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Freitag, 2. August 2013

Finger weg von der Lindenstraße: Warum sie bleiben muss

Gerüchte gab es in den vergangenen Wochen ja schon einige, zum Sommerloch kochen sie nun wieder hoch: Die Zukunft der Lindenstraße kippelt. Mit Glück wird bis 2014 verlängert, vielleicht lässt sich der WDR auch noch bis 2015 breitschlagen. Ein klares Bekenntnis sieht anders aus - das hat die Serie als treues Pferd im Sendestall nun wirklich nicht verdient. Und das sage ich, obwohl ich eher zu den Spätberufenen zähle. Theoretisch hätte ich in den letzten 30 Jahren alle Folgen sehen können. Aber als Teen und Twen hat mich eine gewisse Muffigkeit abgeschreckt: Die Zimmer waren immer funzelig beleuchtet, die Tapeten fürchterlich altbacken, die Möbel aus dunklem Holz, alles ungemein erdrückend. Dr. Dressler, Else Kling und Gung fand ich unheimlich. Das Niveau der Schauspieler schwankte zwischen großer Bühnenkunst und kleinem Amateurtheater. Doch das hat sich geändert.

Irgendwann in den letzten drei Jahren hat sich der Knoten gelöst. Die Figuren wurden glaubwürdiger, die Schauspieler fanden in ihre Rollen: Die Buchstabs, Nina und sogar der gereifte Klausi Beimer sind eine echte Bereicherung mit glaubwürdigen Problemen, sogar die Rückkehr von Philipp Sperling hat weniger weh getan als gedacht. Die alte Garde der Beimers, Zenkers und Flöters schleicht sich langsam  aus. Das tut der Serie gut. Und dass die Schauspieler überhaupt Zeit hatten, sich warmzuspielen, liegt eben auch an der langen Laufzeit. Horizontales Erzählen - bei HBO-Serien liebt man es, in Deutschland gibt es das sonst kaum. Nur in der Lindenstraße dürfen Erzählfäden weitergesponnen werden, über Jahrzehnte. Und auch sonst ist die Lindenstraße moderner geworden: eine schöne Idee ist das Abspannton-Raten auf Twitter, und seit kurzem gibt es eine App um die Folgen zeitunabhängig zu sehen (sehr praktisch beim Kochen!).

Hier sollte die Lindenstraße dranbleiben: sich immer wieder neu erfinden, die Rollen mit Typen besetzen und die Geschichten glaubwürdig erzählen. Das Altbackene und Künstliche muss raus. Weg mit der Holzvertäfelung, lüften und Licht reinlassen. Der Tapetenwechsel ist in vollem Gange. Verlängerung bis 2020? Das wäre ein Deal! 




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