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Freitag, 11. Juli 2014

House of Cards Staffel 2: Die Verwandlung der Claire Underwood

+++Achtung: Spoiler!+++


Schon nach der ersten Staffel war klar: Frank Underwood (Kevin Spacey) ist noch längst nicht da angekommen, wo er hinwill. Daran, dass er für seine Ziele vor nichts zurückschreckt, ließ er keinen Zweifel. Den armen Peter Russo beförderte er ins Jenseits und ließ es wie den Selbstmord eines Alkoholikers aussehen. Aber dass er auch Zoe Barnes aus dem Weg schaffen würde: Das hatte man vielleicht insgeheim befürchtet, aber doch nicht erwartet. Und doch kommt es so. Ein Treffen in einer U-Bahn-Station, ein kleiner Schubs, und weg - was mal eine heiße Affäre war, endet als tragische Schlagzeile in den Medien.

Aufmarsch der Zinnsoldaten
Underwood klettert weiter auf der Leiter und zeigt, wie viele Facetten eines Intriganten in ihm stecken. Er verführt die Leute, wiegt sie in Sicherheit und wendet genau das dann im nächsten Atemzug gegen sie. Sein liebster Schachzug: Er sagt einfach die Wahrheit. Frei nach dem Motto: "Ja, ich habe Mist gebaut. Entlassen Sie mich, sofort." Sein Gegenüber beschämt er damit und macht es zugleich handlungsunfähig. So kriegt er am Ende, was er wollte: Mehr Macht denn je. Der Präsident lässt Federn und steht wie ein gerupftes Huhn da. Doch eine Frage bleibt ungeklärt: Was will Underwood mit der neuen Macht anfangen? Hat er eine Vision, ein Ziel - oder ist es nur ein Spiel um der Macht willen, so wie er seine Zinnsoldaten auf einem Strategiebrett hin- und herschiebt? Das macht seine Figur auf Dauer etwas ermüdend und anstrengend.

Die Eiskönigin taut auf
Viel spannender ist, was mit seiner Frau Claire passiert. Anfangs noch kalt wie Eis, beginnt ihr Panzer nach und nach zu bröckeln. Sie lügt in einem Interview über eine Abtreibung und schiebt eine Vergewaltigung durch den General McGinnis vor. Die wiederum hat es wirklich gegeben. Fortan verbeißt sich Claire in einer Anti-Belästigungs-Kampagne, für die sie eine junge Ex-Soldatin, die ihr Schicksal teilt, zur medialen Mitarbeit überredet. Auch ihr Ex-Geliebter Adam Galloway wird in den Strudel der Berichterstattung über Claire hineingezogen. Beide werden Spuren davontragen. Und schließlich scheint auch Claire einzusehen, dass sie zu weit gegangen ist.

Remy in love with Jackie
Charmant und überzeugend erzählt: Die Lovestory zwischen der Kongressabgeordneten Jackie Sharp und Lobbyist Remy Danton, dem man zu ersten Mal echte Gefühle abkauft. Aber ob das stimmt? Man weiß in der zweiten Staffel eigentlich bei niemandem mehr, woran man wirklich ist.

Ich habe jedenfalls ein neues englisches Wort gelernt: subpoenaed (vorgeladen). Vor Gericht befragt und vorgeladen werden in der zweiten Staffel sehr viele Menschen. Diese oft sehr statischen Szenen lassen die Folgen manchmal leicht muffig und schwer wirken. Fazit: Viele Finten, viele Twists. Wenig Bewegung, Tempo und Witz. Und ein ganz klein wenig Romantik.

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