sitzen - hier passt alles!

Und vom "hier passt alles" zum "hier passt nichts" braucht es nur eine Werbeunterbrechung. "Sekretärinnen - Überleben von neun bis fünf" wirft uns zurück in die Steinzeit. Hallo ProQuote, was sagt ihr eigentlich dazu? Tagsüber wird über die Frauenquote in Deutschlands Vorstandsetagen diskutiert. Und abends schauen wir drei grenzdebilen Büro-Mäusen dabei zu, wie sie ihrem - wahlweise cholerischen oder sexistischen - Chef zuarbeiten und alles tun, damit er ja zufrieden ist? Da war das ZDF seinerzeit mit "Girlfriends" schon einmal weiter, denn da saß sogar ein Mann im Schreibpool (übrigens eine der ersten größeren Fernsehrollen von Benjamin Sadler).

Bei so viel Biederkeit wird doch der Prosecco ganz schal!

Montag, 12. August 2013

Schnauze Simon: Ja, aber bitte sofort!

Ich habe ja schon viel gesehen in meiner Fernsehbiografie, aber DAS hat mich dann doch für eine Weile in Schockstarre verfallen lassen: Sportmoderator Steffen Simon versuchte sich gestern in "Schnauze Simon" (WDR, nach der Sportschau) erstmals als Fußballsatiriker. Was an sich schon bekloppt ist, da das biedere Fußballgeschäft und Satire ungefähr so gut zusammenpassen wie Simon und seine neue Nerdbrille. Gibt es eine Steigerung von Fremdschämen? Man mag kaum darüber bloggen, aus Angst dass es ansteckend sein könnte! Ich weiß gar nicht was schlimmer war: Der ungelenke Versuch, die Promptertexte zu schauspielern? Die ausgedachten Schmähbotschaften in der Bauchbinde, die wohl demonstrieren sollten, was für ein frecher Hund dieser Simon ist? Die uralten Videoschnipsel, darunter Loddars Gestammel auf Englisch und eine Kuh mit Auffahrunfall? Hieße ich Magath, ich würde Simon zur Strafe Bergsteigen lassen - mit einem Rucksack voller Witzebücher.

Satire kommt übrigens, wie Lateiner behaupten, vom Wort "satira", das wiederum auf "satura lanx" zurückgeht: "mit Früchten gefüllte Schale". Stinkfrüchte sind damit sicher nicht gemeint. Daher: Ausdrücklicher Nicht-Guck-Befehl für "Schnauze Simon"!

(hier gibt's einen Ausschnitt aus dem Elend, anklicken auf eigene Gefahr!)

Montag, 5. August 2013

Shameless: Einmal Familienserie ohne Biedermeier, bitte!

Das ZDF plant ja angeblich eine Art deutsches Breaking Bad. Ich hätte eine viel bessere Idee: ein deutsches Shameless! Denn eine Familienserie, die derart in die Vollen greift, die keinen dreckigen Witz auslässt und zugleich so grundehrlich und kein bisschen zynisch daherkommt, dass es fast wehtut - das wäre die logische Fortsetzung, nachdem "Unser Charly" und "Forsthaus Falkenau" endlich rausgeflogen sind. Es dürfte zwar schwierig sein, einen deutschen William H. Macy zu finden, ein wahrer Sechser im Besetzungslotto. Den Rest könnt ihr einfach den Autoren überlassen - das kriegen wir hin!

Shameless wird von Showtime produziert, beruht auf einer britischen Serie des kongenialen Paul Abbott ("Hit&Miss", "State of Play") und zeigt eine alleinerziehenden Vater mit sechs Kindern, der seine Schecks lieber versäuft als sich um die Familie zu kümmern. Das klingt zwar düstern, ist aber sehr lustig und berührend. Die vierte Staffel ist inzwischen in der Mache.

 

Freitag, 2. August 2013

Finger weg von der Lindenstraße: Warum sie bleiben muss

Gerüchte gab es in den vergangenen Wochen ja schon einige, zum Sommerloch kochen sie nun wieder hoch: Die Zukunft der Lindenstraße kippelt. Mit Glück wird bis 2014 verlängert, vielleicht lässt sich der WDR auch noch bis 2015 breitschlagen. Ein klares Bekenntnis sieht anders aus - das hat die Serie als treues Pferd im Sendestall nun wirklich nicht verdient. Und das sage ich, obwohl ich eher zu den Spätberufenen zähle. Theoretisch hätte ich in den letzten 30 Jahren alle Folgen sehen können. Aber als Teen und Twen hat mich eine gewisse Muffigkeit abgeschreckt: Die Zimmer waren immer funzelig beleuchtet, die Tapeten fürchterlich altbacken, die Möbel aus dunklem Holz, alles ungemein erdrückend. Dr. Dressler, Else Kling und Gung fand ich unheimlich. Das Niveau der Schauspieler schwankte zwischen großer Bühnenkunst und kleinem Amateurtheater. Doch das hat sich geändert.

Irgendwann in den letzten drei Jahren hat sich der Knoten gelöst. Die Figuren wurden glaubwürdiger, die Schauspieler fanden in ihre Rollen: Die Buchstabs, Nina und sogar der gereifte Klausi Beimer sind eine echte Bereicherung mit glaubwürdigen Problemen, sogar die Rückkehr von Philipp Sperling hat weniger weh getan als gedacht. Die alte Garde der Beimers, Zenkers und Flöters schleicht sich langsam  aus. Das tut der Serie gut. Und dass die Schauspieler überhaupt Zeit hatten, sich warmzuspielen, liegt eben auch an der langen Laufzeit. Horizontales Erzählen - bei HBO-Serien liebt man es, in Deutschland gibt es das sonst kaum. Nur in der Lindenstraße dürfen Erzählfäden weitergesponnen werden, über Jahrzehnte. Und auch sonst ist die Lindenstraße moderner geworden: eine schöne Idee ist das Abspannton-Raten auf Twitter, und seit kurzem gibt es eine App um die Folgen zeitunabhängig zu sehen (sehr praktisch beim Kochen!).

Hier sollte die Lindenstraße dranbleiben: sich immer wieder neu erfinden, die Rollen mit Typen besetzen und die Geschichten glaubwürdig erzählen. Das Altbackene und Künstliche muss raus. Weg mit der Holzvertäfelung, lüften und Licht reinlassen. Der Tapetenwechsel ist in vollem Gange. Verlängerung bis 2020? Das wäre ein Deal!