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Mittwoch, 8. Januar 2014

Matt glänzend: Downton Abbey Staffel 4

+++ACHTUNG: Dieser Post enthält SPOILER zur dritten und vierten Staffel Downton Abbey - wer sie noch nicht gesehen hat, liest jetzt besser nicht weiter.+++


Oh mein Gott, Matthew! Ganz England verfiel nach dem Christmas Special 2012 in Schockstarre. Der smarte Mr. Crawley kam auf der Rückfahrt aus dem Krankenhaus bei einem Autounfall ums Leben, nachdem er just seinen frisch geborenen Sohn bewundert hatte. Schwer vorstellbar, dass die vierte Staffel ohne Matthew jemals so gut werden könnte wie zuvor. Und doch - es funktioniert. Sehr gut sogar.

Diese Staffel gehört den Frauen. Denn hier liegt eine große Stärke von Autor Julian Fellowes: Er kann sich in weibliche Charaktere hineinfühlen und gibt ihnen Raum zum Atmen. Natürlich muss er den Faden wieder aufnehmen und die trauernde Mary zeigen. Aber er lässt sie nicht darin ertrinken: Schnell gibt er ihr neue Aufgaben, und auch neue Verehrer stehen bald auf der Matte. Doch noch entscheidet sie sich weder für den smarten Mr. Gillingham noch für Mr. Blake, der vieles mit Matthew gemeinsam zu haben scheint. Hier wird sich in Staffel 5 sicher einiges tun.

Besonders übel mitgespielt wird diesmal Anna, die im Dienstbotentrakt vergewaltig wird, während die anderen Bewohner und Kollegen weiter oben einer Gesangsdarbietung von Nelly Melba (Kiri Te Kanawa) lauschen. Kaum auszuhalten, wie in dieser Szene Annas Schreie und die Stimme der Sopranistin ineinander geschnitten werden. Anna wird noch lange unter diesem Trauma leiden, zumal sie mit Bates keinen besonders berechenbaren Charakter an ihrer Seite weiß - was wird er tun, wenn er den Täter findet?

Dass Edith in dieser Staffel mehr Szenen bekommt, hatte ich erwartet - nicht hingegen, dass sie ein zweites Mal in einer Warteschleife gefangen sein würde. Nach der gefloppten Heirat mit Sir Anthony Strallan ist es nun Michael Gregson, der gewollt oder ungewollt ein Happy End verhindert. Nur hat dies diesmal größere Konsequenzen, die Edith erwachsen werden lassen.

Auch die anderen Charaktere sind wie immer liebevoll gezeichnet: Daisy klärt ihr Verhältnis zu Alfred, Mrs. Hughes und Carson stützen sich gegenseitig (und bekommen ein zauberhaftes Schlussbild), Thomas intrigiert auf bewährte Art und Weise und Mr. Molsley wird - obwohl er sich höchst ungeschickt verhält - von allen mitgezogen. Rose McClare testet ihre Grenzen aus und bandelt mit dem farbigen Sänger einer Jazzband an. Nur Tom Branson wirkt seltsam unentschlossen. Er schwankt zwischen Bleiben oder Gehen, fühlt sich mal zugehörig, dann wieder nicht. Auch sein Anbändeln mit einer Lehrerin wirkt eher leidenschaftlos. Vielleicht ist Fellowes bei der Vielzahl seiner Charaktere hier einfach die Luft ausgegangen. Es sei ihm verziehen.

Nicht zuletzt überzeugt die vierte Staffel auch optisch. Sei es durch die wie immer liebevolle Wahl der Kostüme (man beachte Ediths Abendgarderobe, als sie sich mit Gregson im Restaurant trifft) oder die Darstellung von Festen, Bazaren und Empfängen. Einmal geht es sogar vor den Thron des Königs. Ich verbeuge mich: vor dem Ideenreichtum, der Wärme und der Liebe zum Detail, den auch die 4. Staffel wieder mit sich bringt. Die großen Dramen bleiben aus. Aber auch so macht es Spaß, den Granthams einfach beim Leben zuzusehen.

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