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Freitag, 21. Februar 2014

Gewalt in TV-Serien: Wo ist das Limit?

Anders als sonst gibt es heute keine Freitags-Flusen. Das liegt daran, dass mich seit Tagen schon ein Thema umtreibt. Wie viel Gewalt tut dem fiktionalen Erzählen im Fernsehen gut? Dreimal bin ich in den letzten Wochen aus dem Zimmer gegangen, weil ich Gewaltszenen nicht ertragen habe. Bei einer davon wurden mir sogar die Knie weich. Vielleicht wird man mit der Zeit dünnhäutiger. Das kann natürlich sein. Vielleicht gibt es aber auch einen leisen Trend zur minutiös genauen Darstellung von Brutalität - oder sogar eine neue erzählerische Lust daran. Beispiele? Bitte sehr.

In der britischen Serie "Good Cop" wird ein Polizist zum Serienkiller, weil er den Tod seines Kollegen rächen will. Diese Kollege wird gleich zu Beginn derart brutal gequält und zusammengeschlagen, dass sich mir der Magen umdrehte. Nicht nur die Länge dieser Szene war kaum auszuhalten, auch die Geräusche und die Details. Muss man wirklich sehen, wie einem fast toten Menschen noch einmal mit aller Gewalt vor den Kopf getreten wird? Braucht die Geschichte das wirklich, oder wäre sie nicht durch Andeutungen und Aussparungen noch stärker? Was bewegt mich in diesem Moment mehr: der Ekel oder die dramatische Spannung?

Auch die zweite Staffel "Boardwalk Empire" lässt in dieser Hinsicht nicht viel aus - und das selbst in den Folgen, die nicht erst ab 18 empfohlen werden. Brennende Menschen brennen sichtbar. Hälse werden langsam und fast genüsslich durchgeschnitten. Ein Knastinsasse wird verprügelt und ebenfalls mit Tritten auf den Kopf getötet. Wie anrührend erzählen die Autoren dagegen die Figur des Kriegsinvaliden, der im Gefecht sein halbes Gesicht verloren hat. Er trägt dort, wo eine Lücke klafft, eine gespenstische Maske. Wie es passiert ist, bleibt der Phantasie überlassen, und die kann ja oft schon schrecklich genug sein. Bei allem Lob: Auch den Köln-Tatort "Franziska" habe ich nicht bis zum Ende ausgehalten. Am Schluss habe ich nur noch die Twitter-Timeline verfolgt, und konnte trotzdem nicht schlafen.

Geht das nur mir so? Ich will mich entspannt auf die Geschichte einlassen, und nicht vor Schreck vom Sofa fallen. Ich will selbst entscheiden können, wie tief ich in den Abgrund schaue. Gebt mir mein Kopfkino zurück!

1 Kommentar:

  1. Ja, früher konnte man noch miträtseln und es ging nicht nur noch um Gewaltverbrechen. Heute werden Probleme nicht mehr mit Kopfarbeit, mehr mit Kopfschüssen (möglichst blutig) gelöst. Kennst du JAG bzw. denn Nachfolger NCIS? JAG mochte vielleicht actionlastig gewesen sein, war aber noch recht anspruchsvoll. NCIS geht es nur noch darum das es an Anfang eine Menge X an Leichen gibt, die Suche nach dem Mörder ist aufgrund 08/15-"unerwartete Wendung" vorhersehbar. NCIS LA setzt noch einen drauf, in dem der Fall nochmal mit Waffengewalt gelöst wird.

    Um auf denn Punkt zu kommen, Heimkino für die geistige Unterschicht, Soupopera mit Blut halt.
    Dafür zahlt man GEZ, um sich traumatisieren zu lassen;)

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