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Montag, 16. September 2013

"Angezählt" in Wien: Bibi Fellner, die ungekrönte Queen of Tatort

Man konnte nicht hinsehen, aber man konnte auch nicht wegsehen: Der Wien-Tatort "Angezählt" ging an die Nieren. Das lag einmal mehr an Adele Neuhauser, die ihre Bibi Fellner so tieftraurig und zugleich so witzig spielt, dass sie für mich die ungekrönte Queen of Tatort bleibt. Die Quote von über neun Millionen Zuschauern: absolut verdient. Nicht nur, weil es bis zum Schluss spannend blieb. Oder weil das Thema Zwangsprostitution so schonungslos und direkt auf den Tisch kam wie in keinem anderen Tatort, der sich je daran versucht hat.  Es war ein bestimmter Blick auf die Dinge, der diesen Fall besonders machte. Klar, ehrlich und unsentimental. 

Ein zwölfjähriger Junge zündet eine Frau an - und für ein paar Minuten ist man geneigt, an einen Dummejungen-Streich mit bösem Ausgang zu denken. Doch es ist ein Auftragsmord für einen Zuhälter, den der kleine Ivo aus Angst um seine Mutter ausgeführt hat. Dass das Leben des Jungen, als illegaler bulgarischer Einwanderer ohnehin arm an Chancen, danach noch einmal gut werden kann, ist schwer vorstellbar. Spätestens als er am Ende den bösen Zuhälter erschießt, wird das Happy End utopisch. Das tut weh. Und wer leidet mit? Bibi Fellner, auch sie eine Heimatlose, von den Eltern früh verlassen. Nichts möchte sie mehr, als dass andere die Zuwendung bekommen, die sie selbst nie hatte. Sie hofft auf das gute Ende, wirft sich für die Schwachen in den Ring, als Rächerin der Ungeliebten - und weiß doch, dass es schwer wird. Für ihre Menschlichkeit musste sie diesmal viel Prügel einstecken, äußerst brutal und an der Grenze des Erträglichen. Aber Bibi ist noch lange nicht ausgeknockt. Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Dafür muss man sie einfach lieben.
 

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