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Montag, 4. April 2016

Staffelfinale bei Mad Men und Dowton Abbey: Über die Kunst, ein gelungenes Serienende zu schreiben

Kennt ihr das? Man traut sich kaum, die DVD einzulegen oder den Streamingdienst anzuwerfen, weil man weiß: Es ist das Ende. Noch ein paar Folgen, dann muss man sich für immer von ihnen verabschieden. Von den Lieblingsfiguren, mit denen man so viel Zeit verbracht hat. Mit denen man sich verliebt, gefürchtet, gefreut hat. Klar, man kann sich die alten Folgen immer wieder ansehen. Aber man wird nichts Neues erfahren. So ein Serienende ist wie ein kleines Sterben. 

Aber man will ja im Guten auseinandergehen, und deshalb ist es umso tröstlicher, wenn sich die Macher für die letzten Episoden viel Mühe geben. Für "Mad Men" kann man das ohne Abzüge behaupten. In der letzten Staffel sind wir in den frühen Siebzigern angekommen, und dass es Zeit für einen Abgesang wird, zeigt sich schon rein optisch: Von der Eleganz der Anfangstage ist nicht mehr viel zu sehen. Den Style bestimmen schrille Muster, die wir nur noch von Omas alter Gardine kennen. Schaut mal hier. Sterling Cooper hat seine besten Tage hinter sich und wird von McCann aufgekauft.

Don Draper: der Roadtrip eines Getriebenen
Was für Don und seine Kollegen wie ein Neustart aussieht, entpuppt sich schnell als Farce: Die Werber verschwinden im Agentur-Moloch und damit in der Bedeutungslosigkeit. Herrlich skurril die Szene, in der Roger Sterling in den leer stehenden früheren Agenturräumen auf einer Elektro-Orgel spielt und Peggy Olson dazu Rollschuh fährt. Die alte Zeit ist vorbei und nur noch für Clownerien gut. Aber der Aufbruch ist für fast alle Figuren auch eine Initialzündung: Don verlässt wortlos ein wichtiges Meeting und fährt einfach los, um sich selbst zu finden. Was er nach vielen Irrungen auch tut. Vielleicht. Joan Holloway stellt sich auf eigene Füße und gründet selbst eine Firma, damit sie endlich die Bedingungen bestimmen kann. Pete Campbell wird reich und kehrt zu seiner Frau zurück, Roger Sterling heiratet mal wieder, und auch Peggy findet die Liebe.



Selbst Betty Draper, inzwischen todkrank, gelingt es, ihren vermutlich letzten Monaten noch einen Sinn zu geben. Hier gibt es keine losen Enden. Jede Figur ruckelt an den passenden Platz, und doch ist es kein "sie leben glücklich bis an ihr Ende". Wir sehen nur eine Momentaufnahme aus ihrem Leben, das für eine Weile in der richtigen Spur läuft. Wie es sich weiterentwickelt wird, ist schwer zu sagen - es werden sicher auch wieder graue Wolken aufziehen. Doch für den Moment ist alles in Balance. So wie Don, der im letzten Bild lächelnd auf einem Hügel unter Hippies meditiert. Die Idylle blendet über in den legendären Coca-Cola Hilltop Spot aus dem Jahr 1971. Eine Kreativ-Idee von Don, die Wirklichkeit wurde? Wer weiß.

Downton Abbey gönnt sich ein Finale mit Zuckerguss
Ganz anders hält es Chefautor Julian Fellowes in der letzten Staffel von Downton Abbey. Am Ende greift er noch einmal ganz tief in die Romantik-Kiste und streut ordentlich Puderzucker drüber. Aber er ist schließlich auch in der Pflicht: hat er den Zuschauern doch schließlich einiges zugemutet. Den tödlichen Autounfall von Matthew, dem Mann von Mary Crawley (Michelle Dockery), die seitdem als blasse Witwe durch die Folgen geisterte. Die unzähligen missratenen Liebschaften von Lady Edith (Laura Carmichael), der man endlich auch einmal ein bisschen Glück wünschte.



In der letzten Staffel wird keiner zurückgelassen. Mary findet ein neues Glück - ausgerechnet mit einem Rennfahrer. Edith bandelt mit Bertie Pelham an und heiratet ihn in der unvermeidlichen Christmas Episode - nachdem sie ihm zuvor endlich ihr uneheliches Kind gebeichtet hat. Carson muss zwar als Butler abtreten, ist aber inzwischen mit Mrs. Hughes verheiratet und findet in Thomas einen passenden Nachfolger, der anderswo nie Fuß fassen konnte. Lady Grantham steigt zur Leiterin eines Hospitals auf, und sogar der trottelige Mr. Molesley findet seine Berufung: als Dorfschullehrer. Das alles ist natürlich arg märchenhaft geraten. Aber da die Serie in Großbritannien in der dunklen Jahreszeit läuft, sei es verziehen. Nach der letzten Folge weiß man dann zumindest: Es ist endgültig vorbei. Und so ist es jetzt auch gut.

Was nicht gut ist? Das Team von "The Good Wife" scheint gerade die letzten Folgen zu drehen...
Ein von Alan Cumming (@alancummingsnaps) gepostetes Video am